Oppach: Antifa-Demonstration gegen den rassistischen Normalzustand

Heute (23.10.) wurde in Oppach eine Spontandemonstration gegen den rassistischen Normalzustand und zur Solidaritätsbekundung mit den Asylbewerber_innen welche immer wieder Opfer rassistischer An- und Übergriffe werden, durchgeführt. An der Demo nahmen ca. 40 Antifaschist_innen aus der Region teil.

Bericht

Ein ungewohnter Anblick bot sich heute den Anwohner_innen in dem kleinen Örtchen Oppach (ca. 3200 Einwohner_innen): Eine Gruppe ungewöhnlich gekleideter Menschen zog da mit Fahnen und mehreren Transparenten durch Oppach, viele riefen Dinge über unruhiges Hinterland, Nazis und Abschiebebehörden. Dabei verteilten sie Zettel und appellierten an die Verantwortung eines/r jedes/r Einzelnen – und das alles zum Feierabend.


Auf dem Weg zur ABUB

Nach einer kurzen Tour durch den Ortskern ging es zum Asylbewerber_innenheim der ABUB GmbH, dort war vor 9 Tagen ein Brandanschlag auf die dort lebenden Migrant_innen verübt worden. Die erste Begegnung war für beide Seiten sichtlich ungewohnt. Es dauerte eine Weile bis die Kommunikation in Gang kam doch dann erzählten die Bewohner_innen von Nazis, Abschiebebehörden, Flucht, Krieg und ungewisser Zukunft. Der Leiter des „Heims“ verwies die Demonstration derweile des Geländes und rief die Polizei. Während der sprachlich schwierige Dialog vor dem Gelände weiter geführt und ein Redebeitrag verlesen wurde, kam die Staatsmacht dann auch, zunächst in Form zweier recht verständnisvoller Dorfpolizisten.


Kundgebung

Weiterhin wurden Kontakte geknüpft, den Besucher_innen wurden die Brandflecken gezeigt, welche die Molotowcocktails der feigen, faschistischen Täter_innen hinterlassen haben. Außerdem wurden die Antifaschist_innen über örtliche Treffpunkte der rassistischen Jugend informiert.

Nach einer Weile verabschiedeten sich die Gäste und zogen unter Dank und Beifall wieder Richtung Ortsmitte, dort stieß dann auch die grüne Verstärkung dazu und beantworte das antifaschistische Engagement noch mit Repression in Form von Personalien- und Fahrzeugkontrollen.

Fazit

Die Freude der Menschen welche in den oppacher Baracken einer unsicheren Zukunft entgegensehen macht die Demonstration allein schon zu einem Erfolg. Auch nahmen einige Oppacher_innen die Aktion durchaus positiv auf, manche (wenn auch zu wenige) schlossen sich sogar an. Leider machten gewisse Dinge die gerade aufkeimende Sympathie für die Antifaschist_innen oft in Sekunden wieder zu nichte. Vielleicht sollte mensch sich die Frage stellen ob solche Aktionen der Selbstdarstellung oder einer Änderung der Gesellschaft dienen sollen.

Trotzdem sollte dies nicht die letzte Aktion im ländlichen Raum gewesen, dies nicht die letzte Aktion für die Opfer rassistischer Abschiebepolitik und faschistischer Normalzustände sein.

Text des Flugblattes

Brandanschlag in ihrer Nachbarschaft

In der Nacht zum 13.09.2008 wurde das ABUB (Asylbewerber_innenheim) in Oppach Opfer eines rechtsradikalen Angriffes. Unbekannte hatten aus einem Auto heraus zwei brennende Flaschen gegen das Gebäude geworfen.

Die Brandsätze richteten einen nur geringen Schaden an, dies lag allerdings nur daran, dass der Anschlag aus dem Auto heraus erfolgte – gezielt wurde auf die Fenster, was bedeutet, dass der Mord an den Bewohner_innen nicht nur in Kauf genommen sondern auch beabsichtigt wurde.

Der Angriff ist jedoch kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine Serie faschistischer Angriffe Überfälle und Anschläge ein.

