Archiv für August 2008

Datenantifa hackt Blood & Honour

Es darf gelacht werden! Der Datenantifa gelang es kürzlich das virtuelle Nazi-Netzwerk von Blood & Honour auszuhebeln. Die Daten stehen nun auf Indymedia (http://de.indymedia.org/2008/08/225641.shtml) zum freien Download bereit, inklusive Bildern, versteckter Foren und privater Nachrichten.

Dies ist der bisher größte Erfolg der Datenantifa und führt bei uns, wie vermutlich auch bei den Bullen, zu jedermenge neuen Erkenntnissen und bei den Kamerad_innen zu Ärger, jeder Menge Angst und sicherlich auch Zoff, denn in den versteckten Foren wurde auch gern mal gelästert.

Also macht euch ein Sterni auf, ladet euch die Daten und genießt 800 MB reinste Comedy…

Nazi-Demonstration in Zittau

Am Nachmittag des 24. August marschierten wieder 40 Faschist_innen in Zittau um das Gedenken an ein in Leipzig ermordetes Kind für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen.

Wie schon in Leipzig sollen sich mehrere Bürgis dieser Demonstration angeschlossen haben, wieder wurde mit Sprechchören eine Todesstrafe für Kinderschänder gefordert. Auch die Sächsische Zeitung lies wieder mangelnde Diffenzierungsfähigkeit erkennen und berichtete von „40 Jugendlichen“.

Eine gefährliche Situation wenn sich Bürgis und Medien von dieser grausamen Gewalttat verblenden lassen für die krankhaften Ziele der Nationalidioten. Dabei wäre ihnen doch vermutlich die Todesstrafe für jede Minderheit oder reale bzw. konstruierte Personengruppe (außer sie selbst) als Vorläufer für ein neues, totalitäres Deutschland recht – so nutzen sie jede Gelegenheit zur Hetze die sie nur bekommen können. Ein ähnliches Verhalten konnte mensch schon nach der Ermordung des 19 jährigen Kevin im April beobachten – wer die Nachrichten seit dem verfolgt hat sieht, dass die Rechten in Deutschland seit dem wieder wesentlichen offensiver agieren.

Besonders verachtenswert ist diese Heuchelei von Mitgefühl besonders dann, wenn mensch sich die jüngsten rassistischen Gewalttaten in Sachsen in Erinnerung ruft, wenn mensch bedenkt wieviele Menschen aus dem linken Spektrum oder mit Migrationshintergrund schon in jungen Jahren von rassistischer Gewalt betroffen sind. Aus diesem Blickwinkel wird ganz offensichtlich klar, dass diese Faschist_innen kein bisschen Mitgefühl oder Achtung vor dem Leben, sondern nur einen riesen Haufen rassistische Scheiße im Kopf haben.

Und auch jenseits dieser politischen Debatte kann eine Todesstrafe niemals in Frage kommen, da sie nichts anderes als blinden Hass und Stumpfsinnigkeit zum Ausdruck bringt. Auf dem Weg zu einer repressionslosen Gesellschaft muss jeder Ruf nach Todesstrafe als eine der schlimmsten Repressionen in jedem Fall bekämpft werden.

Faschismus bekämpfen – überall!

Nazi-Demonstration in Pirna

„Am späten Abend des 23. Augusts demonstrierten 100 Nazis durch Pirna. Sie skandierten „Todesstrafe für Kinderschänder“ und trugen Kerzen und Fackeln mit sich. Diese Aktion stand vermutlich in Zusammenhang mit dem Tod der 8-jährigen Michelle aus Leipzig. Auf der Spontandemo waren auch Mütter mit ihren Kindern. Anwohner_innen, die sich der Demo anschliessen wollten, waren jedoch nicht zu sehen. Viele weitere Nazis zogen in Kleingruppen durch die Stadt oder fuhren mit ihren Autos herum, sodass sich die Zahl der an diesem Tag aktiven Nazis auf insgesamt 150 belief. Die Polzei konnte den Nazis nichts entgegensetzen. Sie sperrte sogar noch Strassen für den nationalen Mob ab. Ob es auch zu Übergriffen auf Linke kam, ist zur Zeit noch nicht bekannt.

