Archiv für Juni 2010

Termine und Werbung

nummereins:

Aus den Bildungsprotesten und rund um die Besetzung des Pothoff Baus an der TU Dresden entstanden, lädt die AG Meer nach Wochen der Lektüre, Diskussionen und Ideen zu einem geheimnissvollen Gründungstreffen.


Dienstag 19Uhr AZ Conni.

nummerzwei:

Mittwoch lädt die Antifa Hochschulgruppe Dresden zu einer Lesung von und mit Bini Adamczak’s Buch ‚Gestern Morgen‘, bei der es um Retroperspektive und Zukunft des Kommunismus gehen soll.
Mittwoch, 30.6. um 16.40 Uhr im Hörsaalzentrum der TU DD im Raum E05

nummerdrei

Donnerstag schließlich heißt das Problem Rassismus. Verschiedene Antifaschistische Gruppen laden zur Gedenkveranstaltung und Antifa Demo anlässlich des einjährigen Todestages von Marwa El-Sherbini.
Um den Aufruf zu lesen und für weitere Hintergrundinfos schaut auf die Seite des AK Antifa oder der Antifa Hochschulgruppe
1. Juli 2010, 18 Uhr // Dr.-Külz-Ring – Rathaus Dresden

Kommentar zur „Mehr Wert“-Demo am 16.06.

Aufgrund angekündigter Kürzungen von über 1,7 Milliarden Euro im Sächsischen Landeshaushalt demonstrierten am 16.06. ca. 10 000 Menschen in Dresden. Wir hatten uns auf anarchia schon im Vorfeld kritisch zur Zusammensetzung des aufrufenden Bündnisses geäußert. Hier ein paar weitere Anmerkungen zur Demonstration.

Natürlich ist es positiv, wenn sich im sonst so politik-trägen Sachsen 10 000 Menschen auf einer Demonstration zusammen finden, um gegen soziale Ungerechtigkeiten und die Auswirkungen des Kapitalismus zu demonstrieren. Beachtlich ist diese Zahl auch, wenn mensch bedenkt, dass der überwiegende Teil des linksradikalen Spektrums aufgrund der Beteiligung der GDP (Gewerkschaft der Polizei) der Veranstaltung fern blieb. Das ein solch breiter Protest auch inhaltlich großes Potential gehabt hätte ist nicht von der Hand zu weisen, die Chance wurde von Seiten der Veranstalter*innen, wohl auch mangels eigener kritischer Analysen der wirtschaftlichen Situation, jedoch völlig verspielt.

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Partynationalismus und Zombideutsche

Wer keinen fernseher besitzt, konnte dem nationalen trubel um ‚wir sind lena‘ nach dem european song contest sieg noch ganz gut aus dem weg gehn. allerdings taten sich auch da schon abgründe auf und in einem kommentar in der taz wurde sich gefreut, dass mann nicht antideutsch sei, und sich deshalb ohne schlechtes gewissen deutschland hingeben könne. doch so langsam wird es unübersehbar:
Männerfußballweltmeisterschaft.
rkf
[wm gefeier auf deutsch gibts jetzt auch als autofahne]
wer nicht mitfeiern will beim nationalen fußballtaumel, der wird als ewiger nögler abgestempelt, wie die in linken kreisen bekannte band die bandbreite in ihrem deutschland bollertechno lied beweist.
Der marginale widerstand gegen die deutschlandfahnen schwenkenden horden kann kaum erfolgreich sein, angesichts der tatsache, dass selbst an der tu dresden massenweise deutschlandfähnchen von werbeunternehmen verschenkt werden und die nationalen burschis per flyer zum deutschlandspiele schauen einladen, um dort die nation abzufeiern.

alles in allem bleibt mir nur noch zu sagen:
Die nacht der lebenden (fußball-) idioten steht bevor…
Es gibt viele deutsche Sprichwörter, aber die meisten haben mit Völkermord zu tun.
(zitat klaus, aus der serie american dad)


