Von Siegesmythen und Menschenketten

Der 13. Februar in Dresden ist vorbei. Naziaufmarsch blockiert. Menschenkette wieder entkettet und alle Trauerkerzen abgebrannt. Die Siegesfeiern und glorreichen Auswertungen werden von nur wenigen mit geballter Kritik ein wenig gedämpft. Die Antifa Freiberg beispielsweise kritisiert in einem Resumee den Untergang emanzipatorischer Kritik am Gedenken in der Bündnissarbeit. Selbiges treibt die AG no tears for krauts in Polemik par excellance auf die Spitze.
Auch in der aktuellen Jungle World ist eine sehr lesenswerte Reportage über den 13. Februar.
Bestes Zitat eines Teilnehmers zur Beschreibung der Menschenkette:
„Es geht um ein stilles Gar-nichts-Tun…“

Ein vollständiger Überblick wird mir an dieser Stelle nicht gelingen. Es gibt unzählige Fotos, Videos und interessante Texte im Netz. Informiert euch einfach selbst. Erwähnen will ich allerdings noch, dass im kleinen braunen Pirna der deutsche Mob so richtig den Frust abbauen wollte und dabei Fensterscheiben, eine Nase und ein Auto zu Bruch gingen.

zum Schluss noch ein bischen Werbung: Andere Städte bleiben von der Inszenierung Deutschlands zu einem Opfer des 2. Weltkrieges auch nicht verschohnt und deshalb heißt es in Chemnitz am 5. März-
Das Tränenmeer trocken legen. Wider den Chemnitzer Totenkult.


26 Antworten auf „Von Siegesmythen und Menschenketten“


  1. 1 Polemiker 19. Februar 2010 um 16:34 Uhr

    dumm – dümmer – farfalla

  2. 2 Hi-Pi 19. Februar 2010 um 16:57 Uhr

    Es ist so schön, dass es auf Anarchia immer nur inhaltliche Kritik und Diskussionen mit Tiefgang gibt..

  3. 3 human 19. Februar 2010 um 17:10 Uhr

    wuhhhhuuu… das is ja mal polemisch gewesen. -.-

  4. 4 Polemiker 19. Februar 2010 um 18:12 Uhr

    schleimig – schleimiger – humantraffic

  5. 5 Polemiker 19. Februar 2010 um 18:22 Uhr

    Dummschwätzer – Einfaltspinsel – Hi-Pi

  6. 6 ding dong 19. Februar 2010 um 21:15 Uhr

    @Polemiker:
    Geil!

    dein
    Penner – Assi – ding dong

  7. 7 ding dong 19. Februar 2010 um 21:29 Uhr

    @farfalla: und in wie weit waren die arbeiter_innen, die ersten linie antifaschist_innen waren, am holocaust beteiligt?
    weil hier wird ja vom klassenübergreifenden judenmord geredet, doch die nsdap war doch nicht teil der arbeiterbewegung

  8. 8 ding dong 19. Februar 2010 um 21:35 Uhr

    also ich bezieh mich auf den text von http://nokrauts.antifa.net/

  9. 9 jippie 19. Februar 2010 um 22:30 Uhr

    niveaufreies blogerbashen!!!

  10. 10 farfalla 19. Februar 2010 um 23:09 Uhr

    niveau ist überbewertet.
    @ding dong:

    „…und in wie weit waren die arbeiter_innen, die ersten linie antifaschist_innen waren, am holocaust beteiligt?
    weil hier wird ja vom klassenübergreifenden judenmord geredet, doch die nsdap war doch nicht teil der arbeiterbewegung…“

    bitte was?
    kannst du mir bitte mal eine textstelle zeigen, auf welche stelle du dich in dem no tears for krauts text beziehst?
    nur aml vorweg: auch deutsche arbeiter_innen waren am holocaust beteiligt und die ‚arbeiterbewegung‘ war teil der nsdap.

  11. 11 ding dong 19. Februar 2010 um 23:30 Uhr

    „auch deutsche arbeiter_innen waren am holocaust“ ist das wirklich dein ernst? und denkst du arbeiter automatisch nur an einen „normalen“ lohnarbeiter?
    für mich waren arbeiter_innen kommunist_innen, anarchist_innen respektive sozialdemokraten_innen und die waren wohl kaum am holocaust beteiligt

    aber eins ist sicher die arbeiterbewegung war schon immer antifaschistisch und hatte nie was mit der nsdap zu tun
    es war ja woh das bürgertum das den nazis die entscheidene stimmen zum ermächtigungsgesetz gab und nicht die arbeiter

    1933 wurde ja die arbeiterklasse in deutschland vollstandig durch die nazis zerschlagen