Das letzte Mal, als Nazis eine Demo organisierten, hielten sie einen Trauermarsch für den verunglückten NPD-ler Uwe Leichsenring ab. Sein Todestag jährt sich am 30. August zum zweiten Mal. Mit der Demo am Samstag zeigt sich, dass die Nazis immernoch schnell mal 100 bis 150 Menschen mobilisieren können. Es sind also auch Aktivitäten am 30. August zu erwarten. “

weitere Infos auch auf http://a2p.antifa.net

Quelle: http://de.indymedia.org/2008/08/225316.shtml

Besetzungsperspektiven

Offene Hausbesetzung in der Krise von W.M.

Allgemein ist Hausbesetzung mit dem Ziel das Haus auch zu behalten heute eher ein Mythos aus alten Tagen geworden. Die wenigsten offenen Inanspruchnahmen werden noch mit der ernsthaften Intention im Gebäude bleiben zu wollen ausgerichtet.

Meistens hört mensch von älteren Aktivistis Sätze wie „Die Zeiten der Hausbesetzung sind vorbei.“ oder ähnliches, nach der Repression und den brutalen Räumungen in den 80er und 90er Jahren und dem was von den ehemals besetzten Häusern übrig geblieben ist, ist bei vielen die Resignation groß. Auch hat sich in den meisten größeren Städten die „Berliner Linie“ (Räumung durch die Polizei ohne Verhandlung innerhalb der ersten 24h) eingebürgert. Auch die technischen Möglichkeiten der Polizei haben sich zu Ungunsten der Aktivistis verbessert.

Hinzu kommt die veränderte Lage in den größeren deutschen Städten, die meisten Innenstädte sind saniert und erschlossen, vorallem in Westdeutschland gibt es immer weniger nutzbaren Leerstand.

All diese Faktoren führen zu einer Stagnation bzw. einer Defensivhaltung in der Hausbesetzungbewegung (welche als solche gefährdet ist). Offene Besetzungen kommen nur noch selten mit ernsthafter Intention eines langfristigen Projektes zu stande.

Derzeitiger Nutzen

Abseits von Träumen und Hausbesetzungsromantik eignet sich die „Aktionsform“ Besetzung immer noch als praktisches Kampfmittel der Bewegung. So sind z.B. stille Besetzungen immer noch zum Wohnen, für Plena und kleinere Arbeiten (wie Transpis malen) sinnvoll. Auch Scheinbesetzungen lassen sich weiterhin vielseitig einsetzen, sei es um Polizeikräfte zu binden, Bürgis auf verschiedene Themen aufmerksam zu machen und und und… Auch Wohnungs- und Flächenbesetzungen haben nicht viel an Wichtigkeit im politischen Kampf eingebüst.

Auch die offene Besetzung ist durchaus noch von Nutzen, allerdings haben sich ihre Einsatzgebiete gewandelt. Offen besetzt wird heute eher wenn es darum geht medienwirksam zu aggieren, Behörden, Firmen etc. zu stören o.ä.

Doch die letzten Tage der offenen Besetzung sind noch nicht gezählt – in ländlichen Räumen haben sie durchaus noch Erfolgsaussichten – grade in Regionen in denen sich die Gemeinden vor Leerstand sowieso nicht retten können. Auch eine immer wieder durchgeführte Besetzung kann die Behörden irgendwann dazu bringen lieber zu verhandeln.

Ausblicke = Lichtblicke?

Meiner Meinung nach kann sich eine Hausbesetzungszene durchaus wieder entwickeln, offene Besetzungen könnten wieder möglich werden. Dafür wäre allerdings eine Menge Engagement nötig. Lichtblicke gibt es durchaus – das Themenfeld „Freiräume“ wird durch verschiedene Aktionstage wie z.B. die european-squatting-days und der „Wir bleiben alle!“-Kampagne immer wieder aktualisiert und auch in bürgerliche Medien transportiert. An einer gesetzlichen Wandlung in Form eines Zwischennutzungsgesetzes (ähnlich dem in Holland) wird seit einer Weile an verschiedenen Stellen gearbeitet. Andrerseits ist auch nicht zu bestreiten, dass die aktuelle Strafverfolgung von Hausbesetzer_innen teilweise erschreckende Ausmaße annimmt.

Ein Weg zu einer stärkeren Bewegung wäre sicherlich eine regelmäßige Nutzung von Gebäuden und eine breitflächige Thematisierung von Stadtentwicklung, der Sinnlosigkeit vieler Leerstände und der Vorteile autonomer Zentren für die Bevölkerung.

