Archiv für Mai 2010

Veganer Solibrunch

solibrunch
Diesen Monat findet das Café Negation in einer anderen Form als bisher statt. Um etwas Spenden für einen breiteren Handlungsspielraum zu sammeln, läd die Gruppe zu veganen Köstlichkeiten ins Az Conni und hat auch noch eine geheimnisvolle antirassistische Installation mit dabei.
Wer also Lust auf gewohnt leckeren Kaffee und Kuchen, verbunden mit noch mehr Essen als sonst hat, ist herzlich dazu eingeladen.
Kommt nicht bzu spät, denn sonst sind die leckersten Sachen vielleicht schon alle.

Schüler_Innen Zeitung

Die erste Ausgaben der Zeitung „freidruck“, der Schüler_Innenvernetzung Dresden, steht nun für alle Interessierten zum Download auf ihrer Internetseite zur verfügung.

Viel Spass beim Lesen

Bundeswehr in Dresden

Eine Schule. Überall Kameras. Ein Jugendoffizier. 10 fröhlich grinsende Jugendliche außerhalb des Geländes. Eine wild telefonierende Person versteckt hinter einem Busch. 3 Sixpacks, 1Streifenwagen, 2 Zivis. Platzverweise. 10 verwunderte Jugendliche auf dem Heimweg, verfolgt von den 3 Streifenwagen.
Was war passiert?

An dem Gymnasium Dresden Klotzsche fand heute eine Informationsveranstaltung mit einem Jugendoffizier der Bundeswehr in einer 10. Klasse statt. Solche sogenannten „Informationsveranstaltungen“ werden des öfteren genutzt, um Schüler_innen für den Dienst bei der Bundeswehr zu rekrutieren. Dabei wird mit einem „krisensicheren Job“ und großen Karrierechancen geworben. Gerade den Gymnasiast_innen wird versucht, eine Langzeitverpflichtung mit Studium im höheren Dienst schmackhaft zu machen. Die Bundesregierung will mit dieser Agitation das Modell des „friedliebenden, demokratischen, Uniform-tragenden Staatsbürgers“ etablieren. Dass diese als „humanitäre Hilfseinsätze“ getarnten Kriegseinsätze nur von wirtschaftspolitischen Machtinteressen geleitet sind, wird dabei bewusst verschwiegen. Der Mord an Menschen (Soldaten wie Zivilbevölkerung) wird billigend in Kauf genommen und medial in den Hintergrund gerückt. Gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und die „Nachwuchsförderung“ an Schulen und im öffentlichen Bereich regt sich verstärkt Widerstand.

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Vortrag zur Antifa in Tschechien

Am Samstag, den 5.6. findet um 19 Uhr im Infoladen des AZ Conni (Rudolf-Leonhard-Str.39) ein Vortrag zu den Strukturen und Aktionen der tschechischen Antifa mit einem Aktivisten aus Prag statt. Die eher anarchistisch geprägte Antifa-Szene Tschechiens muss immer wieder harte Auseinandersetzungen mit einer sehr militanten Nazi-Szene führen, diese fährt auch zu Nazievents in Deutschland (z.B. dem 13 Februar) und findet im Antiziganismus viele Anknüpfungspunkte an die „Normalgesellschaft“.

Eingesendet: Deklaration türkischer Anarchist*innen zu toten Minenarbeiter*innen

*HOW DOES CAPITAL GO 560 METERS UNDER THE GROUND? IS GOD THERE?*

Place: Zonguldak, Turkey. 560 meters under ground. Dark and airless.

Legislation says: „Article 162 – Workplaces that contain less than 19% oxygen, more than 2% methane and 0,5% carbon dioxide and other dangerous gases in the air can not be run.“

A human brain can stand only six minutes of oxygen statelessness. Then slowly, can not be repaired and treated brain cells begin to die. On May 17, 2010 twenty-eight miners and two engineers dented to the upper hundreds of cubic meters of soil could not do what they can easily do in very second; they could not breathe. In the first few hours of four-day period that the state give them to be rescued, they became the witnesses to their own and each other’s death. They were murdered. The mine in which the blast occurred is a state-owned enterprise; but a subcontractor actually do the job as usual in Turkey. This is a crime according to the state’s own constitution and imposed fines of just 11.000 TL. – such as an extremely low amount for these large companies. We know them. We know the responsibles of this massacre. We know the killers.

Against this terrible crime done by the cooperation of capitalism’s endless profit greed and the states pro-economic policies, we‘re having difficulty in breathing. The state -not even allowed us to breathe while we‘re living- does not hesitate to name this massacre as a „Fate“ We have some questions about this unfortuned game played by so-called fate. Can a justification named as „Fate“ and offered for this repeated massacre justify the capitalism and it’s representatives in the world? Can the companies who do not take the necessary measures just to obtain more profit and the state which devolves the control power to the companies in the fields of mineral exploration easily squirm out of being responsible of this massacre by throwing their crimes to god? If there had been a god, even he would not deal with that kind of foolish justifications.

Let’s take a deep breath and answer:

No. The ones who give the answer „yes“ must be suffering from lack of oxygen or must have lost all their cells which provides to recognize the notions like justice, conscience and humanity. Thirty people were killed and we the survivors still dent to remain under the state’s lies. By the help of media that insists on ignoring this massacre and the neo-liberal policy which is satisfied by it’s own simple and ‚resplendent‘ agenda, the state managed to look like an accident again. We‘re sorry for the workers and their families like many people; but we know that this is not the first and won‘t be the last. The turkish style revolutionary determinism -trapped in the „policy-workers-union“ triangle- which is used to oppose the state’s
religious determinism won‘t be enough to stop them.

We do not regard people and the resources that belong to them to be governed by an enterprise that murders people brutally and exists only this way. Our conciense that they harp on the same string prevents that. Because we know that, those massacres will not be lasted unless the success on analyzing the actual culprit is not shown at the point of total elimination of it’s sources.

*PATRONS ARE KILLING, GOVERNERS ARE PATRONIZING

CAPITALISM KILLS, SOLIDARITY KEEPS ALIVE*

DAF (Revolutionary Anarchist Action)

Bundeswehr an Dresdener Schule

Bundeswehr raus aus den Schulen

Am 25.5 .2010, also am nächsten Dienstag, wird es eine Veranstaltung der Bundeswehr, von den sogenannten Jungoffizieren am Gymnasium Dresden Klotzsche geben. Dies geht aus einem Antrag der Linksfraktion in Bundestag hervor, der die Aktivitäten der Bundeswehr an Schulen und Unis für das Jahr 2010 erfragt.
Nach eigenen Angaben sieht die Bundesregierung die Bundeswehr als Institution der Politischen Bildung und die Schule als Ort der Ausbildung, in welchen Kontext die Bundeswehr ausdrücklich erwünscht ist und diese auch weiterhin den Wünschen
Der Schule nachkommen wird.

