Archiv für Dezember 2009

Anarchie organisieren!

Dieser Text ist der Versuch verschiedene Probleme aktueller, anarchistischer Politik zu analysieren und Lösungsansätze zu skizzieren. Der Schwerpunkt liegt hier vor allem auf selbstverursachten Missständen, bzw. der eigenen Handlungsweise und weniger auf den generellen, gesellschaftlichen Umständen (diese werden m.M.n. in genug anderen Artikel hinreichend behandelt). Die meisten Themen werde ich nur kurz umreißen, da es sich hier eher um einen groben Einstieg in die Diskussion um eine regionale, wie überregionale Entwicklung der libertären Strömung handelt. Die einzelnen Aspekte würde ich dann gerne mit interessierten Menschen weiterentwickeln.

Das kleiner werdende Ghetto

Die Entwicklungen der libertären und autonomen Bewegungen auf dem Gebiet der BRD sind in den letzten Jahren von Defensivverhalten, Stagnation und Strukturverlusten gekennzeichnet. Jedes Jahr verliert die geschwächte Szene Häuser, Gruppen und weitere Infrastruktur. Im Gegenzug haben Umstände wie enorme Repressionswellen und die tiefgreifenden soziologischen Folgen eines sich beschleunigenden Kapitalismus, gepaart mit einer staatlichen Propaganda vom Ende der Geschichte dazu geführt, dass utopistische und kämpferische Strömungen immer weniger attraktiv für die durchschnittliche Bevölkerung wurden. Dazu kam, dass sich viele politische Menschen immer weiter in eine Szeneidentität und die dazu gehörigen Spaltereien verrannten und somit immer weniger Anbindung zur Realität von Menschen außerhalb der Szene (oder jenen mit anderem Stand der Diskussion) erhielten. Horst Stowasser spricht hier vom sogenannten Szene-„Ghetto“*. Mensch labelt sich, grenzt sich mit Alltag, Kleidung und Lebensstil ab, das ist erstmal nicht verkehrt, führt aber in nicht wenigen Fällen zu einem Schweigen und in letzter Konsequenz eben zu Unverständnis und gegenseitiger Hetze (was sich z.B. bei vielen antifaschistischen Protesten zeigt).

Autonomen Gruppen gelingt es hier zu Lande immer seltener soviel politischen Druck aufzubauen um politische Forderungen offensiv durchsetzen zu können. Zu leicht fällt es Medien und Parteien die fordernde Gruppe als weltfremde Spinner oder gewaltgeile Chaoten abzustempeln und sie damit ins Leere laufen zu lassen. Ein weiterer wichtiger Punkt, der zur derzeitigen Strukturschwäche geführt hat (und der sich in Dresden sehr gut nachvollziehen lässt) ist das intolerante und zu arrogante Handeln vieler Antifa-Gruppen gegenüber verschiedener Subkulturen, aus denen heute Nachwuchs für die politische Arbeit kommen müsste. So sank die Solidarität z.B. in der Gothic und Punk-Szene mit autonomen Gruppen durch deren selbstherrliches und unvermittelt militantes Auftreten, bei dem oft weder vorher noch nachher kommuniziert wird, gegen das Tragen von wirklich oder vermeintlich rechten Symbolen (so gab es z.B. Übergriffe nur wegen unpolitischen Anspielungen auf Götter/Göttinnen wie Odin und Freyr) sowie das Hören (z.T. nur angeblich) rechter Bands fast auf den Nullpunkt.. Dadurch leisten nicht nur weniger Menschen direkt Widerstand, vor allem die Gothic-Szene wird auch schneller von rechter Seite beeinflusst und dient so modernen Nazis immer öfter als Rekrutierungspotential.

Aus diesen und anderen Gründen ergibt sich der heutige Ist-Zustand in den Bewegungen im Raum der BRD. In den meisten Städten wird sich darum bemüht die Strukturen am Leben zu erhalten, vielleicht aller einem Monat eine Aktion auf die Reihe zu bekommen und sich an anderen Kampagnen zu beteiligen. In den Kleinstädten und Dörfern geht es vor allem in Sachsen oftmals nur noch um die reine Sicherheit des Lebens. In diesem Zusammenhang wird oft treffender Weise von Feuerwehrpolitik gesprochen und im Moment fehlen in den meisten Fällen sowohl Leute als auch Zeit um auch nur einen Teil der Brände wirksam bekämpfen zu können.

Durch die Kurzlebigkeit von Initiativen und Kampagnen kommt es dann auch, dass die wenigsten Kämpfe außerhalb des Szene-Gettos überhaupt wahrgenommen werden. Dafür bräuchte mensch eine gewisse Kontinuität und Kompetenz, die so nicht erreichbar ist, für die es zum Teil Jahre braucht.

Label Anarchie

Im Angesicht einer Wirtschaftskrise die sich in einem Maß auszuweiten scheint (auch wenn die Medien sie gerade ausblenden), das bis jetzt nicht vorhersehbar ist, angesichts härterer Lebensbedingungen, auch in den westlichen Ländern und einer globalen Politik die mehr und mehr an Eskalationspotential gewinnt scheint es allerdings nötiger als in den letzten 20 Jahren aktive Gegenstrukturen vorzuweisen und Alternativmodelle vermitteln zu können, sei es um den stärker werdenden Faschist_innen Europas etwas entgegen halten zu können oder sei es um der westlichen Gesellschaft deutlich zu machen, dass der heutige Kapitalismus nicht das bestmögliche und nicht das Ende der Geschichte ist.

