Archiv für September 2009

Deutschland? Eine Zumutung!

Der Mauerfall war nicht nur ein Grund zum Jubel. Das Bauwerk war ebenso wie die Besatzung Deutschlands eine Art Diktatur zur Erziehung der postfaschistischen Gesellschaft. ( jungle world) klingt komisch. ist auch so.

60 jahre kotzkrampf.
20 jahre revolutionsromantik.
wie steht ‚die linke‘ zum mauerfall und zur ‚friedlichen revolution‘? interessante artikel in der aktuellen jungle world und morgen am donnerstag natürlich alle zur infoverantaltung ins AZ conni kommen:

Still not lovin’ Germany
01. Oktober 2009, 20.00 Uhr
german
Vorstellung der Kampagne gegen die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Bundesrepublik und dem 20. Jahrestag der »Friedliche Revolution« und Infos zur bundesweiten Demonstration am 10. Oktober 2009 in Leipzig.

„Her mit dem schönen Leben“ oder doch nur ‚n Freiraum? (ungekürzte Version)

„Freiraum“ – ein großes Wort dieser und vergangener Tage. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff, welche Eigenschaften weisst er auf, welche Erwartungen und Hoffnungen birgt sogenannte „Freiraumpolitik“ und vorallem welcher Nutzen lässt sich aus einem so definierten Ort ziehen?
Fragen, die eine Fülle von Antworten nach sich ziehen und doch viel zu selten von einem kritischen Standpunkt aus beleuchtet werden. Ein „Freiraum“ wird oft als ein Raum, seltener ein Platz, definiert an dem bestimmte gesellschaftlich-normative Prozesse und Mechanismen weitestgehend außer Kraft gesetzt werden, oder zumindest der Versuch dazu unternommen wird. Häufig werden hier „Rassimus“, „Sexismus“ und „kommerzielle Freizeitvermarktung“ genannt, ohne diese genauer zu definieren. Ferner soll ein Freiraum als Ort dienen, an dem politische Arbeit betrieben und gefördert werden kann, oder gar ein Alternativmodell zur jetzigen (oder auch bereits vergangen) Gesellschaft darstellen.
Daraus muss letztendlich die Frage danach folgen, ob ein „Freiraum“ ebend diese Eigenschaften aufweisen kann und sollte, welche meiner Meinung nach mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden muss.
Der Grund für diese Negation liegt schon in der Begriffsbezeichnung selbst, die sich aus den Komponenten „frei“ und „Raum“ zusammensetzt und diese zu einen versucht. Um dies zu verstehen muss eine Definition des Begriffes „Freiheit“ erfolgen, welche ich an dieser Stelle nur oberflächlich angehen werde: Der positiv konnotierte Freiheitsbegriff stellt insofern ein Problem dar, dass er keiner klaren Defintion zu Grunde liegt. „Freiheit“ ist das „wonach es zu streben gilt“, ein Ideal, welches sich in der Utopie einer veränderten, in vielen Hinsichten definierten, bzw. eträumten, Gesellschaftsform verwirklicht sieht. Ebend diese Idealisierung der Freiheit, die dadurch zu einem in ferner Zukunft leuchtenden Schein, auf den es hinzuarbeiten gilt, wird, stellt das Problem dar. Denn wo das letztendliche Ziel, wenn auch in unendlicher Ferne, feststeht, ist auch der Weg dorthin vorgegeben, den die Menschheit zu gehen hat, um es zu erreichen. Einer anti-idealistischen (das heisst sich eines Zieles verweigernden) Analyse, sowie jeglicher Kritik außerhalb des utopistisch-idealistischen Diskurses ist damit schnell der Boden entzogen, eine wissenschaftlich-materialistische Gesellschaftkritik, die den geschichtlichen Fortgang nur in der Abgrenzung von der Geschichte und in Rückbezug auf die Gegenwart, ohne sich weiter mit der lediglich erdachten Zukunft zu befassen, wird ausgeschaltet. Eine Vorstellung „von dem was sein könnte“ muss in Interaktion mit „dem was ist“ zwangsläufig eine Wertungs-Skala erschaffen auf der jegliche Veränderung „nach oben“ oder „nach unten“ hin