Das gilt es zu verhindern.

Die Bundeswehr ist immer noch eine Arme, die überall auf der Welt Militärische Einsätze begeht und auch schon im Land, siehe G8 Gipfel, zur „Gefahrenabwehr“ Eingesetz wurde. Die Bundeswehr will gezielt Junge Menschen zum Wehrdienst überzeugen, aus diesem Grund auch der Schul besuch. Die Bundeswehr soll nicht mehr als verstaubte, alte und überflüssige Militäreinrichtung gelten, sondern „Hip“ sein, sowie eine Perspektive für Jugendliche darstellen. Aus diesem Grund werden auch immer wieder für Jugendliche verlockende Angebote mit geschickt, Werbung in Schülerzeitungen geschaltet und sich auf jeder Jobmesse gezeigt.
Dabei wird aber der eigentliche Charakter der Bundeswehr und einer Arme im allgemeinen verschleiert und verharmlost. Das wird auch klar, wenn Mensch sich die von der Bundesregierung vorgegeben Ausrichtung dieser Schuleinsätze zu Augen führt. Dort heißt es:
„Leitbild ist die demokratische und gesellschaftlich friedenstiftende Idee des Staatsbürgers in Uniform“
Das diese Leitbild nicht besteht, nicht hier und auch nicht in Afghanistan gilt es auf zu zeigen und Anzugreifen. Ebenso wie Herrschaftsmechanismen und unreflektierte Anwendung von Gewalt.
Das wir bei diesen Schuleinsätzen nicht zu sehen können ist klar. Leider geht aus dem Dokument nicht hervor, welche Art von Anwerbungsversuch die Bundeswehr unternehmen wird, ob sie mit Truck kommt, oder einfach in Klassen geht und um welche Uhrzeit das ganz geschehen soll, so das eine Effektive Vorbereitung leider nicht möglich ist . Das aber trotzdem Protest möglicht ist, hat die Kletteraktion zur Firmenkontaktmesse in Dresden (de.indymedia.org/2010/05/280316.shtml) gezeigt. Und das dieser Protest wichtig ist, sollte allen klar sein.
Am Sonntag den 23.5 wird ab 14 im AZ Conni die neu gegründete Schulervernetzung Dresden sich ebenfalls damit beschäftigen. Wer Interesse hat sich mit einzubringen, ist herzlich willkommen.
Ansonsten einfach am Mittag in Gymnasium Klotzsche fahren und die Bundeswehr nicht ruhig ihre „Arbeit“ machen lassen. Ansonsten, für alle die aus verscheindsten Gründen am 25.05 nicht schaffen, wird es am 23/34 juni eine Fachmesse für Job und Ausbildung (www.erfolg-im-beruf.de) geben, bei der Bundeswehr und Bundespolizei vertrete sein werden.

Gegen Arme und Statt.

Weitere Informationen unter

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/015/1701511.pdf
http://www.bundeswehr-wegtreten.org/

Eingesendet: In Gedenken an Dieter Eich – Niemand ist vergessen

*Empfehlungen fürs Wochenende

Dieses Wochenende, vom 20.- 23. Mai findet in Freiburg ein sogenannter Freimraumkongress statt. Es wird Raum für Diskussionen über den Sinn und Unsinn von Freiräumen, über Schutzräume, gelebte und erträumte Utopien, Gesellschaftsveränderung und so einiges mehr geben.
Das vorläufige Programm sieht spannend aus und wird vielleicht die eine oder den anderen nach Freiburg bewegen können, um sich zu vernetzen und zu diskutieren.

Update:
In Dresden finden dieses Wochenende auch allerlei schöne dinge statt.
Auf dem Wagenplatz (Leipzigerstraße 33, nähe Puschkinplatz) findet von am Samstag von 15- 03.00Uhr ein Frühlingsfest mit Flomarkt, musikalischer Unterhaltung, Teezelt etc statt.

Der SektorEvolution läd von Freitag bis Sonntag zu *la fiesta grande*, was 3 Tage Workshops, Performance und Party bedeutet.

Eingesendet: Anarchistische Bibliothek in Wien eröffnet

Am 1. Mai eröffnete in Wien eine anarchistische Bibliothek samt Archiv. Seitdem können die BesucherInnen nicht nur in den zahlreich vorhandenen Büchern schmökern, sondern auch anarchistische Zeitschriften des letzten Jahrhunderts einsehen. Mag man sich noch viele Bücher über Antiquariate besorgen können, so ist der Zeitschriftenbestand an den wichtigsten anarchistischen / anarchosyndikalistischen Zeitschriften für Wien einzigartig.

Die Bibliothek ist jeden Montag zwischen 18:00 und 20:00 Uhr geöffnet und ist über einen eigenen Eingang in der Lerchenfelder Straße 124-126, im Hof 3. Tür 1a zu erreichen. Weitere Besuchstermine können über info[at]a-bibliothek[punkt]org vereinbart werden. Auf der Homepage www.a-bibliothek.org sind zudem digitalisierte Dokumente der historischen anarchistischen Bewegung online. Neben den kompletten Ausgaben (!) der Zeitschriften „Zukunft“ (1880-1884) und „Wohlstand für alle“ (1907-1914) findet sich hier z.B. die „Soziale Revolution“, die Frontzeitung der deutschsprachigen AnarchosyndikalistInnen im spanischen Bürgerkrieg 1936 – 1939.

Die Bibliothek befindet sich in den gemeinsam genutzten Räumlichkeiten der „Schenke“, einem neuen Projekt in Wien mit Umsonstladen, Cafe, einem wertkritischen Büro u.v.m. Die Schenke möchte „einen offenen Raum für alle schaffen, die sich gegenseitig beschenken wollen. Dinge können gebracht und mitgenommen werden ohne dass Geld beteiligt ist.“

Weitere Projekte mit libertärem (Buch)Bestand in Wien:

  • Bibliothek von unten
  • Das Archiv der sozialen Bewegungen / Wien
  • Bibliothek im Ernst-Kirchweger-Haus (EKH)
  • Engesendet: Critical Mass Aktion fordert endlich wieder alternative Freiräume in Gera

    Auf einmal bewegte sich am Samstag ein Tross von 30 radelnden Leuten durch die Innenstadt. Sie fordern neue alternative Freiräume, die in Gera seit Jahren fehlen. Dahinter steht eine Kritik an Konsumzwang, der die Freizeit dominiert, an Ordnungswahn in den Köpfen und an Polizeischikanen gegen Jugendliche, die sich den öffentlichen Raum zum Leben zurückholen wollen.

