Archiv für Februar 2009

…warum wurde dieses loch eigentlich nicht im sommer bombadiert?

Endlich ist dieses schreckliche Wochenende vorbei. Das waren wohl die ersten Gedanken, die mir abends auf der Party am 14. Februar in den Sinn kamen. Mit etwas mehr zeitlichem Abstand fällt mein Urteil über die diesjährigen Aktivitäten dann doch ein wenig differenzierter aus. Die Nazis konnten an beiden Tagen mehr oder weniger ungestört laufen. Aber ob das nun ,wie von manchen behauptet, ein „Desaster“ und eine Niederlage für „die Antifa“ bedeutet ist schwer zu sagen. Klar war schon vor dem gut umworbenen Antifa-Action-Wochenende in Dresden, dass einige kommen würden. Und so kam es dann auch. Freitag der 13. begann zwar anfangs sehr nett mit Elektro Beats von Frittenbude, doch spätestens als die übermäßig vorhandene Polizei anfing den kompletten Kundgebungsort des „Keine Versöhnung mit Deutschland“ Vorbereitungskreises einzukeseln war für mich der Spaß vorbei. Die meißten Pop Antifa Kids wollten erstmal Egotronic bis zum Schluss hören anstatt dieser Provokation seitens der immer aggressiver auftretenden Staatsmacht etwas entgegenzusetzen. Die ersten Rangeleien samt Pfefferspray und Schlagstock Einsatz brachten auch nicht viel Veränderung. Letztendlich zog eine mehr oder weniger lustlose Spontandemo richtung Neustadt ab, mit dem Wissen im Hinterkopf gerade über 1000 fackeltragende Trauernazis in der Innenstadt zurückzulassen.
Der nächste Tag begann sehr früh. Für die Aktivitäten auf dem Heidefriedhof schien sich dieses Jahr gar niemand zu interessieren und so trafen sich die meisten Menschen denn auch gegen 11 Uhr am Albertplatz. Auch hier wieder viel Stress mit Polizei dank schickanöser Vorkontrollen. Womit wohl niemand gerechnet hatte war die enorme Teilnehmer_Innenzahl der „no pasaran“ Demo. Um die 4000 Antifas hatten den Weg nach Dresden gefunden und das hatte eine enorm große und laute Demo zur Folge. Durch Zeitverzögerungen kam es letztlich zu dem kuriosen Punkt, dass die Antifademo auf Höhe des Altmarkts parallel zur Nazidemo lief. Dies bereitete der anwesenden Polizei soviel Kopfzerbrechen, dass sie die „no pasaran“ Demo auf der ihr gerichtlich zugewiesenen Route angriff und die diversen Prügelattacken ein vorzeitiges Auflösen zur Folge hatten. Leider war somit auch an diesem Tag keine aktive Behinderung des Naziaufmarsches möglich, was bei einem direkten Aufeinandertreffen von 4000 Antifas mit ca. 6500 Nazis wohl auch eher in einer Massenschlägerei geendet hätte. Auch die bürgerliche „Geh Denken“ Veranstaltung konnte an diesem Tag nicht wirklich etwas bewegen. Viele Prominenete Gesichter und eines stach ganz besonders hervor. Franz Münterfering, welcher das bürgerliche Gedenken mit den Worten „…Wir trauern um alle Opfer des Krieges auch und ganz besonders um die Menschen die dem Krieg in Dresden zum Opfer gefallen sind…“, treffend beschrieb.
Rückblickend auf das Wochenende und auch auf die lange und intensive Vorbereitung darauf muss ich sagen, das sich einiges getan hat in Dresden. Der Diskurs um den 13. Februar, um das Gedenken an vermeintliche deutsche Opfer und auch die Debatte was Antifa eigentlich bedeutet sind einige Schritte vorwärts gegangen. Viele Texte wurden veröffentlicht, Infoveranstaltungen abgehalten und Streitgespräche geführt. Weiterhin hat sich gezeigt, dass Bündnisarbeit auch hier möglich ist. Und all die ganzen Nörgler_Innen, welche die letzten Jahre nie nach Dresden kamen, weil sie keine Lust auf die doofen Antideutschen hatten haben es in diesem Jahr auch überlebt mit ihnen gemeinsam in einer bunt gemischten Demo durch die Innenstadt zu ziehen. Es spricht also einiges dafür, dass wir 2010 noch mehr werden und dem „Trauermarsch“ der Nazis effektiv etwas entgegensetzten können.

