Archiv für März 2009

Dresden: Bunte Hausbesetzungsdemo

„Wir beissen zurück!“ – Unter diesem Motto demonstrierten heute ca. 100 Menschen laut und bunt gegen die gewaltsame Räumung der Hechtstraße 7 in Dresden.

14 Uhr wurde es laut auf dem Bischofsplatz. Viele Besetzer_innen und Sympathisant_innen versammelten sich mit Transparenten, Doppelhaltern und Schildern, z.T. auch verkleidet auf dem Bischofsplatz. Von Anfang an wurden Flugblätter verteilt die den Grund der Aktion erklärten.
Gegen 14:30 Uhr wurde der erste Redebeitrag verlesen, in diesem wurde die Besetzung, die Räumung und die Gründe für die Inanspruchnahme von leerstehende Häusern erläutert. Die meisten Passant_innen reagierten, sicher nicht zuletzt auf Grund der sehr offen wirkenden Demo, erstaunlich aufgeschlossen und es kam zu einer Vielzahl von Gesprächen.

Nach dem Redebeitrag zog die Demonstration unter, anfangs etwas schleppend anlaufenden Sprechchören, an der Schauburg vorbei, den Bischofsweg entlag und zum langjährigen Szenetreffpunkt „Scheune“. Dort wurden in einem weiteren Redebeitrag die Folgen der Stadtumstrukturierung in der Dresdner Neustadt thematisiert und an Beispielen anschaulich erklärt.

Die Demonstration verlief weiter (nun kräftiger) über den Albertplatz, die Bautzner und Hoyerswerdaer Straße bis zum Carolaplatz. Dort wurde in einem 3. Beitrag das Gentrefizierungsproblem in Berlin beleuchtet. Während des Beitrag wurde eine Person kurzfristig festgenommen weil sie „ein Staatsgebäude mit Kreide beschmiert“ haben soll. Sofort fingen mehrere Leute an aus Solidarität Straße und Gebäudewände zu verschönen und nach 15 Minuten befand sich die festgesetzte Person wieder in der Demo.

Anschließend ging es nochmals zum Albertplatz, wo nach einem letzten Redebeitrag die Demonstration aufgelöst wurde. Insgesamt wurden ca. 400 erklärende Flyer an Passant_innen verteilt. Außerdem wurde Tipps und Artikel zum Thema Hausbesetzung an die Demonstrant_innen verteilt.

Auf der Demonstration wurde aber auch deutlich gemacht, dass dies nicht letzte Aktion war. Die Demonstration war zwar klein aber immerhin wurde auch erst zwei Tage vorher mobilisiert. Die Besetzer_innen bekundeten den Willen zu weiteren Besetzungen und baten um tatkräftige Unterstützung.

Nächster Termin ist ein Vortrag über Hausbesetzung, die Situation der Stadtteile Hecht, Neustadt und Pieschen, sowie die Hechtstraße 7. Danach soll eine Diskussion über Perspektiven und Chancen der Freiraumbewegung in Dresden stattfinden. Treffpunkt ist 19:30 Uhr am 03.04. in der Martin-Luther-Straße 33.

Nochmal einen großen Dank an alle Teilnehmer_innen.

Demo: Wir beissen zurück! Smash the state – build up autonomous spaces!

An diesem Samstag, dem 28.03., findet 14 Uhr auf dem Dresdner Bischofsplatz eine Demonstration für mehr Freiräume und gegen staatliche Repression stattfinden. Grund dafür sind die gewaltsamen Räumungen der Gevener 51-55 in Münster und der Hechtstraße 7 letztes Wochenende.