    Alles das ist mit dafür verantwortlich, dass sich in dieser Stadt, viele Menschen nicht verwirklichen können. Anstelle von Solidarität stehen Vereinzelung und Rückzug ins Private. Das Anliegen der Critical Mass ist daher die Schaffung eines selbstverwalteten Zentrums für Politik, Kultur und Spaß, dass es trotz zunehmenden Leerstands immer noch nicht gibt. Darin wollen wir mit vielen anderen Leuten alternativ zum Mainstream unsere Freizeit gestalten, Leben bereichern und Kritik diskutieren. Und das alles solidarisch und ausprobierend nach unseren Bedürfnissen.

    Um dieser Botschaft Gehör zu verschaffen, wurde sich der öffentliche Raum mit einer Critical Mass als Protestform für ein paar Stunden symbolisch zurückgeholt. Vom Theater radelten die TeilnehmerInnen über die Sommerbadstraße in den Stadtwald, wo an den immer wieder von der Polizei heimgesuchten Dirt Bike Strecken Redebeiträge gehalten wurden. Nachdem diese viel Applaus erhielten, fuhr die Gruppe Richtung Gera-Arcaden, wo mehrere Umrundungen eines Kreisverkehrs und Parolen für Aufmerksamkeit sorgten. Die Reaktion in den länger werdenden Autoschlangen reichten von Lachen, Winken und Hupen bis zum Versuch in die Fahrräder hineinzufahren.

    Trotzdem war die Stimmung auf dem weiteren Weg über die Heinrichstraße zurück zum Theater entspannt und fröhlich. Die Situation eskalierte erst Richtung Berliner Straße.

    Auf der Eselsbrücke rasten unvermittelt etwa zehn Einsatzfahrzeuge der Thüringer Bereitschaftspolizei, die augenscheinlich von einer gerade beendeten Neonazikundgebung in Gera-Lusan kamen, auf die Critical Mass zu. Dabei nahmen diese billigend in Kauf Personen zu überfahren. Ohne den Dialog zu suchen, prallten aufspringende Autotüren gegen TeilnehmerInnen, Polizisten verteilten vollkommen überzogen Tritte und Schläge und versprühten zudem Pfefferspray. Auch die Rufe, eine Spontandemonstration anmelden zu wollen, wurden ignoriert. Schließlich wurde ein ganzer Stadtteil abgeriegelt, DemonstrantInnen durch die Straßen gejagt und zu Boden gerissen, wobei die Polizisten mit vollem Gewicht auf eine Person einsprangen, eine andere direkt ins Gesicht schlugen und Fahrräder demolierten. Weitere TeilnehmerInnen erlitten Prellungen und Stauchungen.

    Insgesamt wurden drei Menschen festgenommen und erst in der Nacht wieder freigelassen. Außerdem kam es zu mehreren Ingewahrsamnahmen, schikanösen Personalienkontrollen und Identitätsfeststellunge. Ironischer Weise bestätigt das Geschehene genau das Anliegen und die Kritik der Critical Mass. Die unerwarteten Polizeiübergriffe haben diejenigen getroffen, die gegen Schikanen protestieren und alternative Freiräume fordern. Ein zuvor nicht angemeldeter Protest rechtfertigt inkeinem Fall eine solche Brutalität. Zumal ist eine Critical Mass eine Protestform des zivilen Ungehorsams und somit in weiten Teilen der Bevölkerung legitim. Die Reaktion der Polizei zeigt wieder einmal das Nulltoleranzprinzip, mit dem in Thüringen alternative Projekte im Keim erstickt werden sollen. Ob besetzte Häuser in Erfurt oder Dirt Bike Strecken in Gera, die Konsequenz sind Räumung, Verdrängung und Repression.

    Die Geschehnisse vom Samstag werden ein Nachspiel haben. Wir werden dafür eintreten, dass die Polizeiübergriffe auf uns und die Forderungen nach alternativen Freiräumen in Gera auf die politische Tagesordnung kommen. Denn eines ist klar: wir werden dies nicht einfach hinnehmen. Unser Dank und unsere Solidarität gilt allen MitstreiterInnen, die an der Aktion teilgenommen haben, verletzt oder festgenommen wurden.

    Erklärung anarchistischer Zusammenhänge aus GR zum 5.5. 2010

    Quelle: Indymedia

    Von sechs anarchistischen Zusammenhängen gemeinsam verfasster Text zu den Geschehnissen am 5. Mai 2010

    Zum Streik vom 5. Mai, der erstmalig in solcher Stärke erlebten Demonstration, zu den langdauernden ununterbrochenen Versuchen, das Parlament zu besetzen, zu den umfangreichen Konfrontationen, zum tragischen Tod dreier Menschen durch Rauchvergiftung…
    5. Mai 2010. Die größte Demonstration seit Ende der Militärdiktatur war angetreten, um sich mit dem größten Programm der politischen und ökonomischen einheimischen wie übernationalen Herrschenden zur gesellschaftlichen Plünderung und Versklavung zu messen. Und dieser gesellschaftliche Strom von 150 bis 200 Tausend Demonstranten war auf der Straße, um seine Wut ins Parlament zu tragen. „Alle zum Syntagmaplatz“, „Umzingelung-Isolation-Besetzung des Parlaments“. Die Versuche gingen über mehr als 2 Stunden, wieder und wieder, trotz der Züge der Sondereinheiten, des Tränengases, der Schockgranaten, der mörderischen Angriffe durch die motorisierten DELTA-Einheiten. Die Parole „Es brenne, es brenne der Puff das Parlament“, erschütterten die Atmosphäre. Die am Syntagmaplatz ankommenden Blöcke, die nach kurzer Zeit von den Chemikalien eingedeckt gezwungen wurden, weiter zu ziehen, schlugen etwas weiter unten eine Kurve und kehrten zurück, während gleichzeitig neue Demoblöcke ebenfalls am Parlament ankamen. Menschen jeden Alters auf der Straße, Lohnbezieher und Arbeitslose, aus dem öffentlichen Sektor und der privaten Wirtschaft, Einheimische und Migranten. Die Konfrontationen mit den Repressionskräften langanhaltend und ausgedehnt. Das politische System und seine Institutionen am Tiefstpunkt der gesellschaftlichen Akzeptanz.

