Archiv für Juni 2009

Räumung des „Milada“ in Prag

Am Morgen des 30.06. begann die Räumung des besetzten Prager Hausprojekts Milada.

Links:
offizielle Seite (CZ)
Bilder
Presse (CZ)
http://www.milada.org/index.php
es gibt auch einen livestream:
http://88.86.114.137/borovec

Quelle: de.indymedia

Edit:
Gestern veröffentlichten die BesetzerInnen noch eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse auf englisch, hier eine freie Übersetzung:

Das Milada ist vollständig verlassen, der Menschenrechtsminister verspricht Ausweichräume

Heute wurde der Squat Milada durch ein privates Security-Unternehmen komplett zerstört und geräumt. Deren Hauptanliegen bestand darin, die Fenster und den Privatbesitz der Besetzer zu zerstören. Das gesamte Dach wurde ebenfalls auseinandergenommen.
Die Security-Firma ist dafür bekannt, häufig Neo-Nazis einzustellen. Die Angestellten, die heute im Einsatz waren, trugen Thor Steinar Shirts.
Antifa.cz erklärte, dass einer der Securities erst letzte Woche unter Arrest stand und bereits wegen rassistisch motiviertem versuchtem Mord angeklagt war.

Das Haus selbst ist im Besitz des Staats, welcher es mehrere Jahre lang dem Verfall überlassen hatte. Vor 10 Jahren zogen einige BesetzerInnen in das Haus. Heute, nach dem Ende der gewalttätigen Zerstörung des Hauses, kamen der tschechische Minister für Menschenrechte und die BesetzerInnen zu einer Einigung. Minister Kobac versprach, dass er versuchen will, ein Ausweichobjekt für die AktivistInnen zu finden. Nachdem beide Seiten zu dieser Einigung kamen, verließen die letzten beiden Leute freiwillig das Dach des Hauses, von dem die Polizei sie vorher nicht herunterholen konnte.

Im Laufe des Tages kamen heute mehrere hundert SupporterInnen am Milada an, die Demonstrationen werden morgen fortgesetzt, am 1.07.09 12.00 Uhr am Senovazne namesti in Prag.
In den nächsten Tagen wird das Infocafe Krtkova Kolona non-stop geöffnet sein. Es wird als Convergence Center für ankommende AktivistInnen von außerhalb Prags dienen. Wir versuchen, Schlafplätze für alle zu finden, die an den Kämpfen für ein neues Haus teilnehmen wollen.

Demo gegen das Iranische Regime

Am 4. Juli wird aus aktuellem Anlass eine Demo in Dresden gegen das iranische Regime stattfinden. Die anhaltenden Aufmärsche Tausender Systemgegner_innen im Iran anlässlich des Wahlbetrugs und die Oppositionsbewegung scheinen durch die starke Repression und dutzende Tote noch an Stärke zu gewinnen.
Unsere Solidarität gilt den emanzipatorischen Aufständischen im Iran, welche sich gegen das islamistische Regime stellen.
Treff ist 13 Uhr am Schlesischer Platz (Bhf. Neustadt).

Der Demo Aufruf von Venceremos ist jetzt auch online.


für weite infos schaut auch auf:
free iran now
stop the bomb
stop the mullahs

Greenpeace klettert für die Nation

Quelle: indymedia linksunten


Greenpeace hatte mit Emanzipation ja noch nie viel am Hut. Verwiesen werden soll nur auf die extrem hierarchische Struktur und die in den letzten Jahren stattgefundene Spezialisierung auf Lobbyarbeit. Den Vogel abgeschossen haben sie aber nun: Greenpeace bekletterte die Reaktorkuppel des Atomkraftwerks Unterweser um ein Transparent zu hängen mit der Aufschrift: „Atomkraft schadet Deutschland“

So so, das Problem ist also nicht, dass hier AnwohnerInnen verstrahlt werden, dass anderswo Tausende beim Uranabbau umkommen, dass ein Risiko für alle Lebewesen weltweit auf unabsehbare Zeit besteht, sondern das es Deutschland schadet. Wenn das so stimmen würde, dann sollte mensch ja eigentlich zu Vattenfall gehen und so viele dieser Dinger in die Gegend setzten wie möglich. Auf dass Deutschland daran zugrunde geht. Leider ist es nicht so. Denn Atomkraftwerke nutzen Deutschland genauso wie jedem anderem Staat, sonst würden sie nicht subventioniert, oder sonst würden nicht die Risiken übernommen werden.

Atomkraftwerke nutzen den Staaten nämlich, dabei unabhängig von Rohstoffen anderer Länder zu sein, und natürlich haben sie einen militärischen Nutzen. Die Aussage muss deshalb genau andersherum sein: Atomkraft schadet Deutschland, und Deutschland schadet den Menschen. Deshalb Deutschland und Atomkraft abschaffen.

KletteraktivistInnen werden bei Greenpeace wie in der Schule benotet, und nur die besten kommen ins nächste Training und so weiter. Wäre stattdessen nicht vielleicht ein Schnuppertraining der KampangenplanerInnen in Theorie angemessener?
(Ohne jetzt mit der eigentlich korrekteren Forderung nach Abschaffung von der Trennung von PlanerInnen und AusführerInnen kommen zu wollen)

Deutschland in die Asse, Atomkraftwerke abschaffen! Endlagerung im Bundestag, oder in der Greenpeace Zentrale!

Dresden: Philosophische Fakultät besetzt!

Am Morgen des 17.06. wurde die Philosophische Fakultät der TU-Dresden besetzt. Die Eingänge des Gebäudes auf der August-Bebel-Straße wurden blockiert und Veranstaltungen in den Hörsälen und Seminarräumen verhindert. Die Aktion steht im Rahmen des Bildungsstreiks.

Die Besetzer_innen fordern den Erhalt der Philosophischen Fakultät einen besseren Betreuungsschlüssel sowie die Vollbesetzung der Professuren. Außerdem wird die Sanierung des heruntergekommen Gebäudes und eine bessere Ausstattung eingefordert. Zahlreiche Studierende, Professor_innen und Mitarbeiter_innen zeigten sich solidarisch und trugen sich z.B. auf eine Unterstützungs-Liste ein.

Stand 18.06. – 16 Uhr: Die Besetzung der August-Bebel-Straße geht weiter! Es werden noch Unterstützer_innen benötigt. Kommt vorbei und bringt eure Schlafsäcke mit.

Transparent am besetzten Gebäude

Quelle: Indymedia
Bildungsstreik Dresden

11.07.09 / Gera: Nazis die Party verderben!!

*update:
super duper mobivideo:

Am 11.07.09 jährt sich das rechtsradikale Musikfestival „Rock fuer Deutschland“ zum sechsten mal. Unter dem diesjährigen Motto „Hier bleiben – Anpacken“ versuchen Nazis und Rassisten unterschiedlicher Strukturen ihrem lebensfeindlichen Weltbild eine Plattform zu geben und gleichzeitig den Wahlkampf der NPD finanziell zu unterstützen. Dieses Jahr sind u.a. als Redner Udo Voigt und als Hauptact „Die Lunikoff Verschwörung“ geplant. Bis zu 1000 Neonazis nutzen in den letzten Jahren die Gelegenheiten auf dem zweitgrößten Nazi-Fest, nach dem Fest der Völker, um Hass und Xenophobie zu huldigen. Gleichzeitig versuchen sie insbesondere seit den letzten Wochen mit einer sich immer weiter zuspitzenden Gewaltspirale Angst und Schrecken zu verbreiten und sich somit die passende Kulisse für ihre Selbstinszenierung zu verleihen. Ignoranz oder gar falsches Verständnis sind hier völlig fehl am Platz. Nazis können kein Dialogpartner sein. Kommt am 11.07.09 nach Gera und beteiligt euch an den Protestaktionen!