Nazis. Anarchismus und Perspektiven im ländlichen Raum

Nazis. Anarchismus und Perspektiven von W.M.

Dieser Artikel ist ein Vorläufer zu einem umfassenderen Text welcher sich mit der Entstehung und Festigung rechter Strukturen im ländlichen Raum befassen soll. Die Fortsetzung ist ca. in einem Monat zu erwarten.

In den letzten Wochen wurden Menschen in Dresden wieder verstärkt Opfer von rechten Über- und Angriffen. Die Rechte im sächsischen Raum erstarkt spürbar und lässt andere politische Schwerpunkte linker Arbeit zunehmend in den Hintergrund treten. Der antifaschistische Kampf wird dabei leider immer noch fast ausschließlich in den Städten geführt und nicht dort wo rechtes Gedankengut am meisten verbreitet wird – auf dem Land.

Dabei gibt es auf dem Land auch für anarchistische Menschen eine Menge Potential für politische Arbeit.

Ländlicher Raum – Ungefördertes Potential

Das Potential ergibt sich zum einen aus dem Drang vieler Jugendlicher heraus, etwas zu verändern. In vielen Dörfern und Städten im Osten Sachsens gibt es allerdings einfach keine anderen, sich als revolutionär verstehenden (bzw. in diesem Fall eher ausgebenden) , Strukturen als die der rechten Organisation. Junge Menschen mit Drang zum Umsturz der vorherrschenden Verhältnisse werden von Nazis (welche sich an diese Umstände mit ihrem neuen Style gut angepasst haben) mit Schlagwörtern wie „Freiheit“, „Kameradschaft“ (ersetzt die Solidarität), „Autonomie“ (hier wird der Begriff z.B. in einen territorialen Kontext gestellt) usw. angelockt. Die Besetzung linker Themenfelder, Schlagwörter und Symbole ist dabei nicht einfach nur ein guter Werbe-Gag sondern sogar eine Notwendigkeit da sich mit der altrechten Schiene lange nicht genug Menschen anwerben lassen könnten um wirklich aktionsfähig zu sein.

Die Vermutung liegt nahe, dass viele junge Menschen sich eine ganz eigene, etwas verworrene, Interpretation ihrer politischen Szene herleiten die im wesentlichen eher zur linken als zur rechten Richtung tendiert – diese Vermutung wird durch das Auftreten von Querfront-Gruppen, Autonomen Sozialisten usw. bestärkt. Ich persönlich würde sogar behaupten, gäbe es auf dem Land mehr linksradikale Strukturen – so würde die rechte innerhalb kürzester Zeit einen großen Teil ihrer neu gewonnenen Anhänger_innen an diese verlieren. Fest steht: In dieser Gesellschaft haben jüngere Menschen ein höheres Rebellions- und Revolutionspotential, wenn es keine linksradikalen Anknüpfungspunkte gibt, so wird ein großer Teil der Leute eben zu den rechtsextremen Gruppen gehen. Was ich sagen will wird sicher deutlich: Wir brauchen mehr antifaschistisch-emanzipatorische Strukturen auf dem Land!

Linkes Denken etablieren – Aber wie?

Viele reden von den ländlichen Regionen Sachsens als wären sie schon so, wie sie die NPD gerne hätte – national-befreite Zonen. Das sind sie allerdings in der Regel nicht. Von 5 Leuten die NPD wählen, wählen 4 Menschen aus reiner Dummheit. Dies liegt zum einen an einem zum Teil mehr als bedenklichen Bildungsgrad, zum anderen aber auch an Desinformation über die NPD an sich.

Trotzdem reicht das Bild, welches in der linken Szene von diesen Orten vermittelt wird offenbar aus, um sie politisch absolut uninteressant für die meisten Aktivisitis zu machen. Dazu kommt noch der Fakt, dass auf dem Land einfach nicht viel los ist – ergo den meisten einfach zu langweilig.