Eine Frage die sich im Zusammenhang mit herrschaftskritischer Politik immer wieder stellt, ist die unter welchem Namen die so nötige Aufbauarbeit in Sachen Struktur und Jugendarbeit in Angriff genommen werden sollte und ob anarchistische Kooparationen/ Föderationen eine Antwort sein könnten.

Einige argumentierten, dass ein weiteres, in diesem Fall anarchistisches, „Label“ die Spaltung in der Szene noch verstärken könnte. Dem kann ich nur entgegenhalten, dass eine Benennung von politischen Sichtweisen und damit die bewusste Abgrenzung zu anderen Ansichten und Strömungen nicht gleich etwas spaltendes impliziert. Im wesentlichen geht es hier um Klarheit und nicht um Entzweiung. Das Problem liegt weniger in einer Klarstellung eines ungefähren politischen Konsenses den mensch mit anderen teilt sondern in der Gegenseitigen Toleranz, die eine „Linke“ leider zu großen Teilen verlernt hat. Das Problem liegt also nicht darin sich als Menschen mit ähnlichen Ansichten und ähnlichen Utopien zusammen zu finden und diesem Bindeglied dann einen Namen zu geben, sondern in der Intoleranz gegenüber anderen Einstellungen die in der „Linken“ leider mindestens genauso vertreten ist wie in konservativen Strömungen.

Ein zweiter Kritikpunkt der oft an der Bezeichnung von Gruppen und Projekten als anarchistisch angebracht wird und wurde, ist der, dass viele Mensch keine Lust haben sich selbst in eine Schublade stecken zu lassen, sie bezeichnen sich nicht gerne als etwas anderes als sich selbst. Alles andere stellt für sie einen Angriff auf ihre Individualität dar. Daraus folgt, dass ein Projekt welches sich als anarchistisch bezeichnet, Menschen ausschließen kann die sich nicht ebenso labeln wollen. Mir stellt sich hier jedoch die Frage, inwieweit die nachvollziehbare Grundintension dieser Menschen hier nicht zu einem bloßen Dogma verkommt, zum Lifestyleobjekt welches die eigene Individualität vor allem nach außen betonen soll. In einer Gesellschaft mit tausenden Utopien, politischen Richtungen und Lebensentwürfen, wird mensch um Namen seltenst herumkommen, will mensch die Verhältnisse ändern.

Schlussendlich drängt sich noch eine weitere Vermutung auf; anders als in Ländern wie Spanien, in denen die Ideen der Anarchie schon einmal breite Teile der Bevölkerung erfassen konnten, wird der Anarchismus in Deutschland von einem großen Teil der Gesellschaft nicht als ernsthafte politische Philosophie wahrgenommen. Das Wissen der meisten Menschen geht hier nicht wirklich über die Klischees von Mord und Totschlag hinaus. Trauriger Weise drängt sich auch in vielen AZs der Eindruck auf, dass die anarchistische Strömung für viele nicht mehr ist, als tote Bilder, Sagen von 1936 usw.

Für die Benutzung des Adjektivs „anarchistisch“ spricht allerdings immer noch vieles: Mit diesem Wort verbinden sich über 150 Jahre Geschichte, mit allen Höhen und Tiefen. Wir können an ihr nachvollziehen woher die libertäre Bewegung kam, wie sie sich entwickelt hat und wohin sie vielleicht gehen könnte. Mehr noch, mit dem Wort Anarchie – frei von Herrschaft – verbinden immer noch tausende auf der Welt ihre Hoffnungen, ihre Motivation sich weiterhin menschenverachtenden Systemen in den Weg zu stellen und die Freuden ihres Alltags. Wenn ich auch sicher nicht mit jedem und jeder gleichgesetzt werden möchte, der/die ihr politisches Weltbild ebenfalls als anarchistisch betrachtet, so finde ich doch im Zeichen des umkreisten As schneller Verbündete und Menschen mit denen ich kooperieren will als anderswo.

Schlussendlich ist Anarchismus mehr als ein Label, sondern ein Überbegriff für verschiedene Gesellschaftsentwürfe und Wege wie mensch zu diesen gelangen könnte. Vorallem drückt dieses Wort aus, was vermieden werden soll, nämlich neue Herrschaft.

Es macht für mich durchaus Sinn Projekte als anarchistisch zu kennzeichnen, da ich zum einen der Meinung bin, dass viele andere Richtungen revolutionärer Taktiken nur Scheitern oder zu neuen, menschenfeindlichen Verhältnissen führen können. Zum anderen bringe ich aber mit einer bewussten Labelung auch die Ideen von Anarchie wieder ins Gespräch, wenn meine Mitmenschen erstmal merken, dass ich kein Mord- und Totschlagtyp bin.

Mut zur Taktik

Was der geschwächten Bewegung darüber hinaus oft fehlt ist ein taktisches Verständnis. Wenn taktisch agiert wird, dann meist nur bezogen auf ein konkretes Ereignis oder eine Veranstaltung. Dabei könnte Mensch noch einiges an Potential ausschöpfen wenn mehr Wert auf Informationsauswertung, Analyse und übergreifendes Handeln gelegt werden würde.

Der gefährlichste Feind einer emanzipatorischen Bewegung ist immer noch der Staatsapparat und dessen Organe. Die Regierung und die Nutznießer eines Staates, egal ob dieser feudalistisch, kapitalistisch oder realsozialistisch aufgebaut ist, haben kein Interesse an einer freiheitlichen, gleichberechtigten Gesellschaft oder Entwicklungen die die vorhandenen Machtverhältnisse ins wanken bringen. Das feindliche System verfügt dabei über Ressourcen, Taktik, Propaganda und nicht zu letzt das Gewaltmonopol.