Wie bereits in der Presse hinlänglich bekannt ist, wurde am vergangenen Wochenende in Dresden nach längerer Zeit wieder ein Haus besetzt. Die gut erhaltene Immobilie auf der Hechtstraße 7, die sich im Besitz des Bundeseisenbahnvermögens befindet, wurde am Samstag gegen 14.30 Uhr von mehreren Besetzer_innen mit Transpis und Luftballons verschönert, während davor ein buntes Straßenfest mit Musik aus der Konserve, Vokü, Infostand und Jonglage stattfand. Die Veranstaltung verlief bis in die Abendstunden lustig und friedlich, viele Kinder waren dabei, spielten und bemalten Haus + Straße mit Kreide. Die Polizei fuhr nur wenige Male mit Streifen vorbei, ansonsten blieben die Bewohner_innen und Unterstützer_innen unbehelligt.

Das änderte sich schlagartig kurz nach 22.00 Uhr, denn nach dem Rückzug der Feier zwecks Kälte ins Haus und der Beendigung des spontanen Konzerts zweier Punkbands stürmten auf einmal innerhalb weniger Minuten mehrere Spezialeinheiten herbei, knüppelten und prügelten auf die Anwesenden ein, zerstörten einen großen Teil der Einrichtung und nahmen alle fest, denen sie habhaft werden konnten. Haus und Dach wurden mit einem Polizeihubschrauber angeleuchtet, mit Schilden bewehrte Beamt_innen hielten zusammen mit einigen Polizeihunden die restlichen Supporter_innen in Schach, wobei drei davon durch Bisse der Hunde verletzt wurden. Den 18 Menschen, die im Haus angetroffen wurden, wird nun schwerer Hausfriedensbruch vorgeworfen.

Dies war bei weitem nicht die erste Aktion in Dresden für den Erhalt alter- und die Bildung neuer Freiräume. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Besetzungsversuche, vor allem in- und um den Stadtteil Neustadt, der sich durch zunehmende Investitionen und Stadtaufwertungsprozesse nun von einem ehemals alternativem, günstigen Lebensraum zu einem „attraktiven Kneipenviertel“, einem Stadtviertel des Konsumtourismus und der immer höheren Miete gewandelt hat. Diese Entwicklung bahnt sich nun auch im Hechtviertel, welches Schauplatz der letzten Besetzung war, an. So soll das Viertel durch einen neuen Bahnhaltepunkt (der Bahnhof Neustadt liegt ca. 10 Min. Fußweg entfernt) und einen weiteren Supermarkt (2 Minuten Fußweg bis zum nächsten Wsupermarkt) aufgewertet werden, dafür würden dann eine Grünfläche und 2 Wohnhäuser verschwinden. Dieser Prozess der Gentrifizierung ist aber nicht nur hier, sondern in allen großen Städten zu beobachten. Die Umwandlung zentrumnaher Stadtteile in lukrative Wohn- und Partyviertel sieht mensch überall, wo die Baupolitik der Stadt Profite über die Interessen und Bedürfnisse ihrer Bewohner_innen stellt.

Und diese Interessen werden auch mit aller Gewalt durchgesetzt. Allein die traurige Bilanz der letzten Dresdner Besetzung – mehrere Verletzte durch Knüppel, Schläge, Tritte und Hundebisse, eine Gehirnerschütterung, dazu 18 Anzeigen auf „Schweren Hausfriedensbruch“ – gegen völlig friedlichen Protest und die Nutzung eines seit vielen Jahren leerstehenden Hauses.

Doch auch das ist kein Einzelfall. Immer wieder kommt es bei Aktionen der Polizei, vor allem der Einsatzhundertschaften und der SEKs, zu unverhältnismäßigen Verletzungen der Rechte und der Gesundheit von Aktivist_innen oder einfach nur Anwesender. Erst vor nicht einmal 2 Wochen kam es bei einer Freiraumdemo in Berlin unter anderem zu einem Schädelbasisbruch, weil die Polizei einfach durch mehrere Umherstehende stürmte, diese zur Seite stieß und dabei Verletzungen billigend in Kauf nahm. Und auch bei der Räumung der Grevener Straße 51-55 am 26.03. in Münster wurden Verletzte billigend in Kauf genommen, als ohne Vorwarnung mit einem Bagger das Hauptladenfenster zertrümmert wurde, um sich Zugang zu verschaffen.