Als Beispiel seien hier der Brandanschlag auf ein vietnamesisches Blumengeschäft in Dresden (12. August), der Überfall auf drei Dönerläden mit mehreren Schwerverletzen im Zuge des EM-Spiels gegen die Türkei durch 30 vermummte Nationalsozialist_innen (ebenfalls Dresden) genannt. Weiterhin fielen Schüsse auf ein Wohnhaus in Zittau aus einem fahrenden PKW heraus (am 12.07), in mehreren Städten wurden unzählige Hakenkreuzschmierereien angebracht (zuletzt in Hoyerswerda, Hartau, Kamenz und Görlitz). Traurige Krönung bilden die Demonstrationen mit rassistischen und menschenverachtenden Parolen (zuletzt in Kamenz, Zittau, Königstein, Dresden). Dies sind nur ein paar Vorfälle, die in der letzten Zeit in Sachsen geschahen. Sie sollen Menschen, die sich gegen rechte Zustände engagieren, Migrant_innen und andere, die nicht in der faschistischen Ideologie Platz haben, einschüchtern.

Medien, Staatsorgane und viel zu viele Bürger_innen wollen diese ausländer_innenfeindlichen Zustände nicht erkennen, wollen sie klein reden oder gar totschweigen. Diese Taktik scheiterte schon 1933, führte zur Machtübernahme durch das NS-Regime und in dessen Folge zu den Mord an Millionen Menschen.

Damals wie heute gilt: Wer sich nicht gegen die Faschist_innen stellt, lässt ihnen freie Hand und macht sich jeder ihrer menschenverachtenden Taten mitschuldig. Die Nazis – das sind heute nicht mehr nur die perspektivlosen Jugendlichen mit Springerstiefeln und Glatze. Die Nazis sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, tragen sportliche Kleidung und kandidieren als der/die nette, pflichtbewusste Nachbar_In von nebenan als Kreis-, Stadt- oder Landrat. Wir müssen uns klar machen, dass sich hinter den netten Reden immer noch die selbe Ideologie verbirgt und das sie immer noch Gefängnis, Vertreibung oder Tod von anders denkenden Menschen fordern.

Wer sich die Frage stellt, ob NPD, freie Kameradschaften usw. wirklich wieder soweit gehen würden, dem sei gesagt: Ja, aber nur wenn wir sie soweit lassen!

Zeigt Solidarität mit den Menschen in der ABUB-Oppach die dort unter menschenunwürdigen Bedingungen einer ungewissen Zukunft harren ohne Möglichkeiten die Sprache dieses Landes zu lernen oder sich zu integrieren. Macht ihnen deutlich, dass sie nicht allein sind im Kampf gegen den Fremdenhass und macht euch nicht mitschuldig an weiteren Opfern der faschistischen Ideologie.

Kein neues 1933
Kein Fuß breit den Faschist_innen!

Weitere Infos:
http://www.amal-sachsen.de/
http://lausitz.antifa.net/home.html
http://www.antifa.de/cms/

Bericht über den Brandanschlag

anarchiadd.blogsport.de/2008/09/14/oppach-brandanschlag-auf-asylbewerber_innenheim/

Bildquelle: http://de.indymedia.org/2008/09/227821.shtml?c=on#c526838


1 Antwort auf „Oppach: Antifa-Demonstration gegen den rassistischen Normalzustand“


  1. 1 vegantifa 25. September 2008 um 1:08 Uhr

    Es ist sehr schön zu sehen, dass so etwas gemacht wird. Zumal es endlich mal direkt die Opfer von rechtsradikaler Gewalt anspricht. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, aber oft werden Migranten, egal ob sie hier leben oder aus politischen Dingen in Schland Schutz suchen meist nur als Projektionsfläche genutzt für Aktionen. Und das muss sich ändern. Vielmehr muss gerade der Kontakt zu solchen Menschen gesucht werden. Das nur als kurzes Statement, ansonsten eine klasse Aktion, auch wenn die Außenwirkung nicht ganz geklappt hat,

    MaG Ginji

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