Beitrag zur Diskussion um den 13. Feb.

1945 wurde das NS-Regime besiegt, zweifellos ein Grund zur Freude. Dass dieser Sieg durch staatliche Militäraparate errungen werden musste, hat allerdings einen unschönen Beigeschmack…

Jedes Jahr werden auf antifaschistischen Demonstrationen immer wieder Nationalfahnen für den Ausdruck der eigenen Meinung genutzt, dass dieses Verhalten – gerade im Kontext des zweiten Weltkrieges – alles andere als emanzipatorisch ist, wird dabei oft vergessen.

So wird beim positiven Bezug auf die Alliierten zum einen gerne übersehen, dass deren Regierungen lange dem Treiben der Nationalsozialisten zugesehen haben ohne den Opfern dieses Regimes zu Hilfe zu kommen, Stalin paktierte gar mit den Faschisten. Die Länder traten erst nach direkter Betroffenheit in den Krieg gegen das 3. Reich ein, daher ist hier nicht von einem moralischen Befreiungskrieg sondern von einer Wahrung wirtschaftlicher, territoriale und militärischer Interessen zu sprechen.

Zum anderen ist ein Staat und damit auch die „Nation“ nur ein Konstrukt um Menschen zu verwalten, zu beherrschen und gegeneinander auszuspielen. Mit dem Tragen einer Nationalfahne, egal in welchem Kontext, legitimiert mensch den Staat in seiner grundsätzlichen Funktion und erkennt ihn als gegenständlich an.

Meiner Meinung nach sind historische Kontexte außerdem auch nichts wohinter mensch sich verstecken kann, gerade weil diese Flaggen (bis auf die der SU) auch heute noch für die selben Staaten stehen, Staaten deren Außen- und Innenpolitik nicht unkritisch betrachtet werden sollte und die wie jeder andere Staat auch Unterdrückung, Armut und Machtverhältnisse reproduzieren. Wenn auf der entsprechenden Fahne nicht gerade in Leuchtschrift „Historischer Kontext“ zu lesen ist, so wird es immer auch eine Assoziation zu den derzeitigen Verhältnissen geben.

Auch in Großbritannien und den USA kämpfen Menschen wie wir für eine herrschaftsfreie Welt, kämpfen Leute wie wir gegen Sexismus, Rassismus, Militarismus und alle andere Formen von Erniedrigung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen. Wie in Deutschland auch werden diese Menschen immer wieder Opfer der repressiven Systeme die sie umgeben, aus diesem Grunde ist das tragen eines Nationalsymboles in Verbindung mit linker Politik eine der unsolidarischsten Gesten die mensch an die Aktivistis dort überhaupt entsenden kann und eine unverschämte Verhöhnung der Menschen die durch die dort herrschenden, gesellschaftlichen Verhältnisse um Freiheit und Leben gebracht werden.

Weiterhin sollte sich unser Dank nicht auf die Menschen konzentrieren, die für ihr Heimatland in den Krieg zogen, sondern viel eher insgesamt an alle richten, deren Motivation antifaschistisch im eigentlichen Sinne war. Das tragen einer antifaschistischen Fahne ist also in jedem Falle treffender.

Schlussendlich gibt sich der ständige, positive Bezug auf die Alliierten Nationen mit der Rettung vor dem faschistischen Feind durch einen anderen Feind zu Frieden und weist viel zu selten auf den traurigen Fakt hin, dass die Bevölkerung unter den Faschisten nicht genug emanzipatorische Kraft besaß sich selbst von den Nationalsozialisten zu befreien. Aus dieser Erkenntnis könnte jedoch eine breitere Akzeptanz in der Bevölkerung für freiheitliche und antifaschistische Arbeit erwachsen.

Außerdem würde es uns zu der Konsequenz führen, dass jeder Staat Hierarchien benötigt, nicht nur offene in Form von Chef_in, Angestellte_r – Polizei, Bürger_innen usw. sondern auch versteckte, wie Mann, Frau – Inländer_in, Ausländer_in. Regierungen und Märkte benötigen Gruppenidentitäten, Subkulturen und innergesellschaftliche Unterdrückungsmechanismen um die Bevölkerung ruhig zu halten. Zum einen werden die vom Staat Unterdrückten gegeneinander ausgespielt, zum anderen leben Menschen nur freiwillig in Machtstrukturen so lange auch sie punktuell Macht erhalten.

Aus diesem Grund muss ein Staat immer wieder zu Rassismus, Sexismus und allen anderen Formen von Ausbeutung, Diskriminierung und Erniedrigung des Menschen führen und ein positiver Bezug auf einen Staat kann unter keinem Kontext, in keinem Fall eine Geste emanzipatorischen Denkens und Handelns sein.

Mein Antifaschismus ist antinational!


9 Antworten auf „Beitrag zur Diskussion um den 13. Feb.“


  1. 1 Anonymous 13. November 2008 um 12:48 Uhr

    Quatsch doch nicht blöde… Dieses rumgespinne ist ja nicht auszuhalten. KAUF Dir nen Flug zum Mond oder steig in Deine eigene Rakete und starte dort Deine klassenlose Gesellschaft.

  2. 2 revisionismus in der linken? 13. November 2008 um 12:53 Uhr

    gb und frankreich erklären d am 3.9.39 den krieg ;)
    setzen, lesen

  3. 3 saltzundessick 15. November 2008 um 13:34 Uhr

    dein antifaschismus ist gar keiner.

  4. 4 Bier und Zigaretten 15. November 2008 um 17:44 Uhr

    Und das ist gut und nicht schlecht. Der Autor hat eben erkannt, dass Antifaschismus Demokratieaffirmation ist und nichts weiter.

  5. 5 Linker 17. November 2008 um 8:39 Uhr

    Da haben die AntiDs hier mal wieder richtig mit Argumenten um sich geworfen. Ich bin beeindruckt.

  6. 6 Pommes und Cola 20. November 2008 um 23:04 Uhr

    @ Bier und Zigaretten:

    Na klar, deshalb hält er eine Antifa-Fahne ja auch überhaupt irgendwie für „treffend“…

  7. 7 AntiDU 24. November 2008 um 20:08 Uhr

    alles antideutsch oder was? geschitsfälschung bleibt eben diese, egal von wem betrieben.. dass du dir den vorwurf anhören musst ist doch anlass genug, vielleicht mal….

  1. 1 Hamburg reloaded « Pingback am 14. November 2008 um 0:08 Uhr
  2. 2 +++ alternative dresden news [add'n] +++ » Fortsetzung der bösen Geschichte: »Ein Leben im Kampf oder keins?« Pingback am 05. Juli 2009 um 0:10 Uhr
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