Aufgrund dieser unangemessenen Gewalt während der Räumung einer absolut friedlichen Besetzung, wie auch bei vielen Räumungen und Aktionen davor wird nun eine Demostration unter dem Motto „Wir beissen zurück!“ stattfinden, zu der wir alle Menschen und Gruppen einladen, denen an einem hierachiefreien und selbstverwalteten Zusammenleben gelegen ist und die das System des Herrschens und Beherrscht werdens, endlich überwinden wollen.

Wir sind nicht bereit, solche Zustände weiter hinzunehmen, sondern fordern alle auf, mit uns zusammen am Samstag zu demonstrieren. Für den Erhalt und die Bildung neuer alternativer Freiräume. Gegen Polizeigewalt und staatliche Repression. Für eine Ökonomie und ein solidarisches Miteinander fern der kapitalistischen Verwertungslogik.

Wir wollen am Samstag laut, bunt, friedlich und entschlossen den Repressionsorganen und der Stadtregierung zeigen, dass wir uns so leicht nicht klein kriegen lassen.

Auch andere Formen des Protestes sind willkommen, die Stadt ist groß.

WIR BLEIBEN ALLE! UND WIR WERDEN IMMER MEHR!

Dresden: Spontandemo Samstag den 28.03.

Heute wurden die besetzten Häuser Grevenerstraße 51-55 in Münster gewaltsam geräumt. Gegen 13:30 Uhr zerschmetterte die Polizei ohne Vorankündigung die Scheibe des Ladencafés „versetzt“. Die Polizei stürmte anschließend die Häuser, dabei wurden 2 Personen festgenommen, ihnen wird Hausfriedensbruch vorgeworfen. Die betroffenen Häuser werden im Moment abgerissen, das Inventar der Besetzer_innen wird weggeworfen.

Wir rufen am Samstag zu einer Spontandemonstration gegen die Räumung der Hechtstraße 7 und der Grevenerstraße 51-55 auf!

Treffen ist 14 Uhr auf dem Bischofsplatz.

Die Besetzer_innen und Freund_innen der Hechtstraße 7

anarchie lied

Endlich mal an song für alle anarchist_innen. treffender kann mensch einfach nicht beschreiben was die träume, hoffnungen, ziele und theoretisch, philosophischen grundlagen des anarchismus sind..hörts euch einfach an :D

*edit: keine politik ist machbar-Oi!

Dresden: Spontandemonstration nach Räumung

Heute wurde in Dresden eine Spontandemonstration gegen Polizeigewalt und für den Erhalt des am Samstag besetzt- und geräumten Hauses auf der Hechtstraße 7 durchgeführt. Diese wurde von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet.

Am Samstag, den 21.03. wurde um 14:30 Uhr ein seit Jahren leerstehendes Haus auf der Hechtstraße 7 besetzt (siehe Indy) und um 22:15 Uhr brutal von der Polizei geräumt. Um gegen die Räumung und die anhaltende Polizeigewalt in Dresden zu protestieren versammlten sich heute ca. 60 Menschen auf dem Pirnaschen Platz. Von Anfang an wurde der Demonstrationszug von mindestens mehr als doppelt so vielen Beamt_innen begleitet.

Die Besetzer_innen und Sympathisant_innen zogen Flyer austeilend und unter Sprechchören vom Pirnaschen Platz über Wildsdruffer Straße, Postplatz, Theaterplatz, Schlossplatz, Goldener Reiter, Hauptstraße, Königsbrückerstaße, Bischofsweg bis kurz vor das ehemals besetzte Haus. Dort wurde die Gruppe von mehr als einer Hundertschaft gestoppt und es gab eine Abschlusskundgebung.

Wir geben nicht auf, wir werden weiter für unkommerziellen Wohn- und Arbeitsraum kämpfen und fordern die Stadt auf, endlich die Bedürfnisse nach selbigen zu befriedigen.

Wir bedanken uns bei allen die da waren und freuen uns auf zukünftige Aktionen mit euch.