Aufgrund dieser Übermacht, muss die eigene Struktur bestmöglichst genutzt und Aktionen auch überregional aufeinander abgestimmt werden um weiterhin politischen Druck erzeugen und eine Dynamik entwickeln zu können. Da dies dezentral geschehen muss um Hierarchien zu vermeiden und möglichst schwer angreifbar zu sein, sollten Gruppen sich mehr noch als jetzt Fragen stellen wie:

Welche Ressourcen bestehen regional und überregional? Müssen wir etwas neu erkämpfen, anschaffen, gründen oder besteht das benötigte bereits? Viel Kraft geht bei Kämpfen verloren die eigentlich nicht zwingend notwendig sind und oft fehlt es Gruppen an Möglichkeiten, weil sie nicht wissen was schon an nutzbarer Struktur besteht. Mit einer Verminderung von Redundanz und einer höheren Auslastung von vorhandenem kann Zeit und Arbeit gespart werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass unter Umständen mehr Häuser, Projekte usw. entstehen als gebraucht und betreut werden können und so gleich wieder verloren gehen. Daher ist der Gewinn an personeller stärke zum Teil nötiger als Strukturarbeit oder muss zumindest mit dieser einhergehen.

Weitere Fragen könnten sein: Welche Kämpfe die anderswo geführt werden stehen grad zu unseren in Verbindung? Wo kann mensch evtl. Anschluss finden und die Komplexität von Herrschafts- und Wirtschaftsmechanismen aufzeigen? Wie können wir vielleicht durch überregionale Zusammenarbeit mehr Kraft und ein anderes Bewusstsein entwickeln? Wie wirken sich die neusten Entwicklungen innerhalb und außerhalb der Szene auf den Charakter unserer nächsten Aktionen und die Wahl unserer Mittel aus.

Und nicht zuletzt: Welches Bild herrscht von einer autonomen Bewegung in den Köpfen der Menschen vor die uns umgeben und wie können wir sie ggf. motivieren uns kennen zu lernen und sich ein authentisches, eigenes Bild zu machen.

Reflexion, Vermittelbarkeit und Alltag

Wie das Scheitern verschiedenster Gruppen und Projekte in der Vergangenheit gezeigt hat, reicht es weiterhin nicht, nur einen Kampf gegen äußere Verhältnisse zu führen und dabei innere Missstände oder mangelnde Reflexion außer Acht zu lassen. Im Gegenteil ist es vermutlich eher so, dass inhaltliche Kritik, Diskussion und Weiterentwicklung innerhalb von Communitys und Zusammenhängen mindestens den selben Stellenwert für eine emanzipatorische Politik haben muss.

Quantitative Fortschritte bringen abseits von einzelnen Aktionen nichts, wenn nicht auch eine gewisse Qualität im politischen Diskurs und in der Umsetzung derselben im Alltag erreicht wird. Denn die reine Anzahl von Menschen kann nicht die eigene Selbstständigkeit in der Betreuung von Projekten oder den gewaltfreien Umgang miteinander ersetzen. Da der Anarchismus eine philosophische Strömung ist, die auf den eigenen Willen der Individuen zur Hierarchiefreiheit und Selbstbestimmung setzt, ist es nur mit persönlicher Weiterentwicklung möglich diese auch tatsächlich zu stärken.

Da diese Entwicklung in einem scharfen Widerspruch zu den gegenwärtigen gesellschaftlichen und ökonomischen Ansprüchen und Normen steht, braucht es einen sozialen Background der sie unterstützen und befruchten kann.

Es mag leicht sein anarchistische Argumentationslinien zu verteidigen und anderen Menschen diese schmackhaft zu machen. Das bedeutet aber für den Fortschritt hin zu einer emanzipatorischen Gesellschaft nüchtern betrachtet wenig. Die wirkliche Schwierigkeit und der wirkliche Erfolg besteht darin, die selbstgesteckten Ziele und Ideale im Zusammenleben und bei der Arbeit mit anderen Menschen umzusetzen. Doch genau darin liegt vielleicht auch der Schlüssel für das wirkliche Weiterkommen, weil es die Ideen der Anarchie erlebbar und greifbar macht, nicht nur für andere sondern auch für einen ganz persönlich.

Hier könnte dann auch ein Grundstein für die Vermittelbarkeit der eigenen ethischen und sozialen Vorstellungen gelegt werden; Statt „außenstehenden“ Menschen mit abstrakten, theoretischen Ausführungen entgegenzutreten, liefern die alltäglichen Erfolge und Probleme ein authentisches Bild welches nicht auf Überlegungen, sondern auf Erfahrungen gründet. Diese sind lebensnah, erlebbar und leicht nachvollziehbar für jede_n andere_n und bringen die Systemdiskussion damit auf eine völlig zwischenmenschliche Ebene.

Netzwerke, Föderationen, Gegenökonomie

Um utopistischen Lebensentwürfen eine politische und gesellschaftliche Relevanz zu verleihen, genügt weder eine Reaktionspolitik noch die Organisierung in Gruppen mit unklaren politischen Zielsetzungen über das konkrete Themengebiet hinaus. Es ist nötig, den sogenannten „Kulturanarchismus“ wieder in einen praktischen umzuwandeln und dabei auch die ökonomischen und sozialen Bedürfnisse miteinzubeziehen.

