Von Opfermythen und Menschenketten

Dresden. Februar 2010.
Die letzten Wochen waren turbulent. Fast jeden Tag neue Kuriositäten. Polizei und Staatsanwaltschaft prophezeien Dresdner Chaostage am 13. Februar. Die Stadt und die Medien, allen voran die Sächsische Zeitung, schwingt die Extremismuskeule. Den „deutschen Opfern“ der Bombardierung vom 13. Februar 1945 soll auch in diesem Jahr mal wieder würdig gedacht werden. Nazis, die eben dies auch vorhaben, dürfen aber nicht mitmachen. Menschenketten sollen die heilige Innenstadt rund um die Frauenkirche vor Extremisten absichern. Und alle sollen mitmachen. „Erinnern und Handeln für mein Dresden“ lautet das Motto.
Alles was von dem ekeleregenden antifaschistischen Schutzwall aus CDUler_innen und deutschem Mob an Protestformen gegen den jährlichen Nazigroßaufmarsch abweicht, wird als „extremistisch“ gebrandmarkt und öffentlichkeitswirksam kriminalisiert. Kritik an Gedenkritualen und deutschem Opfermythos ist selbst in antifaschistischen Kreisen rar. Antinazipolitik bestimmt das subkulturelle Bild.
Der neue städtische Kampf gegen Nazis reproduziert dabei alte und erfindet neue Mythen.
Man habe die richtigen Schlüsse aus der Geschichte gezogen. Der Krieg der von Deutschland 1939 ausging sei 1945 zurückgekehrt…
Deutsche Opfer des Zweiten Weltkriegs? Rückkehr des Krieges? Richtige Schlüsse ziehen?
Die Schrecken und das Leid der Bombardierung Dresdens vor nunmehr 65 Jahren sollen den Grund liefern, dass auch Deutschen nachgetrauert werden kann. Opa und Oma waren schließlich keine Nazis. Die Deustchen von damals wie Heute- Gegenstück zu den Nazis. Man will sein Gedenken nicht vereinnamen lassen- deshalb geht in diesem Jahr sogar die CDU Bürgermeisterin Helma Orosz auf die Straße.

Doch kehrte der rassistische Vernichtungskrieg der Deutschen wirklich nach Dresden zurück? Sind die ideologisch begründeten Massenmorde im deutschen Vernichtungskrieg mit dem Krieg, der nach Deutschland zurückgekehrt sein soll, gleichzusetzen? Bombenkrieg als Rache für die Invasion Europas?

Die Geschichte liefert keinen Master Plan. Und eine Interpretation der Gleichen kann vielseitig sein, was nach den Angriffen im Kosovo 1999 nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz jeder und jedem bekannt sein dürfte. Der richtige Schluss aus dem Holocaust kann demnach eben auch eine moralische Überlegenheit der Deutschen sein. Das scheinbare Patentrezept gegen die Wiederholung von Auschwitz.
Doch es kann keine richtigen Schlüsse, es kann nur Konsequenzen aus der deutschen Geschichte geben: Ein unversöhnbarer Bruch mit Deutschland.
Die Mythen um die sogenannte unschuldige Stadt Dresden haben sich zwar in den letzten Jahren gewandelt, aber im Kern geht es immer um das gleiche.
Die Deutschen sollen auch Opfer des 2. Weltkrieges sein dürfen.

Um diesen geschichtsrevisionistischen Unerträglichkeiten etwas entgegenzusetzen gibt es auch am diesjährigen Februar einiges an Möglichkeiten.
Keine Versöhnung mit Deutschland‘ läd zur Vorabenddemo am 12. Februar durch die Innenstadt.
Am 13. Februar selbst gibt es zahlreiche Blockadeaktionen gegen den geplanten Nazigroßaufmarsch. Auch die revisionistischen Gedenkfeiern der Stadt auf dem Heidefriedhof, um die Frauenkirche und die Menschenkette von Helma können sicherlich gestört werden.

Hoffentlich bekommt diese scheiß Stadt den Krawall den Sie verdient.
„…das braune Dresden brannte…und Deutschland kackte endlich ab…“

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AK Abriss und Kritik: Gegen das deutsche Opfergedenken

Henny Brenner über Dresden vor der Zerstörung und danach:„Der Brand Dresdens hat mich gerettet“


10 Antworten auf „Von Opfermythen und Menschenketten“


  1. 1 oswald knolle 07. Februar 2010 um 21:31 Uhr

    „Fast jeden Tag neue Kuriositäten[?]. Polizei und Staatsanwaltschaft prophezeien Dresdner Chaostage am 13. Februar. Die Stadt und die Medien, allen voran die Sächsische Zeitung, schwingt die Extremismuskeule.“
    „Alles was von dem ekeleregenden antifaschistischen Schutzwall (…) abweicht, wird als „extremistisch“ gebrandmarkt und öffentlichkeitswirksam kriminalisiert.“

    Ja, schon komisch, wie DIE darauf kommen. Dabei liest mensch doch nur so unverfängliche Dinge, wie:

    „Auch die revisionistischen Gedenkfeiern der Stadt auf dem Heidefriedhof, um die Frauenkirche und die Menschenkette von Helma können sicherlich gestört werden.“
    „Hoffentlich bekommt diese scheiß Stadt den Krawall den Sie verdient.“

    Ach ja, und wenn mensch dann schon mal das Hirn eingeschaltet haben sollte: wie sieht’s denn mit dem Opfermythos der (zugegeben fremdernannten) „Extremisten“ aus? Wer sich mit der Attitüde schmückt (und mehr ist es ja meistens nicht) den Staat „anzugreifen“, immer und immer wieder die gleiche Antideutschlandpolemik auskotzt, kann er_sie sich dann als „Opfer“ einer staatlichen Verleumdungskampagne hinstellen? Da kann mensch noch so oft Auschwitz synonym zu Deutschland denken… da fällt einfach kein Hirn vom Himmel!