eingeordnet wird. Aus einer solchen Skala widerrum geht ohne Zweifel hervor, dass es Strukturen geben muss, die dem, wie auch immer definierten, Endziel näher oder weiter entfernt sind als andere, den „richtigen“ oder den „falschen“ Weg bezüglich des Erreichens dieser Zukunftsprojektion eigener Wünsche und Neigungen gewählt haben. In der Realität schlägt dies in hierachische, Menschen und Zusammenhänge an einander abmessende, erweiterte Skalenbildung um, welche durch die unvermeidbare Schaffung von Ungleichheiten bezüglich des geistigen Fortschrittes mit dem Ziel der Aufhebung dieser, die idealisierte Freiheit ad absurdum führt, mehr noch, sich durch anstreben eines Zieles von diesem entfernt. So kann nur ein klar definierter Freiheitsbegriff, welcher in seiner Gültigkeit absolut ist und sich lediglich auf die gesellschaftliche und biografische Geschichte bezieht und NUR von dieser abgrenzt eine Relevanz für eine radikale Veränderung der BESTEHENDEN Gesellschaft haben. Doch wie kann mensch sich anmaßen Freiheit absolut zu definieren? Eine solche Definition muss die Entidealisierung des Freiheitsbegriffes einschließen, das heißt aus diesem Wort jegliche Projektionen, Wünsche und Hoffnungen entfernen und versuchen einen Minimalkonsenz menschlichen Handelns zu finden. Dieser liegt in der Negation, als negativ empfundener Zustände, physischer und psychischer Natur. Alles menschliche Handeln folgt diesem Zweck, selbst wenn es manchmal nicht so scheint. Auf eine genauere Ausarbeitung auf psychologischer Grundlage verzichte ich an dieser Stelle, weil dies 1. den Rahmen sprengen würde und 2. keine weitere Relevanz für diesen hat, der lediglich versucht dieses Thema anzureissen.
Der Mensch strebt also einen Zustand permaneten Glücks an, als Mittel, um diesen zu erreichen bedient er sich der Negation und ihrer abgeschwächten Form, der Kritik. Da Kritik ein weites Feld ist und in viele verschiedene Richtungen verläuft fällt diese Annahme schwer. Findet jedoch eine genauere Betrachtung des Kritikbegriffs statt kann auch hier wieder ein Minimal-Konsenz aufgestellt werden, der in seiner Gültigkeit absolut ist: Kritik bedient sich der Logik, dem Mittel die konstruktivistisch-subjektive Wahrnehmung der materiell-objektiven Welt mit ebend dieser in Einklang zu bringen, was die Grundlage der Interaktionsform „Diskussion“ bildet. Die Logik lässt sich auf eine einfache mathematischen Formel zurückführen: 1+1=2. Die Definition von „1″ ist dabei völlig gleichgültig, die Formel bleibt in jedem Fall unantastbar.
Auf Grundlage einer solchen, kritischen Analyse der bestehenden Gesellschaft ist es logisch, dass eine gesellschaftliche Veränderung, welche sich dem egoistischen Streben nach Glück unterwirft, nur eine kollektive, die gesamte Gesellschaft betreffende sein kann, da keinerlei Möglichkeiten für das Individuum bestehen sich von ihrer/seiner Sozialisation und der Verknüpfung mit der Gesellschaft komplett zu lösen, ohne Rückbezug auf diese zu handeln.
An dieser Stelle lässt sich der Bogen zum Beginn des Textes schlagen in dem nun der zweite Teil des Begriffes „Freiraum“ integriert wird: Ein Raum, der innerhalb der gegebenen Gesellschaft besteht kann sich dieser nicht entziehen, höchstens oberflächlich. Eine Verneinung von „Rassismus“ und „Sexismus“ muss, um eine gesamtgesellchaftliche Tragweite zu haben, die notwendig ist, um diese Denk- und Verhaltensmuster zu entfernen, nicht nur punktuell und relativ, sondern weitflächig und radikal verfolgt werden. Ein Freiraum, der sich lediglich über die Idealisierung einer Örtlichkeit definiert, bietet somit keine Schutzbastion gegen die Gesellschaft, keinen Elfenbeinturm der „Freiheit“.