Ein Schlüssel könnte daher die Zusammenschließung von anarchistisch denkenden Menschen in städtischen bzw. regionalen Gruppen sein. Wenn diese Gruppen über eine gewisse Größe erreichen, was sich zum Beispiel durch Veranstaltungen und theoretische Kampagnen erreichen lässt, kann über die Bildung von Netzwerken nachgedacht werden.

Diese Netzwerke könnten zunächst politische Arbeitskreise beinhalten, so z.B. einen AK Antifa, einen AK Umwelt und so weiter. Das Netzwerk als solches wäre dann der Verbund von einzelnen politischen Gruppen den ein herrschaftskritischer Grundkonsens eint. Der Vorteil in solchen Netzwerken besteht gegenüber Einzelgruppen darin, dass ein höherer Wiedererkennungswert bei Aktionen und Publikationen besteht. Außerdem signalisiert das gemeinsame Netz einen gewissen Grad an Ernsthaftigkeit und Kontinuität. Durch die Gliederung von politischen Themenschwerpunkten fällt es zudem neuen Mitstreiter_innen leichter sich zu informieren und nach eigenem Wissen und Interesse einzubringen. Schließlich besteht ein struktureller Vorteil, weil sich die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur leichter organisieren lässt.

Wenn sich genug Menschen in einem solchen Netzwerk zusammenfinden, so besteht die Möglichkeit infrastrukturelle Arbeitsgruppen zu bilden und auf diese Weise zum Beispiel eigene Immobillien, Werkstätten, Medien, Fuhrparks, Finanzierungsmöglichkeiten usw. zu schaffen. Wenn sich dies leisten lässt, so wird vermutlich auch der Aufbau einer eigenen, evtl. umsonstökonomischen Produktion vorstellbar. Diese wiederum ist der Schlüssel zu einer ökonomischen Emanzipation, also dem Beginn von völlig legalen aber anarchistischen Warenkreisläufen.

Sollten mehrere, nicht zu weit entfernte Städte und Regionen diesen Organisationsgrad erreichen, so ist ein größerer Zulauf und eine Stärkung der anarchistischen Bewegung im weiteren Umkreis fast sicher, darüber hinaus wäre dies die Grundlage für reale Föderationen deren politische Bedeutung auch im Hinblick sich nicht leugnen ließe.

Hiermit beende ich meinen gedanklichen Ausflug und hoffe auf Anregungen und Kritik.

* Horst Stowasser – Wege aus dem Ghetto – Die anarchistische Bewegung und das Projekt A

Erfurt: Hände hoch. Haus her! Demo am 02.01.2010

Weil nichts so ist wie es scheint.

Erfurt
blüht. Auf sauberen Straßen erfreuen sich saubere Menschen eines biederen Stadtbildes, flanieren durch die Altstadt und staunen über die
restaurierten Fassaden einer geschichtsträchtigen Landeshauptstadt. Fast scheint es, als wäre die Ordnung wiederhergestellt, als hätten
Polizei und Ordnungsamt, die amorphe Masse der sogenannten Hausbesetzer_innenszene unter Kontrolle gekriegt und aus dem Dorf gejagt. Doch der idyllische Schein trügt. Lassen wir ihnen die vorweihnachtliche Zeit der Besinnung und begreifen wir sie selbst als Ruhe vor dem Sturm. Denn wir finden Erfurt zum Kotzen.

Es liegt
nicht in unserem Interesse, Erfurt für seine spießigen Bewohner_innen und die Massen zahlender Tourist_innen attraktiver zu gestalten, ein
bunter Fleck innerhalb grauer Angepasstheit zu sein. Wir wollen stören und sehen darin einen Grund uns nicht zurückzuziehen und alles zu
akzeptieren, was uns von wo auch immer aufdiktiert wird..

Weil sie nicht wissen wer wir sind.
ImJahr 2009 wurde das seit acht Jahren bestehende besetzte Haus auf dem ehemaligen Topf & Söhne- Gelände mit einem martialischen
Polizeieinsatz geräumt. Seitdem versucht die Kampagne „Hände hoch. Haus her“ ein neues selbstverwaltetes sozial-politisch-kulturelles Zentrum
zu erkämpfen. Ende November gipfelte diese Initiative in ihrem vorläufigem Höhepunkt: Der Öffentlichmachung der Besetzung des ehemaligen „Keglerheims“ und der noch am gleichen Tag folgenden Räumung durch die Polizei. Im Anschluss an die Räumung im April sah die Polizei
sich gezwungen, Erfurt in eine Polizeistadt zu verwandeln und alles und jeden zu kontrollieren und schikanieren, was auch nur annähernd in ihr
Raster alternativer Störenfriede passt.

Unsere Initiative ist jedoch nicht als einzige von der repressiven Entwicklung der Stadt Erfurt betroffen: So wird seit langem eine Stadtverordnung in der Innenstadt durchgesetzt, die unter anderem das Betteln, Schlafen auf Bänken, sowie den Alkoholgenuss und das Lagern in
Gruppen verbietet. Teilweise sprüht diese Verordnung nur so vor Einfallsreichtum, wenn beispielsweise das Besteigen von Bäumen als
Ordnungswidrigkeit deklariert wird.

DasJahr 2009 rundete die Stadt mit einer vorläufigen Kürzung der Fördermittel für unkommerzielle Kultur- und Jugendarbeit ab. So sind
mittlerweile Projekte wie das Theaterhaus „Schotte“, das DGB-Jugendhaus „Filler“, der Kinoklub am Hirschlachufer und das AJZ Banane akut von
der Schließung bedroht.