Dabei zeigen Erfahrungen in der Sächsischen Schweiz und im Risaer Umland durchaus, dass mensch einiges verändern kann – zum Beispiel mit kollektiver Kinderbetreuung Workshops usw.. Natürlich sollte mensch seinen Mitmenschen Zeit lassen, jede_r ist immerhin irgendwie sozialisiert, wurde Jahre lang mit irgendwelchen Mist erzogen und die wenigsten sind als Super-Anarch@s geboren worden. Viele wollen anklopfen und treten die Tür ein – um mal sinnbildlich zu werden. Natürlich sind in einem kleinbürgerlichen Weltbild Begriffe wie „Anarchie“, „Kollektiv“ usw. anders belegt als bei uns, deswegen lohnt es sich in Diskussionen diese Schlagwörter zu umgehen.

Fakt ist jedenfalls, dass außerhalb der größeren, sächsischen Städte Häuser und Höfe für geringe finanzielle Mittel verfügbar sind und soziale bzw. kulturelle Angebote von der Bevölkerung meist dankbar angenommen werden. Solche Angebote schaffen enorme Möglichkeiten zum politischen Dialog und zur Emanzipation. Es ist sehr traurig, dass die Faschist_innen dieses Potential weit besser zu nutzen wissen als linksradikale Strömungen.

Eine weitere Perspektive ergibt sich aus Zusammenschlüssen von anarchistisch-denkenden Menschen abseits der „normalen“ politischen Themen. Diese bieten zum einen die Möglichkeit umfassendere, anarchistische Positionen auszuarbeiten und zum anderen die Aussicht an unerwarteten Stellen Personen zu politisieren. Schlussendlich lässt sich damit der rechten Strömung die Vorherrschaft über ganze Themenfelder entreissen.

Dies klingt jetzt vermutlich recht wage, deshalb ein Beispiel:
Mehrere Anarch@s interessieren sich für Botanik, Geologie, Geschichte etc. – also Themen die im ländlichen Raum durchaus auf Interesse stoßen. Sie gehen also ihrem Hobby nach und arbeiten einen Vortrag oder ähnliches aus und bieten diesen in verschiedenen Gemeinden an. Auf die Veranstaltungswerbung schreibt mensch dann einfach einen fiktiven Namen der unauffällig aber bestimmt auf den politischen Kontext hinweist. Mensch hält den Vortrag und erklärt z.B. anschließend die politische Intention des Zusammenschlusses, bindet politische Positionen sacht in den Vortrag ein o.ä. – damit bricht mensch in der Bevölkerung das Klischee vom bombenwerfenden Chaoten (dessen Intellekt sonst nur zum Schnorren und Pöbeln reicht), schafft eine positive Assoziation und damit eine Grundlage für einen weniger voreingenommenen Dialog.

Selbiges funktioniert natürlich auch mit Themen wie Pädagogik, Kunst und und und.

Fazit:

Es gibt noch lange keinen Grund die ländlichen Regionen aufzugeben, im Gegenteil da ist noch viel zu holen – wenn mensch sich nur die Mühe machen würde.

Ich freu mich wie immer auf Kritik und Diskussion.

Anarchia-Poster

Anarchia von W.M.

Bei Bedarf kann ich das Bild auch in einer Auflösung von 1266 × 2462 Pixel liefern (entspricht in diesem Fall 18 × 35 cm).

Grafik: Keinen Fuß breit…

Keinen Fuß breit… von W.M.

Tjaja die Langeweile… auf dem Hintergrundbild seht ihr anarchistische Widerstandskämpfer_innen im spanischen Bürgerkrieg.

Brandanschlag und Solidarität in DD

Nach dem rassistisch-motivierten Brandanschlag, welcher am 12. August auf ein Blumen- und Gemüsegeschäft in Dresden-Striessen verübt wurde, fanden sich am 22. August mehrere Antifaschist_innen zusammen um bei den Aufrümarbeiten zu helfen. Die Betroffenen bedankten sich für die praktische Solidarität.

