Interview mit dem Vorbereitungskreis der Libertären Tage Dresden

Vom 01. bis zum 08. Mai finden unter dem Titel „Utopien entdecken!“ die ersten Libertären Tage in Dresden statt. Geplant sind Workshops, Vorträge, Demonstrationen, Straßenfeste, Freilichtkinos, Konzerte, Partys, VoKüs und vieles mehr. Wir haben uns mit ein paar Menschen aus dem derzeitigen Vorbereitungskreis getroffen und wollten von ihnen wissen, mit welcher Motivation sie an der Veranstaltungswoche planen, wie die Vorbereitungen laufen und auf was wir uns freuen dürfen.

anarchia: Hallo Ronny. Was verbirgt sich hinter dem Titel „Libertäre Tage“?

Libertäre Tage (Ronny Urban)*: Dahinter verbirgt sich die Idee die Woche zwischen den zwei geschichtsträchtigen Daten, Tag der Arbeit und Tag der Befreiung, für eine vielseitige Veranstaltungsreihe zu nutzen. Mit vielseitig meine ich ein breites Spektrum an veranstaltenden Gruppen und Projekten sowie unterschiedlichste Veranstaltungsformen. Das geht von Diskussionen, Workshops und Veranstaltungen wie Feste und Partys bis hin zu politischen Aktionen. Was uns vereint ist der Wille emanzipatorische Alternativen jenseits von mehr Wirtschaft oder mehr Staat, also der Wahl zwischen Pest und Cholera, aufzuzeigen und zu erleben.

anarchia: Wer veranstaltet die Libertären Tage? Ist das eine Aktion des Libertären Netzwerks oder gibt es einen offenen Vobereitungskreis?

LiTa: Ich würde sagen, dass wir da ganz undogmatisch vorgehen. Wir sind ein Vorbereitungskreis, so offen wie das Libertäre Netzwerk auch. Jede/r kann mitmachen, die/der gegen Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Hierarchien ankämpft, jede/r, die/der Ideen hat und keine kommerziellen Ziele verfolgt. Und das sind viele, von Gruppen wie dem AK Antifa oder der Tierrechtsgruppe bis hin zu Locations wie U-Boot oder Chemiefabrik. Auch Einzelpersonen mischen mit. Also am Anfang war das ganze eine Idee des Libertären Netzwerks, aber sehr schnell waren so viele dabei, dass sich die Sache verselbstständigte. Da fiel ein Samen auf fruchtbaren Boden, würde ich sagen. Sehr viele soziale Initiativen wollen einfach nicht mehr in der Versenkung verschwinden.

anarchia: Das klingt doch ganz enthusiastisch. Was erhofft ihr euch von den Veranstaltungstagen? Habt ihr eine bestimmte Vorstellung, welche Wirkung auf das politische Klima die Libertären Tage haben sollen und gibt einen speziellen Grund für die Wahl der Stadt Dresden und des Zeitraums?

LiTa: Das sind viele Fragen auf einmal. Erstmal erhoffen wir, dass wir nicht im Chaos versinken, dass wir wenige Fehler machen. Sollte das klappen, möchten wir den einfallslosen, konservativen Klüngel aufrütteln, indem wir eine kritische Öffentlichkeit entwickeln. Eine Öffentlichkeit, die kommuniziert, hinterfragt und interveniert. Wir wollen mehr horizontale Selbstorganisation propagieren und erarbeiten. Wir zeigen diese Möglichkeiten interessierten Menschen und lernen uns kennen. Zum Zeitraum sagte ich vorher schon etwas: Es ist eine geschichtsträchtige Woche, die stark mit emanzipatorischen Bemühungen verbunden werden kann. Wir leben in Dresden oder Umgebung und hier aktiv zu werden kann viele Gründe haben. Da gibt es die tägliche Nazihetze, da gibt es Frust über das fehlende Interesse der Stadt an Bewohner_Inneninitiativen jenseits staatlicher Organisationen, da fehlen Räume und Förderungen, da wird gegen den Willen von Anwohner_Innen stadtentwickelt oder aber auch alles wilde, aufmüpfige, neue als extremistisch denunziert.

anarchia:
Seht ihr euch in Dresden mit einer solchen Entstehung libertärer Dynamik eher als eine Insel in trister, ostdeutscher Einöde oder als Teil einer überregionalen Entwicklung? Wie beurteilt ihr die Situation?

LiTa: Ich will mich hier nicht weiter an „ostdeutschen“ Klischees und Realitäten abarbeiten. Sicher entstehen die Veranstaltungen, obwohl wir uns weit über die Stadtgrenzen hinaus vernetzen, aus einer lokalen Kultur heraus und das ist auch nicht verwerflich. Allerdings sind die Probleme, die uns zu schaffen machen, für die wir Lösungen suchen, ähnlich denen in anderen europäischen Städten. Sie sind mit den Vorgängen der Globalisierung verwoben. Sie sind stark mit einem Leben im Kapitalismus verbunden. Wir sehen uns also als Teil einer globalen Bewegung.
Der Dynamik, die sich hier herausbildet, liegt ein langer Erfahrungsprozess zugrunde. Dazu gehören auch viele scheiternde Einzelprojekte, aus denen wir die Lehre gezogen haben, dass zuviele eigentlich an einem Strang ziehen, aber es meist nicht wissen. Seit sich viele zum Libertären Netzwerk zusammen schlossen, regen wir uns mit Ideen an, können wir mit vereinter Stimme sprechen und Arbeit teilen. Und alles, ohne dass Gruppen oder Individuen ihre Handlungsfreiheit verlieren. Ich bin mir sicher: Da wird noch viel passieren.

anarchia: Ich wollte mit dem Verweis auf das Gebiet der ehemaligen DDR eher auf die besondere Situation der besonders strukturschwachen Provinzen hinweisen. Wie können euch sympathisierende Leser_innen in- und außerhalb der Stadt Dresden unterstützen?

LiTa:
Es gibt strukturschwächere Regionen auf der Welt und in Europa. Wir wollen nicht jammern, denn es gibt viele Perspektiven. Wir müssen nur unser Leben selbst in die Hand nehmen. Für fast alles gibt es Mittel und Wege.
Wenn ihr euch einbringen wollt, könnt ihr zum Vorbereitungsplenum am Sonntag um 18 Uhr ins AZ Conni kommen. Ihr könnt euch mit Freunden zusammentun und Programmelemente erarbeiten. Es gibt auch ein Wiki, in dem ihr einen Open Space füllen könnt. Wenn ihr außerhalb wohnt, schreibt doch einfach an linetdd@riseup.net und informiert euch auf dem Blog utopienentdecken.blogsport.de oder alternativ der englischen Version utopienentdecken2.blogsport.de. Wir schicken euch auch gerne Plakate und Flyer. Und ehe ich es vergesse: Wir sehen uns am ersten Mai.

anarchia: Dann wünschen wir euch viel Erfolg. Wollt ihr den Leser_innen absschließend noch etwas sagen?

LiTa: Libertäre Tage kann es überall geben, libertäre Vernetzung auch. Wir haben darauf kein Copyright angemeldet. Verwirklicht eure Träume, wenn wir gemeinsam kämpfen wird einiges Unmögliche vielleicht bald konkret.

* Hier handelt es sich um Einzelmeinungen und nicht um ein Gruppenstatement des ganzen Vobereitungskreises.


1 Antwort auf „Interview mit dem Vorbereitungskreis der Libertären Tage Dresden“


  1. 1 ding dong 19. März 2010 um 1:15 Uhr

    wärs nich sinnvoll darauf auch unter „Termine“ hinzuweisen?

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