Wozu dann noch Freiraumpolitik?
„Freiräume“ und „Freiraumpolitik“ finden ihren Wert und ihre Berechtigung nicht in der scheinbaren Abgrenzung von der Gesellschaft und bilden keine reale Alternative zu dieser. Trotzdem haben sie mehrere praktische Nutzen, von denen ich natürlich nur diejenigen erwähne(bzw. erwähnen kann), die ich als nützlich empfinde:
1.“Freiräume“ haben einen großen infrastrukturellen Wert, können zu Vernetzungs- und Austauschzwecken genutzt werden. Zudem schaffen sie die Möglichkeit Kritik nach Außen zu tragen, sei es durch Veranstaltungen, Bücherläden, oder durch ihre Existenz an sich.
2.Sie bilden zudem ein politisches Druckmittel, durch die Aneignung von „Freiräumen“ wird Druck auf direkte Verwaltungs- und Machtstrukturen ausgeübt, da diese dadurch in Frage gestellt werden. Zudem kann auch „Freiraumpolitik“ den sprichwörtlichen Funken überspringen lassen, „der das Feuer entfacht“.
3.Ein weiterer Nutzen, der aus „Freiraumpolitik“ gezogen werden kann, auch wenn dieser keine gesamtgesellschaftliche Relevanz hat, ist, dass das Betreten und Nutzen eines solchen Ortes mit einer kritischen Auseinandersetzung mit hierachischen Machtsstrukturen zu verbinden suchen, wodurch die persönliche Kritik verändert, auf andere Ebenen getragen und und ein kritikoffenes Grundklima geschaffen werden kann.

Fotos von der Nachttanzdemo 2.0

Fotoimpressionen der Nachttanzdemo und der abendlichen Hausbesetzung.
*Her mit dem schönen Leben – Deutschland den Schlaf rauben*
lauti
Mit sieben Soundsystemen und einem Handwagen stand einer lautstarken Demo nichts im Weg. Ausser natürlich der Polizei, welche sich immer wieder über die Lautstärke echauffierte…

Freiräume sind natürlich auch antifaschistisch.
transpi

dach
Auf der Hoyerswerdaer Straße gab es eine schicke Transpi Aktion mit Bengalischem Feuer.


100 Style Punkte.

tonne
Nach der erneut versuchten Besetzung der Hechtstraße 7, bei der sich zwei Aktivist_innen in der Nacht im Haus angekettet hatten, kam es im Hechtviertel zu mehrern Bränden und Barrikadenbau. Unterstützer_innen der Besetzung zeigten, was sie von Polente und Räumungen halten. Die Polizei schien sichtlich überfordert zu sein und räumte erst morgens halb sechs das fast leere Haus.
Danke an alle Menschen die da waren und mit uns gefeiert haben.
Am 4. Oktober wird es im AZ Conni um 17 Uhr eine informative Veranstaltung geben, welche sich inhaltlich näher mit dem Thema Freiräume beschäftigen wird. Platz für Eigeninitiative und kreative Ideen von euch. Wer mit dem AK Freiraum diskutieren möchte sei dazu herzlichst eingeladen.

*für weitere Demoberichte schaut auch auf die Alternativen Dresden News (1,2,3)

Nachttanzdemo + Hausbesetzung

Nach der gestrigen Nachttanzdemo für alternative Freiräume in Dresden wurde erneut die Hechtstra0e 7 besetzt. Haus geräumt, zwei Leute in Gewahrsam.
Die gestrige Nachtanzdemo startete mit ca.1000 Menschen vom Albertplatz und zog nach einer kleinen Neustadtrunde über die Elbe. Während der Demonstration mit 8 verschiedenen Soundsystemen wurden 3000 Flyer verteilt und 4 Redebeiträge gehalten (werden noch online gestellt). Nach ca. 4 Stunden endete die politische Party am Neustädter Bahnhof.