    5. Mai 2010, kurz nach 15:00 Uhr, und die Information beginnt zu zirkulieren, dass es „wohl Tote wegen eines Feuers in der Filiale der Marfin-Bank in der Stadiou Strasse gibt“. Anfangs kann das niemand glauben und vielen kommt die Idee in den Sinn, dass es sich dabei um einen Desinformationstrick des Systems handelt, um die Menge von den Straßen abzuziehen. Letztendlich aber stimmt die Information. Die Menge erstarrt, die Gesichter werden dunkel, die Wut und die Kraft verfliegen, die Demoblocks beginnen sich aufzulösen. Chrisohoidis („Minister für Bürgerschutz“, Anm. d. Üb.) spricht von einer Säuberung der Stadt von den Demonstranten, eine spezielle Form von Ausgangssperre verhängend, die Repressionskräfte kriegen Mut und Anweisungen für einen umfassenden Gegenangriff, die Szenerie wechselt innerhalb kurzer Zeit. Es folgen Polizeigewahrsamnahmen in Massen, von auf den zentralen Straßen Athens bis zu in den Cafes in Exarcheia, Demonstranten und Einwohner werden verprügelt, es gibt Verletzte aus Angriffen der motorisierten DELTA-Einheiten. Der Streik der Journalisten wird für die Koordination der Massenmanipulationsmedien in der angeblasenen Jagd auf den „inneren Feind“ aufgehoben. Das besetzte Haus „Raum der Geeinten Vielfältigen Anarchistischen Aktion“, in der Zaimi Straße in Exarcheia bekommt Polizeibesuch und wird unter Einsatz von Tränengas, Schockgranaten und Schüssen im Inneren des Gebäudes geräumt. Das Zentrum für Migranten in der Tsamadou Straße, ebenfalls in Exarcheia erlebt einen Polizeiangriff mit weitreichenden Zerstörungen. In beiden Fällen werden die Polizeioperationen von DELTA-Einheiten durchgeführt, die als uniformierte Banden losstürmen. Klar, dass es eine Fortsetzung gibt. Derartige Chancen werden nicht ungenutzt gelassen. Der Plan der Herrschenden, der für die gesamte Periode seit dem Aufstand vom Dezember auf die Kriminalisierung der anarchistischen und autonomen Szene sowie jedes unbevormundeten Widerstandsherdes gegen die staatliche und kapitalistische Barbarei zielt, hat den notwendigen Vorwand für eine qualitative und quantitative, propagandistische und operative Aufwertung.

    In all diesen Tage schmerzt der tragische Tod von Angeliki Papathanasopoulou, Paraskevi Zoulia und Epameinodas Tsakalis in unseren Herzen und unserem Bewusstsein. Denn ihr Verlust ist unser Schmerz und nicht der jeder Art selbsternannter Gedenkender. So lächerlich es aber ist, wenn die vom Schlag Chrisohoidis von „skrupellosen Mördern“ reden, während sie gleichzeitig dem Schutz der Plünderung von Millionen Leben durch die Zentralen der Herrschenden vorstehen, jeder Bulle gleichzeitig seinen Schlagstock auf die Köpfe der Demonstranten niedersausen lässt, jeder Journalist gleichzeitig systematisch an der Manipulation, der Überlistung und der Verdunkelung von Bewusstsein arbeitet, so gegeben auch die Verantwortung eines jeden Vgenopoulos (Direktor der Marfin Bank, Anm. d. Üb.) ist, der mit der Drohung von Entlassung die Angestellten zwang, eingeschlossen ein menschliches Schutzschild in einer Bank zu bilden, vor der die Streikdemonstration vorbeiziehen würde, so beschwert die Verantwortung für den Tod der drei Angestellten durch Rauchvergiftung unweigerlich diejenigen, die das Gebäude in Brand setzten, ohne vorher auszuschließen, dass sich Menschen darin befinden. Tragische Gedankenlosigkeit? Oder noch schlimmer, Zynismus, Ergebnis einer elitären und antigesellschaftlichen „Auffassung“, die nur sich selbst anerkennt, rundweg alles außer sich selbst hasst und sich selbst mittels des Konsums aggressiver Praktiken „bestätigt“, ohne sich um die Inhalte und die Dialektik der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu kümmern?
    In den Kämpfen der Straße, dort, wo sich die Angriffslust all derjenigen manifestiert, die nicht in gesellschaftlichen Konsens und Parteidisziplin integrierbar sind, ist es ein selbstverständlicher Grundsatz, dass Gebäude-Symbole niemals dem Feuer übergeben werden, bevor nicht sichergestellt wurde, dass keine Menschen darin sind. Darüber hinaus, genau weil die Anarchisten und Autonomen wissen, dass die Bosse wahrscheinlich keinerlei Schutzmaßnahmen für die Arbeitenden getroffen haben, bildet für sie diese Kenntnis den Grund für den Verzicht auf eine mögliche Aktion und nicht ein Alibi. Wer immer hinter dieses Minimum zurückfällt, trägt die volle Verantwortung für sein Handeln, die volle Verantwortung für die unveränderte Reproduktion dieser verkommenen Welt. Und die härteste Rechenschaft wird nicht vor den lächerlichen Richtertischen der bürgerlichen Heuchelei und „Justiz“ abgelegt, sondern vor der Geschichte der Kämpfe für die Freiheit.

    Wir haben nie gelernt, in Begriffen wie „schlechter Zeitpunkt“ oder gar „Kolateralschaden“ zu sprechen. Dies sind Alibis des herrschenden Gesindels um seine tägliche mörderische Praxis zu legitimieren. Mit diesem Ethos, mit dieser Haltung gehen wir seit all diesen Jahren auf die Straße und so werden wir auch weitermachen. Unermüdlich, kollektiv und kämpferisch mit unserem Widerstand, dem Ungehorsam und dem Bruch, der Autonomie, der Ablehnung jeder Herrschaft, der Gleichwertigkeit, der Gemeinschaft, der gegenseitigen Hilfe und der Solidarität als Leitfaden. In den Vierteln, den Arbeits- und Bildungsstätten, den selbstverwalteten Zentren und Squats, den Bewegungen zur Gegeninformation und den gesellschaftlichen Interventionen, den Demonstrationen und den Konfrontationen, auf den Barrikaden des täglichen Lebens und der gesellschaftlichen Rebellion.
    Trotz der Krokodilstränen all derjenigen, die die weitreichendste gesellschaftliche Plünderung durch den kapitalistischen Apparat ausarbeiten, die tiefste gesellschaftliche Versklavung durch den staatlichen Zwang und die Polizeibesatzungsarmee, trotz der auf der Bühne eingesetzten Verunglimpfung zur Legitimierung der Aggressivität der Repressionsmechanismen hinter den Kulissen, und bei der gegebenen Präsenz zehntausender Menschen auf den Straßen geht der Kampf gegen die Diktate der Herrschenden, der Kampf für gesellschaftliche und individuelle Befreiung weiter. Wir sehen uns auf der Straße…

    11. Mai 2010

    Initiative von Anarchisten in Aigaleo (Stadtteil von Athen, Anm. d. Üb.)
    Anarchisten – Anarchistinnen aus Piräus
    Thersitis (Raum für Umtriebe & Umstürze) – Ilion (Stadtteil von Athen, Anm. d. Üb.)
    Resalto (selbstverwalteter Raum der Solidarität und des Bruchs) – Keratsini (Stadtteil von Piräus, Anm. d. Üb.)
    Anarchistinnen/en aus den westlichen Wohnvierteln Athens und Piräus
    Versammlung Aufständischer von Perama, Keratsini, Nikaia, Korydallos, Piräus (Gemeinden in und nahe bei Piräus, Anm. d. Üb.)