Hausbesetzung Dresden

Heute ist in der Hechtstraße des Dresdner Hechtviertels ab 14.30 Uhr ein seit langem leer stehendes Gebäude besetzt worden.
Das Gebäude, was sich in Bahnbesitz befindet, wurde mit Transparenten und Luftballons geschmückt und es gab eine lustige, friedliche Party vor dem Haus.
Gegen 18.30 zogen sich dann Musik, BesetzerInnen und SupporterInnen in die erste Etage des Gebäudes zurück, wo die Feier weiterging. Bis ca. 22.00 Uhr spielten noch zwei Live-Bands.
Den ganzen Tag über wurde die Veranstaltung nicht von der Polizei besucht, die kamen erst gegen 22.15, dann jedoch mit 2-3 Einsatzhundertschaften aus den Gebieten Dresden und Leipzig, sperrten den Bischofsweg großflächig ab und stürmten ohne Vorwarnung den Platz vor dem Haus sowie die noch immer offene erste Etage. Ein Helikopter war ebenfalls im Einsatz. ZuschauerInnen und SupporterInnen, die später eintrafen, wurden vcn den vollgepanzerten Einheiten mit Schilden zum Teil unter Schlägen zurückgedrängt.
Gegen 23.00 befanden sich anscheinend noch alle Personen im Haus, oder die Festnahmen konnten nicht beobachtet werden.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt läuft die Räumung immer noch, über die Zahl der festgenommenen Personen ist noch nichts bekannt, jedoch befanden sich 10min vor Räumungsbeginn noch ungefähr 40-50 Leute im Haus.
Ergänzungen folgen.

Dienstag 17. März Kundgebung

Es wird mal wieder Zeit. Obwohl es fast schon den Anschein machte, als wäre das Ladenschluss-Bündnis Dresden eingeschlafen oder aufgelöst, jetzt mal wieder eine öffentlichwirksame Aktion. Kommt morgen am 17. März alle zur Kundgebung auf dem Schlossplatz gegen Thor Steinar. „Untragbar! NaziLäden dichtmachen!“
addn.me schreibt dazu:

„Das Oberlandesgericht Dresden verhandelt am 17. März eine Klage einer Berliner Immobiliengesellschaft gegen die Betreiber des Leipziger Thor-Steinar-Ladens. Ziel der Klage ist die Räumung des Shops. Die Ladenschlussbündnisse aus Dresden und Leipzig begleiten die Verhandlung mit einer Kundgebung und Infoständen.

Es wird eng für den Thor-Steinar-Laden “Tönsberg” der Firma Mediatex in Leipzig. Nach einem Gerichtsurteil des Landgerichts Leipzig vom November vergangenen Jahres hätte der Laden in der Wagner-Strasse längst geräumt werden müssen. Der Grund: Mediatex-Chef Uwe Meusel hatte im Vorfeld der Mietung des Ladens lediglich angegeben, Outdoor- Bekleidung im sogenannten Young-Fashion- Bereich zu verkaufen. Von Klamotten der Nazi-Marke “Thor Steinar” war dabei nicht die Rede. Die Berliner Vermieterin des Ladens Immovaria Beteiligungen AG sah sich deshalb getäuscht. Das Landgericht Leipzig gab ihr in dieser Einschätzung recht und ordnete die Räumung an.

Für Uwe Meusel ist sein Laden in Leipzig aber offenbar lukrativ genug, um für ihn ein weiteres kostspieliges Gerichtsverfahren zu riskieren. Er legte Widerspruch gegen das Urteil aus Leipzig vor dem Oberlandesgericht in Dresden ein. Erfolgschancen kann er sich allerdings nicht ausrechnen. So entschied das Oberlandesgericht Sachsen-Anhalt im Oktober vergangenen Jahres in einem ähnlichen Fall gegen den Thor-Steinar-Laden im Hundertwasserhaus in Magdeburg. Dagegen wurde jedoch Widerspruch vor dem Bundesgerichtshof einlegt. Für Meusel ist die Klage vor dem Oberlandesgericht Dresden vorallem eine Möglichkeit Zeit zu gewinnen und bis zu einem endgültigem Urteil weiterhin seinen Laden in Leipzig betreiben zu können.