  12. 12 ding dong 19. Februar 2010 um 23:36 Uhr

    ok den letzten satz nehm ich zurück

  13. 13 farfalla 19. Februar 2010 um 23:50 Uhr

    @ding dong:
    arbeiter_innen sind menschen die keine produktionsmittel besitzen und dedhalb in der lohnarbeit ihre arbeitskraft verkaufen müssen. damit ist für mich keinerlei ‚klassenbewusstsein‘ oder eine bestimmte politische einstellung verbunden. von dem/der arbeiter_in als ‚revolutionäres subjekt‘ halte ich rein gar nichts.
    das du arbeiter_innen alle in einen ‚linken‘ topf schmeißt ist halt deine persönliche meinung. hat allerdings nichts mit der realität zu tun. nicht mal annähernd.
    ließ vllt mal ein informatives buch über den nationalsozialismus und du wirst schnell feststellen, dass sich phänomene wie nationalismus, antisemitismus, rassismus und ähnliche widerlichkeiten durch die gesamte deutsche bevölkerung zogen (und ziehen). die deutschen arbeiter_innen waren genau wie der rest der deutschen volksgemeinschaft am holocaust beteiligt.
    die idee der volksgemeinschaft steht ja im absoluten kontrast zu der idee einer organisierten linken arbeiter_innenbewegung. die volksgemeinschaft sollte alle klassenwidersprüche aufheben- alle gemeinsam für deutschland eben.

    …glaubst du wirklich an aktive antifaschistische arbeiter_innen während des nationalsozialismus?

  14. 14 W.M. 20. Februar 2010 um 2:29 Uhr

    @ Polemiker – Geh doch bitte auf einem anderen Blog weiterspielen, ist ja nicht zum aushalten.

    @ ding dong – z.B. waren im Topf & Söhne Gelände organisierte Kommunist_innen an der Herstellung von Öfen für Buchenwald beteiligt, wenn du schon danach fragst. Die haben sich zwar, wenn ich mich recht erinnere, so gut es ging um die dort tätigen Zwangsarbeiter_innen gekümmert aber der Produktion haben sie sich nicht verwehrt. Weiterhin gab es eine Vielzahl kommunistischer „Arbeiterkampfbünde“ die vor 33 noch mal schnell die Uniform gewechselt haben. Das es weiterhin ausreichend Nationalismus und Antisemitismus in den KPs von Deutschland und Österreich gibt und gab sollte bekannt sein.

    Aus diesem Grund finde ich es auch sehr wichtig die inhaltliche Verflachung zu gunsten taktischer Ziele zu analysieren. Ich denke jedoch nicht, dass eine Kritik so vernichtend ausfallen muss, wie das mancherorts geschieht. Natürlich wurde mit der CDU und viele anderen rechten und konservativen Idioten dieses Jahr ein inhaltlicher Kuschelkurs gefahren. Andererseits kommen die größten Empörungsschreie auch oft von Menschen die sich wenig um die reale Änderung einer politischen Lage bemühen, sondern sich lieber mit meckern begnügen.

    Natürlich gehört das bürgerliche Gedenken inhaltlich auseinandergenommen und natürlich muss sich auch dagegen Protest regen, nur kann ich mich irgendwie besser auf diese Aufgabe konzentrieren, wenn mir nicht 7000 Nazis im Nacken sitzen. Step by step. Zudem wird auch oft der Fakt vernachlässigt, das breite Proteste meist eher dazu geeignet sind mehr Menschen für linksradikale Gedanken zu interessieren als elitär auftretende Kleingruppen mit für Laien völlig abgehobenen politischen Analysen.

    Ich finde es daher nicht tragisch, dass ein bundesweites, sehr heterogenes Bündnis mit etwas softeren Erklärungen antritt. Ebenso halte ich es nicht für verwerflich, wenn an einem Tag im Jahr tausende militante Neo-Nazis mehr unserer Aufmerksamkeit erhalten als die bürgerlichen Nationalist_innen. Traurig finde ich nur, dass dieses Bündnis oder die Ansichten des AK Antifa es nicht ermöglichten als Gruppe ein radikaleres Statement zu formulieren. Da begräbt sich der unabhängige Journalismus m.M.n. im vorauseilenden Gehorsam selber. Aber das ist für eine radikale Linke in Dresden sowieso recht typisch.

  15. 15 Historiker 20. Februar 2010 um 3:43 Uhr

    Weiterhin gab es eine Vielzahl kommunistischer „Arbeiterkampfbünde“ die vor 33 noch mal schnell die Uniform gewechselt haben.

