Archiv für April 2010

Konzertempfehlung

Diesen Dienstag 21.00 Konzert im AZ Conni
NORAH NOIZZZE & BAND sind vermutlich das coolste und punkigste, was die queere DIY Szene in Wien momentan zu bieten hat. Im Juni 2008 anlässlich des Festivals „Ladyzzz‘ Mile“ gegründet, bleibt die nach Eigendefinition „(Post?-)Punk-Rockband zwischen Noise, Pop und leidenschaftlichem Gesang“ ihrem Entstehungskontext auch inhaltlich treu und setzt auf lautstark artikulierte politische Messages anstelle von Perfektion. Neben queer-feministischen Lyrics lässt auch der musikalische Inhalt nicht nur erklärten Queercore/RiotGrrrl/just-do-it-yourself-Anhänger_innen dann auch nichts zu wünschen übrig – ein musikalisches Erlebnis, das definitiv gute Laune macht!
(das zumindest sagt der_die_das terminal)

Bauwagenleben

Das Königreich Lohmühle from 2470media on Vimeo.

Utopien entdecken steht ja in dresden für die nächsten tage auf der tagesordnung. Dieser kurze ausschnitt über einen berliner wagenplatz ist in diesem zusammenhang eigentlich ganz interessant anzuschauen und auch inhaltlich passend. Was können utopien leisten und welche alternativen vorstellungen zum status quo kann es geben- wie können sie schon jetzt realisiert werden? ist ein leben im bauwagen ohne fließend wasser und strom anstrebenswert oder doch nur romantischer fluchtversuch aus der modernen welt?

Mobisong für Libertäre Tage

Bei uns ging ein Mobisong für die Libertären Tage ein, gerüchteweise soll dieser eine Produktion von „Kaffee und Kiffe“ und der „Sch.A.F. Dresden“ sein: Mobisong

Kurzmeldung: Coloradio in 2 Tagen abgeschalten?

Achtung, so wie es Aussieht könnte Coloradio innerhalb der nächsten 2 Tage abgeschalten werden. Bitte informiert euch auf ColoRadio.org oder bei uns und haltet euch für Solidaritätsaktionen bereit!

Aufruf für Freiraumdemo in Erfurt am 17.04.

Diesen Samstag um 14 Uhr am Hauptbahnhof Erfurt:



Während im Keller noch eine Band Soundcheck macht, wird in der ersten Etage die Frage diskutiert wie der Naziaufmarsch am 1. Mai verhindert werden kann. Das Essen ist bald fertig, letzte Getränke werden in die Bar sortiert und langsam trudeln die ersten Gäste ein. So hätten wir das gern – haben wir aber nicht. Wir haben keinen Raum für all dies!

Für Gesellschaftskritik brauchen wir Räume: Räume in denen Nazis keinen Zutritt haben. Räume in denen kein Platz für Diskriminierungen ist. Räume in denen Infoveranstaltungen, Vorträge, Diskussionen und Workshops stattfinden können. Räume für Parties und Konzerte unabhängig von Geldbeutel und Aussehen. Räume, um Essen für alle zu kochen. Räume um gemeinsam Aktionen zu organisieren oder einfach nur rumzuhängen. Räume, um die eigene Kritik zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Der Kampf um diese Räume findet ständig und überall statt, nicht nur in Berlin, Kopenhagen und Barcelona. So erregten beispielsweise im letzten Jahr die Auseinandersetzungen um das libertäre Zentrum in Magdeburg und die Initiative „faites votre jeu“ in Frankfurt Aufmerksamkeit. Besetzungen werden jedoch nicht nur zur Schaffung von dauerhaft nutzbaren Räumen durchgeführt, sondern auch im Rahmen symbolischer Politik genutzt, um medial wirksam Missstände aufzuzeigen. „Have you ever squatted an airport?“ fragte Anfang letzten Jahres eine Berliner Initiative, um mit tausenden von Besetzer_innen eine unkommerzielle Nutzung des ehemaligen Flughafengeländes Tempelhof einzufordern.

All diesen Aktionsformen liegt, unabhängig von ihrem Ziel, eine Kritik der kapitalistischen Eigentumsordnung zugrunde. In der kapitalistischen Wirtschaftsform können Produkte und Immobilien nur von denjenigen genutzt werden, die sie besitzen. Dabei geht es nicht um die Bedürfnisse der Menschen, die diese Produkte nutzen könnten, sondern um die Aufrechterhaltung der durch den Staat geschützten Eigentumsordnung. Diese Eigentumsordnung ist eine der Grundlagen des Kapitalismus.