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DD: Heute Podiumsdiskussion zum Fortgang der BRN

Es mutet zwar ein wenig merkwürdig an, wenn so kontrovers diskutierte Figuren des Neustadtlebens wie Magnus Hecht (Scheune e.V.), Stefan Schulz (Katy’s Garage u. a.) und Torsten Preuß zu einer, der Ankündigung nach, kommerzialisierungskritischen Podiumsdiskussion einladen. Böse Zungen würden vielleicht sogar sagen, da hat mensch schon einen Großteil der Neustadt-Mafia versammelt und die Tatsache, dass die ganze Veranstaltung auch noch in der Scheune, dem umzäumten und und gefilmten Ex-Domizil vieler Neustädter_innen stattfindet setze dem ganzen noch die Krone auf. Nun ja, Fakt ist eine öffentliche Debatte um die Zukunft der BRN ist dringend notwendig, deshalb kann mensch heute Abend um 18:30 Uhr nur auf rege und kritische Beteiligung hoffen. Die originale Ankündigung findet ihr hier.

Vielleicht lässt sich ja für nächstes Jahr ein Ständeverbot für externe Gewerbe, eine Aufhebung der Nachtruhe und der Anmeldepflicht, ja sogar mal wieder ein Hausverbot für Uniformierte durchsetzen? Wer weiß…

Dresden: Am 17. Juni Neonaziaufmarsch verhindern!

Treffpunkt zu Gegenaktivitäten: Donnerstag, 17. Juni 2010, 17:00 Uhr, Postplatz

Für die Gegenproteste gibt es einen gemeinsamen Aufruf Dresdner AntifaschistInnen:

Aufruf zur Gegenkundgebung auf dem Postplatz

Am Abend des 17. Juni wollen wir entschlossen und kreativ gegen den geplanten Neonaziaufmarsch auf dem Postplatz in Dresden vorgehen.

Regionale Neonazis wollen dort unter dem Motto „Damals wie heute: Alle Macht dem Volke!“ anlässlich des Arbeiteraufstands von 1953 demonstrieren. Dazu wird nicht nur in den Kreisen des NPD KV Dresden mobilisiert, sondern auch im regionalen Spektrum der so genannten „Freien Kräfte“.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass sich am Postplatz neben den altbekannten NPD-Kadern und -AktivistInnen auch eine Vielzahl der militanten und gewalttätigen Dresdner Neonazis einfinden werden.

Ein so genannter „Dresdner Aktionskreis 17. Juni 1953″ ruft zu der Veranstaltung auf. In der üblichen neonazistischen Manier versuchen sie den Aufstand von 1953 heute in ihre ideologischen Denkmuster zu integrieren und hier eine Brücke zu schlagen zu aktuellen sozialen Mißständen und der vermeintlichen Unterdrückung sowie Unterversorgung des „deutschen Volkes“.

Wir sind nicht willens, Neonazis unter welchem Motto auch immer, demonstrieren zu lassen. Daher rufen wir dazu auf, am 17. Juni gegen den Neonazi-Aufmarsch zu demonstrieren.
Dabei teilen wir den Aktionskonsens, mit dem schon zum 13. Februar der Neonazi-Großaufmarsch verhindert werden konnte. „Von uns wird keine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, den Naziaufmarsch zu verhindern.“

Die Neonazis wollen sich um 18.30 Uhr an der Panzerkette auf dem Postplatz treffen und um 19 Uhr beginnen.

Schon um 17 Uhr treffen wir uns zur Kundgebung auf dem Postplatz.

Damals wie heute: (Neo-)Nazis bieten keine Alternativen!
Immer: Neonazis entschlossen entgegentreten!

AK Antifa Dresden, Gruppe Antifa Dresden, Dresdner Teil des Bündnis „Nazifrei – Dresden stellt sich quer“, antifaschistische Einzelpersonen

PS: Achtet darauf, dass die Neonazis auch in kleineren Gruppen durch die Innenstadt zu ihrem Treffpunkt gehen werden.