Weiterlesen:

Bericht zum 12. August mit kleinem Pressespiegel:
venceremos.antifa.net/ddneonazis/uebergriffe/120808brandanschlag_dresden.htm

Artikel zur Spontandemonstration nach dem Anschlag:
de.indymedia.org/2008/08/224508.shtml

Artikel zur Aufräumaktion:
de.indymedia.org/2008/08/225114.shtml?c=on#c520849

Lyrik: Mahnung der Gefallenen

Mahnung der Gefallenen von Erich Mühsam

Aus allen Gräbern der gefallenen Brüder
klopft das Gebein herauf: wir liegen wach
und horchen, was ihr treibt. Doch immer müder
wird euer Kampf. Selbst euer Wort klingt schwach.
Habt ihr uns dazu weinend eingegraben,
mit roten Schleifen unsre Gruft geschmückt,
daß unsre Mörder gute Tage haben
und daß die Faust, die uns erschlug, euch drückt?
Wir starben in dem Kampf, den zu gewinnen
wir euch mit unsrem Tode auferlegt.
Ihr schwurt uns Sieg. – Wollt ihr euch noch besinnen,
bis euch das Alter in die Grube fegt?
Kränkt euch nicht mehr das Elend und der Hunger?
Beugt ihr euch wieder willig unters Joch?
Schläft euer Geist? Und warum reißt kein junger,
kein starker Arm ihn zur Empörung hoch?
Genossen, schämt euch. Ihr seid klug geworden.
Wir kämpften. Ihr bedenkt, erwägt, bemeßt.
Die Feinde knechten euch; sie strafen, morden -
ihr unterhandelt, ihr erhebt Protest!
Ihr sitzt am selben Tisch mit ihresgleichen
und feilscht im Rat. – Sie handeln, ihr stimmt ab.
Sie bringen Jahr für Jahr uns frische Leichen; -
ihr bringt uns jährlich frisches Grün ans Grab. -
Die Waffen mögt ihr, nicht Protest erheben!
Dem Volke dient – euch selbst – doch nicht dem Staat!
Nicht kluger Vorsicht – weiht dem Kampf das Leben!
Statt weicher Eide leistet harte Tat! …
Wir Toten liegen wach, doch ihr treibt Possen.
Erfüllt, was unser Tod von euch begehrt!
Erkämpfet uns die ewige Ruh, Genossen!
Rächt uns! Befreit die Welt! Heraus das Schwert!

Lyrik: Gesang der jungen Anarchisten

Gesang der jungen Anarchisten von Erich Mühsam

Freiheit! mahnt es aus den Grüften,
die der Vorzeit Kämpfer decken.
Freiheit! lockt es aus den Lüften,
die der Zukunft Stürme wecken.
Daß aus Ahnung Freiheit werde,
haltet, Künftige, euch bereit.
Reinigt die entweihte Erde -
helft ans Licht der neuen Zeit!

Freie Menschen sollen wohnen,
wo gequälte Sklaven schleichen,
Menschen, die aus allen Zonen
Gruß und Trunk einander reichen.
Von Gesetzen nicht gebunden,
ohne Herrn und ohne Staat -
frei nur kann die Welt gesunden,
Künftige, durch eure Tat!

Jugend, sammle deine Scharen,
kämpfend Zukunft zu erstreiten.
Wer das Leben will erfahren,
lasse sich vom Tod begleiten.
Künftige! Im heiligen Ahnen
lechzt die Welt nach Glück und Licht.
Mahnend wehn die schwarzen Fahnen:
Freiheit ist der Jugend Pflicht!

Statement: Bekenntnis und Absage

Bekenntnis und Absage von W.M.

Ich will Anrchie, weil ich Herrschaft als etwas furchtbares, verachtenswertes kennengelernt habe. Ein Sache für die es keine Entschuldigung geben darf und die ich aus tiefstem Innern hassen muss.

Meine politische Überzeugung diktiert mir mein Herz, mein Verstand, der Hunger in meinem Magen und die Kälte die mich nachts nicht schlafen lässt, kein Buch, keine Partei und keine Elite.

Meine Hoffnungen lege ich in eine Art zu leben, die in ihrem Prinzip so einfach und ursprünglich ist, dass sie keiner seitenlangen Ausführung bedarf, hat mensch erstmal gelernt immer wieder die eigenen Muster im Kopf aufzubrechen. Anarchismus ist eine Herzenssache. Ihr könnt mich auslachen, jedes meiner Worte drehen und wenden, 20 Seiten lang Fremdwörter und Fußnoten bis zur geistigen Kapitulation überstrapazieren und versuchen alles was nicht in eure begrenzten, dogmatischen Vorstellungen passt in einem Schwall von konstruierten Argumentationsketten und pseudo-politischen Phrasen zu ersticken.