    Auswertung der Adenauer-Anarchie-Aktionen

    Quelle: Indymedia

    Vom 18.-20.März fanden im Dresdner „Haus der Kirche“ die „1. Sächsischen Schülerpolitiktage“ (Gender-Fehler im Original) der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Die Themenwahl fiel erstaunlicherweise auf „Anarchie – Ordnung ohne Herrschaft?“.

    Eingeladen zu diesem Symposium waren Schüler*innen sächsischer Schulen ab der 11. Klasse. Ein Freund wurde darauf aufmerksam, als ihm sein Politik-Lehrer die Veranstaltung empfahl. „Gibt auch `ne Schulbefreiung…“. Wir als politische Gruppe verbrachten einige Zeit damit, uns schlicht und einfach zu wundern. (Dazwischen kam der 13. Februar.) Dann aber fingen wir an, unser „brain“ zu „stormen“, denn dass wir da was machen müssen, war vollkommen klar. Da sollten schließlich kleine unbescholtene Schülis auf den rechten Weg zurück-symposiumiert werden, bloß weil ihr Anarchie-Aufnäher sie irgendwann zum Nachdenken darüber bringen könnte, was der eigentlich bedeutet! Junge Menschen genau dann abgreifen, wenn sie grübeln, ob’s nicht vielleicht doch noch was Anderes gibt. Schöne Strategie.

    Schon in der Ankündigung dominierten implizite Fragen wie „Der Anarchist – ein utopischer Narr?“. Dazu wurde uns später erklärt, der Narr sei „eine sehr wichtige Figur am Königshof gewesen, weil er als einziger ‚Nein‘ sagen durfte, ohne geköpft zu werden“. Auch die Wahl der Referent*innen und der Themen ließ schon vorab tief blicken: Minister a.D., frontale Vortrags- u.ä. Methoden, dann irgendwelche Kunst-Workshops zur Selbstverwirklichung… Dazu später die Rechtfertigung: Horst Stowasser sei ja für die Pro-Anarchie-Seite eingeladen gewesen, aber leider vorher verstorben. Ein*e andere anarchistische Referent*in war wohl nicht zu finden?

    Was aber tun? Für mich theoretisch vertretbar wäre so manche Umgangsweise mit der Veranstaltung gewesen:

    * das einfache Sich-Beteiligen, Mitdiskutieren, Sich-Einmischen in den inhaltlichen Diskurs, dadurch das Herstellen wirklicher Diskussion, also inclusive Pro-Anarchie-Schiene. Dies sollte auf einer möglichst gewaltfreien Kommunikation beruhen, auf dem „Vorleben“ eines solidarischen Miteinanders sowie Gewalt-/Herrschaftsfreiheit im eigenen Handeln.

    * eine „Umnutzung“ im Sinne von „verfremden ist besser als zerstören“, Kommunikationsguerilla, unsichtbares Theater u.ä.. Sich selbst nicht (gleich) als Anarchist*innen „outen“, um sofort in einer Schublade zu landen, sondern stattdessen auf Irritation hinzielen. Der KAS den Diskurs „entreißen“, Teilnehmer*innen bestimmen selbst, was diskutiert wird.

    * die totale Sprengung, denn egal, WAS besprochen wird, das WIE bleibt: Nichts darf über den gegebenen Rahmen hinausgehen, die KAS-Redner*innen sind wortgewandt, am Ende steht das gewünschte Ergebnis. Was Tolleres als die Demokratie gibt‘s nicht. Wenn es nicht „so schlimm“ manipulativ rüberkommt, dann liegt es an guter Tarnung bzw. Selbstinszenierung der KAS. Jedes positive In-Szene-Setzen der KAS schadet, dementsprechend darf die Veranstaltung (in diesem Rahmen) nicht stattfinden.

    Soweit zu den theoretischen Vorüberlegungen. In der Praxis stellt sich eben die Frage: Geht es „ums Prinzip“ oder um das Interessieren von Schüler*innen für libertäre Ideen? Oder funktioniert das eine nicht ohne das andere?

    Was für Schüler*innen werden dahin kommen – eher Unentschlossene, eher JU-ler*innen? Finden sie uns primitiv, sobald wir „nur stören“? Sind wir darauf angewiesen, bei ihnen „gut anzukommen“ oder geht es um etwas ganz Anderes? Wie stark und wie offensichtlich wird die KAS versuchen, Meinungsmache zu betreiben?

    Es gab eine Unmenge an Ideen. Uns wurde klar, dass die Veranstaltung zu einer regelrechten Spielwiese für verschiedenste Aktionsformen werden könnte. Aufgrund stressiger Vorbereitung blieb nur Weniges – aber Wirkungsvolles – übrig:
    Genau dem Eingang gegenüber war für die drei Tage ein Infostand ständig präsent. Dort gab es Literatur zum Thema, Flyer und natürlich auch Merchandising in Form von T-Shirts, Buttons u.ä. – Blickfang war ein schickes Transpi mit der Aufschrift „Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft und Gewalt“. Ausgestellt waren außerdem „echte Anarchist*innen“ zum Befragen (aber nicht füttern). Das Ganze funktionierte ziemlich gut – gleich am Anfang kamen vereinzelte Interessierte, am Ende hing die Masse in den Pausen am Stand rum. Praktisch war auch die Lage inmitten einer Fußgänger*innenzone, wodurch viele Passant*innen vorbeikamen und fragten, was denn los sei oder ganz einfach anfingen, in den Büchern zu blättern. Freitag und Samstag gab es auch Sonne, eine mobile Musikanlage, artistische Einlagen, Jonglage usw., was mit seinem sympathischen Familienfest-Charakter große und kleine Menschen anlockte. Nein, es gibt keine Fotos von spielenden kleinen Menschen vor dem Infostand!