Dresden: Demo gegen staatliche Kürzungen am 16.06.

Morgen werden voraussichtlich tausende Menschen gegen die geplanten Kürzungen von 1,7 Milliarden Euro im Landeshaushalt Sachsens demonstrieren. Zu dieser Protestveranstaltung ruft das Bündnis Mehr Wert auf, an dem sich unter anderem leider auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) beteiligt. Trotz dieses fragwürdigen Bündnisses, mit jenen die sonst auf Befehl gerne jeden Protest gegen soziale Ungerechtigkeit ersticken, halten es verschiedene Menschen mit libertärem Weltbild für wichtig, sich mit eigenen Positionen an dem Protest zu beteiligen. Für diejenigen, denen es ähnlich geht, stellen wir eine Flugblatt-Vorlage für den morgigen Tag zur Verfügung: Kürzungen wirksam entgegen treten ODT-Version bzw. PDF-Version.

Der Demonstrationszug gegen Hochschulkürzungen trifft sich 13:00 Uhr am Friedrich-List-Platz (Nähe Hbf. bzw. HTW Dresden), gegen Kürzungen im Jugend- und Sozialbereich erscheint um 15 Uhr an der Sarrasanistraße und um der GdP deutlich zu machen, dass wir für sinnlose Räumungen und neue Schlagstöcke keinen Cent investieren sollten seit ihr eine Stunde später am selben Treffpunkt genau richtig.

FAU Berlin gewinnt Prozess um Gewerkschaftsfreiheit

Quelle: FAU und LPA

Vor dem Kammergericht Berlin wurde heute die Einstweilige Verfügung zum de-facto-Verbot gegen die FAU Berlin aufgehoben. Infolgedessen darf sich die Gewerkschaft auch wieder als solche bezeichnen.

Richter Neuhaus betonte dabei die Wichtigkeit der Meinungsfreiheit als Grundrecht. Er stellte in Frage, ob das Kino Babylon als Klägerin überhaupt zu nachweisbarem Schaden gekommen sei, als die FAU im Betrieb als Gewerkschaft auftrat. Die Frage der Tariffähigkeit spiele dabei keine Rolle.

Im Dezember 2009 hatte die Geschäftsführung der FAU Berlin per Einstweiliger Verfügung verbieten lassen, sich Gewerkschaft oder Basisgewerkschaft zu nennen. Die Berliner FAU, als stärkste Gewerkschaft im Betrieb, hatte zuvor einen Haustarifvertrag zur Verhandlung vorgelegt.

„Wir sind glücklich, dass es nicht gelungen ist, die stärkste und aktivste Gewerkschaft aus dem Kino zu verbannen. Das Urteil ermöglicht es kämpferischen Gewerkschaften, aktiv zu sein. Es hat außerdem gezeigt, dass das Mittel der Einstweiligen Verfügung nicht ausreichen darf, um einen Arbeitskampf lahmzulegen“, kommentiert Lars Röhm, Allgemeiner Sekretär der FAU Berlin.

Die Freie ArbeiterInnenunion (FAU) ist eine anarchosyndikalistische Basisgewerkschaft, die für eine kämpferische Betriebsarbeit von unten eintritt.

Pressemappe: FAU-Berlin Verbotsferfahren 10.6.2010

Damit sich Kritik wieder lohnt – das erste anarchia-Gewinnspiel

Es tut sich was auf anarchia; Zum einen haben wir freundliche Unterstützung des Magazins „Streifzüge“ erhalten und werden euch ab jetzt jeden Monat mit einem aktuellen Artikel dieses lesenswerten Magazines beglücken, wobei wir auf rege Diskussion hoffen. Zum anderen geht das Projekt „anarchia dresden“ wacker auf seinen zweiten Geburtstag (14. August) zu. Damit einher geht auch ein Umbau unserer Seite, den ihr in den nächsten Wochen hoffentlich positiv bemerken werdet. Um diese beiden Umstände ein wenig zu feieren und ein kleines Resümee ziehen zu können möchten wir alle Leser*innen dazu auffordern uns ein kleines Fazit zu schreiben.