Quelle und weiteres: kabelbruch.blogsport.de

Edit: In der Überschrift stand vorher „versauen“…

Samstagnachmittag

Ich möchte darauf hinweisen, dass dieser Text aus einem „szene-internen“ Blickwinkel heraus geschrieben ist, was Menschen die sich nicht innerhalb der selbigen bewegen etwas verwirren könnte, da einige Bilder sehr zugespitzt dargestellt sind. Ich möchte mich außerdem bei meinen Freund_innen dafür entschuldigen, dass ich es so selten schaffe auch die positiven Seiten unseres Alltags darzustellen.

Kippe rauchend sitze ich in meinem Zimmer und denke über die Gestaltung meines Lebens, meine Taten und meine Überzeugungen nach. Ja, auch solche Momente gibt es im Alltag eines „linken Extremisten“, der mit Nazis, die erneut Millionen von Menschen vergasen würden auf einer Stufe steht, zumindest wenn es nach den CDU-„Experten“ wie Herrn Dr. Jesse geht. Ich sitze da also in meinem schlecht beleuchteten, viel zu kleinen und bis zum Erbrechen zugestellten Zimmer, starre verloren an die niedrige Decke und lass meine Gedanken schweifen. Ich weiß ziemlich genau, wo ich hin will, was ich erreichen will und warum. Doch meine Träume scheitern so oft an der Traumlosigkeit anderer Menschen… Mir wird bewusst, wie tiefgreifend die Philosophie ist, die besagt, dass mensch zur eigenen Freiheit erst alle anderen Menschen befreien muss. Im Umkehrschluss bedeutet das letztlich nichts anderes, als dass ich, in jedem Moment wo ich mir meine Freiheit nehmen lasse, auch die Freiheit aller anderen bedrohe. Das ist dir zu abstrakt? Okay, ganz einfaches Beispiel: Wenn ich im Zug sitze und meine Fahrkarte kontrolliert wird und aus irgendeinem kuriosen Grund habe ich sogar eine dabei und zeige sie brav vor, bringe ich dann nicht alle in Gefahr die reisen wollen, auch ohne Geld für eine Fahrkarte? Wenn alle das Vorzeigen einer Fahrkarte verweigern würden, was wollte der/die Kontrolleur_in dann machen?

Dies ist nur einer von vielen gedanklichen Ausflügen an diesem Abend und die meisten enden ähnlich: ich bemerke wie sehr ich Teil meines eigenen Problems bin. In den Diskussionen am Nachmittag wurde wie immer viel über das Fehlverhalten von anderen Menschen erzählt. Es wurde zum Teil von Herrschenden, Bonzen, Yuppies und [beliebigen Sündenbock hier einsetzen] gesprochen, doch wo bleibt die Selbstreflexion, die Ehrlichkeit? Sicher die oben genannten Personengruppen tragen natürlich viel dazu bei, dass die Welt so ist, wie sie ist, Aber wie viel besser sind „wir“ (die mit den schicken schwarzen Klamotten, den coolen Phrasen und modischen A-Aufnähern) denn?

Kaufen wir ein? Ja, – aber natürlich nur bei dem kleinen Laden um die Ecke, da der natürlich der/die gute Kapitalist_in ist (vgl.- Springer, Demonstrant – gut/ böse). Brauchen wir Gruppenidentität? Natürlich nicht, aber Szeneklamotten, unverständliche, politische Fachbegriffe und die feste Überzeugung alles besser zu wissen und sowieso recht zu haben, sind für eine bessere Welt einfach unvermeidlich.

Naja, dann ist ja an sich alles super, wir haben es drauf und die ANDEREN (also der beschränkte Pöbel) muss es nur noch merken.

…Denkpause, muss nächste Kippe rollen…
*anzünd*
*zieh*
Ah, herrlich dieses unvergleichliche Aroma von American Spirit kommt aber nur richtig raus, wenn mensch dazu die dünnen von OCB benutzt. So, noch nen Schluck von der, aus irgendeinem Grund politisch korrekten, „Club Mate“ und dann geht’s weiter…

*rülps* So, weiter im gedanklichen Ausflug, umrahmt von der antikapitalistischen Tristesse meiner autonomen Abstellkammer. Wenn mensch mit verschiedenen Leuten Diskussionen über die Änderung der Gesellschaft und die Rolle, die eine „autonome“ „Bewegung“ darin inne hat, führt, dann wird mensch meist auf sehr ähnliche Standpunkte stoßen, die sich vereinfacht in 3 Gruppen zusammen fassen lassen. Da gibt es zum einen die, die in der Bewegung stecken und (fast) jeder Person, die nicht die kulturelle Grammatik (also die Szenecodes) selbiger befolgen die Fähigkeit und den Willen zur gesellschaftlichen Veränderung absprechen. In diesen Kreisen findet mensch dann auch am ehesten die oben beschriebene Unfähigkeit, bzw. den Unwillen die eigenen Widersprüche zu erkennen. Hier würde ich mich dann auch verorten, wenn gleich ich mich um Besserung bemühe. Ganz ehrlich!

Auch recht häufig kommt mensch mit Aussteiger_innen oder Leuten, die sich innerhalb der Szenedunstkreise bewegen in Kontakt. Von dieser Seite hört mensch dann oft sehr treffende und erbarmungslose Kritik, die meist mit der Konsequenz der politischen Lethargie gekoppelt ist. Die Mängel werden erkannt, auf Blogsport-Seiten, Indymedia-Kommentaren, in zufälligen Gesprächen, Diskussionsveranstaltungen oder Aushängen im örtlichen AZ, gerne sehr vulgär, dargelegt und zum Anlass genommen sich darüber hinaus gänzlich aus der aktiven Politik raus zu halten, weil die „Szene“ ja eh scheiße ist.

Schlussendlich gibt es dann noch eine nicht gerade geringe Zahl von Leuten, die sowieso keinen Funken Hoffnung auf irgendeine breite Verbesserung in dieser Welt hat und die jedem rät, den eigenen Arsch zu retten und zu erkennen, dass jegliche Aktivität darüber hinaus nur zu Lasten des Steuerzahlers geht und sowieso keine Erfolgsaussichten genießt.

Alle drei Stereotypen kotzen mich gleichermaßen an (auch wenn es darüber hinaus und dazwischen natürlich unzählig mehr Meinungen, Positionen und Macken gibt). Die einen machen Aktionen für die Szene und fürs Ego, ohne sich noch mit kritischem Blick von außen betrachten zu können, die anderen betrachten nur noch von außen, zu bequem oder resigniert, um aus ihren Einschätzungen und Schlussfolgerungen etwas Konstruktives erwachsen zu lassen. Letztere haben ihr geistiges und utopistisches Potential meist schon völlig über den Jordan geschickt, suchen höchstens nach Gründen, mit denen sie ihre Einstellung legitimieren können und gammeln mit Lohnarbeit und Glotze der Rente entgegen.

„Da kann mensch schon depressiv werden.“, denk ich mir und lege die dazu passende Musik ein: in diesem Fall „Deine Lakein“ mit Liedern wie „2nd Sun“.

