„Her mit dem schönen Leben“ oder doch nur ‚n Freiraum? (ungekürzte Version)

„Freiraum“ – ein großes Wort dieser und vergangener Tage. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff, welche Eigenschaften weisst er auf, welche Erwartungen und Hoffnungen birgt sogenannte „Freiraumpolitik“ und vorallem welcher Nutzen lässt sich aus einem so definierten Ort ziehen?
Fragen, die eine Fülle von Antworten nach sich ziehen und doch viel zu selten von einem kritischen Standpunkt aus beleuchtet werden. Ein „Freiraum“ wird oft als ein Raum, seltener ein Platz, definiert an dem bestimmte gesellschaftlich-normative Prozesse und Mechanismen weitestgehend außer Kraft gesetzt werden, oder zumindest der Versuch dazu unternommen wird. Häufig werden hier „Rassimus“, „Sexismus“ und „kommerzielle Freizeitvermarktung“ genannt, ohne diese genauer zu definieren. Ferner soll ein Freiraum als Ort dienen, an dem politische Arbeit betrieben und gefördert werden kann, oder gar ein Alternativmodell zur jetzigen (oder auch bereits vergangen) Gesellschaft darstellen.
Daraus muss letztendlich die Frage danach folgen, ob ein „Freiraum“ ebend diese Eigenschaften aufweisen kann und sollte, welche meiner Meinung nach mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden muss.
Der Grund für diese Negation liegt schon in der Begriffsbezeichnung selbst, die sich aus den Komponenten „frei“ und „Raum“ zusammensetzt und diese zu einen versucht. Um dies zu verstehen muss eine Definition des Begriffes „Freiheit“ erfolgen, welche ich an dieser Stelle nur oberflächlich angehen werde: Der positiv konnotierte Freiheitsbegriff stellt insofern ein Problem dar, dass er keiner klaren Defintion zu Grunde liegt. „Freiheit“ ist das „wonach es zu streben gilt“, ein Ideal, welches sich in der Utopie einer veränderten, in vielen Hinsichten definierten, bzw. eträumten, Gesellschaftsform verwirklicht sieht. Ebend diese Idealisierung der Freiheit, die dadurch zu einem in ferner Zukunft leuchtenden Schein, auf den es hinzuarbeiten gilt, wird, stellt das Problem dar. Denn wo das letztendliche Ziel, wenn auch in unendlicher Ferne, feststeht, ist auch der Weg dorthin vorgegeben, den die Menschheit zu gehen hat, um es zu erreichen. Einer anti-idealistischen (das heisst sich eines Zieles verweigernden) Analyse, sowie jeglicher Kritik außerhalb des utopistisch-idealistischen Diskurses ist damit schnell der Boden entzogen, eine wissenschaftlich-materialistische Gesellschaftkritik, die den geschichtlichen Fortgang nur in der Abgrenzung von der Geschichte und in Rückbezug auf die Gegenwart, ohne sich weiter mit der lediglich erdachten Zukunft zu befassen, wird ausgeschaltet. Eine Vorstellung „von dem was sein könnte“ muss in Interaktion mit „dem was ist“ zwangsläufig eine Wertungs-Skala erschaffen auf der jegliche Veränderung „nach oben“ oder „nach unten“ hin eingeordnet wird. Aus einer solchen Skala widerrum geht ohne Zweifel hervor, dass es Strukturen geben muss, die dem, wie auch immer definierten, Endziel näher oder weiter entfernt sind als andere, den „richtigen“ oder den „falschen“ Weg bezüglich des Erreichens dieser Zukunftsprojektion eigener Wünsche und Neigungen gewählt haben. In der Realität schlägt dies in hierachische, Menschen und Zusammenhänge an einander abmessende, erweiterte Skalenbildung um, welche durch die unvermeidbare Schaffung von Ungleichheiten bezüglich des geistigen Fortschrittes mit dem Ziel der Aufhebung dieser, die idealisierte Freiheit ad absurdum führt, mehr noch, sich durch anstreben eines Zieles von diesem entfernt. So kann nur ein klar definierter Freiheitsbegriff, welcher in seiner Gültigkeit absolut ist und sich lediglich auf die gesellschaftliche und biografische Geschichte bezieht und NUR von dieser abgrenzt eine Relevanz für eine radikale Veränderung der BESTEHENDEN Gesellschaft haben. Doch wie kann mensch sich anmaßen Freiheit absolut zu definieren? Eine solche Definition muss die Entidealisierung des Freiheitsbegriffes einschließen, das heißt aus diesem Wort jegliche Projektionen, Wünsche und Hoffnungen entfernen und versuchen einen Minimalkonsenz menschlichen Handelns zu finden. Dieser liegt in der Negation, als negativ empfundener Zustände, physischer und psychischer Natur. Alles menschliche Handeln folgt diesem Zweck, selbst wenn es manchmal nicht so scheint. Auf eine genauere Ausarbeitung auf psychologischer Grundlage verzichte ich an dieser Stelle, weil dies 1. den Rahmen sprengen würde und 2. keine weitere Relevanz für diesen hat, der lediglich versucht dieses Thema anzureissen.
Der Mensch strebt also einen Zustand permaneten Glücks an, als Mittel, um diesen zu erreichen bedient er sich der Negation und ihrer abgeschwächten Form, der Kritik. Da Kritik ein weites Feld ist und in viele verschiedene Richtungen verläuft fällt diese Annahme schwer. Findet jedoch eine genauere Betrachtung des Kritikbegriffs statt kann auch hier wieder ein Minimal-Konsenz aufgestellt werden, der in seiner Gültigkeit absolut ist: Kritik bedient sich der Logik, dem Mittel die konstruktivistisch-subjektive Wahrnehmung der materiell-objektiven Welt mit ebend dieser in Einklang zu bringen, was die Grundlage der Interaktionsform „Diskussion“ bildet. Die Logik lässt sich auf eine einfache mathematischen Formel zurückführen: 1+1=2. Die Definition von „1″ ist dabei völlig gleichgültig, die Formel bleibt in jedem Fall unantastbar.
Auf Grundlage einer solchen, kritischen Analyse der bestehenden Gesellschaft ist es logisch, dass eine gesellschaftliche Veränderung, welche sich dem egoistischen Streben nach Glück unterwirft, nur eine kollektive, die gesamte Gesellschaft betreffende sein kann, da keinerlei Möglichkeiten für das Individuum bestehen sich von ihrer/seiner Sozialisation und der Verknüpfung mit der Gesellschaft komplett zu lösen, ohne Rückbezug auf diese zu handeln.
An dieser Stelle lässt sich der Bogen zum Beginn des Textes schlagen in dem nun der zweite Teil des Begriffes „Freiraum“ integriert wird: Ein Raum, der innerhalb der gegebenen Gesellschaft besteht kann sich dieser nicht entziehen, höchstens oberflächlich. Eine Verneinung von „Rassismus“ und „Sexismus“ muss, um eine gesamtgesellchaftliche Tragweite zu haben, die notwendig ist, um diese Denk- und Verhaltensmuster zu entfernen, nicht nur punktuell und relativ, sondern weitflächig und radikal verfolgt werden. Ein Freiraum, der sich lediglich über die Idealisierung einer Örtlichkeit definiert, bietet somit keine Schutzbastion gegen die Gesellschaft, keinen Elfenbeinturm der „Freiheit“.