Uns würde interessieren, wie ihr das Layout, die Text- und Themenauswahl empfindet, was ihr an dem Projekt mögt, wie ihr die Möglichkeiten zur Gestaltung empfindet und was ihr euch wünscht. Aus diesem Input werden wir dann (hoffentlich) neue Impulse für ein weiteres Jahr anarchia mitnehmen können. Als besonderes Schmankerl verlosen wir unter allen inhaltlichen Einsendungen insgesamt 25 verschiedene Ausgaben der Streifzüge.

Wir freuen uns auf eure Meinung, schreibt einfach eine Email an anarchiadd [at] riseup [.] net mit dem Betreff „Bürgerbeteiligung“, Einsendeschluss ist der 20 Juli. Bei der Verlosung hilft die kritische Buchhandlung König Kurt.

Schulstreik

Am Mittwoch dem 09.06. ist wieder bundesweiter Bildungsstreik. Überregional wird es, wie auch schon in den Vorjahren, etliche dezentrale Aktionen und Demonstrationen geben. Auch in Dresden. Die Schüler_Innenvernetzung Dresden ruft dafür zu einem Schulstreik auf und mobilisiert zu einer Demonstration auf dem Albertplatz. Unter dem Motto “ Ein anderes Lernen ist möglich“ beginnt die Demonstration 12 Uhr und wird dann 13 Uhr starten.
Ziel ist es, den Unmut über das bestehende Bildungssystem zu äußern, Laut und kraftvoll den Protest aus den letzten Jahren weiter zu tragen und eine so dringend notwendige Veränderung herbeizuführen.

Ob Stundent_Inn, Schüler_In, Lehrer_In, oder Arbeitnehmer_In Bildung geht uns alle etwas an.
Deshalb: Am 9. Juni hinaus aus Schule, Uni oder Arbeit und den Protest auf die Straße tragen!
Seid bunt, laut und unkonform!

Demonstration:
„Ein anderes Lernen ist möglich“
12 Uhr Albertplatz

Freievereinbarungdresden.blogsport.de

Friedensbewegte Antisemiten

In der Nacht des 31.Mai kam es zwischen einer israelischen Spezialeinheit und Aktivist_innen der sogenannten Free-Gaza-Solidaritätsflotte zu heftigen Auseinadersetzungen bei denen mindestens 10 Menschen starben und etliche verletzt wurden.
idf
[Soldaten entern das Schiff]
Die Weltöffentlichkeit reagierte bis jetzt einstimmig mit heftiger Kritik am Vorgehen Israels und die üblichen Verdächtigen demonstrieren dieser Tage in ganz Europa gegen den vermeintlichen zionistischen Mörderstaat.
Kritik an den Friedensaktivist_innen ist dabei jedoch kaum zu hören, obwohl deren Crew teilweise aus ranghohen Terroristen der Hamas und ähnlichen Antisemiten bestand, wie Lizas Welt sehr gut herausgearbeitet hat. Das Wörtchen Verhältnissmäßikeit ist überaus oft zu vernehmen und die Rede von einem Massaker findet besonders der türkische Präsident scheinbar sehr zutreffend. Dass die friedensbewegten Schifffahrer_innen jedoch mit Waffen auf die eintreffenden Soldaten einschlugen und schossen, wie ein Video mit Waffenfunden der IDF beweist, lässt bei mir die Frage nach ganz bewusst in Kauf genommen ‚Koliteralschäden‘ und Märtyrertum aufkommen.
Eine andere Tatsache sind jedoch die unglaublich einseitige und konsequent antiisraelische Hetze und die Aufmärsche in ganz Europa, welche unter einem ‚linken‘ Label laufen und dermaßen von offen nach aussen getragenem Antisemitismus erfüllt sind. Hinzu kommt, dass der innerisraelische Diskurs, welcher sehr wohl kontrovers ist, kaum Beachtung findet.
istanbul
[Israelkritik in Istanbul]
Wer sich also mit Antisemiten, Islamisten und anderen regressiven Strömungen solidarisiert und dies dann auch noch als legitime ‚Israelkritik‘ tarnt, verhindert eine objektive Aufarbeitung der Geschehnisse auf der vermeintlichen Friedensflotte.