Es geht um Revolution, um die in jedem einzelnen Kopf. Es ist mir gleich wie ihr euch profiliert und versucht Macht zu erlangen, es gibt keine Notwendigkeit euch ernst zu nehmen. Ihr habt euch verloren und – solltet ihr ihn je gehabt haben – euren Anspruch an eine soziale Revolution.

PS.: Dieser Text richtet sich natürlich nicht gegen Austausch, Dialog und das Studieren von Büchern, sondern ist viel mehr der verbale Mittelfinger gegen das Auswendig-Lernen von Zitaten und Phrasen, bzw. den politischen Diskurs als erneutes Machtmittel.

Linke Paranoia und ihr Sinn – ein Statement von W.M.

Linke Bewegungen sind meisterlich wenn es um Geheimtuerei, Paranoia und Misstrauen geht. Welche Gründe gibt es dafür? Wirkt sich unser Verhalten wirklich sinnvoll auf unsere Arbeit aus? Was sind Kritikpunkte und wie kann mensch vielleicht einen gesünderen Umgang mit dem Thema „Informationssicherheit“ erreichen?

Die Gründe für unser Misstrauen gegenüber Unbekannten, unsere Sicherheitsvorkehrungen usw. sind recht ersichtlich und in der Regel bekannt. Repression, faschistische und staatliche Recherche-Teams und Spitzel und ab und an leider auch andere politische Gruppen aus dem eigenen Spektrum die ein Interesse an einem Rufmord haben. All diese Faktoren machen uns Angst vor politischen Fehlschlägen, Verfolgung, Gewalt und Knast. Doch oft sind unsere Sicherheitsmaßnahmen halbherzig und nur ein Vorwand für Informationshierarchien.

Vorallem die staatlichen Sicherheitsorgane haben enorme Möglichkeiten uns zu manipulieren, zu bespitzeln, auszuhorchen und zu überwachen: Kameras, Richtmikrophone, Computerprogramme, eingeschleuste V-Menschen usw. usw. – natürlich hat mensch da genügend Gründe für Verfolgunswahn.

Allerdings: Ein großer Teil der Aktionen die im verborgenen geplant werden sind den ganzen Aufwand garnicht wert und viele „Verheimlichungen“ behindern weniger die staatlichen Geheimdienste als viel mehr andere Aktivistis. Grade bei Informationsflüssen über das Internet gehört schon einiger Aufwand dazu um seinen Rechner wirklich halbwegs gut zu sichern.

Meiner Meinung nach wäre eine bessere Differenzierung zwischen wirklich sicherheitsrelevanten Themen und eher harmlosen Informationen äußerst wichtig. Außerdem mehr Mitteilungsbereitschaft und Offenheit gegenüber Aktivistis welche noch nicht lange aktiv sind oder aus anderen Städten.

Wir können nicht einerseits auf effektiv arbeitende Jugendgruppen hoffen und andrerseits Bedingungen schaffen unter denen es zum Teil Jahre braucht um tiefgreifend politisch arbeiten zu können.

Wenn mensch wirklich wichtige Dinge bespricht, ist es vermutlich das vernünftigste sich ohne Handy etc. in der Natur zu treffen.

Schlussendlich ist es meiner Ansicht nach wichtig, Informationsmöglichkeiten transparenter zu gestalten, offene Kommunikationsplattformen zu bieten und informelle Hierachien in der eigenen Bewegung so gut wir können zu bekämpfen.

Alles Wissen für Alle!

Ich freue mich auf Gegenthesen und Diskussionen…

Vorstellung: Aktionsfront Sachsen

Die Aktionsfront Sachsen ist ein antifaschistisches Bündnis aus dem Raum Sachsen. Sie beschreibt sich selbst wie folgt:

„In einer Zeit wie der heutigen, in einem Land wie Sachsen wo der Einfluss Imperialer Großmächte immer größer wird. In einer Zeit wo wir von Großkonzernen regiert werden und mit dem selbständigen denken aufhören sollen, sehen wir, die AfS es als unsere Aufgabe an uns zu wehren und unseren Lebensraum zu verteidigen.“

Auf der Seite werden immer wieder aktuelle Termine und Berichte aus der Region veröffentlicht, daher lohnt sich regelmäßiges reinschauen.

Prosa: Die Sache mit der Zahnbürste

Die Sache mit der Zahnbürste (nach einer wahren Begebenheit) von W.M.