Ich habe mir gerade eine Flasche Billigschnapps hoch geholt und will mich an einer Welle theatralischen Selbstmitleids berauschen, da stört von der Straße kommender Lärm das herrlich emotionale Klaviersolo. Ein Gruppe halbstarker, flaumbärtiger Jungs in trendigen Markenoutfits zieht vor meinem Fenster gröhlend über die Straße, markiert urinierend ihr Revier und macht einem, für sie wohl sehr attraktiv-erscheinenden, Mädchen lautstark und äußerst direkt die „Aufwartung“.

Meine Gedanken, dadurch jäh aus der melancholischen Grundstimmung gerissen, schlagen einen neuen Kurs ein. Nachdem ich die vorbeiziehenden Macker aus dem Fenster vollgepöbelt habe, denke ich darüber nach, dass es in der ganzen Debatte um die Neustadt eigentlich um viel mehr geht. Die Wut, die Empörung und die ganze Hetze gegen die bösen, die anderen ist nicht nur eine Frage des Kapitals.

Es ist eine Frage von Lebenseinstellungen; von den D.I.Y.-Punkern, abgedrehten Irren, antiautoritären Hippies, den Rolling Stones singenden Alkoholikern und den tausenden anderen unkonventionellen Gestalten zu saufenden Party-Prolls, Leuten, die nach einem harten Arbeitstag aus verständlichen Gründen einen ruhigen Feierabend haben möchten, Leuten die sich aus weniger verständlichen Gründen eine florierende Wirtschaft im Viertel wünschen, Menschen, die gerne Luxus genießen ohne mit den Anzug tragenden Zombies auf dem Weißen Hirsch zusammenzuwohnen und auf beiden „Seiten“ viel zu viele Leute, die sich darüber noch nie Gedanken gemacht haben.

Es ist also oft auch ein persönlicher und weniger ein gesellschaftliche Konflikt, in dem ein demolierter Mercedes schnell eine revolutionäre Tat und das Anzeigen von stillen Besetzer_innen schnell eine Maßnahme für die Sicherheit der Nachbar_innenschaft wird. Von allen Seiten blinken in Leuchtschrift Worte wie „verkürzt“, „Frontenbildung“ usw. auf.

Da stellt sich die berechtigte Frage: wo steh ich in diesem Krieg? Von Neutralität kann ich bei mir nicht sprechen, habe ich für die Macken der „Szene“ doch eindeutig mehr Verständnis als für die Macken der anderen. Trotzdem ist es doch so, dass uns weniger persönliche Differenzen zu Feinden machen, als die Spielregeln des Systems, die uns gegeneinander ausspielen. Während ich das schreiben unterbreche, um abzuaschen, bin ich der Meinung hier gerade eine große Erkenntnis abgetippt zu haben. Spinnen wir den Faden also mal weiter. Ich hoffe du bist noch nicht eingeschlafen. Die persönlichen Feindschaften gibt es ja trotzdem. Zum Teil sind die wirklich durch völlig entgegengesetzte und mit sich unvereinbare Ansichten begründet. In den meisten Fällen sieht es doch aber eher so aus, dass Personengruppe A, Personengruppe B nicht annähernd vermitteln kann, warum sie so denkt und lebt wie sie es nun mal macht. So versteht Anwohner_in A vermutlich nicht, warum ihre lang ersparte Karre vom Autonomen XY in einer Anti-Gentrifizierungsaktion abgefackelt wird. Genauso wenig versteht Punker_in D, warum Nachbar_in K bei einem Konzert gleich die Bullen holt, damit die Kids ab 22 Uhr pennen können.

Irgendwie scheint der Gedanke, es mal mit Kommunikation zu versuchen, sehr vielen Akteur_innen verloren gegangen zu sein. Es scheint viel leichter, immer die Unterschiede und das Störende im anderen Menschen zu sehen als das Liebenswerte oder die Gemeinsamkeiten.

So, und jetzt fragen wir uns beide mal, also ich als tippender und du als hoffentlich noch lesender Mensch, ob das nicht genau Teil der kapitalistischen Philosophie vom Existenzkampf gegeneinander und Ausdruck der dadurch atomisierten Gesellschaft ist, die immer kritisiert werden. Vielleicht ist das ja alles ein Ansatzpunkt mal wirklich was zu ändern. Einige sind dieser Meinung und auch wenn es ein langer Weg ist, vielleicht stellen sich die Monster, die wir immer bekämpfen, ja doch bei einem Blick über den Tellerrand als Menschen heraus und vielleicht sehen wir ja, bei einem ehrlichen Blick in den Spiegel, dass auch wir zum Teil Monster sind.

Gegen Gruppenidentitäten, dogmatische Ideologien und den ganzen anderen Scheiß, der uns zu Nazis macht!

Luftschlosskämpfe

- den Hausbesetzer_innen

Sie versuchen uns zu vertreiben,
aus unseren verfallenen Hütten,
und heruntergekommenen Gemäuern.

Für uns sind es Burgen und Schlösser,
deren morsche Mauern wir mit Geschichten,
Bildern und Liedern füllen.

Wir sind die fröhlichen Raubritter unserer Zeit,
in unseren einfachen Festungen
lieben und streiten wir uns,
teilen wir den Hunger und den Überfluss.

Unsere Häuser sind unsere selbstgebauten Traumfabriken,
für die es in der grauen Welt des Funktionierens
keinen Platz mehr geben soll.

Aus diesem Grund
schicken sie ihre Armeen aus,
schleifen unsere Luftschlösser,
schlagen auf uns ein
zerstören unsere Schätze.

Sie können uns gut vertreiben,
doch uns besiegen -
das können sie nicht.

Denn der Quell unserer Kraft, sind unsere Träume
und unsere Träume lassen sich nicht töten,
sie werden klingend über die Welt tanzen
und sich immer neue Burgen suchen
wenn unsere Häscher schon längst
zu Staub zerfallen sind.

Besetzt eure Leben zurück!