Fremder. Gastfreund. Feind

Ab dieser Woche arbeiten wir mit dem Magazin Streifzüge zusammen und stellen jeden Monat einen spannenden Artikel zur Diskussion. Der folgende Text ist der aktuellen Ausgabe zum Thema „Freundschaft“ entnommen. Diese und die nächsten Nummern der Monatsstreitschrift (zu den Themen Staat, Fremd, Gutes Leben) erhaltet ihr natürlich im Buchladen Koenig Kurt und als Leseexemplar im Infoladen.

Verstehen als Vernichtung des Anderen

Streifzüge 48/2010 / von Marianne Gronemeyer, Vortragsmanuskript Linz 2003, gekürzt

Ich beginne mit dem merkwürdig schillernden und in seiner Herkunft äußerst zwiespältigen deutschen Wort Gast. Vom Gast nehmen wir normalerweise an, dass er der gern gesehene ist, der, den wir geladen haben, auf den wir vorbereitet sind, dessen Erscheinen zu einem Fest wird. Aber dieser Gast fordert ja meine Gastfreundschaft nicht heraus. Die wird vielmehr erst auf die Probe gestellt, wenn der unliebsame Gast auf der Türschwelle steht und Einlass begehrt. Vielleicht bittet er nicht einmal darum, sondern ist nur einfach da und sein bloßer Anblick enthält die Aufforderung, ihm Einlass zu gewähren. Vielleicht empfinde ich ihn nur als störend, er beansprucht meine Zeit und meine Aufmerksamkeit, die ich anderen Dingen zuwenden wollte, er schafft mir Ungelegenheit, Unbequemlichkeit, unterbricht das gutgeordnete Ganze eines gewohnten Tageslaufs.

Womöglich macht er mir aber auch Angst. Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nichts von ihm. Vielleicht ist es ihm gar nicht um Gastfreundschaft zu tun. Vielleicht will er ganz anderes als ein Lager, eine Kerze und ein Stück Brot, jene Utensilien, die, wie Ivan Illich schreibt, einmal in jedem christlichen Haus bereitgehalten wurden für den unverhofften Ankömmling. Vielleicht hat er es auf mein ganzes Hab und Gut abgesehen und seine Bedürftigkeit ist eine betrügerische Verkleidung. Die vielen „Vielleichts“, Inbegriff der Unwägbarkeit, machen das ganze Unbehagen fühlbar.

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Hurra wir protestieren!

Die Universitäten sind seit jeher als der Ort kritischen Denkens überhaupt bekannt. Als neuer Höhepunkt des Protests gegen die Zustände an der TU/den Hochschulen wird ein Opencampus veranstaltet. Hinter dem Hörsaalzentrum, wo sonst die Bonding Firmenkontaktmesse ihre Zelte aufschlägt, haben wackere Aktivisten ein Zirkuszelt errichtet. Hier schlägt das Herz des Widerstands. – So weit die Theorie.

Open Campus

Machen wir eine Bestandsaufnahme. Das Zelt lässt sich auf den beidseitigen Fußwegen gut umlaufen. Das tun täglich tausende Studenten auf dem Weg zu ihren Seminaren und Vorlesungen. Ob Vattenfall, Bonding oder Opencampus wen interessiert das schon. Im Zelt organisieren um die zehn Leute Essen und Trinken, Veranstaltungen, Workshops, etc.. Der Space erscheint sehr open um nicht zu sagen leer. Warum soll ein Student irgendwo hingehen, wo es weder Würste noch Freibier gibt? Außerdem ist das Programm dünn. 15 Menschen auf einer Veranstaltung, 5 bei einem Workshop. Es ist wie es ist. Was soll man darüber reden? Filmauschnitte vom Bildungsstreik laufen auf einer Leinwand. Es gibt auch ein Transparent für die Ausfinanzierung von Studienplätzen. Mehr Input kann man lange suchen. Das einzige was in die Hände fällt, sind ein paar „Was tun wenn’s brennt?“ Hefte und Flyer für eine Demonstration gegen Kürzungen im sozialen Bereich. Es brennt hier nirgendwo, sondern regnet. Der Demoflyer offenbart uns, dass nun wohl auch die Polizei zum Teil des sozialen Bereichs geworden ist. Alle brauchen mehr Geld – so ist das eben in der Krise.