Anstatt anhand der Bedürfnisse des Menschen Güter herzustellen, wird die Produktion im Kapitalismus über den Umweg der Profitsteigerung gesteuert. Das erzeugt einen großen stofflichen gesamtgesellschaftlichen Reichtum, der auf Kosten von Menschen und natürlichen Ressourcen produziert wird. Dabei wird gleichzeitig Armut bis hin zum Tod bei denjenigen in Kauf genommen, die aufgrund der Eigentumsordnung von der Nutzung dieses Reichtums ausgeschlossen sind.

Der Zwang zur Profitsteigerung führt dazu, dass alle am Kapitalismus Beteiligten immer und überall in Konkurrenz zueinander stehen. Daraus ergibt sich ein fortwährender Leistungsdruck, sei es für Manager_innen oder Straßenkehrer_innen oder auch zwischen Beschäftigten in verschiedenen Ländern. Dabei werden beispielsweise Menschen, die im Konkurrenzkampf zwischen den Nationalstaaten als Arbeiter_innen nicht nützlich sind, an den EU-Außengrenzen mit militärischen Mitteln an der Einwanderung gehindert. Die Mechanismen des Kapitalismus wirken dabei gleichzeitig global und im Kleinen, indem sie jeden Menschen dem Zwang aussetzen sich innerhalb dieser Strukturen zu verhalten.

Diesen Strukturen zu entkommen ist ohne Überwindung des Kapitalismus nicht möglich, weder durch Hausbesetzungen noch durch Lesezirkel. Aber beides kann aktiv zur Veränderung der Gesellschaft beitragen. Dabei sind Hausbesetzungen nicht der einzige Weg, um Räume zu erkämpfen in denen die Kritik des Bestehenden vorangetrieben werden kann. Seit einigen Jahren sieht es danach aus, als sei die Wahrscheinlichkeit der Duldung einer Besetzung gesunken. Räume brauchen wir aber trotzdem: Wie wir uns diese Räume erkämpfen hängt deshalb nicht zuletzt von den Verhältnissen ab.

Das besetzte Haus Erfurt, ein Projekt welches trotz der Verhältnisse acht Jahre bestand ist ein Beispiel dafür, dass der Kampf um solche Räume nicht vergebens ist. Das Projekt diente nicht nur als Anlaufpunkt für Diskussionen, Parties und Veranstaltungen, sondern entfaltete auch eine Außenwirkung, die weit über die eigene „Szene“ hinausreichte. Dies geschah nicht zuletzt durch die Räumung des Hauses und den langwierigen Kampf um das Projekt, der dieser vorausging.

Schon vor der Räumung des besetzten Hauses zeichnete sich in Erfurt ab, dass die Stadtpolitik vermehrt auf ein sauberes Stadtimage abzielt. Im Konkurrenzkampf zwischen den Städten setzt Erfurt anscheinend vor allem auf ein sauberes, spießiges Erscheinungsbild um Tourist_innen anzulocken. Dies äußert sich beispielsweise in der polizeilichen Durchsetzung eines Alkoholverbots und im Vertreiben von nicht in das Stadtbild passenden Menschen aus der Innenstadt – aber auch durch absurde Verbote wie zum Beispiel ein Mülltonnendurchsuchungs- und ein Baumbesteigungsverbot.
Hinzu kommt, dass momentan diverse Erfurter Kultur- und Sozialprojekte, die sich im Kapitalismus nicht rentieren, bedroht sind, weil sie neuerdings von der Stadt nicht mehr finanziert werden.

Wir sind solidarisch mit den von den Kürzungen betroffenen Projekten, weil diese im Kapitalismus nur mit Fördermitteln überleben können. Uns geht es jedoch nicht darum ein von der Stadt finanziertes Zentrum zu bekommen, sondern ein selbstverwaltetes sozial-politisch-kulturelles Zentrum zu erkämpfen.

Die prekäre Situation der verbliebenen Projekte und das Fehlen von Räumen zeigt vor allem, dass es nicht genügt, diese Projekte als Partyraum und Veranstaltungslocation zu nutzen, sondern dass ein aktives Erkämpfen und Verteidigen unserer Räume notwendig ist. Die Räumung des besetzten Hauses auf dem ehemaligen Topf & Söhne- Gelände vor einem Jahr nehmen wir nun zum Anlass unsere Wut über die Verhältnisse auf die Straße zu tragen. Lasst uns gemeinsam selbstverwaltete Räume erkämpfen und verteidigen – egal wo!

