Text: Für unkommerzielle Freiräume in Dresden und überall!

Dieser Text wurde bei einer Scheinbesetzung in Dresden Plauen am 08.05. verteilt. Anschließend wurde er auf Indymedia veröffentlich und soll hier zur Diskussion gestellt werden.

Für unkommerzielle Freiräume in Dresden und überall!

Guten Tag, Mensch!
Wenn du dich überwinden musst, diesen Zettel in die Hand zu nehmen – zu lesen, weiterzulesen, wenn du satt und rund bist und eigentlich nichts mehr sehen und hören kannst und willst – lies nicht weiter, leg ihn wieder weg, geh nach haus, schlaf ein, um wieder aufzustehen, und schlafe abends wiederum ein, um irgendwann zu sterben. An alle anderen Menschen: Dieser Brief ist für euch!

Und um alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, dass dieses Schreiben Absichten zurückhält, um genau dasselbe Spiel zu spielen, das die meisten der Menschen zu willenlosen Zombies auf der Suche nach Schnäppchen macht – hier geht es um Freiheit.
Und: Wir sagen euch alles. Alles, was ihr wissen sollt. Wir hoffen, ihr könnt zuhören!

Nun gut, Freiheit.. hm.. das ist ein großer, schwerer Begriff, der viel zu oft für nicht freiheitliche Zwecke missbraucht wurde, die Beispiele dafür sind unzählbar. Für uns ist Freiheit ein kollektiver Begriff. Das heißt, Freiheit kann es nur geben, wenn alle frei sind.

Freiheit

Ein Mensch, der sein Wohlbefinden, seinen Besitz und alles, was er für sich als Freiheit definiert, auf dem Rücken von vielen, vielen anderen Menschen anhäuft und stützt, kann nicht wirklich frei sein. Das ist ganz klar, denn dafür, dass er für sich frei ist, sind Unzählige unfrei!
Ein Mensch, der sein Leben lebt, zur Arbeit geht, konsumiert und Urlaub macht, sagt, er ist frei. Er kann gehen, wohin er will, sagen, was er denkt. Doch würde er nach unten sehen, könnte er erkennen, wie viele nicht reisen können, obwohl es keine Mauer um das Land gibt, wie viele nicht essen können, was sie vielleicht gern würden, wie kann er sich frei fühlen?

Soweit das Brainstorming. Aber warum hast du diesen Zettel in der Hand, woher kommt er?

1000 Jahre

Nun wirst du sagen: Okay, das ist aber schon seit tausenden von Jahren so, was soll ich ändern?!?
Eigentlich ist es ganz einfach: Du und alle Menschen brauchen ein Bewusstsein dafür, ein Bewusstsein für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit und das nicht nur am eigenen Leib oder im eigenen Land, sondern global. Die Luft, die wir atmen und die zum Leben einfach unverzichtbar ist, kennt auch keine Länder und Sprachen, genauso wenig wie Wasser, Licht, Erde und all die Resultate des Zusammenwirkens dieser Elemente.

Und genauso wie all dies zusammenhängt, gibt es auch einen Zusammenhang zwischen unserem Wohlstand und dem Hungerleiden von Milliarden Menschen auf dieser Erde, der allzu gern und viel zu schnell ausgeblendet wird. Daran werden auch Fairtrade-Produkte bei Discounterketten wie Lidl nichts ändern.

Nein, wir müssen uns ändern, unser Bewusstsein erweitern, Mut entwickeln, für Gerechtigkeit einzustehen, und das auch für Menschen, die wir nicht unbedingt persönlich oder durch unseren Freundeskreis kennen.

Freiräume

Wir brauchen Freiräume, Bastionen, Rückzugsgebiete, um dies alles zu organisieren, voneinander zu lernen. Und das sollte nicht passieren, indem wir uns in Häuser einmieten, um wieder Taschen zu füllen von Menschen, die keine Skrupel haben, uns von der Straße zu prügeln, wenn ihnen der Sinn danach steht.

Nein, wir müssen in Häuser einbrechen, die verrotten und vergammeln, während Menschen ohne Bleibe auf der Straße wohnen oder andere ihr Leben darauf verwenden, jeden Monat ein paar Kröten zusammen zu kratzen, mit einem Job, den sie hassen, um in einem Loch von Wohnung zu wohnen, damit sie wenigstens ein Dach über dem Kopf haben.

Deswegen müssen Häuser besetzt werden – um Zustände zu ändern. Wir sind entschlossen und werden damit nicht aufhören, solange wir in einer Gesellschaft leben, in der es um das Wohlbefinden einer elitären Gruppe von Egozentrikern geht. Schüttel nicht mit dem Kopf und sag diese Zustände sind doch ewig her, das ist nicht wahr. Du siehst es einfach nicht mehr, du willst es nicht sehen, du willst einfach deine Ruhe haben, das Resultat ist der Zustand, den wir zum kotzen finden und bekämpfen wollen.

Verstehst du? Wir wollen nicht dein Auto, wir wollen nicht dein Geld, wir wollen unsere Freiheit UND verdammt nochmal auch deine!

Mut zur Utopie

Also stell dich zu uns, sag es deinen Freunden, deinen Kindern, deinen Eltern: Leere Häuser müssen bewohnt werden, Utopien gelebt werden. Sag nicht das klappt doch nie, als ob die Scheiße, die wir heute sehen, funktionieren würde. Diese Gesellschaft ist voll von Fehlern und die Lösungsvorschläge bürgen immer mehr Errors…

Du weißt das genauso wie wir. Was haben wir denn zu verlieren außer Angst? Angst ist alles, was uns jeden Morgen aus den Betten treibt. Denk darüber nach – wir zählen auf dich!

Auch, wenn sie es nicht vermuten: Wir sind die Guten!

Eine Gruppe von Menschen