Soli-Demo und Aktionen wegen des in Griechenland getöteten Alexandros

Am Montag demonstrierten ca. 50 Menschen aus Solidarität mit dem 15 jährigen Alexandros der in Griechenland von Polizisten erschossen wurde. Danach nahmen unbekannte einen Streifenwagen vor dem Polizeirevier Neustadt auseinander. In SZ und in denen Pressemeldungen der Polizei wird außerdem von mehreren Sprühereien an staatlichen Gebäuden berichtet. Hier der Inhal,t des auf der Demonstration verteilten, Flugblattes:

„Nach heftigen verbalen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und einer Gruppe Autonomen im alternativen Viertel Athen-Exarchia, kam es zu einer Schießerei seitens der Polizei. Dabei wurde ein 15 Jähriger tödlich getroffen. Der Tod rief heftige Proteste in ganz Griechenland und Solidaritätsaktionen weltweit hervor.

Auch wir sind heute, wie etliche weitere Menschen rund um die Erde, auf der Straße um unserer Trauer und Wut Ausdruck zu verleihen aber auch um ein Zeichen der Solidarität mit den Autonomen in Griechenland zu setzen. Wie immer wird die Schuld auf einzelne schwarze Schafe innerhalb des Polizeiapparates geschoben. Argumente, dass die Ursachen für solche Übergriffe vielmehr struktureller Natur sind interessieren jedoch kaum. So ist es nicht verwunderlich, dass eine solche Debatte auch in den Medien ausbleibt.

Uns geht es nicht nur um die Bestrafung einzelner Beamter, vielmehr wollen wir eine Diskussion über das „Warum?“ und „Wie?“ es immer wieder zu solchen Übergriffen kommen kann. Durch Isolation und propagandistische Ausbildung werden innerhalb der Polizei Gruppenidentitäten geschaffen, d.h. dass es eine starke Abgrenzung zwischen „ihnen“, „den guten“, der Polizei und den „anderen“, den Linken, den „bösen“ gibt. Diese Pauschalisierung von realen oder irrealen Menschengruppen ist die Grundlage für jede Unterdrückung und Verfolgung. Die eigene Gruppe wird dabei konsequent auf- bzw. die andere Gruppe permanent abgewertet. Dadurch sinkt die moralische Hemmschwelle. Dies führt zu immer härteren Übergriffen gegen Menschen die sich für eine freiheitliche Gesellschaft ohne Unterdrückung einsetzen, in der ein Staat nicht mehr nötig ist.

Ein Mord, wie er durch die Polizei an dem 15 Jährigen Andreas in Athen verübt wurde, ist allerdings nur der Gipfel der Gewalt gegen engagierte Menschen. Die Existenz von Aktivist_innen wird in allen Ländern Europas immer wieder bedroht. Angefangen bei rechtlichen Schritten gegen die freie Meinungsäußerung (wie zum Beispiel den neuen Versammlungsgesetzen in Bayern und Baden-Württemberg) über Prügel von ausrastenden Beamtinn_en (gegen die Demonstrantinn_en sich in Deutschland nicht einmal schützen dürfen) bis hin zu Gefängnis. Durch staatsnahe Medien wird in der Bevölkerung Stimmung gegen Leute gemacht, die sich für die Freiheit einsetzen. Sie werden zu Terroristen und gewaltgeilen Chaoten stilisiert.

Mit der Ermordung hat der griechische Staat, der wie jeder andere Staat sich zu seinem Gewaltmonopol legitimiert fühlt, sein wahres Gesicht gezeigt. Dies ist selten so offensichtlich, doch jeder Staat zerstört Leben, Tag für Tag. Die Täter in Athen sind keine einzelnen schwarzen Schafe, sie sind ein Produkt eines Unterdrückungsapparates, welcher darauf ausgelegt ist, die Macht und den Reichtum weniger, zu lasten jeder freiheitlichen Bestrebung, zu beschützen.

Der Fehler sind Herrschaft und Staat“


4 Antworten auf „Soli-Demo und Aktionen wegen des in Griechenland getöteten Alexandros“


  1. 1 policia assasini 10. Dezember 2008 um 13:27 Uhr

    Ergänzung*
    Die Sponti war für dresdner verhältnisse wirklich äußerst entschlossen und kraftvoll. durchgängig wurden parolen wie „griechenland, das war mord. widerstand an jedem ort“ oder „no justice-no peace-fight the police“ gerufen. laustark mit unterstützung von feuerwerk gings dann vom weihnachtsmarkt auf der hauptsraße richtung neustadt und letztlich zum polizeirevier wie schon im artikel geschrieben. Die zerstörung des polizeiautos kann ich als symbolische solidaritätsaktion für den in athen ermordeten aktivisten nur begrüßen.
    Den Riot in die Steppe tragen!

  2. 2 KaoZ 10. Dezember 2008 um 14:01 Uhr

    Nachdem sowohl ich als auch andere user unzufrieden waren über Doppelpostings, etliche Trackbacks auf Indymedia etc. weiter kam die Idee auf, einen Blog für die aktuelle lage in Griechenland einzurichten.
    Unabhängig von Mainstream-Medien sondern auf Basis unabhängiger Berichterstattung zum teil aus Augenzeugenberichten, zum Teil aus der Postings der griechischen Indymedia bestehend.

    Zu Erreichen ist dieser unter http://alexisg.blogsport.de/

    Bei interesse zur aktiven Gestaltung des blogs bitte an die gepostete eMail-adresse wenden.

  3. 3 Snezana 11. Dezember 2008 um 17:01 Uhr

    Es tut mir wirklich leid, dass der junge Alexandros ermordet wurde.

    Allerdings sind die Demonstranten nicht viel besser – nur dass diese bisher nicht gemordet haben.

    Aber fremdes Eigentum einfach zu verbrennen und zu vernichten ist obersch…ße!

    Griechenland ist kein reiches Land, vielleicht haben die Geschädigten ein Leben lang für ein Auto oder ein eigenes Geschäft gespart!?!

    Schon mal überlegt?

  4. 4 W.M. 15. Dezember 2008 um 20:46 Uhr

    Schon mal überlegt, dass durch das Gewaltmonopol des Staates Umstürze leider nicht völlig schadensfrei bewerkstelligen lassen? Ich finde es nicht in Ordnung unterdrückte Leben und sogar Tote mit zerstörtem Privateigentum aufzuwiegen. „Weil Menschen sterben und ihr schweigt, Scheiben splittern und ihr schreit, pfui!“ Davon abgesehen ist der Angriff auf staatliche Institutionen und Einrichtungen Griechenlands in diesem Zusammenhang natürlich besser vermittelbar und trifft auch eher den Kern des Problems.

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