Von diesen Maßnahmen sind ausschließlich nicht verwertbare Kultur- und Lebensmodelle betroffen. Supermärkte und Parkplätze rechnen sich im Kapitalismus eben immer mehr als ein selbstverwaltetes Projekt.

Weil Bestehendes zu überwinden ist

Diese Verhältnisse bestehen natürlich nicht nur in Erfurt. Wo immer die Verwertungslogik greift, müssen Projekte, die bewusst nicht
profitorientiert agieren, weichen. So wurden in den letzten Monaten unter anderem in Berlin, Magdeburg und Hamburg mehrere besetzte Häuser
geräumt. Der Extremismusbegriff wurde wieder aus der Mottenkiste hervorgekramt und aus politisch motivierten Sachbeschädigungen wird
eine neue Form des linken Terrorismus herbeigeredet.

Der Gegenwind bleibt jedoch nicht aus: Die Kampagne „Wir bleiben alle“ hat den Dezember 2009 zum Aktionsmonat gegen die Bedrohung
selbstverwalteter Zentren erkoren. Und auch in Erfurt werden wir vom Ziel eines selbstverwalteten Zentrums nicht abrücken.

In jeder Stadt gibt es leerstehende Häuser die ungenutzt verfallen. Was spricht dagegen, diese Häuser zu nutzen? Nichts, mit Ausnahme einer
staatlich festgelegten und zur Not mit Gewalt verteidigten Eigentumsordnung. Für die kapitalistische Gesellschaftsordnung unerlässlich, wird hier ein Recht auf die Verfügung über Objekte konstruiert. Unsere Kritik an dieser Eigentumsordnung zielt nicht darauf ab, eine moralisch verantwortungsvolle Nutzung beispielsweise von Häusern einzufordern. Stattdessen stellen wir die kapitalistische Vorstellung von Eigentum an sich in Frage.

Unter anderem deshalb besetzen wir Häuser. Und deshalb machen wir die Besetzungen öffentlich. Klar ist: Wir brauchen ein selbstverwaltetes
Zentrum, besetzt oder nicht, um auch weiterhin in der Lage zu sein, unsere Kritik an den Verhältnissen zum Ausdruck zu bringen.

Kommt zur Demonstration „Hände hoch. Haus her“ am 2.1.2010 um 16.00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Erfurt.

Solisponti für Freiräume/gegen Repression

Nach der heutigen Räumung der besetzten Villa auf der Jägerstraße 22 fand 18.00 Uhr eine Spontademonstration durch die Dresdener Neustadt statt.
Gestern besetzten bis zu 50 Menschen ein leer stehendes Haus in Dresden. Heute früh ca. 11.30 wurden die Besetzter_innen von der Polizei aufgefordert das Haus zu verlassen. Die Polizei ging dabei äußerst friedlich vor. Die Besetzter_innen einigten sich gemeinsam darauf das Haus zu verlassen.

Es wurde sich auch darauf geeinigt, am selben Abend eine Sponti durchzuführen. Kurz nach 18.00 Uhr war es dann soweit. Etwa 60 Menschen setzten sich mit Transparenten und ein paar Fahnen in Bewegung. Die schon anwesende Polizei setzte sich sofort mit einen Streifenwagen an die Demospitze. Es wurde kurz getestet wie die Beamt_innen sich den Demonstrant_innen gegenüber verhalten werden. Mensch versuchte rechts und links an dem Wagen vorbeizukommen. Die Polizei wusste dies aber zu verhindern. Nach ca. 4 min. kam dann auch schon der erste Beamte auf die Demospitze zu und fragte freundlich, wo es denn langgehen soll. Des weitern wurde gefragt ob sich eine_r verantwortlich fühle. Dem war nicht so *g*.
Die Polizei beließ es erstaunlicherweise dabei und fragte nicht weiter nach. Es wurde sich ohne Probleme auf eine Route geeinigt.
Laut und kraftvoll ging es dann die Königabrücker Straße Richtung Albertplatz, Hauptstraße(Weihnachtsmarkt) bis zum Goldenen Reiter und die gesammte Strecke wieder zurück.
Es spielte eine Samba Gruppe. 400 Flyer wurden verteilt und mit größtenteils positiver Resonanz angenommen. Gespräche mit Passant_innen ergaben eine erstaunlich positive Einstellung gegenüber Hausbesetzungen. Es scheint als wenn die Arbeit der letzten Jahre kleine Erfolge in der Öffentlichkeit bringt.

Noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache:
Es wäre gut, wenn die Demo bei den nächsten Malen ein wenig mehr zusammenbleibt und auch in den hinteren Reihen Sprechchöre erklingen lässt. Auch wäre das mitbringen von eigenen Transparenten, sowie auch das Tragen selbiger wünschenswert. Damit wird die Außenwirkung stark vergrößert. Leider fehlten Redebeiträge aufgrund Megafonmagels.

Fazit:
Mobizeit-7 Stunden
Teilnehmerzahl-ca. 60 Menschen
kraftvoll und entschlossen
und eine erstaunlicherweise sehr freundliche Polizei
keine Festnahmen, keine Personalien, keine Anmeldung, keine Demoleitung ;)

Dank allen die dabei waren und allen Unterstützer_innen der Besetzung!

FORTSETUNG FOLGT…

DD: Haus verlassen – Spontandemo

Die gestern um 20 Uhr besetzte Jägerstraße 22 wurde nach Verhandlungen mit der Polizei verlassen. Die Besetzer_innen mussten Personalien abgeben, es gab allerdings keine Festnahmen.

Heute Abend soll es eine kreative, bunte und laute Spontandemonstration geben. Treffpunkt ist 18 Uhr am Bischofsplatz.