    Kritik und Widerstand ja, aber bitte nicht auf einem Niveau, auf dem sich bereits die tummeln, die vorzeitig ihr Haupthaar verloren haben.
    (Mensch muss ja die Grenze nicht selbst verwischen!)

  2. 2 bonobo äffchen 08. Februar 2010 um 0:26 Uhr

    Oswald, meinst du irgendetwas ernst von dem Getrolle? Ich meine das nicht als Angriff, sondern wundere mich nur, ob das tatsächlich alles ernstgemeint ist. Die Grenze zu den Nazis verläuft also genau darin, dass keine Gewalt angewandt wird? Pardon? Ist das nicht bloße Reproduktion dieses albernen Gewaltbegriffs (der Gewalt gegen Menschen und Sachen gleichsetzt und in dessen Anwendung Du selbst unter das Niveau das BVerfG fällt, dem zufolge Blockaden keine Gewalt sind; und damit diesen blöden Diskurs, diesen sehr, sehr dehnbaren und schwammigen Begriff relativ willkürlich benutzt, um in böse und gute Demonstrierende aufteilen zu könnnen, fortführst)?

    Ist vermutlich genug Auseinandersetzung hier — die anderen Diskussionsstränge zu ähnlichen Themen haben ja bereits bewiesen, dass das Netz entweder sehr sonderbare Meinungen öffentlich werden lässt (Flame-Problem) oder aber der Zustand der Szene in Dresden wirklich derart mies ist, wie es hier scheint. Ich hoffe auf Ersteres.

  3. 3 oswald knolle 08. Februar 2010 um 1:23 Uhr

    @bonobo äffchen

    Häh???
    Ich hab kein Wort geschrieben von dem, was du mir da so gerne unterstellen möchtest!

    Vielleicht noch mal lesen und, wie gesagt: Hirn einschalten.

    Ach ja, wenn du schon eine Aufteilung „in böse und gute Demonstrierende“ zu finden suchst: lies dir einfach mal farfallas Eingangspost durch.

  4. 4 @farfalla 08. Februar 2010 um 9:56 Uhr

    langweilig.

    Hunderttausend mal Durchgekautes nochmal durchgekaut und hingekotzt. Das ist mehr als nur lame.

  5. 5 farfalla 08. Februar 2010 um 14:10 Uhr

    @alle:

    natürlich ist das alles hunderttausend mal durchgekaut. es ist halt jedes jahr und jeden tag die selbe scheiße.
    das dresdner rumgeopfere nimmt einfach kein ende und ‚wir hören mit der scheiße nicht auf bis die scheiße endlich aufhört…‘

    @ oswald:

    ich fühl mich übrigens nicht als opfer des staates.

  6. 6 ding dong 08. Februar 2010 um 16:09 Uhr

    Du meinst das Rumgeopfer von dir und Deinesgleichen?

  7. 7 justus wertmüller jugend 08. Februar 2010 um 17:12 Uhr

    Sind wir mal ehrlich wenn ihr egotronic nicht hättet ,würden auf eurer Nationalistendemo nicht mehr als 50 Hanseln rumspringen!
    Aber Hedonismus, scheint manchen wichtiger zu sein als Antifaschismus.

    Wir fahren zwar am Freitag nach Dresden werden aber garantiert nicht bei eurer Partyveranstaltung vorbeischauen.

    Schade nur das auf einer Anarcho Seite für Antideutsche geworben wird.

  8. 8 farfalla 08. Februar 2010 um 19:20 Uhr

    @dingdong:
    wer sind bitte ‚meinesgleichen‘?
    etwa die absolut homogene sekte der antideutschländer_innen? der mossad? szenespalter_innen??

    @justus wertmüller jugend:

    mach(t) doch was ihr wollt. gegen nazis ist mir gerade am 13. februar einfach zu wenig…
    scheiß kritik am deutschen opfermythos aber auch immer. das macht die ganze stimmung kaputt. gott sei dank haben ‚wir‘ egotronic…

    mein hedonismus ist wichtiger als deutschland :P

  9. 9 leni 09. Februar 2010 um 15:43 Uhr

    hi, netter kurzer text, klasse video, die kommentare wie immer :-) .
    danke!

  10. 10 oloool 12. Februar 2010 um 15:39 Uhr

    Anarchisten sind für etwas, nicht gegen etwas.
    Sonst macht das nämlich keinen Sinn.

    ;)

    Achja, liebe „Antifaschisten“ besauft Euch lieber am 13.2. im AZ Conny.
    Eure Gewaltverherrlichung „Bomber Harris – do it again“ ist noch wesentlich hohler als der hohlste Hakenkreutzer.

    Lol, „libertäre Anarchisten“

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