Die Ladenschlussbündnisse aus Leipzig und Dresden begleiten die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht mit Infotischen und einer antifaschistischen Kundgebung. Diese beginnt ab 14 Uhr auf dem Dresdner Schlossplatz. Dort gibt es fluffige Musik und viele Infos zu Thor Steinar. Auf der Kundgebung soll Nazimode nicht nur politisch, sondern auch optisch etwas entgegengesetzt werden. Bringt deshalb T-Shirts oder andere Klamotten mit und werdet kreativ. Farben und Schablonen gibt es am Infostand.“

Zeiten und Orte:

Ab 10 Uhr Infotisch/Schlossplatz Dresden
Ab 10 Uhr Infotisch/Kleiner Willy-Brandt-Platz Leipzig
Ab 14 Uhr Kundgebung „Untragbar! Naziläden dichtmachen!“/Schlossplatz Dresden

Quelle: Indymedia/Ladenschluss Bündnis (14.03.2009)

Mein Widerstand heißt Lebendigkeit?

Wieder einmal habe ich 2 Tage und eine Nacht mit dem zocken irgendeines beknackten PC-Games verbracht. Zeitweise habe ich sogar – und das ist noch beknackter – einfach nur zugesehen wie mein Freund spielt.

Als ich dann heute Morgen bei den täglichen Erledigungen einen Himmel erblickte der in seiner Farbgebung die Möglichkeiten meiner Grafikkarte um Längen übertraf und ich die Sonne ebenso wie die eisige Winterluft in meinem Gesicht spürte, da war es wieder da: Das schlechte Gewissen einmal mehr Tage verschenkt zu haben, die einem später vielleicht unbezahlbar erscheinen werden.

Ihr kennt die Frage vielleicht, die ich mir heut zum hundertsten mal gestellt habe:“Wieviel Lebenszeit, wieviel Chancen schon auf diese Art und Weise verloren?“ Der Gedanke an die sinnlos hingeopferten Stunden, die betäubten Empfindungen, die Lieben die mensch in der Benebelung unbeachtet vorbeigehen lies würden wohl die meisten Menschen wahnsinnig machen. So ist es nicht verwunderlich das ein Großteil des menschlichen Tagesablaufes darauf ausgerichtet ist, die mahnenden Stimmen in ihrem Kopf zum schweigen zu bringen, sie zu unterdrücken oder sich von ihnen abzulenken.

Doch wenn wir allein mit uns sind, wenn keine zerstreuende Beschäftigung greifbar ist, dann kriechen sie schleichend und fressend in uns hoch – die düsteren, nagenden Gedanken über unser Leben und das „Was wäre wenn…“. Sie sind dann alle wieder da, die ungeachteten Minuten, Tage und Wochen unseres Lebens, die wir arrogant exekutierten für ein bequemes Überleben in der Maschinerie. All die Träume die erfroren sind, weil wir zuviel Angst hatten ihnen Leben einzuhauchen, sie kehren zurück und fragen uns mit fassungslosen, toten Augen nach dem „Warum?“.

Wir haben Angst vor dem Leben und versuchen es in kontollierte Bahnen zu lenken, uns angenehm zu benebeln bis wir unsere Existenz endlich hinter uns gebracht haben. Unsere Realitätsflucht ist allgegenwärtig, egal ob das PC-Game, der Joint oder das stumpfe Fernsehprogramm. Lieber ein angenehmes Dilirium als sich mit der Intensität der Realität auseinander zu setzen in der mensch nicht cheaten, umschalten oder sich auf einen anderen Film schieben kann.