Eingesendet: Latte Macchiato und Pfandflaschen

von DreadEye

Es ist Samstagabend und ich stehe am Fenster und überlege, ob ich mich noch mal aufraffen soll, um irgendwo hinzugehen. Wohin wüsste ich nicht. Einfach der Nase nach… Ich hab’ diesen Drang etwas zu unternehmen, etwas zu erleben…ich bin müde. Heute morgen früh aufgestanden. Hab ein bisschen für die Uni gelernt- irgendein sinnloses Grammatikzeugs, das kein normaler Mensch braucht, um zu leben. Bin dann heut Mittag für’n paar Minuten eingenickt und wenn ich jetzt meinen Hintern hoch kriege und die paar Schritte aus dem Haus in die Innenstadt mache, halt ich bestimmt die halbe Nacht durch, wenn nicht sogar bis zum Morgen. Der lässt an einem so schönen lauen Frühlingsabend dann so oder so nicht allzu lang auf sich warten. Und eh man sich versieht, hat man die Nacht dahingetanzt und steht morgens um sechs Uhr beim Sonntagsbäcker, um sich schnell noch vor dem Schlafengehen ein kleines Frühstück zu genehmigen.
Aber. Ja, hier kommt das lahme, unmotivierte und so gar nicht lebenslustige, ernste ABER:
Aber wenn ich rausgehe, die Nacht durchtanze, dann ist der Tag morgen auf jeden im Eimer und ich komme zu nix mehr. Ich muss aber definitiv noch was machen. Hab heute nicht so viel geschafft, wie ich eigentlich geplant hatte. Und ich hab’ noch ohne Ende Zeugs zu lesen und durchzuarbeiten. Ganz zu schweigen von den Essays und Referaten, die ich alle bis zum nächsten Monat fertig haben muss. Danach sind nämlich Prüfungen. Und dann noch Zwischenprüfungen. In letzter Zeit weiß ich vor Arbeit kaum noch, wo mir der Kopp steht. Es ist frustrierend ständig ins Leere zu arbeiten und zu lernen, ohne ein Ende zu sehen. Ohne den Hauch einer Vorstellung davon, wie es sein könnte, wenn man irgendwann auch mal fertig ist mit dem Studium. Wenn der Druck raus ist, es zu etwas bringen zu müssen. Wer zu sein. Auf die Frage ‚Was machst du?’ mit einem ‚Ich bin Lehrer.’ Antworten zu können. Und dann…
Was dann…? Soll’s das dann gewesen sein? Bloodclat! Das hört sich glatt wie ne ausgewachsene Mid-Life-Crises an. Dabei bin ich doch erst (oder doch schon?) fünfundzwanzig. Sollte man nicht in dem Alter oder überhaupt irgendwann einmal sinnlos durch die Welt ziehen? Das tun, was einem das kleine Teufelchen auf der Schulter zufällig grade ins Ohr flüstert? Nicht an ein Morgen denken…?
Ich drehe mir eine Zigarette, um mir eine Gedankenpause zu gönnen und blicke auf die Strasse herunter. Direkt auf der anderen Straßenseite haben sich vier Motorradpolizisten in schillernden Neonwesten mit der Aufschrift Verkehrspolizei auf das Straßengeländer gesetzt. Sehen aus wie Hühner auf der Stange, die auch nicht wirklich wissen, was sie da sollen, aber sich trotzdem einzureden versuchen, dass alles seinen Sinn hat.
Es juckt mir in den Fingern jetzt ein schön aussagekräftiges Lied aufzulegen und laut aufzudrehen, so dass die Herren auf der anderen Straßenseite sich mal kritisch-konstruktiv (und natürlich aus sicherer Entfernung- bin ja kein Held!) mit meinem Standpunkt auseinandersetzten können. Ich spliffe so vor mich hin und lass Alborosie’s „Policeman an Soldier fe stop pressure Natty Dreadlock“ laufen. Was für ein pubertärer Blödsinn! Als ob die das kratzen würde! Als ob die das mitschneiden würden- schließlich hänge ich meinen Hals ja drei Stockwerke über ihnen aus dem Fenster und dazwischen liegt noch ne vierspurige Strasse mit Bushaltestelle, an der die Herren sich anscheinend amüsiert den Abend um die Ohren schlagen wollen.
Ich geh’ mir selbst mit meiner Art auf’n Zeiger und mache den Männern ein Friedensangebot, indem ich „One Love“ von Marley auflege. Sind doch auch nur stinknormale Menschen, die ihren Job machen. Könnte mir gut vorstellen, dass die sich auch ne angenehmere Samstagabendbeschäftigung wünschen, als an der Alberstrasse rumzustehen. Aber warum stehen die da rum? Für ne simple Streife sind vier auf jeden Fall zu viele und um die Dynamo Fans aufzuhalten sind’s zu wenige, falls die sich entscheiden sollten nach dem Sieg ihrer Mannschaft mal wieder n bissel randalieren zu gehen. Also wat steh’n die da rum?!
Ich erinnere mich an den Abschnitt Grammatiktheorie, den ich heut’ Nachmittag gelesen hab. Ging um die sogenannte Frame-Script-Theorie Bedeutet etwa soviel, dass wir Sätze als zusammengehörigen Text erkennen, auch wenn keine Beziehungsanzeigenden syntaktischen Verknüpfungsmittel zwischen den Sätzen stehen. Wir werden durch gewisse Signalwörter oder allgemeiner durch Zeichen auf einen außer sprachlichen, realitätsbezogenen Sinnzusammenhang verwiesen. Diesen Sinn erschließen wir aus den semantischen Feldern der Begriffe oder Zeichen, die aus unserem Erfahrungsschatz ein bestimmtes Welt- oder Handlungswissen aktivieren. So können wir aus Sätzen, die augenscheinlich d.h. grammatisch nichts miteinander zu tun haben, einen Kontext bestimmen, der die Sätze auf einer tieferen Ebene verknüpft. Ergo sagen mir die vier Verkehrspolizisten, dass gleich etwas Größeres in Sicht kommen muss.
Wie um meinen Gedankengang zu bestätigen fahren mit einem Mal mindestens zehn Mannschaftswägen vor, aus denen eine knappe Hundertschaft in kompletter Einsatzmontur springt. Also passiert hier gleich wirklich was! Ich entschließe mich, es mir am Fenster gemütlich zu machen, um die Ereignisse zu verfolgen und hole mir ein Glas Wasser, dreh mir noch ne Zigarette (diesmal ohne pubertären Beigeschmack) und beobachte aus der Vogelperspektive, wie sich die Damen und Herren vom Einsatzkommando bei ihren Kollegen von der Hühnerstange einrichten. Ein paar lehnen sich locker gegen die Einsatzwägen und rauchen, andere stehen in Grüppchen zusammen und unterhalten sich. Wenn sie keine Uniformen tragen und nicht unbedingt wie bestellt und doch nicht abgeholt an der Strasse rumstehen würden, könnte man den Anblick für normal halten. Aber so…? So werd’ ich das Gefühl nicht los, dass hier heute noch wat vorbeikommen muss. Es fahren einige Kranken- und Feuerwehrwägen runter zur Altstadt. Vielleicht ne Dängelei…?
Mir fallen noch zwei weitere, größere Wägen auf, die direkt hinter der Ampel beim Fußgängerübergang zur Hauptstrasse geparkt sind. Die scheinen den Eingang zur Innenstadt dichtmachen zu wollen oder umgekehrt, etwas aufhalten, was sich in Richtung Neustadt bewegt. Alborosie, den ich mittlerweile wieder aufgelegt hab, erzählt mir davon, wie er nachts um neun durch die Strassen von Kingston läuft und ich schaue hoch zur Turmuhr der Dreikönigskirche: In Dresden ist es etwa viertel vor zehn- mitten in der blauen Stunde eines gediegenen Frühlingsabends. Doch unten auf der Alberstrasse am Jorge-Gomondai Platz versammeln sich die Anzeichen einer weitaus weniger gediegenen Nacht, während sich immer mehr Menschen bei den größeren Wägen stauen. Sie sehen aus wie Passanten, die vom Sportclub Grün-Weiß angehalten oder gewarnt werden nicht weiter zu gehen. Es werden immer mehr. Sie stehen einfach nur da. Warten.