Eingesendet: Haus in Dresden besetzt! Christiania Soli

Hier eine eingesendete Pressemitteilung:

PM: Friedliche Hausbesetzung – Reaktion auf Kopenhagen

Heute wurde um 20 Uhr das Gebäude Jägerstraße 22 in der Radeberger von ca. 30 Menschen friedlich besetzt. Diese Aktion des zivilen Ungehorsams ist sowohl eine Reaktion auf die Besetzung der dänischen Freistadt Christiania durch paramilitärisch ausgerüstete Polizeikräfte als auch ein weiterer Aufruf an die Stadt Dresden endlich die Forderungen nach Immobilien für selbstverwaltete Zentren ernstzunehmen.

Erneut feiern politisch und sozial engagierte Menschen heute Abend den Einzug in ein seit Jahren leerstehendes Haus. Seit Beginn der gewaltlosen, aber entschlossenen Besetzung werden Anwohner_innen von den Umständen informiert, um Verständnis gebeten und herzlich zur Beteiligung eingeladen.

Es geht uns als Besetzer_innen NICHT um Krawall sondern um die Schaffung von Orten, an denen politische und kulturelle Projekte mit günstigem, selbstverwalteten Wohnräumen verbunden werden können. Neben günstigen Lebensräumen wollen wir daher auch Projekte wie einen Umsonstladen, Selbsthilfewerkstätten, ein Spendencafé, Gärten, Probe- und Veranstaltungsräume realisieren. Wir sind verhandlungsbereit, wollen aber für die Dauer der Verhandlungen das Haus nutzen. Wir fordern die Stadt auf, keinen erneuten Räumungsbefehl (wie auf der Hechtstraße 7 im Mai und Oktober diesen Jahres) zu geben, sondern sich der politischen Verantwortung zu stellen. Wir fordern die Polizei auf, bei einem erneuten Räumungsbefehl unter Berufung auf § 36 BeamtStG den Befehl zu verweigern.

Dieses Jahr wurde bereits eine Vielzahl von alternativen Hausprojekten geräumt, zuletzt die Brunnenstraße 183 in Berlin. Darüber hinaus schlugen alle Versuche neue sozio-kulturelle Hausprojekte zu gründen fehl und wurden im Fall einer Besetzung meist brutal von der Polizei niedergeschlagen. Auch in Dresden hat die Polizei im Jahr 2009 bereits 6 besetzte Häuser geräumt – ohne jedes offizielle Statement der Stadtregierung.

In der Nacht vom 14. zum 15. wurde nun am Rande des Klimagipfels die Freistadt Christiania, mitten im Herzen Kopenhagens, von Polizeieinheiten mit Räumpanzern, Tränengas und Wasserwerfern angegriffen, gestürmt und besetzt. Desweiteren kam es bereits zu mehr als 1200 Festnahmen. Die Stadt, in der ca. 1000 Menschen leben, hat dabei eigentlich Autonomie-Status, somit liegt hier ein klarer Übergriff des Königreichs Dänemark auf die basisdemokratisch organisierte Kommune vor.

Dies sind nur einige Beispiele, wie europaweit gegen Menschen vorgegangen wird, die versuchen ohne Gewalt und Hierarchie miteinander zu leben und in diesen Experimenten Entwürfe für eine lebenswertere Gesellschaft zu skizzieren. Wenn ziviler Ungehorsam von staatlicher Seite mit Waffengewalt oder Gefängnisstrafen beantwortet wird, dann wird deutlich, dass es hier nicht um den „Kampf gegen kriminelle Handlungsweisen“, sondern gegen Ideen von einer Welt ohne Repression, Gewalt und Führungsebenen geht.

In einem Europa, in dem Staaten hierbei mit gemeinsamer, polizeilicher Infrastruktur gegen unliebsame politische Meinungen agieren, scheint es auch für uns notwendig europaweit zu reagieren. Wir freuen uns über alle die vorbei kommen, bringt warme Getränke, Klamotten, Transpis und Schlafsäcke mit. Auch Kerzen, Instrumente und alles andere was mensch für eine gemütliche Abendgestaltung braucht, ist gern gesehen.

Mit freundlichen Grüßen,
die Besetzer_innen

Food System Change not Climate Change

Da siehste, was du verpasst hast *GRINS*

…und so entwickelte sich aus einem nächtlichen spaziergang ein bis zwei gefüllte kühlschränke. Dies ist die ausbeute von drei discountercontainern :D Wie mensch sieht ist es immer mal sinnvoller essen nicht zu kaufen. Ständige angst im nacken…
…das die ebenfalls containerten tüten reißen. Direktes temporärrecycling inbegriffen. Wir wissen jetzt, das man mit gezockten seilen nicht nur wölfe fangen kann, sondern – fügt man einen gefüllten blauen müllsack hinzu – auch prima rucksäcke bauen kann.
Abgesehen davon stellen wir fest, dass es eine unverschämtheit ist, seinen müll (abgesehen davon, dass es schon unverschämt genug ist, essen müll zu nennen) bewachen zu lassen beziehungsweise drakonische strafen für das einpacken desselben zu verhängen. Darum fordern wir: Einstellung sämtlicher verfahren gegen containernde.

container them all!