Wozu dann noch Freiraumpolitik?
„Freiräume“ und „Freiraumpolitik“ finden ihren Wert und ihre Berechtigung nicht in der scheinbaren Abgrenzung von der Gesellschaft und bilden keine reale Alternative zu dieser. Trotzdem haben sie mehrere praktische Nutzen, von denen ich natürlich nur diejenigen erwähne(bzw. erwähnen kann), die ich als nützlich empfinde:
1.“Freiräume“ haben einen großen infrastrukturellen Wert, können zu Vernetzungs- und Austauschzwecken genutzt werden. Zudem schaffen sie die Möglichkeit Kritik nach Außen zu tragen, sei es durch Veranstaltungen, Bücherläden, oder durch ihre Existenz an sich.
2.Sie bilden zudem ein politisches Druckmittel, durch die Aneignung von „Freiräumen“ wird Druck auf direkte Verwaltungs- und Machtstrukturen ausgeübt, da diese dadurch in Frage gestellt werden. Zudem kann auch „Freiraumpolitik“ den sprichwörtlichen Funken überspringen lassen, „der das Feuer entfacht“.
3.Ein weiterer Nutzen, der aus „Freiraumpolitik“ gezogen werden kann, auch wenn dieser keine gesamtgesellschaftliche Relevanz hat, ist, dass das Betreten und Nutzen eines solchen Ortes mit einer kritischen Auseinandersetzung mit hierachischen Machtsstrukturen zu verbinden suchen, wodurch die persönliche Kritik verändert, auf andere Ebenen getragen und und ein kritikoffenes Grundklima geschaffen werden kann.