Eine kleine Gruppe von Jugendlichen lässt die Menschenansammlung rechts liegen und läuft auf den Straßenbahnschienen Richtung Elbe. Ein oder zwei sind sogar so mutig mitten durch die Hundertschaft zu laufen. Das riecht nach Provokation. Fragt sich nur, wer zuerst die Nerven verliert. Ich schnappe mir meine Schreibmaschine und fange an, wie wild Wortfetzen auf das Papier zu hämmern. Und tatsächlich pöbeln die Jungs und Mädels die „Kackbullenschweine“ an, allerdings erst nachdem sie mitten durch die Einsatzleute hindurch und auf sicheren Abstand gegangen sind. Die jedoch lassen sich davon nicht wirklich anheben und funzeln nur ein bisschen mit ihrem Halogenstrahler hinter dem Grüppchen her, worauf die erst richtig aggro werden. Die Kids wirken, als ob sich durch alles provozieren lassen würden, schließlich gehen zwei sogar aufeinander los und müssen vom Rest der Gruppe auseinander gehalten werden. Es ist traurig, so viel überschüssige Energie in stumpfe Aggression und Destruktionspotential umgesetzt zu sehen in den Kids zu sehen, von denen keiner zu wissen scheint, wohin mit sich selbst und all den Emotionen. Der Anblick der Polizisten ist nur der Auslöser dafür, aber weder Ursache noch Ziel. Zumindest kommt es mir so vor. Schließlich bin ich kein Hirnklempner, der behaupten könnte, das läge alles an traumatischen Kindheitserlebnissen oder ähnlich fadenscheinige Begründungen für ein Verhalten, von dem man nicht sagen will, dass es Teil der menschliche Natur oder schlicht unerklärbar für unser Gesellschaftsbild ist. Ich frage mich, ob ich auch mal so gewirkt habe, ob ich auch mal so gewesen bin. Oder bin ich es immer noch, ohne es zu merken? Vielleicht hab ich nur mehr Erfahrung und kann meine Aggressionen besser oder zumindest anders kanalisieren, als mich mit einem Haufen gepanzerter Schlagstockschwinger anzulegen. Vielleicht bin ich auch nur feiger geworden, weil ich erlebt hab, was die können, wenn die wollen oder sich gezwungen fühlen, was manchmal für gewisse Herren das gleiche ist. Dennoch kann ich das Gefühl der Youths, dieselbe Unruhe in mir spüren, die die da unten antreibt. Es muss doch was passieren! Ganz egal was. Nur raus aus der zermürbenden Routine, die einen kontinuierlich auf ein unbestimmtes, den eigenen Vorstellungen und Wünschen fremdes Ziel zu treibt. Weg von dem Eindruck, dass man eigentlich ein ganz normales Leben in einer paranormalen Welt führt. Weg von der Bedeutungslosigkeit, die sich in der Suche nach dem vermeintlichen Sinn des Lebens verbirgt.
Plötzlich dröhnt Musik los. Kein bestimmter Sound. Nur etwas, was sich durch die total überlasteten Boxen als Aggro-Techno beschreiben lassen könnte. Von der Musik, wie von Licht angezogen, hat sich eine Traube von dreihundert oder vierhundert Menschen um die Wägen versammelt. Doch ne Demo? Aber wofür? Oder wogegen? Scheint ja gewissermaßen attraktiv für die freunde der Nacht zu sein, aber um diese Uhrzeit kann man doch nun wirklich nicht mehr damit rechnen die Aufmerksamkeit der schlummernden Massen zu erwecken.
Es ist kurz vor zehn. Wenn das eine unangemeldete Veranstaltung sein sollte, dass wird sie spätestens um zehn wegen Ruhestörung aufgelöst- aber dann hätte man doch schon früher eingegriffen. Schließlich standen hier schon die Beamten rum, als noch kein Demonstrant weit und breit in Sicht war. So scheint mir das Ganze trotz augenscheinlichen Widerspruchs einen Plan oder zumindest eine Absicht zu verfolgen. Ich höre verschwommen, wie sich jemand an die Menge wendet. Man versteht nicht wirklich was; zumindest aus diesem Hörwinkel. Alles verschwimmt in einem Geräuschbrei, während sich die Einsatzleute auf der Strasse in Stellung gehen. Sie bilden einen Trichter entlang der Fahrbahnmarkierung. Also wird es eine Demo. Oder zumindest wird es ein Marsch. Ob es eine Demo wird, kann ich im Moment nicht wirklich beurteilen: der Mann am Mikro erzählt zwar irgendwas, aber mehr als kontextlose Wörter kann ich kaum verstehen.
Freiheit! Die Menge jubelt. Ein Freund des Sprechers, dem irgendwas Schlimmes passiert sein muss. Gespanntes Raunen. Die Luft über der Menge schmeckt nach Adrenalin. Man wird anscheinend politisch; erwähnt Deutschland, Europa, die Alaunstrasse. Was wollen die? Eine Frauenstimme löst den ersten Sprecher ab. Sie ist etwas besser zu verstehen, als die aufgeheizt und aufheizende Stimme ihres Vorgängers. Sie sagt aber auch nicht viel mehr. Man will tanzen. Tanzend demonstrieren. Soll das hier ein Love-Parade Revival werden, oder was? Dafür seid ihr mal knapp zwanzig Jahre zu spät liebe Leute!
Es geht los. Die Masse setzt sich in Bewegung. Getanzt wird allerdings noch nicht. Die Menge biegt auf die Strasse ein, wo sie von der Exekutive des Landes Sachsen umringt werden, als wolle man sie abführen. Das die auch immer gleich so übertreiben müssen! Da stehen dreihundert Leute um einen Ghettoblaster auf vier Rädern und dafür braucht man, allen Ernstes, knapp hundert Polizisten?! Man könnte Steuergelder auch für unsinnigere Unternehmen, wie Schulsanierungen oder so ausgeben. Aber was soll’s- die müssen es ja wissen. Ist auch bestimmt ein gutes Training für den Obama Besuch in zwei Wochen. Schon mal das Einkesseln und Auflösen für den Ernstfall üben.
Die Kolonne steht jetzt direkt unter meinem Fenster und es sind schon ein paar echt bunte Gestalten da unten versammelt. Ich erkenne sogar die Sprüche auf einigen Pappschildern:
Tanzt Deutschland nieder! Oi! Oi! Oi! oder Gegen Repression und Bullengewalt! und Freiheit für die Gefangenen von Straßburg! Der Knilch am Mikro bittet die Menge, wohl auf Geheiß der Grün-Weißen, sämtliche Glasflaschen an den Straßenrand zu stellen. Solange müsse die Musik ausbleiben und der Zug dürfe nicht fortgesetzt werden. Auf dem ersten Wagen wird die Musik auch ausgemacht, aber die Technoheads vom hinteren Wagen haben es wohl nicht ganz mitgeschnitten: die johlen und zappeln fröhlich weiter zu ihrem DruffDruffDruff Sound. Ich vermute mal stark, dass von denen sowieso die wenigsten auf Bier abfahren. Derweil versucht es der „Moderator“ auf dem vorderen wagen mit Publikumsanimation. Er erinnert die Menge an einen Song namens „We will rock you!“ und versucht sich in einer mehr schlecht als rechten BeatBox Improvisation. Die Leute klatschen zwar den Takt mit, aber diese vier Wörter können sie trotz wiederholter Vorgabe kommen ihnen nicht über die Lippen. Vielleicht denken sie auch in diesem Moment an die Strophe:

Buddy you’re a young man, hard man, shouting in the street, gonna take on the world someday! Got blood on your face! Your big disgrace! Waving your banner all over the place!

Keiner singt. Die Revolution muss warten, bis alle „gewaltbereiten Autonomen” bereitwillig ihre Glasflaschen auf den Bürgersteig gestellt haben und nach ein paar Minuten stellt unser ‚Buddy’ fest, dass wohl alle Flaschen weg sein müssten. Kurz darauf setzt sich der Zug mit den Klängen einer Drum&Bass Version von Get up, stand up wieder in Bewegung. Sie ziehen los. Richtung Fluss. Ist das Freiheit?
Stille.
Abgesehen von den Flaschen und einigen noch glühenden Kippen erinnert nichts daran, dass hier vor zwei Minuten noch ein paar hundert Menschen waren. Glasflaschen und Kippen. Mehr Eindruck haben sie nicht hinterlassen. Und auch der wird von dem wieder anfahrenden Verkehr schnell verwischt. War’s das jetzt? Frage ich mich. Soll’s das gewesen sein? Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, warum ich vorhin meine Schreibmaschine ausgepackt und zu schreiben angefangen habe. Ich weiß nicht, was ich schreibe, als ich die ersten zusammenhängenden Sätze tippe.
Freiheit. Das Wort hallt in meinen Ohren nach wie ein Echo, spiegelt sich vor meinem geistigen Auge wie eine Fata Morgana; ein Phantom eines Gedankens, ein Geist ohne Gestalt, ohne Stimme. Unfassbar und unerreichbar. Ich halte inne, um mir eine Zigarette zu drehen. Vom Kirchturm gegenüber ertönt ein bronzener Glockenton. Elf Mal. Der Tag geht zur Neige, während das Dunkel der Nacht über das letzte Blau am westlichen Horizont hereinbricht. Ich sitze da und beobachte wie der bläuliche Rauch meiner Kippe in der Schwärze der Nacht über der verlassenen Strasse zerfließt. Kurz bevor er sich auflöst, scheint die Zeit still zu stehen und wie eine bizarre Skulptur im Raum zu verharren. Dann löst er sich auf und ich blicke gedankenverloren in die Tiefe der Nacht…
Plötzlich schälen sich schemenhafte Schwingen aus den Schatten; stürzen auf mich zu und mit einem Mal sitzt ein riesiger Vogel vor mir auf meiner Schreibmaschine!
„Wat glotzt’n so romatisch?“ krächzt er.
„Faszinierende Vorstellung…“ murmele ich mehr zu mir selbst, als ich mich frage, ob ich wache oder träume.
„Warum stellste dir die Frage erst jetz’?“
„Wer bist du und was machst du hier?“ frage ich den Vogel.
„Dat fragste mich?!“ schnaubt er. „Ich bin der Anfang und das Ende deiner Suche.“
„Dann sag mir, was Freiheit ist! Wie werde ich frei?“
„Heb mich hoch und halte mich aus dem Fenster, so dass ich wegfliegen kann.“
„Nein, geh’ noch nicht! Du sollst mir zuerst sagen, was Freiheit ist!“
„Kann ich nich’!“ schnarrt er.
„Kannst du es nicht oder willst du es nicht?“
„Wenn du’s so sehr wissen willst, warum findeste es nich’ selber raus? Hilf mir auf und spring mit mir aus dem Fenster!“
„Aber ich kann doch nicht fliegen wie du, schon vergessen? Ich bin ein Mensch, kein Vogel.“
„Darauf kommt’s doch ga’ nich’ an!“
„Doch! Genau das ist der entscheidende Punkt.“
„Dann kann ich’s dir nich’ erklären!“ quäkt er enttäuscht und macht einen Satz auf den Fenstersims.
„Ich hab es doch gewusst!“ rufe ich. „Du willst es mir überhaupt nicht sagen!“
Der Vogel breitet seine Flügel aus, neigt mir seinen gefiederten Kopf zu und mustert mich aus den unergründlichen Tiefen seiner gläsern spiegelnden Augen. „Wer will hier was?“ krächzt er und fliegt in die Finsternis hinaus…
Ich folge ihm mit meinen Blicken, bis er vom nächtlichen Horizont verschluckt wird. Die Kippe zwischen meinen Fingern ist verraucht und ich schnippe sie in hohem Bogen aus dem Fenster. Mein Blick fällt dabei auf die Strasse, wo ein alter Bekannter der Motorradpolizei sich wartend umsieht. Kommt die Parade etwa wieder zurück? Kaum habe ich das gedacht, da rücken auch schon die ersten Leute an und ich höre die Musik zu mir heraufschallen. Der Menschenstrom fließt unter meinem Fenster vorbei auf seinen Ausgangspunkt zu. Wie ein Fluss bewegt sich die Menge, jeder Mensch darin eine kleine Welle für sich die Masse voran treibend. Aus dem hinteren Wagen schäppert immer noch Aggro-Techno und im vorderen hat sich irgendein Möchtegern Gangsta-Revoluzzer-Rapper das Mikro gekrallt und grölt arhytmisch seine Schwachsinnstexte. Aber etwas ist geschehen; etwas ist anders als vorher: Wo zu Beginn ein gedrängtes und ineinander gezwungenes Chaos von Bewegung und Körpern war, hat sich nun der Rhythmus der Musik über die Demo gelegt; sie durchdrungen; zu einem Ganzen geeint. Wo Raver, Punks, Oi’s und andere Alternative gewesen sind, sehe ich nun die offenen Gesichter von Menschen, die, ekstatischen Traumwandlern gleich, ihre versunkenen Sinne auf das Ziel richten von dem aus sie losgegangen waren. Die Menge kommt zum Stillstand und die Turmuhr schlägt viertel nach zwölf.
Während es sich das schwer benötigte, aber noch schwerer gelangweilte Anti-Krisen Aufgebot der Ordnungshüter am Straßenrand bequem macht, hat die gesichtslose Stimme der NeoNada Revolution dem Kindergartenrapper das Mikro geklaut und setzt zu seiner Abschlussrede an.
Es wird zum Umdenken, zum Widerstand gegen das System aufgerufen. Raven gegen die Gesamtscheiße soll die Alternative sein, mit der man sich gegen die Unterdrückung des Kapitalismus zur Wehr setzen will. Zu lange sei man schon ausgebeutet worden; zu lange den Indoktrinationen der Konsumgesellschaft ausgeliefert gewesen; zu lange hätten sich die Latte Macchiato saufenden Yuppies in ihren dicken Karren für etwas Besseres gehalten. Deswegen wolle man sich jetzt Freiräume erkämpfen und zum Abschluss der gelungenen Demo, bei der sich doch so viele Leute eingefunden und den gerechten Kampf um die Freiheit unterstützt haben, Latte Macchiato an alle verteilen…
Derweil haben die Herren Ordnungshüter nach ausgiebigem Gähnen und Strecken ihre Videokameras eingepackt, die Feierabendzigarette geraucht und sich in freudiger Erwartung zur Heimfahrt in ihre Einsatzwägen gesetzt, nachdem der pseudoalternative Schreihals am Mikro die Nachttanz Demo „Temporärer Freiraum“ offiziell für beendet erklärt und die Leute nach Hause geschickt hat. Um viertel vor eins haben sich auch die meisten „Demonstranten“ verzogen und alle anderen mehr oder minder Beteiligten Akteure des Abends räumen ebenfalls das Feld. Eine halbe Stunde später liegt der Platz völlig verlassen da; lediglich eine Handvoll Leute sitzt im Kreis an dem Ort, wo das ganze Geschehen seinen Anfang nahm. Sie, der Müll und die alte Frau, die mit ihrem Fahrrad und vollgestopften Plastiktüten die Pfandflaschen einsammelt, die großzügigerweise für sie zurückgelassen wurden, zeugen noch davon, das hier eben noch Freiheit demonstriert wurde.

Anarchismus im Kommen: Hausbesetzung in Island

Nicht viele Neuigkeiten dringen in diesen Tagen aus dem fernen Island zu uns, und doch gibt es Nachrichten, die vom Entstehen einer sozialen Bewegung in diesem von der Wirtschaftskrise schwer getroffenen Land künden. Am 9. April besetzten isländische Anarchist_Innen ein leerstehendes Haus im Zentrum von Reykjavik, der isländischen Hauptstadt. Nahezu eine Woche lang konnte das Haus gehalten werden, bis es von einer Spezialeinheit der Polizei geräumt wurde. Während dieser Zeit erfuhr es vielfältige Solidarität und Sympathiebekundungen von verschiedenster Seite.