    Klose mit einem tollen gebastelten schwarzen Stern

    Angestoßen und organisiert wurde die Veranstaltung maßgeblich von Dr. Joachim Klose, Landesbeauftragter der KAS Sachsen. Er habe die mitorganisierenden Studierenden gefragt, was die Schüler*innen interessieren könnte – so sei das Thema zustande gekommen. Seine Meinung in Kurzform: Es ist interessant, sich mit dem Thema Anarchie zu beschäftigen, um mehr über unsere Gesellschaft und uns selbst zu erfahren, allerdings ist Anarchie eine Utopie, die vermutlich nie erreicht wird. Wahrscheinlich deshalb wurde nie wirklich konkret über Anarchie und Umsetzungsmöglichkeiten/-ansätze gesprochen, stattdessen aber über verschiedene Gesellschaftsmodelle oder ganz allgemein z.B. über Macht. Das ist vielleicht interessant, geht aber am Thema vorbei. Es war anstrengend, bei Handlungen immer zwei Möglichkeiten einzubeziehen: Entweder ist er ganz okay, will niemanden ideologisch beeinflussen und interessiert sich einfach persönlich für das Thema – einige seiner Beteuerungen klangen glaubwürdig, er wirkte nicht so KAS-aalglatt-abgebrüht. Oder er verarscht dich. Im Zweifelsfall – und Zweifel waren hier nun wirklich berechtigt – wollte ich mich lieber auf die Seite derer schlagen, die nicht die Macht haben, ein Mikro an- oder auszuschalten. Die nicht am zweiten Tag plötzlich im Anzug erscheinen, vielleicht, weil ihre Autorität am ersten Tag nicht ausgereicht hat.
    Die Referent*innen waren oft recht interessant und differenziert – einige ursprünglich Angekündigte hatten anscheinend noch abgesagt. Nur der letzte(!) Vortrag kam zu dem Schluss, dass die Demokratie das Ende der Geschichte sei, was aber ziemlichen Widerspruch nach sich zog.
    Erstaunlich viele der ca. 60 Teilnehmer*innen waren „auf unserer Seite“ und einige erstaunlich reflektiert. Die Minderheit bildeten Vorzeige-Demokrat*innen und JU-artig-Argumentierende („Aber wo bleibt da die Effizienz? Wie sollen wir da noch konkurrenzfähig sein…“), die mit ihren Statements meist für Aufregung oder Belustigung sorgten.
    Einige unserer Vorbereitungsgruppe „outeten“ sich gleich als Pro-Anarchas, die ihre Position zum KAS-Programm klarmachten und auf den Infostand sowie Parallelveranstaltungen hinwiesen (es gab z.B. alternativ zum KAS-„Animal Farm“-Gucken einen gemütlichen Filmabend in einem Hausprojekt). Sie wurden beklatscht!


    Infostand vor der Veranstaltung

    Irgendwann drang die Info hinein, die Polizei verlange draußen, den Stand ein paar Meter weiterzurücken – angeblich, „weil die KAS den da nicht haben wolle“. Das wurde natürlich sofort im Plenum angesprochen, obwohl gerade ein Vortrag gehalten wurde. Der betroffene Referent schien gar nicht sonderlich verärgert über die Unterbrechung, wohl aber die KAS-Organisator*innen. Später bezeichnete Klose das sofortige Thematisieren ohne vorherige Rücksprache mit ihm als „unfair“, denn niemand von der KAS hätte die Polizei angefordert. Ironischer Kommentar einer Schülerin: „Aber wo kommen wir denn da hin, wenn wir nicht mal mehr den Aussagen der Polizei vertrauen können?“ Weiterhin „unfair“ fand er das Sensibilisieren für hierarchische Diskussionskultur und Kulturelle Grammatik – zum einen auf kleinen herumgegebenen Zettelchen und außerdem durch Fragen wie „Warum stehen Sie eigentlich (als einziger) noch, wenn Sie doch auf Augenhöhe diskutieren wollen?“. Das hätte mensch „extern“ mit ihm klären sollen, nicht vor der Gruppe. Denn genau das sei die Machtausübung, die „wir“ so verteufelten. (Er jedoch diskreditierte „uns“ selbst ständig „vor der Gruppe“). Ich kam für mich selbst zu dem Schluss, dass in diesem von vornherein hierarchischen Rahmen andere Prinzipien gelten als für eine gleichberechtigte Kommunikation und das Vorgehen deshalb gerechtfertigt, vielleicht nötig war.

    Lustig war die Durchführung der „Fishbowl-Diskussion“ – der einzigen nicht-frontalen Diskussionsform des gesamten Symposiums. Eigentlich. Die Überschrift der Powerpoint-Präsentation lautete „Fish-Bowle“ – schon mal ein guter Einstieg. Wir wurden in vier Gruppen aufgeteilt (Anarchie, Barbarei, Demokratie, Diktatur), die in der Diskussion wie Fraktionen angeordnet saßen. Vorn war ein Tisch mit je einer redenden Person pro Fraktion (ein*e gewählte*r Fraktionsvorsitzende*r sollte jeweils taktisch klug entscheiden, wer jetzt reden darf, wer wann „ins Rennen geschickt wird“). Außerdem saß in der Mitte Herr Klose als Moderator, wirkte aber eher als Fragensteller. Unglaublich, zu was eine „Fishbowl“, die vom freien Austausch der Redner*innen und dem Abbau von Rede-Hierarchien lebt, gemacht werden kann.


    Der Büchertisch aus der Nähe – wenn Anarchie gleichbedeutend mit Faustrecht ist, warum gibt es dann so viele Bücher darüber?