    Achja? Quelle? Das ist doch nur ein nachgeplapperter antideutscher Mythos. Das wäre in etwa so, als wenn heute ganze Antifagruppen zu den Rechten wechseln würden. Das war damals auch eine Frage des Milieus. Genaus sie es heute auch ist, da kann man nicht einfach zwischen der rechten und der linken Szene wechseln. Es hat natürlich einzelne Leute gegeben die von den Kommunisten zu den Nazis gewechselt haben, aber auch umgekehrt. Das war aber kein Massenphänomen. Die berühmte Schalmeienkapelle von Horst Wessel, sind keine Überläufer gewesen, sondern die wurde von Horst Wessel aus Nazianhängern aufgestellt. Das war in etwa so eine Taktik, wie heute die autonomen Nationalisten. Schalmeienkapellen waren typisch für die Kommunisten, und man hat eben versucht linke Codes zu nutzen und zu besetzen.

    Woher ich das alles weiß? Ein guter Freund von mir hat seine Magisterarbeit über den RFB in Berlin geschrieben, und sitzt jetzt an seiner Doktorarbeit.

  16. 16 W.M. 20. Februar 2010 um 5:08 Uhr

    Ich beziehe mich bei meiner Aussage auf verschiedene zeitgenössische Berichte die ich bei meiner Recherche über die „Schwarzen Scharen“ (sowas wie der Versuch anarchistischer Kampfbünde vor 33) gefunden habe. Ich muss aber gestehen, dass ich da nicht so belesen wie vieleicht manch andere_r bin. Eine Quelle sagt z.B.:

    „Außerdem besteht die Gefahr, daß in derartigen Organisationen (den militärischen Formationen) sich jedes beliebige Individuum einschleichen kann, worüber die Arbeiterschaft keine Kontrolle ausüben kann. Haben wir doch bei den ‚Rotfrontkämpfern‘ zu verzeichnen, daß ganze Gruppen zu den Faschisten übergegangen sind, einzelne sogar zu Verräter(n) und Mörder(n) ihrer ehemaligen Kameraden geworden sind.“

    - Zeichen der Zeit, in: Die Arbeits-Börse. Mitteilungsblatt der K.A.B. – (Kreis-Arbeits-Börse) Groß-Berlin, Jg. 10,Nr.42v. 18.10. 1930

    Ich fände das jetzt auch nicht so außergewöhnlich (wenn natürlich auch traurig) da Fälle von großflächigen Seitenwechseln z.B. in Italien sehr gut belegt sind.

  17. 17 Historiker 20. Februar 2010 um 8:34 Uhr

    Solange es da nichts Genaueres gibt, halte ich das für damalige anarchistische Propaganda. Was stimmt, ist die Tatsache, dass Einzelne gewechselt sind, das hat aber auch in die andere Richtung statt gefunden. War aber eher die Ausnahme. So war es jedenfalls in Berlin, wie es anderswo aussah, ist damit nicht verbürgt. Aber es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass es sich dabei um ideologisch gefestigte Zusammenhänge gehandelt haben kann.

    Was Italien angeht, das ist was anderes, zumindest war dort Antisemitismus keine treibende Motivation.

  18. 18 human 20. Februar 2010 um 14:47 Uhr

    in nazideutschland gab es keine klassen weil die volksgemeinschaft diese offensichtlichen widersprüche aufgelöst hat. es gab quasi kein proletariat, sondern nur volksgenossen, die zum reproduktiven gesamtbetrieb „nazideutschland“ gehörten.

    *schublade auf*
    erst bomber harris hat die minimalanforderungen für die soziale revolution wieder hergestellt, in dem er die moral des volkes brach!
    *schublade zu*

    wer sich diese schublad mal angucken will, möge bitte folgendes lesen und kritisch reflektieren: http://www.ca-ira.net/isf/beitraege/pdf/bruhn-bomber.harris.pdf

    ein text, dessen argumentationskette wirklich schlüssig erscheint.

