Kamenz – Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

So oder ähnlich scheint das Motto der Stadt Kamenz zu sein, zumindest wenn es um Faschismus geht. Am 6. September gingen in Kamenz 200 Neo-Nazis für ihre menschenfeindliche Ideologie auf die Straße – wieder einmal ohne nennenswerte Gegenwehr.

Im Vorfeld

Kaum Mobilisierung, eine ignorante Stadtverwaltung und viele weitere Faktoren führten am Wochenende zu einem weitgehend störungsfreien Aufmarsch der Rechten.

Im Vorfeld hatte es verschiedene Versuche (u.a. von Seiten der Linksjugend) gegeben wenigstens eine Kundgebung zu organisieren. Es blieb allerdings im wesentlichen bei einer Erklärung in der mensch sich betroffen zeigte, allerdings argumentierte das „es aus rechtlicher Sicht nicht möglich [ist], diese Demonstration zu verhindern“. Letzteres ist eher ins Reich der Lügen einzuordnen, zumindest aber in Frage zu stellen. Am Ende des Textes werden den faschistischen Argumentationen auch noch so selten dumme Sätze wie:

„War es vor kurzem das Forstfest, wo die vielen Kamenzer Kinder blumen- und fahnengeschmückt, die Bürger und Besucher erfreuten, so locken am Sonnabend ein internationales Schülermeeting für Nachwuchsleichtathleten ins frisch sanierte Stadion der Jugend oder zur Musikveranstaltung „Rock am Turm“. Besucht diese oder andere lebensbejahende Veranstaltung an diesem Tag. Weisen wir auch dadurch rechtsextreme Auffassungen zurück.“*

entgegen gehalten.

Keinerlei Blick für den Ernst der Lage

Die örtliche CDU allerdings zeigte sich noch ignoranter und unterzeichnete nicht einmal dieses Erklärung. Weiterhin wurde das offensichtliche Nazi-Problem in Kamenz offiziell verleugnet:

„Stattdessen ließ man [Die Stadtverwaltung] in der örtlichen Presse verlauten einem seien die Hände gebunden und man könne gar nicht verstehen warum die Nazis ausgerechnet in Kamenz aufmarschierten, wo es sich doch bei Kamenz um die Geburtsstadt des Humanisten Lessing handelte. „**

Mal abgesehen davon, dass das Lessing-Argument jeglichen Sinn vermissen lässt ist dies eine ziemlich unverfrorene Behauptung, erhielt der örtliche NPD-Kandidat Mario Ertel im Juni 2800 ganze 1720 Stimmen (Kamenz hat nur 18000 Einwohner_innen). Weiterhin wurden die Bürger_innen dazu aufgefordert sich von der Demonstration fern zu halten und „den Nazis den Rücken [zu] kehren“** – einige erinnern sich vielleicht – genau diese Mentalität ließ schon einmal die Nationalsozialist_innen in Deutschland an die Macht kommen.

Demo

Am Demotag selber wurden engagierte Menschen dann mit Platzverweisen (ca. 90) und anderen Polizei-Maßnahmen an effektiven Aktionen gehindert – ein Reinfall auf ganzer Linie.

Fazit

Die Stadt Kamenz zeigt hier ziemlich deutlich wie wenig mensch im ländlichen Raum auf die offiziellen Stellen hoffen darf, wenn es nur solche Menschen gäbe, so wäre kein_e Migrant_in, kein alternativer oder andersartiger Mensch in diesem Land mehr sicher. Um so mehr sind aktivistische Leute gefragt die solchen Demonstrationen in Zukunft öfter und besser organisiert ein entschiedenes „Nein!“ entgegenhalten.

Quellen und weitere Infos:

* http://linksjugendkamenz.wordpress.com/
** http://de.indymedia.org/2008/09/226581.shtml