Erich Fromm – Die Kunst des Liebens

Ein Buch über die Liebe in vielen Bereichen, wie sie uns und unsere soziale Umgebung beeinflusst und wie wir sie bewusster, tiefer und universeller gestalten können. Jedoch geht der Stoff dieses Buches darüber hinaus, von Kapitalismus- und Gesellschafts- über Religionskritik bis hin zu Psychologie und Philosophie lassen sich hier viele bereichernde Gedanken finden.

Dieses kleine, leicht geschriebene Buch mag uns aus dem Blickwinkel unseres heutigen theoretischen Verständnisses ab und an recht konservativ vorkommen, so dürften die kurzen Anmerkungen über Homosexualität und Geschlechterverhältnisse wohl den meisten Leser_innen die Haare zu Berge stehen lassen. Trotzdem ist dieses Buch, fast 55 Jahre nach seiner Veröffentlichung immernoch eine kleine Bewusstseinserweiterung. Hier werden nicht nur neue Sichweisen eröffnet sondern auch Anstöße zur Reflektierung des eigenen Verhaltens in viele Lebensbereichen gegeben.

In dem Buch ist also von allem was drin und auch in Hinblick auf Polyamorie ist es nicht uninteressant. Auch wenn ich ja nicht so auf Standard-Werke stehe, kann ich jeder/m das Lesen dieses Buches nur wärmstens empfehlen.

Wolfgang Sterneck – Freie Liebe

Wirkliche Liebe ist ein Gefühl, das viel tiefer geht als all das, was gewöhnlich als Liebe bezeichnet wird. Es beinhaltet den Ausbruch aus dem Vorgegebenen, die Überwindung des Egoismus und die Fähigkeit geben zu können. Es ist eine tiefe innere Verbindung, die sich keineswegs nur auf einen Menschen beschränken muß. Wirkliche Liebe hat nur wenig gemeinsam mit dem Begriff der Liebe, der uns aufgezwängt wird und den die meisten von uns verinnerlicht haben. Sie hat nichts zu tun mit den Gefängnissen der Beziehungen und der Ehe. Die romantische Liebe, wie sie uns von den Medien immer wieder vermittelt wird, ist von seltenen Ausnahmen abgesehen, eine Illusion. Und die, die daran glauben, täuschen sich letztlich nur selbst.

Die meisten herkömmlichen Beziehungen gleichen schon nach kurzer Zeit einer Straße, deren Verlauf vorgeben ist und unter dem Beton alles Leben vergräbt bis sie in einer Sackgasse endet. Eine offene Beziehung zwischen zwei Menschen, die auf der Vorstellung der freien Liebe basiert, entspricht dagegen zwei Wegen, die sich kreuzen. Sie verlaufen zeitweise nebeneinander und werden phasenweise zu einem, beinhalten aber immer wieder Strecken, in denen sie sich trennen, zum Teil weit voneinander entfernen oder vielleicht sogar verschiedenen Richtungen einnehmen, um dann an bestimmten Orten wieder zusammenzufinden. Es ist fast unmöglich die Bedürfnisse nach Kontakt und Austausch, nach Zärtlichkeit und Sexualität über einen längeren Zeitraum auf einen Menschen zu fixieren – es ist auch nicht notwendig. Vielmehr ist es durchaus möglich und selbstverständlich zu mehreren Menschen ein Gefühl tiefer Zuneigung und Wärme zu empfinden, vielleicht sogar jede und jeden von ihnen auf eine eigene Weise zu lieben. Wenn nach der anfänglichen Phase des Verliebtseins, indem sich oft alle Empfindungen auf die entsprechende Person konzentrieren, die Gefühle füreinander nachlassen oder sich verändern, und auch wieder andere Menschen interessant werden, dann stellt sich die Frage, ob Fesseln angelegt werden oder versucht wird mit diesen Bedürfnissen offen umzugehen. Die Idee einer offenen Beziehung beinhaltet das Bestreben diese Gefühle zuzulassen und nicht zu unterdrücken. Das heißt konkret, der Partnerin oder dem Partner die Möglichkeit zu geben mit anderen engeren Kontakt zu haben, sich selbstverständlich mit einer anderen Person zu treffen, vielleicht auch Zärtlichkeiten auszutauschen oder miteinander zu schlafen. Auch wenn es in der bestehenden Gesellschaft normal ist, so hat im Grunde niemand, auch kein Beziehungspartner oder -partnerin das Recht, dies zu untersagen. Wer es dennoch tut, offenbart im Grunde nur den eigenen Egoismus indem versucht wird, die angeblich so geliebte Person einzuschränken und deren Gefühle zu unterdrücken.