Es war früh am Morgen, ca. 13 Uhr und ich wankte von der Couch in Richtung Badezimmer. Mein Schädel pulsierte und jeder Ton donnerte wie hunderte Gewehrsalven durch meine Gehörgänge. Im Bad angekommen kämpfte ich mich durch feuchte, am Boden liegende Handtücher und getragene Boxershorts bis zum Waschbecken vor und betrachtete mit einer Mischung aus Misstrauen und Argwohn das Bild im Spiegel.

Nach ungefähr zwei Minuten war ich mir relativ sicher: Das reflektierte Gesicht gehörte mir.

Langsam setzte sich meine Grobmotorik in Gang und ich griff mechanisch zur Zahnbürste. Doch nein! Noch ehe ich die nächste Handbewegung in Richtung der Desinfektionsschmiere tätigen konnte entglitt mir die Bürste und fiel hinter die Waschmaschine. Erschrocken beugte ich mich vor um den verlorengegangenen Reinigungsartikel zu erspähen, doch alles was ich noch erkennen konnte war eine mit Krallen besetzte Fellhand die eben wieder unter der Waschmaschine verschwand. „Na klasse! Das Waschmaschinenmonster schon wieder!“ Dachte ich und war unentschlossen: Was sollte ich tun? Ich war nicht in der besten Verfassung (auch wenn es mir meine politische Einstellung natürlich gebietet immer hell wach, fit und zu jeder Schandtat bereit zu sein) außerdem hatte ich ein wenig Angst, immerhin war ich allein. Andrereits hatte mich das Kühlschrankmonster vor zwei Tagen um mein komplettes Mittagessen gebracht und irgendwo muss mensch sich ja auch mal wehren! Es war das sich auf meinen Zähnen ausbreitende Winterfell was mich schließlich bewog die Maschine doch zur Seite zu räumen. Bedauerlicherweise war es da schon zu spät, das Monster hatte sich bereits, samt meines Reinigungswerkzeuges, in sein morbides Reich aus Haargummis, Staubflusen, Fettablagerung, verlorenen Pflegeartikeln und Kinderleichen zurückgezogen. Zurück blieb ich, allein, verunsichert, halb nackt, mit mangelhafter Mundhygiene.

Ich flüchtete von diesem Ort der zerstörten Perl-weiß-glanz-träume, legte mich wieder aufs Sofa und entchlief mit Gedanken an eine Welt ohne technische Geräte die einem die spärliche Habe stiebitzen, eine Welt in der ich mir eine Zahnbürste leisten könnte ohne mich für irgendwen zu prostituieren und in der das Leben und ZÄHNEPUTZEN wieder lebenswert wäre. Leider nur eine Utopie eines verängstigten aber noch nicht völlig desillusionierten Jugendlichen an einem Sonntag Nachmittag…

Lyrik: Leben?

Leben? von W.M.

Auf nassem Beton spiegeln sich die Ruinen unsrer Zeit.
Ein Springbrunnen – von der EU gefördert – gibt sich alle Mühe -
macht gute Mine zum bösen Spiel – vergeblich.

Bin mal wieder allein gelassen, in dieser Wüste von Körpern
- die einstmals Menschen waren -
und sich nun einfügen in ihre Rolle als Faktor einer Gleichung.

Ich bin allein und alles was mich daran hindert
einfach wegzufliegen ist mein beschissener coffee to go
- bezahlt von meinem letzten Geld -
und meine letzte Zigarette die wieder einmal nicht hält
was die Werbung verspricht – denn ich lebe ja immernoch.

Du bist in den Zug gestiegen, ein paar belanglose Worte,
eine halbherzige Umarmung – ich muss sie mir gut aufsparen,
mehr Zärtlichkeit kann ich mir heut bei Dir nicht leisten
und den Kassenzettel für meine Gefühle habe ich schon lang verloren.

Nicht einmal der große St. ÖPNV kann mich von meiner Sehnsucht wegtragen,
bringt mich höchstens irgendwann in die Zelle…

Ein alter Mann fragt mich nach ein paar Cent,
ich möchte lachen und ihm sagen, dass zum Arm-Sein heutzutage
keine Bierfahne und kein beige-farbener Anorak mehr nötig sind.
Ich halte meine Fresse und gebe ihm meinen Rest Kaffee…