    Die öffentliche Podiumsdiskussion mit Ex-Innenminister Baum und Ex-RAF-Terrorist Jünschke, moderiert von Klose: Was habe ich mir vorher den Kopf zerbrochen, wie ich mich dort verhalten will. Am Ende waren alle Grübeleien umsonst, denn ein ziemlich angetrunkener, völlig unbekannter Mensch (der sich wohl selbst als Anarchist bezeichnete) riss die Situation an sich. Er brüllte einfach irgendwas, sollte wegen Störung rausfliegen, der „linke Block“ (tatsächlich auch blockartig sitzend) solidarisierte sich natürlich und fing auch an zu brüllen, er solle wieder hereingeholt werden. Fand ich persönlich blöd, weil so genau das „Störer*innen-Image“ bestätigt wurde, das wir versucht hatten, zu vermeiden. Außerdem hörte niemensch mehr wirklich Leuten zu, die kritische Fragen stellen wollten. Die erschienenen „Normalbürger*innen“ versuchten, die Situation zu beruhigen. Dem Hinweis, wir müssten uns ja dieser hierarchischen Diskussionsform nicht aussetzen, wir könnten ja gehen, wenn wir wollten, konnte auch niemensch so recht etwas entgegnen. Es endete damit, dass der unbekannte „Anarchist“ auf die Bühne ging, sich selbstbewusst ans Redner*innenpult stellte und Dinge von sich gab wie „Jetz habe ich, öh…viele Fragen gehört, und… ich werde euch vv…viele Antworten geben.“ Die Hälfte des Saals brüllte vor Lachen, die andere Hälfte versuchte verwirrt, den Tumult wieder in irgendwelche Bahnen zu lenken. Wenn das verstecktes Theater gewesen wäre (wer weiß?) – ich hätte es als die Aktion des Jahres bezeichnet… Angesichts dessen war ich dann doch zufrieden mit dem Verlauf, denn so war die Veranstaltung sicher nicht geplant gewesen. Wegen des Aufruhrs wurden Baum noch einige reaktionäre Äußerungen entlockt, die er sich zuvor verkniffen hatte. Klose am Ende: „So sähe also unsere Welt wohl aus, wenn Anarchie herrschen würde“. Bingo.

    Die einzige wirklich offensive Aktion waren zwei Fakes: Im ersten bejubelte die KAS (mit einem Kreis um das Logo-„A“) die Anarchie. Dieses wurde ausgelegt und war nach wenigen Minuten weg. Vermutlich hatte niemensch außer den KAS-Leuten solch einen Zettel abbekommen, jedoch war Klose so aufgeregt, dass er den Schüler*innen den Text vorlas – besser ging es ja nicht. Jedoch fanden auch ziemlich viele Schülis die Aktion blöd – Kloses ständiger Vorwurf „Ihr seid ja schon voreingenommen hergekommen“ zog anscheinend bei ihnen. Allerdings war das erste Fake auch absichtlich platt, weil klar war, dass ein Zweites dazugehört. Sollten wir das auch noch raushauen, oder würden wir dann die Schülis „verlieren“? Als Klose dann jedoch am nächsten Morgen den Verfassungsschutz zur Wortergreifungsstrategie der NPD zitierte und sagte, dass „einige hier im Raum wohl ähnliche Methoden“ anwendeten, war klar: So etwas kommt heraus, wenn mensch sich auf seine „vernünftige Diskussion“ einlässt. Das zweite Fake stellte klar, das erste sei ein Fake gewesen, argumentierte im Namen der KAS schlecht gegen anarchistische Ideen und erklärte, warum sie eigentlich wirklich dieses Symposium organisiert hatte.
    Der aufgelöste Klose sorgte kurz für unterdrücktes Lachen, als er am selben Tag meinte, das BKA wüsste schon, wer es gewesen sei, aber er könne vielleicht von einer Anzeige absehen, sofern sich die Täter*in(nen) stellte(n). Obwohl sie dies nicht mal gehört hatte, meldete sich unverständlicherweise in der Abschlussrunde eine Person und sagte, sie sei an der Fake-Aktion beteiligt gewesen. Sie hätte das getan aus der Befürchtung heraus, die KAS würde versuchen, zu manipulieren – dies habe sich aber nun gar nicht bestätigt. Also eine indirekte Entschuldigung für die „Vorurteile“. Schade (vor kurzem habe ich dazu noch „Scheiße“ gesagt). So wurde eine gelungene Aktion durch Auflösen ihrer größten Stärke: der Anonymität und des Nicht-Einordnen-Könnens, noch im Nachhinein ihrer Kraft, ihres Bisses beraubt. Und die KAS konnte beruhigt nach Hause gehen, weil sie (sogar von „den“ Kritiker*innen!) am Ende Recht bekommen hat. Vielleicht nicht ganz beruhigt.


    Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Jünschke, Klose, Baum

    Nach diesem Wochenende schien niemensch mehr die Kraft zu haben, die Sache auszuwerten, obwohl das einigen wichtig war. Ich weiß bis heute von den meisten nicht, wie sie ihre (oder „unsere“) Rolle dort rückblickend betrachten oder bewerten. Und nun stecken fast alle bei der KAS Aktiven schon wieder tief in der Organisation der Libertären Tage (1.-8.Mai). Für mich war es aufgrund der vielen inneren Widersprüche sehr anstrengend. Begebe ich mich in diesen Raum, diskutiere ich mit, um „Inhalte zu transportieren“, füge mich aber damit dem gesetzten, vorgegebenen Rahmen (auch wenn ich ihn „von innen heraus“ kritisiere, ihn sogar damit noch verfeinere)? Oder störe oder sprenge ich die Veranstaltung, wobei ich aber das Risiko eingehe, die Sympathien der unentschlossenen Schüler*innen zu verspielen und sie so der KAS noch gefügiger/formbarer zu machen? Ist es albern, (wegen eventueller Missbilligung anderer) Dinge sein zu lassen – weil dann ja „der Dialog gefährdet“ wäre? Zumindest hat mich eine solche Haltung schon bei anderen Anlässen oft aufgeregt… Oder ist es vielleicht andersherum albern, auf Sympathien zu scheißen, um politisch korrekt zu handeln? „Kompromiss“ ist eines der hässlichsten Worte, die ich kenne.

    Im Nachhinein überwiegen aber die positiven Wirkungen und Eindrücke. Es konnten viele Inhalte eingebracht sowie Diskussionsthemen auf die Tagesordnung gesetzt werden. Vor allem aber haben „wir“ vermutlich zu einem Klima beigetragen, in dem vieles reflektiert und hinterfragt wurde und in dem die Schüler*innen Rückhalt spürten für Pro-Argumente. Egal, ob Einschüchterung oder Beeinflussung nun geplant war oder nicht – hier hat das jedenfalls nicht geklappt. Schüler*innen äußerten sich später, sie hätten keine Manipulation wahrgenommen, es wären viele verschiedene Meinungen gleichberechtigt diskutiert worden. Vielleicht wäre das auch ohne „uns“ so gewesen, vielleicht auch nicht. Schön zu sehen war jedenfalls, dass mit der Zeit Nachhaken oder Widerspruch fast selbstverständlich wurde und nicht mehr von uns, den „Störer*innen“, kommen musste. Am letzten Tag gab es draußen ein Vernetzungstreffen und es gründete sich sogar noch eine Schüler*innenzeitung, die voraussichtlich schon im Mai zum ersten Mal erscheinen wird.


    Schüler*innen vernetzen sich!