Beginnen wir mit der Vorgeschichte, den letzten Monaten, die in Island durchaus die Bezeichnung „turbulent“ verdient haben. Die Wirtschaftskrise hatte auf Island wesentlich größere Auswirkungen als auf die meisten anderen europäischen Länder. Ein extremer Verfall der Währung des Landes setzte ein und die größten Banken des Landes mussten verstaatlicht werden. Infolge dessen bekam die Bevölkerung die Konsequenzen der neoliberalen Politik und ihres Scheiterns zu spüren. So stieg die Arbeitslosigkeit ebenso wie die Verschuldung erheblich an und das Gespenst der Existenzangst, welches die Menschen bis jetzt in ihrem von den Banken geborgten Wohlstand verschont hatte, klopfte an die Türen der isländischen Mittelschicht. Jene Entwicklungen setzten eine Kette von für den kleinen Inselstaat höchst ungewöhnlichen Ereignissen in Gang. In gleichem Maße, wie die Unzufriedenheit der Menschen stieg, begannen auch Stimmen lauter zu werden, die einen politischen Kurswechsel forderten oder sogar die grundlegenden Bestandteile des Systems in Frage stellten. Fortan fanden wöchentlich Versammlungen vor dem Parlament statt. Die Regierung reagierte darauf mit Schweigen, was zur Folge hatte, dass sich die politischen Forderungen der protestierenden Menschen zu radikalisieren begannen. Immer mehr Menschen forderten den Rücktritt der Regierung und verurteilten die neoliberale Politik der letzten Jahre. Auch Anarchist_Innen fanden sich unter den Demonstrierenden, was insofern bemerkenswert ist, dass bisher kaum eine nennenswerte anarchistische Bewegung in Island existierte. Erst in den letzten Jahren begannen sich anarchistische Ideen in Island zu verbreiten, als sich erste Aktivist_Innen organisierten und sich gegen den von multinationalen Konzernen begangenen Raubbau an der isländischen Wildnis zur Wehr setzten.

Es folgte eine Kette direkter Aktionen. Die radikale Kapitalismuskritik, welche von den anarchistischen Aktivist_Innen geäußert wurde, fand mehr und mehr Beachtung in den Medien und rückte so erheblich in den Blickpunkt der isländischen Öffentlichkeit. Die Festnahme eines Aktivisten, welcher ein Transparent auf dem Parlament befestigt hatte, führte dazu, dass 500 Menschen die Polizeistation belagerten und seine Freilassung forderten. Parlamentssitzungen wurden belagert und die Zentralbank besetzt. Auf einer Großdemonstration wurde ein großer anarchistischer Block mit Flaggen und Transparenten gesichtet. Im Gegensatz zur populären Forderung nach dem Rücktritt der Regierung forderten die Anarchist_Innen „Nie wieder eine Regierung!“. Am letzten Tag des Jahres 2008 verhinderten Aktivist_Innen schließlich die Ausstrahlung einer alljährlichen Polit-Talkshow mit ranghohen Politikern des Landes, indem sie den schwer gesicherten Ort der Übertragung, ein Hotel, stürmten und das Equipment der Übertragung unbrauchbar machten. Weitere Aktionen folgten – so wurden beispielsweise Polizeistationen und Finanzbehörden angegriffen. Auch „normale“ Bürger beteiligten sich an den Aktionen. Tausende Menschen demonstrierten am 20. Januar vor dem Parlament mit dem Ziel, die erste Parlamentssitzung des Jahres zu unterbrechen. Trotz eines gewaltigen Polizeiaufgebots, dessen Antwort auf die Menschenansammlung nicht immer nur friedlich ausfiel, hielten die Proteste vor dem Parlament und nahegelegenen Regierungsbehörden fast zwei Tage an. Schließlich trat die isländische Regierung, ein Bündnis aus liberalen und sozialdemokratischen Parteien, zurück. Dass breite öffentliche Proteste dazu führen, dass eine Regierung zurücktreten muss, kann in der politischen Geschichte der letzten Jahre in Europa durchaus als einzigartig bezeichnet werden.

Nun gingen die isländischen Anarchist_Innen von Protesten gegen die herrschenden Autoritäten zur konkreten Schaffung gesellschaftlicher Alternativen über: Anfang April enterten Aktivist_innen ein Haus im Zentrum Reykjaviks. Die Situation in der isländischen Hauptstadt gleicht anderen europäischen Städten – während preiswerter Wohnraum seltener wird, schießen Glaspaläste und Bürogebäude wie Pilze aus dem Boden. Das Gebäude, das besetzt wurde, stand seit einem Jahr leer und sollte bald zusammen mit weiteren Häusern des Viertels einem Einkaufs- und Bürocenter weichen. Die Besetzung wurde mit einer offiziellen Einweihungsparty gefeiert. Neben Musik und Essen gab es vielfältige Diskussionsmöglichkeiten, dabei kam es auch zu Solidaritätsbekundungen anwesender Anwohner_Innen. Am folgenden Tag begannen die Besetzer_Innen mit dem Aufbau eines sozialen Zentrums, unter anderem mit Umsonstladen, Infoladen und Vokü. Am 14. April, fünf Tage nach Beginn der Besetzung, suchten jedoch Besitzer und mehrere Polizeikräfte in Zivil das Haus auf und forderten die neuen Bewohner_Innen auf, das Haus innerhalb weniger Stunden zu verlassen. Als Reaktion darauf wurde das Haus verbarrikadiert und eine Solidemonstration mit mehreren hundert Teilnehmer_Innen formierte sich. Es folgt ein kurzer Auszug aus einem Redebeitrag der Hausbesetzer_Innen:

„Now this house belongs to us – the people here inside and those who stand outside – and will be used for our revolution. To destroy this society’s power structures we need a revolution – not elections! Today, we who are inside and you who stand outside in this disgusting weather, stopped the corporate scum from getting their way with the violence that only them have the right to use. But since the police is not going to be sent towards us now, the government will send it tonight, tomorrow, later in the week or after elections. No matter if we will be thrown out or if we will be aloud to stay, we will get stronger. This house is ours! The struggle is ours; a struggle against authority and capitalism.”

Zwar ließ sich die Polizei am 14. April nicht mehr blicken, am darauffolgenden Tag rückten jedoch morgens ca. 40 bis 50 Polizist_Innen an, die teilweise einer Spezialeinheit angehörten. Zuerst verhafteten sie drei Leute, die vor dem Haus standen. Anschließend forderten sie die Besetzer_Innen auf, das Haus zu verlassen. Der Forderung der Staatsmacht wurde nicht nachgekommen, stattdessen wurde zwecks Verteidigung des Hauses mit dem Barrikadenbau innerhalb des Gebäudes begonnen. Die Räumung konnte so um zwei Stunden verzögert werden, verhindert werden konnte sie aber nicht. Immerhin wurden die zwei verbliebenen Stunden genutzt, um Anwohner_Innen mittels Redebeiträgen mit den Anliegen der Squatter vertraut zu machen. Das Vorgehen der Polizei bei der Räumung kann als sehr brutal beschrieben werden. Es gab eine Blockade, die den Transport der festgenommenen Besetzer_Innen verhindern wollte. Ein Journalist, der den Polizeieinsatz dokumentieren wollte, wurde festgenommen.

Hier ein Auszug aus dem Selbstverständnis der Besetzer_Innen:

„Capitalism gives people or companies the change to own houses but let them stand empty, even though many people need homes and other places to stay. The banks own most of the empty houses and the public is supposed to pay for the games of lies that was accepted before the collapse. We will not pay for them! This squat is headed towards authority, capitalism and all kinds of power playing. Our house will be free from the current Icelandic authorities and free from any kind of power structures on our behalf. We, the people, toppled the former government and we are far away from having finished the deconstruction of the system of inequality and greed, as well as the parallel construction of the society we want to live in. We encourage others to refuse to pay for the banks’ debts, refuse to leave their own houses and start squatting!”