Kommt zur Demo am 17.4.10 in Erfurt!
Treffpunkt ist um 14.00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz.

Café Négation und Libertäre Tage

Die libertären Tage in Dresden stehen kurz bevor und viele fragen sich bestimmt: Was soll das ganze? Wer veranstaltet das, um was solls da genau gehen und warum ist es spannend sich daran zu beteiligen?
Um dies allem und noch mehr Raum zu bieten findet diesen Sonntag den 18. April mal wieder das Café Négation zu eben jenen Themen statt.
Es wird eine kurze Vortsellung des Konzepts geben und in einer anschließenden Diskussion kann über den Sinn und Unsinn von libertären Utopien diskutiert werden. In gemütlicher Atmosphäre bei Kaffee, Kuchen und dieses mal sogar mit veganen Zwiebelkuchen. Wenn das mal kein Grund ist vorbei zu schauen.

4. RINGVORLESUNG POLITISCHER HOCHSCHULGRUPPEN

Auch dieses Sommersemester wird es wieder eine Ringvorlesung der Vernetzung der Politischen Hochschulgruppen geben. Diesmal mit dem Thema „Geschichtspolitik und Erinnerungskultur“. Im nun schon zweiten Supergedenkjahr zur „Wiedervereinigung“ wollen wir mit unseren zwölf Veranstaltungen ein kleines kritisches Gegenangebot zum grossen bundesdeutschen Demokratie.Feier.Reigen bieten. Das ist allerdings nur eins der Themen, denen wir uns mit Fragen wie – wer gedenkt hier eigentlich? mit welchem Ziel? und wie werden Ereignisse dafür dargestellt? nähern wollen.

Die Vorlesung findet jeden Mittwoch in der 6. DS im HSZ E05 statt und steht allen – auch und besonders nicht-Studierenden – offen.

Referat für politische Bildung

Temporärer Umsonstladen im Alaunpark

Am Samstag, den 10.4. wird es in Vorbereitung für die Libertären Tage einen temporären Umsonstladen mit kostenlosen Klamotten geben.
Beginnen wird es so gegen 12 Uhr irgendwo im Alaunpark zu Dresden. Wir freuen uns auf euch.

Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive.

Workshop. Buchvorstellung. Film.

Wo und wann:
Am Samstag, dem 17.04.2010 im AZ Conni.

Der Eintritt ist frei!

Programm

16:00 Es wird ein Text aus „Making Sex Revisited“ gelesen, bearbeitet
und diskutiert um eine Verständnissgrundlage zu schaffen.

19:00 Essen aus der Seminarküche

20:00 Buchvorstellung und Diskussion mit Heinz-Jürgen Voß

Danach der Film: „Die Katze wäre eher ein Vogel“:
Vier intersexuelle Menschen erzählen in einem visuellen Hörstück und dokumentarischen
Experiment von ihren Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen.

Hintergrund
Im Gegensatz zu sozialem Geschlecht (Gender) gilt das biologische
Geschlecht noch immer als sicher und unabänderlich. Doch Geschlecht wird
gesellschaftlich gemacht bzw. konstruiert. Dass das auch für das biologische Geschlecht Sex
gilt, kann das 2010 erschiene Buch „Making Sex Revisited“ anhand biologischer Theorien erstmals
dezidiert und differenziert belegen. Naturphilosophische und
biologisch-medizinische Geschlechtertheorien werden von Heinz- Jürgen Voß
mit gesellschaftlichen Geschlechterordnungen in Verbindung gebracht. Es
zeigt sich: Mit prozessorientierten Betrachtungsweisen sind biologisch
viele Geschlechter denkbar – statt nur zwei oder drei.

Der Buchladen Koenig- Kurt lädt ein, zusammen mit Heinz- Jürgen Voß den
vermeintlichen Gleichheiten und Differenzen der Geschlechter
nachzuspüren, um die Spuren dann gekonnt zu verwischen.

Zum Autor:
Heinz-Jürgen Voß (Dr. phil., Dipl.-Biol.) lehrt zu Geschlecht und
Biologie an verschiedenen Universitäten. Forschungsschwerpunkte sind
biologische Geschlechtertheorien, Queer Theory und Queer Politics.