Kurze Zeit später wurde die Hechtstraße 7 erneut besetzt. Aus dem Haus wurden Transparente gehängt und ein Soundsystem aufgestellt. Vor dem Haus entzündeten Unterstützer_innen ein Lagerfeuer und sperrten mit einem Transparent zeitweise die Straße. Später riegelte die Polizei das Haus komplett ab, doch es dauerte noch bis 5:30 Uhr bis die, für die Räumung nötigen, Einsatzkräfte verfügbar waren. Zwei der Besetzer_innen hatten sich mit einer Rohrkonstruktion in der Wand verankert und wurden nach ihrer Räumung in Gewahrsam genommen.

Bitte kommt zum Polizeirevier Neustadt und erwartet die Gefangenen mit einem veganen Frühstück!

Hintergrund der Besetzung ist der Mangel an einem sozio-kulturellen Zentrum und Wohnprojekt, der katastrophale Umgang der Deutschen Bahn mit ihren Häusern und die brutale Räumung bei der ersten Besetzung des Hauses im März diesen Jahres.

Update:

Die Gefangenen sind frei und wohl auf, die Bullen im Revier Neustadt völlig entnervt.

Lieber Einsatzleiter, liebe Revierleiter, ihr lest das ja bestimmt wieder, nehmts uns nicht übel, beschwert euch bei euren Chefs.

Die letzte Schlacht gewinnen wir ^^

Quelle: Indymedia

Aufruf: Freiraum-Nachttanzdemo am 19.09. in Dresden


Kurzer Aufruf:

Am 19.09. wird es eine Nachttanzdemo für herrschaftsfreie Räume und Projekte in Dresden geben. Euch erwarten mehrere Wägen mit unterschiedlicher Musik, viele Redebeiträge und eine Menge Spaß. Kommt laut, bunt und entschlossen! Zeigen wir, dass wir nicht locker lassen und immer mehr werden! Wir treffen uns 20:30 Uhr auf dem Albertplatz (in der Nähe vom Bahnhof Dresden-Neustadt).

Jingle zur Demo
Chronik der Dresdner Freiraumaktionen 2009

Langer Aufruf: Her mit dem freien, schönen Leben!

Menschen die heutzutage alternativ und selbstbestimmt leben wollen haben es nicht leicht. Immer mehr besetzte Häuser, Wohnprojekte und alternative Zentren fallen weg, wie zuletzt geschehen in Münster, Magdeburg, Erfurt oder bei der äußerst brutalen Räumung des langjährig besetzten Hauses in Prag. Auch in Dresden wurde im März diesen Jahres die Besetzung der Hechtstraße 7 noch am selben Tag geräumt. Alternative und unkommerziellen Projekte erhalten immer wieder kaum erfüllbare Auflagen und werden in Abhängkeit gehalten, so das sie ständig um ihr bestehen fürchten müssen. Auch unangemeldete Parties in verlassenen Industriegeländen werden immer wieder kriminalisiert.

Trotzdem führen wir den Kampf um freie Projekte weiter fort, denn gerade in diesen kann Neues entstehen und sich weitestgehend losgelöst von Gewinnorientierung oder Beeinflussung offizieller Institutionen entwickeln. Freiräume sind Orte, die Schutz bieten sollen vor rassistischen und sexistischen Anmachen und Übergiffen, Plätze um sich und seine Kunst, andere Lebensentwürfe und letztlich auch Alternativen zu derzeit herrschenden Machtverhältnissen zu verwirklichen.

Natürlich können Freiräume auf der Suche nach Alternativen zum derzeit Bestehenden nur Inseln bilden. Diese Inseln sind jedoch wichtig um ansatzweise im solidarischen Miteinander leben und sich selbst und seine Ideen immer wieder neu ausprobieren zu können. Dabei wird deutlich, dass sie trotzdem immer ein Teil des Systems selbst bleiben, da es derzeit noch nicht möglich ist, vollkommen unabhängig von bestehenden Strukturen und Normen zu leben. Somit sind solche Freiräume nicht unser endgültiges Ziel, sondern nur ein Schritt auf dem langen Weg zu einer Gesellschaft, die materiellen Reichtum, soziale Sicherheit und individuelle Freiheit für alle Menschen ermöglicht.