Am 6. Mai wurde als Zeichen der Solidarität mit dem bedrohten Rozbrat-Squat in Poznan (Polen) der Umsonstladen des am 11. April geräumten Hauses wiedereröffnet bzw. wiederbesetzt. Leider räumte die Polizei noch am selben Tag den Laden. Die beteiligten AktivistInnen kündigen unterdessen weitere Aktionen und Besetzungen an.

Auch wenn bisher nur wenig von Aktivitäten anarchistischer Gruppen aus Island bekannt ist und das Haus letztendlich geräumt wurde, ist die Besetzung als hoffnungsvolles Zeichen zu verstehen: auch in Island kämpfen Menschen um Freiräume fern von kapitalistischer Verwertungslogik. Auch in Island organisieren sich Menschen, und auch in Island erfahren sie Solidarität. Die weitere Entwicklung ist auf jeden Fall mit Spannung zu verfolgen.

News von der Gruppe Aftaka

Auf in die Provinz

freiberg
In Freiberg wird am 20. Juni eine antifaschistische Demo ‚Gegen Deutsche Zustände‘ stattfinden…
Wer also trotz Überangebot an Bratwurst- und Bierständen auf der BRN doch noch seinen Hintern ein wenig bewegen mag dem sei ans Herz gelegt: Auf ins vermeintlich ruhige Hinterland!
Für den sehr ausführlichen Auruf der Gruppe und weitere wissenwerte Infos schaut einfach auf deren Blog vorbei.

***also kleine Anmerkung noch: Das Motto müsste grammatikalisch korrekt ‚WIDER DIE DEUTSCHEN ZUSTÄNDE‘ heißen…
…das war mein persönlicher ‚progress in mind‘***

Text: Für unkommerzielle Freiräume in Dresden und überall!

Dieser Text wurde bei einer Scheinbesetzung in Dresden Plauen am 08.05. verteilt. Anschließend wurde er auf Indymedia veröffentlich und soll hier zur Diskussion gestellt werden.

Für unkommerzielle Freiräume in Dresden und überall!

Guten Tag, Mensch!
Wenn du dich überwinden musst, diesen Zettel in die Hand zu nehmen – zu lesen, weiterzulesen, wenn du satt und rund bist und eigentlich nichts mehr sehen und hören kannst und willst – lies nicht weiter, leg ihn wieder weg, geh nach haus, schlaf ein, um wieder aufzustehen, und schlafe abends wiederum ein, um irgendwann zu sterben. An alle anderen Menschen: Dieser Brief ist für euch!

Und um alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, dass dieses Schreiben Absichten zurückhält, um genau dasselbe Spiel zu spielen, das die meisten der Menschen zu willenlosen Zombies auf der Suche nach Schnäppchen macht – hier geht es um Freiheit.
Und: Wir sagen euch alles. Alles, was ihr wissen sollt. Wir hoffen, ihr könnt zuhören!

Nun gut, Freiheit.. hm.. das ist ein großer, schwerer Begriff, der viel zu oft für nicht freiheitliche Zwecke missbraucht wurde, die Beispiele dafür sind unzählbar. Für uns ist Freiheit ein kollektiver Begriff. Das heißt, Freiheit kann es nur geben, wenn alle frei sind.

Freiheit

Ein Mensch, der sein Wohlbefinden, seinen Besitz und alles, was er für sich als Freiheit definiert, auf dem Rücken von vielen, vielen anderen Menschen anhäuft und stützt, kann nicht wirklich frei sein. Das ist ganz klar, denn dafür, dass er für sich frei ist, sind Unzählige unfrei!
Ein Mensch, der sein Leben lebt, zur Arbeit geht, konsumiert und Urlaub macht, sagt, er ist frei. Er kann gehen, wohin er will, sagen, was er denkt. Doch würde er nach unten sehen, könnte er erkennen, wie viele nicht reisen können, obwohl es keine Mauer um das Land gibt, wie viele nicht essen können, was sie vielleicht gern würden, wie kann er sich frei fühlen?

Soweit das Brainstorming. Aber warum hast du diesen Zettel in der Hand, woher kommt er?

1000 Jahre

Nun wirst du sagen: Okay, das ist aber schon seit tausenden von Jahren so, was soll ich ändern?!?
Eigentlich ist es ganz einfach: Du und alle Menschen brauchen ein Bewusstsein dafür, ein Bewusstsein für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit und das nicht nur am eigenen Leib oder im eigenen Land, sondern global. Die Luft, die wir atmen und die zum Leben einfach unverzichtbar ist, kennt auch keine Länder und Sprachen, genauso wenig wie Wasser, Licht, Erde und all die Resultate des Zusammenwirkens dieser Elemente.

Und genauso wie all dies zusammenhängt, gibt es auch einen Zusammenhang zwischen unserem Wohlstand und dem Hungerleiden von Milliarden Menschen auf dieser Erde, der allzu gern und viel zu schnell ausgeblendet wird. Daran werden auch Fairtrade-Produkte bei Discounterketten wie Lidl nichts ändern.

Nein, wir müssen uns ändern, unser Bewusstsein erweitern, Mut entwickeln, für Gerechtigkeit einzustehen, und das auch für Menschen, die wir nicht unbedingt persönlich oder durch unseren Freundeskreis kennen.

Freiräume

Wir brauchen Freiräume, Bastionen, Rückzugsgebiete, um dies alles zu organisieren, voneinander zu lernen. Und das sollte nicht passieren, indem wir uns in Häuser einmieten, um wieder Taschen zu füllen von Menschen, die keine Skrupel haben, uns von der Straße zu prügeln, wenn ihnen der Sinn danach steht.

Nein, wir müssen in Häuser einbrechen, die verrotten und vergammeln, während Menschen ohne Bleibe auf der Straße wohnen oder andere ihr Leben darauf verwenden, jeden Monat ein paar Kröten zusammen zu kratzen, mit einem Job, den sie hassen, um in einem Loch von Wohnung zu wohnen, damit sie wenigstens ein Dach über dem Kopf haben.

Deswegen müssen Häuser besetzt werden – um Zustände zu ändern. Wir sind entschlossen und werden damit nicht aufhören, solange wir in einer Gesellschaft leben, in der es um das Wohlbefinden einer elitären Gruppe von Egozentrikern geht. Schüttel nicht mit dem Kopf und sag diese Zustände sind doch ewig her, das ist nicht wahr. Du siehst es einfach nicht mehr, du willst es nicht sehen, du willst einfach deine Ruhe haben, das Resultat ist der Zustand, den wir zum kotzen finden und bekämpfen wollen.

Verstehst du? Wir wollen nicht dein Auto, wir wollen nicht dein Geld, wir wollen unsere Freiheit UND verdammt nochmal auch deine!

Mut zur Utopie

Also stell dich zu uns, sag es deinen Freunden, deinen Kindern, deinen Eltern: Leere Häuser müssen bewohnt werden, Utopien gelebt werden. Sag nicht das klappt doch nie, als ob die Scheiße, die wir heute sehen, funktionieren würde. Diese Gesellschaft ist voll von Fehlern und die Lösungsvorschläge bürgen immer mehr Errors…

Du weißt das genauso wie wir. Was haben wir denn zu verlieren außer Angst? Angst ist alles, was uns jeden Morgen aus den Betten treibt. Denk darüber nach – wir zählen auf dich!

Auch, wenn sie es nicht vermuten: Wir sind die Guten!

Eine Gruppe von Menschen