Immer wenn ich mich mit einer der oben genannten Möglichkeiten, angenehm und unkompliziert meinen Lebenszeit rumzukriegen, konfrontiere fällt mir auf, dass ich damit die Sehnsucht nach Leben, Abenteuer und Leidenschaft zu lindern suche.

Denn ein Abenteuer ist es längst nicht mehr durchs Land zu ziehen, denn das Land ist zahm und so eng das es mir die Kehle zuschnürt. Eine Stadt sieht aus wie die andere und an den meisten Orten reden die meisten Menschen die meiste Zeit die gleiche Scheiße wie überall sonst. Abenteuer ist auch schon lang nicht mehr sich der Staatsmacht entgegen zu stellen. Auch hier immer wieder der selbe Mist, mal verlierst Du eben sofort und mal dauerts länger. Hast Du das Spielchen erstmal durchschaut geht Dir jede Spannung dabei verloren.

Auch die Leidenschaft wird hart auf die Probe gestellt, denn auch wenn in unseren Kreisen gerne von einem „miteinander und für einander“ gesprochen wird, so sind die Beziehungen der zusammen kämpfenden Menschen doch oft von Oberflächlichkeit, Misstrauen und der Angst vor Nähe gekennzeichnet. Die Leidenschaft stirbt ebenfalls, wenn das Gefühl für das persönlich richtige und die vom Herzen diktierte Richtung des Handels nichts mehr zählt und alles immer mit 5 Aufsätzen, Zitaten aus min. 10 Bücher und min. 3 Fremdwörtern pro Satz belegt werden muss. Nicht zu letzt stirbt unsere Leidenschaft wenn jedes Stück Lebensfreude, Kindlichkeit und gelebte Utopie in stundenlangen Wortgefechten gegen sogenannte „Professionalität“, Bündnispolitik und dergleichen Übeln mehr behauptet werden muss.

So flüchten auch wir -an sich lebensfrohen- Utopisten immer wieder in unsere Scheinwelten, konsumieren uns stumpf, schalten uns ab, ersticken unser schöpferisches Potential und fügen uns so der Maschinerie die wir bekämpfen wollen.

Warum aus unseren alltäglichen Fluchtversuchen nicht öfter eine Flucht nach vorn machen, hinein ins Leben? Keine konsumierende Flucht bei der es um die Betäubung geht, nein eine schaffende, die danach strebt sich selbst und die eigene Umwelt aktiv zu bereichern und zu gestalten.

Es muss nicht zwingend immer die Revolution sein, die wir mit unseren Taten auslösen. Viel würde es schon innerhalb und außerhalb der Szene bringen, die Leute von den Tüten, Tastaturen und Bildschirmen wegzubekommen. Wir müssen uns selbst und unseren Mitmenschen wieder Lust auf die aktive Gestaltung unserer/ ihrer Leben machen. Das ist die absolute Vorraussetzung für einen sozialen Umbruch in unserem Sinne. Du bist also gefragt: Wenn Du Dich das nächste mal wieder erwischst, wie Du gerade sinnlos Lebenszeit in den Restmüll kippen willst entscheide Dich anders, fahr zu einem/r Freund_in und rede stundenlang über Philosophie, geht baden in der Elbe, spielt Fußball auf der Prager Straße, geht wandern oder macht ein Lagerfeuer auf einer Freifläche. Fragt euch einfach mehrmals am Tag ob die Tätigkeit die ihr gerade ausführt euch und/ oder eure Umwelt bereichert – wenn die Antwort nein lautet, dann sucht euch ne andere Beschäftigung. Erklärt der Langeweile und der Abstumpfung den offenen Krieg, streut Chaos in die Welt und fangt an wirklich zu leben – das ist wahrer Nonkonformismus, das ist eine der radikalsten Arten der direkten Aktion!

„Mein Widerstand heißt Lebendigkeit!“ - Früchte des Zorns

Demo in Berlin: United we stay!

Prießnitzgrund: Neue LKW-Straße?