  19. 19 farfalla 21. Februar 2010 um 1:06 Uhr

    finde den text relativ unpassend zum thema…

  20. 20 Heinrich Osbert 22. Februar 2010 um 1:59 Uhr

    Ohne die ganze Debatte verfolgt zu haben, gibt es mindestens zwei gute Belege für die Teilnahme der Arbeiter an Nazi-Deutschland. Erstens sei auf die Studien zum Autoritären Charakter verwiesen. Dass diese Verfasstheit nicht nur auf Beamten (interessant ist aber in der Tat, dass die Arbeiterklasse in der Wählerschaft der NSDAP unterrepräsentiert ist, was nicht heißt, dass die völlig frei davon ist und kein Beleg für die Einstellungen der Arbeiter in dieser Zeit ist, vor allem aber auch nicht die aktive Teilnahme und Mitgestaltung an Nazi-Deutschland, womit allein durch diese Mitwirkung, die etwa W.M. exemplarisch belegt, mindestens eine Offenheit und Anschlüssfähigkeit gegenüber Nazi-Ideologemen belegt wäre, ihrerseits nicht geleistet worden ist; interessanter finde ich aber auch die Untersuchung der Politik von Arbeiterparteien, die insbesondere in Deutschland auch durchaus dem Programm der NSDAP tendenziell sehr ähnlich ist), sondern weitestgehend auf Arbeiter und Kleinbürger zutrifft, ist keine neue Behauptung. Sie ist, zweitens, spätestens auch durch den Erfolg der Linkspartei in jenen Vierteln belegt, in der auch die NPD stark ist. Das lässt sich hier in Dresden beispielsweise hervorragend empirisch belegen und zeigt, dass diese Analyse auch heute noch durchaus zutreffend ist.

    Im Übrigen weiß ich nicht, was dieser Abschied von der Arbeiterklasse als irgendwie „gute“ oder „bessere“ Deutsche (oder: Menschen) mit einer antideutschen Position zu tun hat. Meines Erachtens ist das eine mindestens in der radikalen Linken (ist nicht gerade der Bruch der „Neuen Linken“ durch den völlig richtigen Abschied von der Arbeiterklasse begründet?) relativ unbestrittene Position, jenseits kleiner Splittergruppen. Damit ist nichts über die Qualität dieser Behauptung ausgesagt. Ich sehe aber auch nicht, was die Einordnung in die „antideutsche“ Ecke diesbezüglich leistet.

  21. 21 Heinrich Osbert 22. Februar 2010 um 2:03 Uhr

    Ansonsten verstehe ich nicht, warum hier nicht grimmig gelöscht wird. Die Diskussion ist jetzt zwar interessant. Die Beiträge von Polemiker etwa sind aber schlicht beleidigend, uninteressant und verleiden mir die Teilnahme an Diskussionen hier, die scheinbar immer wieder von den gleichen Personen frequentiert werden.

  22. 22 ding dong 22. Februar 2010 um 4:15 Uhr

    ok hast recht, sind ja auch einige leute, die in den zwanzigern kpd gewählt und später die nsdap z.B.

    „Sie ist, zweitens, spätestens auch durch den Erfolg der Linkspartei in jenen Vierteln belegt, in der auch die NPD stark ist. Das lässt sich hier in Dresden beispielsweise hervorragend empirisch belegen und zeigt, dass diese Analyse auch heute noch durchaus zutreffend ist.“

    na, hat uwe backes doch recht?

  23. 23 unknown 22. Februar 2010 um 19:08 Uhr

    Hier steht ganz schöner Sülz, und damit meine ich nicht nur die Beiträge von Polemiker.

    Klar mussten die Arbeiten auch unter Hitler arbeiten, und es wird nicht wenige gegeben haben, die da mit Begeisterung dabei waren, aber dennoch waren es die Arbeiter, die am meisten Widerstand geleistet haben. Wer behauptet, es hat im Dritten Reich keine Klassen gegeben, gibt nur die Propaganda der Nationalsozialisten wieder.

    Wer wissen will, wie das mit den kommunistischen und sozialistischen Kampfverbänden tatsächlich war, der sollte lieber wissenschaftliche Literartur oder wenigstens die von direkt beteiligten Zeitzeugen lesen.

    Der Kampf um die Macht in einem Berliner Arbeiterbezirk. Nationalsozialisten am Prenzlauer Berg 1925-1933
    http://www.amazon.de/Kampf-Nationalsozialisten-roten-Friedrichshain-1925-1933/dp/3896261452/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1266857945&sr=8-2

    Der Kampf der Nationalsozialisten um den roten Friedrichshain 1925-1933
    http://www.amazon.de/Kampf-Nationalsozialisten-roten-Friedrichshain-1925-1933/dp/3896261452/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1266857945&sr=8-2

    http://www.trafoberlin.de/Rezensionen/145-2-r.htm

    Rote Bergsteiger & Gegen Hitler und Henlein
    http://dresden1302.noblogs.org/post/2009/12/22/rote-bergsteiger-gegen-hitler-und-henlein

  24. 24 Heinrich Osbert 23. Februar 2010 um 2:10 Uhr

    wer ist uwe backes? scnur

  25. 25 ding dong 23. Februar 2010 um 3:41 Uhr

    Extremismus“forscher“ an TU Dresden (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung)

  26. 26 unkown 23. Februar 2010 um 13:01 Uhr

    Wie kommts eigentlich, dass der größte Schrott sofort frei geschaltet wird, und andere Beiträge dagegen Ewigkeiten in der Moderationswarteschlange versauern?

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.