Eifersucht hat nur wenig mit Liebe zu tun, sondern vielmehr mit Besitzgier und Verlustangst. Das herrschende System basiert auf der Idee des Besitzes von materiellen Dingen wie auch von Menschen, von deren Arbeitskraft, von deren Wissen, von deren Gefühlen. Gesellschaften, die kein Privateigentum kannten, die davon ausgingen, daß beispielsweise keine Person ein Stück Land besitzen kann, weil es gleichzeitig allen und niemanden gehört, die kannten auch keinen eheähnlichen Besitzanspruch und sie kannten auch keine Eifersucht. Eine wesentliche Voraussetzung für eine offene Beziehung ist die Bereitschaft auf andere einzugehen, aber auch in sich selbst hineinzuschauen, sich mit eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen und diese zu hinterfragen. Wichtig ist dabei, daß gleichermaßen die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche, sowie die Ängste und Schwächen gezeigt werden, darüber offen geredet wird und gemeinsam nach einem Weg gesucht wird. Gerade Männern, denen vielfach noch eingeredet wird, daß Männlichkeit Härte und Gefühllosigkeit bedeutet, fällt dies oftmals sehr schwer. Wenn Du ehrlich zu Dir bist, dann stellst Du schnell fest, daß Du in Deiner derzeitigen Beziehung oder in ehemaligen zumindest zeitweise tiefere Empfindungen für Menschen außerhalb dieses Verhältnisses gehabt hast. – Warum diese Gefühle unterdrücken, warum sich nicht dazu bekennen und die Möglichkeiten schaffen sie auszuleben? Warum bindet Ihr Euch so eng aneinander und geht nicht weiterhin Euren eigenen Weg, um in bestimmten Momenten, über deren Tiefe und Länge Ihr frei entscheiden könnt, zusammen zu kommen, ohne Euch gegenseitig Eure Freiheit zu nehmen?

Es ist ein langer Prozeß, der seine Zeit braucht und sicherlich auch mit Schmerzen verbunden sein wird. Zu viel haben wir von frühester Kindheit an verinnerlicht und zu allgegenwärtig ist die scheinbar so selbstverständliche Darstellung des Besitzdenkens. Aber was haben wir zu verlieren? Schau Dich um, sicherlich sind fast alle festen Beziehungen, die Du kennst, immer wieder davon geprägt, daß der Partner oder die Partnerin entweder einen Teil ihrer Gefühle unterdrückt oder sie heimlich auslebt. Die Alternative heißt offen sein, keine künstlichen Barrieren aufbauen, sondern sich im Fluß befinden. – Geben und das nehmen was freiwillig gegeben wird. Wenn Du in die Gesichter der Menschen blickst, die mit Dir in der Bahn sitzen, oder wenn Du Dir bewußt die Reklamefassaden anschaust, dann wirst Du mehr und mehr spüren, wie wichtig es ist, daß wir uns einem veränderten Verständnis von Liebe öffnen und ihre Wärme der fast allgegenwärtigen gesellschaftlichen Kälte entgegenstellen.

Wolfgang Sterneck

Aus dem Buch: Wolfgang Sterneck (Hg.) / Cybertribe-Visionen, KomistA / Nachtschatten, ISBN 3-928988-04-2

Anm. w.m.: Ich wollte diesen Text mal einbringen, weil ich ihn für einen guten Einstieg in das Thema Polyamorie halte. Ich finde es sehr traurig wie auch in der örtlichen Szene der revolutionäre Anspruch auf einmal verfliegt wenn es um Beziehungen geht. Schaut mensch sich in den Politgruppen um, so begegnen einem/r jede Menge romantische Zweierbeziehungen und Leute die damit nicht klarkommen. Wenn wir Verhältnisse wirklich kippen wollen, so müssen wir auch gesellschaftliche Normen hinterfragen, die wir oft ganz selbstverständlich reproduzieren. Um unseren Utopien ein Stück näher zu kommen, müssen wir auch lernen universeller zu einander in Beziehung zu treten. Wenn wir grenzen einreißen wollen, müssen wir zuerst in unseren eigenen Köpfen beginnen.