    Es war ein hochinteressanter Versuch, einer so noch nicht dagewesenen Veranstaltung entgegenzutreten (und lustig allemal), aber da geht noch mehr! Solche Veranstaltungen können, wenn Menschen für sich keine oder nur unbefriedigende Handlungsoptionen sehen, leicht ein Klima der Ohnmacht schaffen bzw. reproduzieren.
    Zumal sich Derartiges in Zukunft vermutlich wiederholen wird (das wäre ja eigentlich ein gutes Zeichen), ist es mein Wunsch, dass u.a. dieser Artikel zur weiteren Diskussion darüber anregt, wie mit so etwas umgegangen werden kann.

    Zum Abschluss: Ein schönes Kompliment war vermutlich gar nicht als solches gemeint, aber das will ich gar nicht wissen. O-Ton eines*r Schüler*in: „Beschäftigst du dich überhaupt mit anarchistischen Theoretiker*innen? Naja… ich hab‘ das Gefühl, du LEBST das einfach“. Danke!

    L44 in Finsterwalde steht vor dem Bagger

    Abriss des Alternativen Treffpunks L44 in Finsterwalde
    l44
    Die L44 ist ein linker Treffpunkt in Finsterwalde. Jeder war und ist dort willkommen viele haben dort Unterschlupf bekommen oder nette Partys mit gefeiert. Wo auch gerne Menschen aus anderen Städten zu Besuch kommen. Die L44, vielleicht sogar bei euch bekannt gibt es jetzt seit 2004. Nun ist der Tag gekommen der Mietvertrag der bis September eigentlich noch geht, wird nicht verlängert. Das Haus wurde verkauft an jemanden und der Käufer wird nicht öffentlich gemacht. Es wurde bis jetzt auch nur ein Ersatz Haus zur Verfügung gestellt was aber nur eine kurzfristige Lösung wär, weil dies auch bald wegen einer Umgehungsstraße abgerissen wird. Der neue Besitzer der Leipziger Straße 44 hat gestern begonnen das Seitenhaus abzureißen. Heute ist uns zu Ohren gekommen das alles bis Anfang Juni raus soll, weil sie dann das Haupthaus auch abreißen wollen und unser Mietvertrag geht noch bis September, diesen umgehen sie einfach. Es ist wieder ein Freiraum mehr der uns weg genommen wird. Es gibt in Finsterwalde noch ein ehemaliges Besetztes Haus in dem immer noch eine Linke WG drinnen wohnt diese werden auch gebeten sich nach etwas anderem umzusehen da auch dieses Haus renoviert werden soll. Auf dem Platz der L44 soll ein schönes neues Designerhaus errichtet werden und dafür muss ein schönes Ziegelsteinhaus weichen. Es werden die zwei letzten Freiräume in Finsterwalde genommen und wir müssen dafür kämpfen dass diese erhalten bleiben!

    one struggle one fight Leipzigerstraße 44 bleibt!

    von indymedia

    Café Negation zum Thema (Anti-)Knast

    Nach den auch von Repression stark betroffenen libertären Tagen findet diesen Sonntag das monatliche Café Négation zum Thema Antiknast statt.
    Die Dresdner Antiknast Gruppe wird sich und eine bald erscheinende Bröschüre vorstellen und auf Themen wie Repression, Gefangensoli und kritische Auseinandersetzung mit Antknastarbeit eingehen.
    Wie immer gibt es veganen Kuchen, der auch selbst gerne mitgebracht werden darf, und dazu feinsten Fair Trade Café.
    antiknast

    Hausbesetzung auf der Liststraße

    Wie auf Indymedia zu lesen ist, findet in diesem Augenblick eine Hausbesetzung in der Liststraße statt:

    Aus aktuellem Anlass wird das für heute angekündigte Freiraum-Straßenfest auf die Liststraße 7 verlegt. Wie wir soeben erfahren haben, wurde dort ein Gelände mit Haus besetzt. Um die Besetzer_innen zu unterstützen wird das Programm des Straßenfestes auf dem dortigen Gelände stattfinden.
    Kommt vorbei und feiert mit, für Verpflegung wird gesorgt werden, Eigeninitiative ist erwünscht.

    PS: Die Liststraße 7 befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Haltestelle Listplatz.

    Anwohner_innen-Flyer

    Was ist denn hier los?!

    Liebe_r Anwohner_in, liebe_r Interessierte_r,

    wenn du diesen Zettel in der Hand hältst fragst du dich sicherlich, was hier eigentlich gerade passiert. Vielleicht bist du zufällig hier vorbeigelaufen, vielleicht bist du Nachbar_in, vielleicht hast du aber
    auch von Freunden und Freundinnen davon gehört, dass hier ein Straßenfest und eine Hausbesetzung stattfindet. Ja genau, eine Hausbesetzung! Dieses schöne und gut erhaltene, leerstehende Haus
    mit weiträumigem Außengelände auf der Liststraße soll nicht länger dem Verfall überlassen werden. Deswegen hat sich eine Gruppe aktiver Menschen zusammengetan um dieses Objekt wieder zu beleben. In Dresden gibt es nicht viele kulturelle Angebote jenseits von Disco und Shoppingpalast in der Innenstadt. Wir wollen alternative Lebensräume, frei von kapitalistischer Verwertungslogik, Konsumfetischismus und staatlicher Kontrolle.
    Dieses Gelände bietet so viel Platz und Möglichkeiten. Wir stellen uns da beispielsweise Dinge wie Werkstätten, einen kulturellen Veranstaltungsraum, ein Nachbarschaftscafe, Büro- oder Plenaräume,
    einen Infoladen, einen Umsonstladen oder einfach einen Ort zu bezahlbaren Wohnen vor.
    Eine Hausbesetzung ist in diesem Zusammenhang die einzige Möglichkeit diesem gezielten Verfall von Immobilien, welche nur als reines Spekulationsobjekt behandelt werden, entgegenzuwirken.
    Dieses Objekt soll wieder nutzbar gemacht werden für alle interessierten Menschen, die nicht zufrieden sind mit der aktuellen Stadtentwicklung, die sich nicht damit abfinden wollen, dass sozio-
    kulturelle und politische Angebote nur dort entstehen, wo unsere Stadtregierung zahlungskräftige Anwohner_innen wittert. Statt immer mehr Einkaufszentren, Supermärkten und S-Bahn Stationen wollen wir Freiräume schaffen, alternative, herrschaftskritische Lebensentwürfe realisieren und das alles ohne die
    Stadt dafür anzubetteln.
    Wir laden euch ein uns kennen zu lernen, mit uns zu diskutieren und euer Lebensumfeldbewusst und aktiv zu gestalten!

    - die neuen Nachbar_innen