Doch kapitalistische Raumnutzungskonzepte lassen sich mit diesen Bestrebungen kaum in Einklang bringen. In ihnen geht es darum möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. Damit ist eng verknüpft, das auf die Interessen von ’strukturschwachen‘ Bevölkerungsteilen keine Rücksicht genommen werden kann, da sie nicht soviel Profit versprechen. Menschen werden unterdrückt und in ihrer persönliche Freiheit – zum Beispiel da zu wohnen, wo sie schon immer wohnten und wohnen bleiben wollen – allein durch ihr fehlendes Vermögen eingeschränkt. Gegen eine Gesellschaftsform, die so etwas produziert, muss sich zur Wehr gesetzt werden. Aus diesem Grund wollen wir Menschen ein anderes Leben zeigen und sie zum Ausbrechen bewegen. Ein organisiertes Zusammenleben auch ohne Geld, Herrschaft und ständige Konkurrenz ist möglich. In diesem Zusammenhang ist es jedoch auch wichtig zu bemerken, das dieses System in seiner Gesamtheit anzugreifen ist und nicht nur dessen Symptome. Das Problem sind nicht die Menschen, die versuchen im Kapitalismus zurecht zu kommen, sondern der Kapitalismus selbst. Der Latte Macchiato schlürfende Yuppie, der neu in das Szeneviertel zieht, ist nicht der Feind, nach dessen Verschwinden alles wieder „so wie früher“ wird, sondern ein Teil der Marktlogik, wie wir auch.

Die Legitimation unserer Freiraumkämpfe ist nicht aus der Luft gegriffen; Unsere kämpfe für eine utopische Gesellschaft sind nicht weniger unrealistisch als die früheren Kämpfe gegen die Monarchie zu gunsten der Demokratie. Nun wird es Zeit weiter zu denken, die Erde noch lebenswerter zu gestalten – dabei bleibt die Forderung nach Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit – nur das sie konsequenter gestellt wird. Im großen, wie im kleinen haben anarchistische und emanzipatorische Gedanken diese Gesellschaft bereits geprägt, sei es mit dem (immernoch nicht abgschlossen) Kampf um die Gleichberechtigung von weiblichen und transsexuellen Menschen, sei es bei der Gestaltung von Vierteln und Städten und vielen anderen Beispielen. Am Beispiel der Dresdner Neustadt wird es gut deutlich: Was alternative, künstlerische und politisch oft links oder libertär orientierte Menschen geschaffen haben wird von der Stadt und vielen Unternehmer_innen beworben und vermarktet. Gleichzeitig werden selbige Menschen aus den von ihnen geprägten Stadtvierteln bewusst vertrieben, politisch unterdrückt und kriminalisiert.

Wir haben nicht vor, zu warten bis Eigentümer_innen, Stadt- und Landesregierungen auch die letzten Projekte zerstört haben. Wir wollen die Öffentlichkeit auf unsere Ideen, unsere Gegenkultur und unsere Lebensweise aufmerksam machen. Wir fordern Häuser und Plätze um unsere Projekte unabhängig weiterentwickeln zu können. Wir lassen uns nicht mehr vertrösten oder mit halbherzigen Duldungsverträgen abspeisen und uns nicht den Weg in eine bessere Zukunft verbauen.

Kommt deswegen am 19. 9. 2009 20:30 Uhr auf den Albertplatz zur Nachttanzdemo für alternative Freiräume. Wir wollen zusammen auf die Straße gehen, zu guter Musik tanzen und feiern, da ein lautstarker Protest für Freiräume nötig ist. Dabei soll es sich jedoch nicht um eine reine Tanzveranstaltung handeln, sondern selbst um einen temporären Freiraum, in dem Menschen sowohl ihren Protest äußern als auch Spaß haben können – auch ohne Geld oder Angst vor dummer Anmache wegen Ihrer Sexualität oder Äußerem. Deswegen werden wir auf der Demo keine rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Inhalte oder Taten dulden. Auch soll dies kein Platz für die Bewerbung kommerzieller Projekte oder Parteien sein. Ein Freiraum soll für alle Menschen da sein die ihn brauchen, und nicht für die, die ihn sich leisten können.