Übersetzung der timeline von indymendia DK

15th Dec timeline
übersetzung von www.indymedia.dk/action_timelines/15th-dec-timeline
Udgivet af gruppe: Cop15 Reporting
December 15, 2009 20:15 – #candy Alle Bullen sind aus der candy factory verschwunden. Das Konzert mit David Rovics läuft gerade. Die Bullen haben 2 Fahrräder beschlagnahmt aber im gesamten Gelände nichts anderes zum beschlagnahmen gefunden. Sie haben von allen im Gebäude und in der Gegend die Personalien aufgenommen #badcop.
December 15, 2009 19:45 – Update on candy factory: Es werden keine weiteren Leute auf der Straße angehalten und durchsucht. Es sieht so aus, als ob sich die Situation beruhigt (das Leute Anhalten und Durchsuchen ist hier gemeint. Anm. des übers.), aber es wird berichtet, das die Bullenwagen Fahrräder abtransportieren, die für die morgige „Reclaim Power“ Aktion genuzt werden sollten. Es gibt auch Berichte, das die Bullen Computer aus dem Gebäude wegbringen.
December 15, 2009 19:00 – Lærkevej street nähe Candyfactory (Bolsjefabrikken) mit rot-weissen Absperrband von den Bullen gesperrt. Bullen haben Suchscheinwerfer und ein paar gemietete Vans. David Rovics Konzert fängt jetzt, wie angekündigt, um 19:00Uhr an.
December 15, 2009 18:15 – Update on Candy Factory: Bus ist mit einer/m Verhafteten abgefahren. Ein Lkw ist angekommen und es scheint, dass die Bullen unidentifizierbare Gegenstände ausräumen.
December 15, 2009 18:05 – Durchsuchung der Candy Factory geht weiter.
December 15, 2009 17:50 – Update on Candy Factory: Keine weiteren Festnahmen berichtet. Durchsuchung geht immer noch weiter. Die Bullen scheinen keine Fahrräder zu beschlagnahmen.
December 15, 2009 17:30 – Update on Candy Factory: Eine bestätigte Festnahme. Zwei weitere Bullenwannen sind angekommen. Acht Bullen sind auf der Straße, weitere 8 warten in den Wannen.
December 15, 2009 17:23 – Modkraft report: 20 Aktivisten der französischen Gruppe Désobéissants wurden am/im Klimaforum festgenommen.
December 15, 2009 17:20 – Update: bestätigte Informationen zur Situation der Candy Factory – die Bullen sind gegen 16:45Uhr angekommen. Die Menschen in der candy factory wurden aufgefordert das Gebäude während der Durchsuchung zu verlassen. Die Bullen durchsuchen zur Zeit immer noch das Gebäude. Die Menschen wurden dann wieder in das Gebäude hineingebracht, in die Bibliothek und ihre Personalien wurden aufgenommen. Bis auf 3 liasons(?) -eingeschlossen ein/e legale/r liason(?)- wurden dann alle Leute wieder raus geschickt. Die Situation ist ziemlich ruhig, die Bullen sind relativ höflich. Dies ist keine Razzia oder eine Riot. Die 3 Bullenwannen blockierten die Straßen am Ende der Nørrebrogade und der Van mit den Hunden ist am Ende der Straße bei Glentevej. Es ist auch ein (Gefangenentransport)Bus am Ende der Straße.
December 15, 2009 16:45 – Berichte von 3 Bullenwannen bei der candy factory. Es wird berichtet, das sie das Gelände durchsuchen.
December 15, 2009 16:10 – Modkraft berichtet, dass die „Resistance is Ripe“ Proteste jetzt beendet sind.
December 15, 2009 15:40 – Proteste auf einem Baugerüst, 6. Etage, an einem Gebäude am „tivoli“
December 15, 2009 15:30 – Versammlung/Pressekonferenz am Ende des Klimaforum
December 15, 2009 15:15 – #rir Die Demo hat die Kreuzung Kampmannsgade/Vester Farimagsgade passiert, wo Reden gehalten wurden. Es ist bestätigt, das die Bullen erneut Pflanzenöl beschlagnamt haben, was zum Betrieb des Demofahrzeugs benutzt wird. Jetzt bewegt sich (die Demo) in Richtung „Tivoli“.
December 15, 2009 15:10 – Tadzio Müller wurde offenbar gerade am Bella Centre festgenommen. Nach einer CJA Pressekonferenz wurde er von 3 Zivilbullen verhaftet.
#badcop
December 15, 2009 15:05 – Modkraft report: Resistance is Ripe Demonstration ist gerade zuende.
December 15, 2009 15:00 – Es gab gerade eine Versammlung/Pressekonferenz am Klimaforum. Etwa 75 Menschen versammelten sich und forderten, das Luca, von IPC Food Sovereignty freigelassen wird. Es wurden reden von Via Campesina Leuten gehalten, die sagten, das es in Dänemark keine Demokratie gibt.
December 15, 2009 14:56 – Modkraft report: Resistance is Ripe Demonstration ist gerade zuende.
December 15, 2009 14:35 – #rir Die „Agriculture demo“ geht weiter durch die Straßen, Stimmung ist gut. In den umgebenden Geschäftsstraßen sind Bereitschaftsbullen. ( [pic] www.indymedia.dk/tumbles/1790 )
December 15, 2009 14:25 - #rir Die „Agriculture demo“ läuft gerade auf der Straße nördlich von Norreport. Eine Samba Gruppe spielt, die Leute tanzen. Auf den Transpis kann man lesen: „Food System Change not Climate Change“
December 15, 2009 14:20 – #rir „Agriculture demo“: Die Leute sind vor der/dem Metro Norreport, dem Zielort der Demo. Vor dem Netto-Supermarkt sind Leute mit Transpis, futternd und gutes Essen verteilend. Straßen zurückgewonnen. Zwischen 200 und 300 Menschen. Bullen blockieren einige Straßen rundherum.
December 15, 2009 13:30 – 17 Klimacamp Aktivisten sind heute Morgen während einer Aktion beim „Climate Leaders Summit event“ während des „DGI Byen“(Selber Komplex wie Das KlimaForum, aber andere Veranstaltung) verhaftet worden.
-->Bericht von idymedia UK: www.indymedia.org.uk/en/2009/12/443519.html
December 15, 2009 12:00 – Die Resistance is Ripe Agriculture Proteste beginnen heute um 12:00Uhr. Ort: Islands Brygge – Havne Parken nähe Harbour Pool