2 Antworten auf „„Her mit dem schönen Leben“ oder doch nur ‚n Freiraum? (ungekürzte Version)“


  1. 1 Peter 07. Oktober 2009 um 1:26 Uhr

    Kurze und eigentlich noch auszuarbeitende Anmerkungen.:

    Form:
    1) Bitte bitte weniger Schachtelsätze. Das nervt beim Lesen und führt garantiert zu massig Missverständnissen (wenn z.b. das Wort „dieser“ sich auf drei verschiedene Dinge beziehen könnte)

    2) Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass du die Fach- und Fremdwörter selbst nicht richtig verstehst. In Kombination mit dem ersten Kritikpunkt und mit meiner eigenen Unsicherheit bei Fach- und Fremdwörtern ergibt das ein sehr unentspanntes Leseerlebnis…

    Inhalt:

    3) Wieso sollte ein Freiraum nicht antirassistisch, antisexistisch etc sein? (Zu deinem klaren Nein..)

    4) „Denn wo das letztendliche Ziel, wenn auch in unendlicher Ferne, feststeht, ist auch der Weg dorthin vorgegeben, den die Menschheit zu gehen hat, um es zu erreichen.“ --> Das denke ich, stimmt nicht. Wieso sollte es auch?

    5) Utopie und „wissenschaftlich-materialistische Kritik“ (wenn wir denn das gleiche meinen..) schließen sich nicht aus. Sie ergänzen sich eher…

    6) Sätze wie „Alles menschliche Handeln folgt diesem Zweck“ oder „Der Mensch strebt also einen Zustand permanenten Glücks an“ gehen mal gar nicht. Solchen Argumentationsweisen liegen biologische und anthropologische Annahmen über soziale Zusammenhänge zugrunde und verhindern emanzipatorisches Denken und Handeln. Die angesprochenen psychologischen Grundlagen sind massivst umstritten, gefährlich (Im Sinne von offen für Rechtskonservative..) und sollten nicht in linksradikale Debatten einfließen.

    7) Die „Wertungs-Skala“ wird von dir verteufelt, da sie angeblich das Ziel der idealisierten Freiheit durch Hierarchieschaffung verhindert. Klingt so formuliert natürlich böse. Ich finde aber, dass alles Handeln sich bewerten lassen muss. Nämlich danach, ob es Herrschafft schafft, reproduziert oder legitimiert. Und natürlich werden Handlungen dann hierarchisiert. Damit werden aber nicht automatisch Menschen hierarchisiert. Außerdem: Alle Handlungen aber unbewertet hinnehmen geht nicht.

    7) Die Argumentationskette ab „So kann nur ein klar definierter Freiheitsbegriff…“ bis zum nächsten Absatz verstehe ich dann gar nicht mehr. Sorry. Klingt hochgestochen und sprachlich nach Möchtegern-Adorno. Please try again later…

    8) Wieso versucht der Mensch gerade durch Kritik permanent glücklich zu werden..? Wenn ich mir die Menschen um mich herum so anschaue, passiert da eher das Gegenteil von Kritik.

    9) Das Menschen versuchen, ihre eigene Wahrnehmung mit der Realität in Einklang zu bringen, ist relativ banal. Was das dann mit 1+1=2 zu tun hat, verstehe ich aber nicht.

    10) Klar, Individuen können sich in ihrem Handeln nie komplett von ihrer Vergangenheit lösen. Noch viel klarer ist, das jede gesellschaftliche Veränderung eine kollektive ist. Wenn du damit meinst, dass kollektive Handlungen unabhängig von den einzelnen Sozialisationserfahrungen sind, muss ich dir aufs Schärfste widersprechen.