Her mit dem schönen Leben!
Wir sehen uns auf der Demo!

AK Freiraum / Libertäres Netzwerk Dresden

*ergänzung: An dieser stelle sei auch auf die freiraumdemo in wittenberg an diesem tag hingewiesen
Der Traum ist aus zu dieser
Zeit…Doch wir werden alles geben!

Bierdichtung zum Frühling

Das Plenum wird heut warten müssen,
denn neue Begeisterung ist eingekehrt
und ich will lieber deine Lippen küssen.
Lebenslust schafft Anarchie – nicht umgekehrt.

Der Frühling – ein alter Kampfgenosse -
bringt wieder Farbe in die graue Gosse
und auch das Sternie schmeckt mir wieder
und frisch und neu kling‘ alte Lieder…

Kommt, wir steigen zum Frühling auf die Häuserdächer,
und füllen halb zwölf im Sonnenschein die Becher!
Aus verrauchter Hinterzimmer abgefuckter Pracht,
sind wir alle ans Licht gebracht!

Schon spür ich neue Lust mit Bullen mich zu balgen
und durch die Straßen zu ziehen als gehörten sie noch uns.
Vergessen, die winterlichen Gänge an den Galgen,
heut trink ich wieder mit Meyer, Hinz und Kunz!

Jetzt geht das wilde Leben wieder los,
nun geben wir der CDU den Gnadenstoß,
und findets auch die Staatsgewalt nicht fein:
Hier bin ich Punk, hier will ichs sein!

Zugegeben, ein wenig spät eingereicht, aber was solls.

Nachruf: Horst Stowasser gestorben

Liebe Freunde,

mit Bestürzung müssen wir euch den Tod des Anarchisten Horst Stowasser mitteilen. Der 1951 geborene Autor, Projektmitstreiter, Redner und Archivar starb am 29.08. im Alter von 58 Jahren. Sicher war er nur ein Träumer und Kämpfer wie jede_r andere von uns auch, doch hat er durch seine Publikationen und Projekte viele von uns zur anarchistischen Philosophie gebracht.

Ich trauere um einen Menschen, der mich durch seine Werke in meinem Leben weitergebracht hat und dem ich mich durch gemeinsame Träume nahefühlte ohne ihn je getroffen zu haben. Ich denke vielen anderen geht es ähnlich.

Unser Mitgefühl gilt den Freunden und Angehörigen Horsts,
wir hoffen er hatte einen leichten Abschied.

Wir kämpfen weiter, danke Horst!

Du brauchst Gründe?

Warum ich gegen das System und die derzeitge Gesellschaftsordnung kämpfe? Das hatte für mich am Anfang eigentlich gar nichts mit hochgestochenen, politischen Fremdwörtern zu tun, auch wenn ich diese heute viel zu oft verwende. Es hatte anfangs nichts mit einer ausgearbeiteten Kritik an Herrschaft, der Situation von Asylsuchenden, der Auflösung der Bundeswehr oder einem der ganzen anderen Themen zu tun die in anarchistischen Schriften immer wieder behandelt werden. Die Grundmotivation, für mich als westlichen, männlichen Weißen, also einen potentiellen Gewinner des Systems war viel weniger abstrakt, war ganz menschlich und für jeden, der sich noch Emotionen zugesteht erlebbar;

Zu sehen wie Menschen, denen ich gerne Nahe wäre, denen ich Liebe schenken will nicht mehr dazu fähig sind anderen Personen, oder sich selbst zu vertrauen. Zu sehen wie diese Gesellschaft sie unfähig gemacht hat zu lieben, wie ihre emotionale Welt zu einem täglichen Horrorfilm verkommen ist und zu merken wie auch mein eigenes Leben sich zu einem verdammten Theaterstück mit falschen Schauspielern entwickelt hat, dass waren die Gründe die mich bewogen haben etwas zu tun.