Abends ist eine Podiumsdiskussion mit Landtagsabgeordneten der verschiedenen Fraktionen angekündigt. „Zukunft der Hochschule“ lautet das Thema. Aus dem Podium wird ein Stuhlkreis. Etwas mehr Studenten als Abgeordnete sind erschienen. Beide Seiten sitzen sich gegenüber. Die eine Seite darf reden, die andere nicht. Es geht um Geld. Abbau von 1300 Stellen an den Universitäten. Erhöhung des Bafög um 3-5%. Ich habe ausgerechnet, dass das 15€ mehr im Monat für den Höchstsatz wären. Die Parteien liefern sich einen Schlagabtausch. Wie soll die Uni 2020 in drei Sätzen aussehen? Offener, da sind sich alle einig und vielleicht ausfinanziert. Der FDP Mensch findet, dass wir innovativer sein müssen um den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb zu sichern. Die 30000 Studierenden, die nicht erschienen sind wussten wohl, dass die Politiker uns nichts zu sagen haben.

Was bedeutet studieren? Das bedeutet Leistungsdruck, Fristen einhalten, mitschreiben in vollen Vorlesungen und dieses Wissen möglichst genau in den Prüfungen wiedergeben. Das bedeutet Anonymität, Schlange stehen in der Mensa und im Bus. Wir müssen funktionieren um monatlich unser Bafög zu erhalten und irgendwann einen Abschluss zu bekommen. Die Uni ist ein fremder Ort an dem wir spätestens seit der letzten Änderung des Hochschulgesetzes gar nichts mehr zu sagen haben. Wer hier protestiert und nicht gerade hochtalentiert ist, kann bloß noch den „Bachelor of arbeitssuchend“ bekommen.

Über eine wirkliche Zukunft der Hochschule redet niemand, weil sie heutzutage fast unvorstellbar geworden ist oder wir längst akzeptiert haben, dass diese Gesellschaft gescheitert ist. Zum Glück mangelt es nicht an Partys, wie die täglichen Flyerverteiler fröhlich verkünden. Selig, wer vergessen kann.

Link zum Opencampus

Heute: Freiraumdiskussion an der TU

Innerhalb der Open Campus Woche hat sich die AG Freiraum spontan für eine Diskussionsrunde entschlossen, die an dieser Stelle für Interessierte beworben werden soll:

„Wir wollen einen Freiraum. Einen, der nicht übermorgen geräumt wird. Wir wollen uns selber bilden, weiter denken, weiterleben können und dafür brauchen wir einen Platz. Einen, der uns und niemandem gehört. Einen, an dem Freiheit ausgehalten werden kann.

Wie können wir uns diesen Platz holen? Wie wollen wir ihn gestalten? Wollen wir uns organisieren? Was möchten wir im solch einem Raum verwirklichen? Wie gehen wir mit Herrschaft um? Was bedeutet Offenheit für uns?

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        Gespräch | Diskussion

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      Dienstag, 1. Juni 2010 um 20:00
         auf dem Open Campus

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Und es geht weiter, es gibt ein meer an Ideen. Es gab den POT81…. und es wird weitere Räume geben. Keine Lust mehr zu warten, bis wir im Vorhinein hinausgeworfen sind….von wem eigentlich? “

Schaut vorbei und/ oder informiert euch im Netz: Open Campus