    11) Zu dem Absatz ab „An dieser Stelle lässt sich der Bogen…“. Richtig. Wir sollten uns nicht vormachen, durch kleine räumliche Verringerung von Herrschaft die Welt von jeglichen Unterdrückungsmustern zu befreien. Durch diese Tatsache werden auch immer wieder unterdrückerische Handlungen von außen und von innen in unseren Freiräumen passieren. Trotzdem sind Freiräume Schutzbastionen gegen die Gesellschaft. Auch wenn sie nicht nach außen wirken, nicht radikal sind und nicht weiträumig agieren. Jedes linke Jugendzentrum gibt den Kids ein wenig Schutz vor Nazis und die Möglichkeit kollektiv zu handeln. Dieser Schutz ist nicht absolut. Das behauptet aber auch niemand. Der Kampf darum kann trotzdem revolutionär sein. (Weiter bei Punkt 14)

    12) Den Nutzen kann ich so unterschreiben.

    Grundsätzlich:

    13) Wenn das ein Aufruf dazu war, dass die Freiraum-Linke mehr aus dem Arsch kommen soll, stimme ich grundsätzlich zu. Das gilt nur leider auch für alle anderen linken Themenfelder. Es gibt immer mehr zu tun und zu rocken als wir Menschen und Ressourcen haben. Deine Analyse finde ich im Detail unklar, missverständlich und teilweise falsch. Sie neigt dazu Freiraumpolitik zu diskreditieren und politische Aktionen dazu zu verhindern. Denn Freiraumpolitik ist ja schließlich nicht radikal genug…

    Abschließend: Revolutionäre Freiraumpolitik!

    14) Da du mehrfach von materialistischer Kritik gesprochen hast: Wenn du damit die Analyse und Kritik der kapitalistischen Funktionsweise des heutigen Systems meinst und diese einforderst, muss ich dir sagen, dass Freiraumpolitik im höchsten Maße revolutionär ist. Sie ist der Kampf gegen die kapitalistische Verwertungslogik auf einem von unzähligen Märkten, sie stellt die Logik von kapitalistischem Eigentum in Frage und sie richtet sich gegen hierarchische Organisationsformen und Fremdbestimmung.
    Darüber hinaus werden auch andere genauso wichtige Herrschaftslogiken angegriffen. Damit will ich jetzt nicht Freiraumpolitik als das Politikfeld schlechthin abfeiern. Es geht nur darum, Menschen nach ihren Bedürfnissen Kämpfe führen zu lassen. Regelmäßige Kritik ist natürlich erwünscht. Das „Wir wissen es besser“-Getue hilft da nur echt nicht weiter! Und so kommt dieser Artikel leider rüber…

  2. 2 W.M. 26. Oktober 2009 um 21:51 Uhr

    Ok, das meiste an Kritik wurde eigentlich schon von Peter genannt. Ehrlich gesagt wusste ich bei dem Text nicht wirklich ob ich lachen oder weinen sollte. Du wirfst mit Fachwörtern um dich, wo sie nicht im Mindesten nötig sind. Zusammen mit unerschließbaren Schachtelsätzen und nicht nachvollziehbaren Argumentationslinien entsteht der Eindruck, dass du den fehlenden Inhalt auf diese Weise zu verstecken suchst.

    Deine „Kritik“ an der Freiraumbewegung ist keine, die die Freiraumbewegung nicht selber publiziert. Ich habe mich geschlagene 4 mal durch deinen Artikel gequält bis ich verstand, was mir deine Satzkonstrukte vermutlich sagen wollen und das war, von abstrusen und waghalsigen Theorien zu Glücksstreben, Logik und Kritik mal abgesehen, einfach nur:

    a) wir können unserer Sozialisierung nicht einfach entrinnen
    b) Veränderungen müssen gesellschaftlich Geschehen um Wirkung zu haben
    c) es ist nicht Sinn der Sache sich auf Grund von mehr politischer Correctness besser als andere Vorzukommen

    Meine Antwort darauf:

    a) das wussten wir glaube ich alle, es geht einfach darum gemeinsam angelernte Mechanismen abzubauen
    b) wissen auch die meisten, deswegen muss eine Gegengesellschaft aufgebaut werden
    c) jo

    Es gäbe noch mehr zu meckern aber ich glaub, dass wäre einfach nur bashing.

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