Über Diskussionen würde ich mich sehr freuen.

Ostern in Berlin: Anarchistischer Kongress

Unter dem Motto Anarchismus im 21. Jahrhundert. Anarchie organisieren veranstalten die Anarchistische Förderation Berlin und Freund_innen an Ostern 2009 einen anarchistischen Kongress in Berlin.
Zum viertägigen Kongress sind verschiedene Referierende sowie internationale und lokale anarchistische Gruppen und Organisationen eingeladen zu diskutieren, sich auszutauschen und zu vernetzen sowie neue Ideen und Ansätze für den Anarchismus zu entwickeln.

Es würde uns große Freude bereiten, euch dabeizuhaben. Bitte leitet diese Einladung auch an mögliche Interessierte weiter.

Die Teilnahme am Kongress ist frei, unverbindlich und kostenlos.
Anarchismus im 21. Jahrhundert

Geschichtlich hat der Anarchismus seit seiner Entwicklung ab dem 18. Jahrhundert regional eine zentrale Rolle gespielt. Bei der Märzrevolution in Deutschland und der Pariser Kommune des 19. Jahrhunderts spielten anarchistische Ideen mit, in Bayern, Mexico, Spanien und der Ukraine gelang es im 20. Jahrhundert, kurze Phasen anarchistischer Organisierung in der Gesellschaft zu etablieren. Der Anarchismus brachte eine erhebliche Menge theoretischer Arbeiten, neuer Strömungen und breit rezipierter Aktionen hervor. Dazu hat der Anarchismus wichtige Impulse für Kunst und Kultur gegeben. Welche Rolle spielt der Anarchismus heute? Thematisiert er bestehende Herrschaftsverhältnisse, bietet er Analysen und Lösungen dafür an? Welche neuen Ansätze bietet er und wie verarbeitet er die neuen Impulse und Erkenntnisse der Forschung? Beziehen sich Protagonist_innen zeitgenössischer wissenschaftlicher Diskurse und lokale Bewegungen auf den Anarchismus oder ist er nur eine marginalisierte Szene ohne jeden Rückhall? Welche Struktur hat die anarchistische Szene zur Zeit global, welche Angebote macht sie und wird sie in absehbarer Zeit wieder zur Bewegung werden? Welchen Weg kann der Anarchismus im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts gehen und wo wird er möglicherweise ansetzen? Diese Fragen und viele, die sie berühren, werden auf dem anarchistischen Kongress erörtert.

Anarchie organisieren

Die Geschichte des Anarchismus hat eine Fülle unterschiedlicher Strukturen hervorgebracht, darunter unterschiedliche Interpretationen des anarchistischen Modells der Föderation, die Organisation in Gewerkschaften und Parteien bis hin zur konsequenten Organisierung in temporären autonomen Zonen, kleinen Projekten und autonomen Affinity-Groups. Welche Form bietet welche Vorteile und ist mit welchen Risiken verbunden? Wie kann sich die anarchistische Philosophie dauerhaft in den gesamtgesellschaftlichen Diskursen etablieren? Zusätzlich bietet der Kongress die Möglichkeit, die Erfahrungen und Arbeitsweisen einzelner anarchistischer Zusammenhänge, Projekte, Gruppen und Föderationen kennenzulernen, sich darüber auszutauschen und Verbindungen zu knüpfen.

Der anarchistische Kongress findet vom 10.- 13. April 2009, zu Ostern, in Berlin statt. Räume und Schlafplätze werden organisiert und die genauen Orte kurzfristig bekanntgegeben. Bitte Isomatte, Schlafsack und Hygieneartikel mitbringen.

Neben vorbereiteten Beiträgen und Workshops wird parallel ein Open Space durchgeführt.
Nach dem Kongress wird ein Reader herausgegeben, wir bitten um Erarbeitung und Zusendung von Abstracts und Protokollen der Workshops.

Der Fortschritt kann im frei bearbeitbaren Wiki unter http://www.akongress.org verfolgt werden. Für Anmeldungen bitte an Akongress09[at]gmx.de mailen.

Dresden ist deutschland ist scheiße!