+++Christiania angegriffen und besetzt+++

Nachdem sich das Vorgehen der dänischen Bullen in den letzten Tagen durch menschenunwürdigsten Verhalten, Schikane und Gewaltexzesse auszeichnete, kam es heute ( in der Nacht vom 14.-15. Dezember) zu einem neuen unvorhersehbaren Höhepunkt. Die seit 1971 existierende Freistadt Christiania wurde von hunderten Bullen geräumt und anschließend besetzt. Ab ca. 22:30 Uhr begannen die Bullen Christiania zu umstellen, als Reaktion auf die Verbarrikadierung der Eingangstore. In der nächsten Stunde versammelten sich rund um Christiania Wasserwerfer, Räumfahrzeuge, ca. 15 deutsche Einsatzfahrzeuge, Hubschrauber, drei Hundestaffeln und Hunderte Cops. In dieser Zeit war es kaum noch möglich aus der Freistadt heraus zu kommen. Der Weg nach Innen war von den Bullen versperrt. Personen mit Presseausweis wurde der Zutritt teilweise gewährt, Demosanis kamen nicht hinein. Es wurde den Menschen vor der Räumung kaum Zeit gelassen das Gelände zu verlassen. Ab ca. 23:40 begannen die Hippos (Dänisches Schimpfwort für Bullen) in das Gelände gewaltsam einzudringen. Nach Zeugenaussagen der sich in der Freistadt verbliebenen Menschen setzten die Bullen massiv Tränengas ein. Der weitere Verlauf ist nicht dokumentierbar, da es diverse unterschiedliche Aussagen gibt. Große Teile Christianias wurden von den Cops durchkämmt. Zeitgleich fuhren Polizeibusse in der Nähe Christianias auf, viele der wenigen verbliebenen Menschen wurden nach der faktischen Räumung mit diesen Busen abtransportiert ( gezählt wurden 9 Busse ). Nach täglichen provokationen seitens der Cops kam es heute Nacht zu unfassbaren Ereignissen. Christiania war in den vergangen Tagen im Zuge der Proteste gegen den Klimagipfel Anlaufpunkt für verschiedenste Menschen. Es gab eine Vokü, Räumlichkeiten für Vorträge und Diskussionen, eine Sanistation, aber auch einen Rückzugsort für traumatisierte Protestler_innen, welche durch die anhaltende Polizeirepression besondern Schutz benötigen. Dieser Angriff ist eine weitere nicht hin nehmbare Schikane zur Brechung des Protestes gegen den Klimagipfel, gegen linke und linksradikale Strukturen in Kopenhagen und den Widerstand gegen das herrschende System. „Christiania sieht aus wie ein Schlachtfeld – alles voller Scherben, glühenden Barrikadenresten, Löschschaum und gepanzerter Polizisten…“ erzählte ein Pressevertreter, der gerade durch die Polizeisperren zurückkehrte „ … wenn man bedenkt, dass hier vor ein paar Stunden noch gefeiert wurde ist das fast Unheimlich.“
Solidarität ist eine Waffe, wir rufen zu vielfältigen Solidaritätsaktionen, nicht nur in Kopenhagen, Dänemark, sondern weltweit auf.



Timeline, Video und weitere Informationen

Neuigkeit des Tages


Die aus der ‚Erotikbranche‘ bekannte Beate Uhse war während des Zweiten Weltkrieg in der Luftwaffe der Nazis tätig.
Laut eigener Biographie war sie nicht nicht nur als weibliche Pionierin im Kunstflug, sondern auch bei der deutschen Luftwaffe aktiv. Neben ihrer Funktion für sogenannte ‚Überführungsflüge‘, also dem Transport von Flugzeugen an die deutsche Front, flog sie auch in Kampfjägern wie der ‚Messerschmitt‘ und hatte dabei auch ‚Feindkontakt‘ mit alliierten Flugzeugen.
Nach der Zerschlagung der nationalsozialistischen Barbarei und dem Kriegsende floh sie über mehrere Stationen nach Flensburg, wo sie heute Ehrenbürgerin der Stadt ist.
Ihre Verstrickungen in die Kriegshandlungen der Nazis, ihre biographischen Stilisierungen zum Kriegsopfer als ‚Heimatvertriebene‘ oder auch ihre Vorstellungen vom guten deutschen Unternehmen, dass nicht des Geldes , sondern der Sorge um die ‚Ehehygiene‘ des deutschen Volkes wegen, ein Unternehmen gründete- all das, dürfte wohl den wenigsten Menschen bekannt sein wenn sie an diversen Autobahnrasthöfen die ‚Erotik Shops‘ von ‚Beate Uhse‘ sehen…

Quellen:Kurzbiographie bei ‚Who is Who Wikipedia

Uhse als Nazi-Kampfpilotin

Vorträge vom AK Freiraum

Der AK Freiraum Dresden veranstaltet zwei sehens- und hörenwerte Vorträge:
Donnerstag in der Praxis.
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Sonntags im Conni.
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