Wenn Leute mir sagen, der Gegenstand meines politischen Kampfes sei für sie nicht erlebbar, sie kämen gut zurecht in Deutschland, könnten sich nicht beschweren dann sind sie vielleicht einfach nur nicht ehrlich zu sich selbst. Wer schleppt in diesem beschissenen Land denn bitte keine Neurosen, Komplexe usw. mit sich herum? Wer kann wirklich am Ende seiner Jugend sagen, dass er/sie sich sein freies Wesen behalten hat, dass er/sie frei lieben und/oder sich hingeben kann?

Von den Menschen mit denen ich zum Beispiel die Schule besucht habe, haben sich zwei Leute im Suff totgefahren, von mindestens 10 Menschen weiß ich, dass sie vergewaltigt wurden, die dazu gehörigen Vergewaltiger kommen natürlich auch aus den selben Reihen. Einige sitzen wegen Körperverletzung im Knast, andere haben schon jetzt Partner_innen von denen sie täglich verdroschen werden. Eine Freundin von mir wurde vor einer Woche fast von ihrem Ex um die Ecke gebracht. Wie viele von meinen alten Bekannten sich täglich zulaufen lassen oder sich ständig irgendwelchen drittklassigen Stoff reinziehen will ich gar nicht wissen.

Was mich aber viel mehr mitgenommen hat, als die ganze beschissene Realität der mich umgebenden Gesellschaft, war die Erfahrung, dass Menschen die sich einen warmen Kern behalten haben, nicht mehr dazu fähig sind zu lieben, sich fallen zu lassen und sich in irgendeiner Form bei einer Person wohl zu fühlen.

Und ich selbst? Bin kein Deut besser. Angst vor Nähe, Angst vor der Welt, vor anderen Menschen. Dank 5 Jahren Hölle in einer nazidurchtränkten Drecksschule irgendwo in Sachsen ist von meinem Selbstwertgefühl nicht viel übrig geblieben, obwohl ich jeden verfluchten Tag daran arbeite. Ich mag mich meistens nicht sonderlich, von einer Liebe zu mir kann ich auf keinen Fall reden. Doch wie will Mensch, mit einem Körper, einer Psyche, einer „Seele“ die mensch nicht mag anderen Menschen Liebe geben? Ich rede hier nicht von ner Beziehung oder nemm Team, dafür muss mensch sich nur an Regeln halten und die Dailysoaps nachspielen, dafür sind die ja schließlich da: Damit kaputte Menschen sehen können wie eine Beziehung auszusehen hat. Ich rede aber davon sich wirklich auf eine_n Andere_n einzulassen, sich fallen und die emotionalen Kanäle offen zu lassen. Wie soll das bitte gehen wenn mensch das nicht mal mit sich selbst vermag?

Jede beschissene Tat lebt, so lange es die Menschheit gibt. Was fernöstliche Philosophie als Karma bezeichnet ist doch letztendlich nichts anderes als das Prinzip von der sich selbst erhaltenden Energie einer Tat. Wenn ich dir etwas destruktives zufüge, wirst du anderen Menschen destruktives zufügen, wenn ich dir etwas bereicherndes, schönes gebe, dann hast du mehr Kraft ähnliches weiter zu geben.

Der Grund meines Kampfes ist also eigentlich völlig einfach, ich will dass die Menschen wieder gut zu einander sind, dass die Scheiße irgendwann aufhört diese Welt zu überfluten. Ich will einer Gesellschaft einen Platz bieten, in der Menschen wieder die Kraft finden können gut zueinander und zu sich selbst zu sein. Und ich denke das sollte auch immer das Hauptziel einer anarchistischen Bewegung sein, wenn sie die Welt wirklich radikal verändern will. Niemanden zu beherrschen oder Gewalt gegen ihn/sie auszuüben sind nur die Werkzeuge um dies zu ermöglichen und zu bewahren.