Nichts böses ahnend und beim morgentlichen kaffee schlürfen entschließe ich mich einen blick in die aktuelle freitags sz zu werfen, die jede woche neu den briefkasten zuspamt. Titelseite: „neuer plan für das scheune areal“. *jippi..endlich.
Die randale punker sollen endlich weg und der platz vor der scheune zur gemütlich ,chicken flaniermeile ausgebaut werden. Ein parkhaus soll wohl auch gleich mitgebaut werden um noch mehr touris in die neustadt zu locken. Aber als ob dieser sanierungs- und aufwertungsplan für das „alternative szeneviertel“der stadt nicht schon genügen würde geht’s auf seite zwei gleich weiter. „wie dresdner des 13. februars gedenken“. Genau das hat mir jetzt noch zum gelungenen frühstück gefehlt. Im „geist der versöhnung“ wollen sie gedenken und die weiße rose als zeichen für frieden und gewaltfreiheit tragen. Wider jeden Extremismus. Find ich super das dresden den bösen anglo-amerikanischen bombern jetzt endlich verzeihen und in frieden seinen opfern gedenken kann.
soldaten sind mörder...deutsche sind opfer
(FAZ“… junge Dresdner arbeiten gegen das Vergessen“//arme kleine deutsche)
Blöd nur, dass diese total individuellen und unpolitischen trauerveranstaltungen durch die gemeinen extremisten von rechts wie von links (ist ja eh fast das gleiche) gestört werden. Da wollen doch tatsächlich ein paar verrückte am freitag den 13. februar in der innenstadt gegen mindestens 1000 fackeltragende nazis demonstrieren. Aber das findet in diesem äußerst harmonischen artikel dann eh nur noch am rande erwähnung. Auch zum 14. werden ein paar bemerkungen gemacht. Da gibt’s „Geh Denken“ und „Ein weiteres linkes Bündnis protestiert voraussichtlich in der Neustadt gegen Neonazis“…ja vorraussichtlich-vielleicht ja auch nicht.
Hauptsache auf jeden fall die dresdner opfer deutschen können sich genüsslich trauern und sich freuen, dass die vergangenheit nun endlich verarbeitet ist.
Jetzt hab ich keine lust mehr auf frühstück.

Du lehnst neben mir an einer Hausecke,
grimmig blicken wir auf die Rotte von 30 Faschist_innen
die sich langsam auf die anderen zubewegt.

Viel passiert gerade nicht,
nur ab und zu laufen ein paar Passant_innen vorbei – und sind entsetzt;
nicht über die 30 Neo-Nazis auf der anderen Straßenseite,
sondern über uns
die wir vermummt dastehen
als würden wir so selbstverständlich ins Stadtbild gehören
wie der Parkautomat 5 Meter weiter.

Ich habe keine Angst,
ich vertrau Dir,
ich kenn Dich…

Eigentlich is‘ das ne Lüge
ich kenn Dich natürlich nich
und wenn dann nur in diesem Aufzug.

Ich kenn Deine stechenden Augen
aber außer Small-Talk und ein paar Absprachen
haben wir nie viel miteinander geredet.

Trotzdem vermittelt Deine Anwesenheit etwas sicheres,
Deine Augen haben in brenzligen Situationen schon oft neben meinen geruht
und ich weiß: auf Dich ist Verlass.

Die Partie oberhalb und unterhalb Deines Sichtfensters ist mir unbekannt
ohne die Mütze und das schwarze Tuch würde ich Dich noch weniger kennen
denn im normalen Miteinander bleibt das wesentliche oft auf der Strecke…

Das ist jetzt keine Militanzromantik, auch wenns so klingt.
Das ist für mich eine Ausnahmesituation
und für Dich der beschissene Alltag in Ostsachsen.

Während oben die rufschädigende Wirkung der Gewalt diskutiert wird,
stehst Du unten mit dem Knüppel
vor der gewaltgeilen Realität Deutschlands.

Du hast heut ein freundliches Tuch, mit kleinen Totenköpfen gewählt,
naja – wird ja auch Frühling.
Ich dagegen bedecke mich zu unserem Rendezvous mal wieder mit dem kleinen schwarzen.

Eine Zigarette,
stinkende Morgenluft,
alles ist gut…

Mobivideo für 14.02.09

Der 13./14. Februar in Dresden rückt immer näher. Das Ordnungsamt dreht noch mehr am Rad als gedacht und will am liebsten jegliche antifaschistischen Proteste aus der Innenstadt raushalten.
Immerhin gibt es die erfreuliche Nachicht, dass ein peppiges Mobivideo auf youtube zu finden ist…