Das in Dresden nicht nur auf das Interesse größerer Bevölkerungsschichten, sondern auch gerne mal auf den Umweltschutz, geschissen wird mag den meisten bekannt sein. Doch das Projekt, das die Stadt seit den letzten Monaten im Prießnitzgrund durchführt, zeugt wieder einmal von besonderer Dreistigkeit.

Was ist passiert?

Vor einiger Zeit begannen im Prießnitzgrund Arbeiten an zwei defekten Schmutzwasserleitungen. Neben diesen, auch aus ökologischer Sicht, durchaus nötigen Reparaturen soll nun jedoch auch der Weg an der Prießnitz für LKWs mit einem Gewicht von bis zu 10 Tonnen befahrbar gemacht werden.

Um die gewünschte Straße zu bauen müssten nicht wenige Bäume weichen, andere würden maßgeblich beschädigt. Der Waldweg würde einer weniger idyllischen, 3,50 Meter breiten Schotterstraße Platz machen und die Flora & Fauna würden durch Lärm und Abgase beeinträchtigt. Klingt alles in allem also nach einer blöden Idee.

Und nun?

Auch die Neustädter Grünen sind von den Bauplänen nicht sehr begeistert und schöpfen nun die bürokratischen Möglichkeiten aus. Wer Dresden kennt und sich darauf nicht verlassen will dem sei empfohlen sich zu informieren und diese Informationen weiter zu tragen.

Und wenn der Bau dann weiter geht – nicht vergessen:
direct action get satisfaction!

Quelle:

Die Grünen in der Neustadt

Lesung am 12.03.2009 um 20 Uhr im AZ Conni

Israel/Palästina: Am Rande des Abgrunds oder Aufbruch zu anderer Zukunft?

Buchvorstellung des Verlags Graswurzelrevolution

Mit Sebastian Kalicha, Wien, (Hg.):

Barrieren durchbrechen!
Israel/Palästina: Gewaltfreiheit, Kriegsdienstverweigerung, Anarchismus.

Ist eine gerechte und friedliche Lösung des Nahostkonflikts realistisch oder sind die Hindernisse auf dem Weg dahin bereits unüberwindbar? In der palästinensischen Westbank baut Israel eine groß angelegte, geopolitisch motivierte Barriere (Mauer). Zwischen Israel und Gaza herrscht offener oder verdeckter Krieg. Gegen die Sperranlage hat sich in den letzten Jahren durch die Anwendung direkter, gewaltfreier Aktionen eine neue Graswurzelbewegung in den Gemeinden der palästinensischen Westbank und bei israelischen Solidaritätsgruppen entwickelt. Die AktivistInnen durchbrechen im gemeinsamen Widerstand Barrieren der Abschottung und der gegenseitigen Ignoranz.

Dieses Buch versammelt Beiträge von israelischen, palästinensischen und internationalen AktivistInnen, die den Nahostkonflikt von gewaltfrei-antimilitaristischen, feministischen und libertären Standpunkten aus betrachten. Die AktivistInnen skizzieren ein Bild des Konflikts von unten, bei dem die Sichtweisen und Aktivitäten der lebendigen und radikalen Graswurzelbewegungen, nicht die der weltpolitischen Eliten, die Hauptrolle spielen.

AktivistInnen von Gruppen wie New Profile, MachsomWatch, Women in Black, Popular Committee of Budrus, Popular Committee of Bil’in, Gush Shalom, Yesh Gvul, International Women Peace Service, International Solidarity Movement, ActiveStills, The Other Israel, Occupation Magazine, Black Laundry und Anarchists Against the Wall kommen zu Wort und präsentieren die Auseinandersetzungen in Israel/Palästina von einer neuen, in den westlichen Medienberichten viel zu oft vernachlässigten und für viele ungewohnten Perspektive.

Die Buchvorstellung findet am Donnerstag den 12.03.2009 um 20.00 Uhr im AZ Conni (Rudolf-Leonhard Straße 39) statt und wird veranstaltet vom „infocafe-dresden“ und der „initiative für totale kriegsdienstverweigerung dresden“.