verstummt

Die Vögel der Freiheit verstummten,
um so mehr ich ihren Namen in den Dreck zog
Meine Gefühle sind einzig noch
verkrüppelte Abbilder -
es ist als wäre zwischen ihnen und mir Milchglas
Bin unfähig sie zu ordnen,
mich ihnen hin zu geben.

Jene, die mit mir kämpfen,
sind es Freunde?
Sind es Gefährtinnen?
Was weiß ich denn über sie, sie über mich?

Das ist nun also unsere gelebte Utopie,
eine Welt in der wir die Gesten des Anstandes,
unsere Worte, unsere Kleidung getauscht haben
und in der die Kälte der Gesellschaft doch zumeist fortbesteht,
der einsame Mensch weiterhin einsam bleibt.

Die Vögel der Freiheit verstummten,
wir hatten ihr helles Antlitz mit ätzendem Hass befleckt,
uns neuen, unbenannten Herren hingegeben
und unsere Unschuld von einst vergessen.

Zuwenigen ist noch bewusst,
dass auch das Schaffende, Liebende, Quell eines Kampfes sein kann,
tausende haben ihre schwarz-roten Fahnen
den Bannern der Verachtung und der Wut hinten an gestellt,
kämpfen gegen sich selbst.

…und auch in mir fühle ich Verrohung, Entfremdung,
ich fühle mich vereinzelt;
im Krebsgeschwür Stadt
in der vermummten Meute
beim Gespräch.

Sollte nicht das der Anfang eines Umsturzes sein?
Ein Füreinander, ein Verbund aus sich achtenden Menschen,
die im Hier und Jetzt etwas wirklich anders machen,
anstatt vom Andersmachen zu reden.

Ich kann wohl nur kämpfen
um meine Liebe durch all den Hass hindurch zu spüren.
und alles hinterfragen
was ich hinterfragen kann -
damit die Vögel vielleicht irgendwann wieder singen.


2 Antworten auf „verstummt“


  1. 1 pelikan vogelkopf 11. Dezember 2008 um 16:38 Uhr

    „Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muß eine Welt zerstören.
    Hermann Hesse, Demian“

  2. 2 Fynn 20. Dezember 2008 um 12:50 Uhr

    „Unsere Aufgabe war es in der Welt eine Insel darzustellen, vieleicht ein Vorbild, jedenfalls aber die Ankündigung einer anderen Möglichkeit zu leben.“
    Hermann Hesse, Demian

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