Berlin: Bericht der Anti-Spe-Demo am 15.11.

Dieser Bericht wurde uns von einem/r Freund_in zugesandt, vielen Dank!

Escada aus dem Pelzhandel kicken!

Am 15.11. fand als vorläufiger Höhepunkt der Anti-Pelz-Kampagne gegen den Modekonzern Escada ein antispeziesistische Großdemonstration in Berlin statt, an der sich trotz zeitgleich stattfindender Antifa-Demo in Berlin-Pankow (ca. 1000 Teilnehmer_innen) etwa 500 Menschen beteiligten.

Neben dem Motto richtete sich die Demo auch gegen Tierausbeutung im Allgemeinen und die speziesistischen Zustände in der Gesellschaft. An dieser Stelle halte ich es für wichtig, noch einmal auf den Begriff des Antispeziesismus einzugehen und einige Vorurteile auszuräumen: Es geht nicht darum, Menschen und Tiere gleich zu setzen, sondern vielmehr die Einzigartigkeit jeder Spezies des Planeten zu betonen und jeder dieser Spezies ihr Recht auf Leben, auf Unversehrtheit und auf Freiheit zuzugestehen. In diesen grundsätzlichen Rechten darf nicht zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Tieren unterschieden werden. In unserer Gesellschaft dagegen wird der Mensch als Krone der Schöpfung oder Spitze der Evolution betrachtet und leitet daraus einen Herrschaftsanspruch über den gesamten Planeten inklusive aller seiner leidensfähigen Wesen ab, die auf brutale Weise zur Befriedigung größtenteils niedriger Bedürfnisse der Menschen in jeder erdenklichen Form gequält und ausgebeutet werden.

Zurück zur Demo: Nach der Auftaktkundgebung war die Demo eher wenig kraftvoll, eine Sambagruppe machte zwar Stimmung, aber der Rest des Demonstrationszuges war zu diesem Zeitpunkt noch relativ leise. Dies änderte sich dann mit der ersten Zwischenkundgebung vor einer Filiale von „Nordsee“ und eines Steakhauses, in der auf die Ausbeutung von Tieren aus Genussgründen hingewiesen wurde. Die Demonstration organisierte sich sogar eine eigene Gegendemo, die überspitzte Sprüche, wie „Tiere töten ist GEIL!“ und „Tradition erhalten: Krieg führen, Fleisch essen, Sklaverei“ auf Schildern mit sich führten. Sowohl für die Polizei als auch für einige Demoteilnehmer_innen war diese Gegendemo wohl zu authentisch und es kam kurzzeitig zu Rangeleien, bis per Durchsage aus dem Lautsprecherwagen die Situation geklärt wurde und ein Vertreter der sich als „Tierfeinde e.V.“ bezeichnenden Gruppierung einen satirischen Redebeitrag zur Ausbeutung und Unterdrückung von Tieren halten konnte.
Der Demozug kam langsam in Schwung, wurde zunehmend lautstarker und zog mitten im Zentrum Berlins entsprechend viel Aufmerksamkeit an. Zwar schien die Demonstartion für die meisten Passant_innen eher ein Spektakel touristischer Qualität zu sein, doch es wurden auch viele Flyer verteilt und auch einige Gespräche mit interessierten Personen am Rand geführt. Die nächste Zwischenkundgebung hatte einen Beitrag einer Aktivistin aus Österreich über die staatliche Repression gegen die Tierrechtsbewegung zum zentralen Inhalt. Dabei wurde auch auf die ähnliche rechtliche Situation in Österreich und Deutschland hingewiesen- in beiden Ländern ist der Paragraph zur Bildung einer kriminellen Vereinigung ein beliebtes Mittel auf schwammiger Grundlage um kritische Menschen in der Gesellschaft einzuschüchtern und legitimen Protest zu kriminalisieren.

Nun rückte langsam das Ziel der Demonstration näher, einen untrüglichen Hinweis darauf lieferten die nun zahlreich auftauchenden behelmten Polizeitruppen. Die Demo machte lautstark auf das Hauptmotto ihres Protestes, Escada aus dem Pelzhandel zu kicken, aufmerksam. In etwa 50 Meter Abstand zur Filiale des Konzerns wurde die Abschlusskundgebung abgehalten, dazu kamen kreative Aktionen, wie die der Radikal Cheerleaders aus Leipzig und eine Kunstblutaktion im Pelzoutfit von Aktivist_innen aus Dresden. Danach wurde die Demonstration ohne größere Probleme beendet.
Insgesamt ist die Demo und ihr Verlauf positiv zu bewerten, an diesem Samstag Nachmittag konnten viele Menschen erreicht werden, es gab jede Menge positiver Reaktionen und es schlossen sich auch noch einige Menschen dem Demozug an. Die Polizei war für Berliner Verhältnisse überraschend friedlich und außer dem gewöhnlichen mackerhaften Verhalten und kleineren Provokationen durch diese verlief die Demonstration ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Nachdem durch ähnliche Kampagnen bereits viele Konzerne, wie beispielsweise Karstadt-Quelle, C&A oder Peek&Cloppenburg aus dem Pelzhandel ausgestiegen sind, hat sich mit diesem Samstag der Druck auf Escada weiter erhöht und wir werden ermutigt unseren Protest fortführen. Für die Befreiung von Mensch und Tier!

Until every cage is empty! Animal liberation now!