Ein Hoch auf die deutsche Leitkultur

Deutschland sei kein Einwanderungsland, stellte unlängst mal wieder die CSU auf ihrem Parteitag fest. Doch nicht nur rechts der sogenannten bürgerlichen Mitte ist der Ruf nach Einwanderungsstopp, deutscher Leitkultur und Assimilation jeglicher als „Ausländer“ gebrandmarkten Menschen zu vernehmen. Sarrazins dümmliches Gebrabbel ist nur die Spitze des rassistischen deutschen Mobs und wer nicht als Bio-Deutscher geboren wurde, oder aus sonstigen Gründen noch immer nicht zur Volksgemeinschaft zählen darf, für den gibt es jetzt, Deutschland sei Dank, Abhilfe. Die Deutschlandstiftung Integration bietet neuerdings im poppigen Design Sprachkurse unter dem Motto „Raus aus der Sprache. Rein ins Leben“ über Internet an. Die Kampgane zeigt schon jetzt sehr gruselige Effekte. Nachdem in der jüngsten Vergangenheit schon Samy Deluxe, der früher noch aus dem deutschen Alptraum geweckt werden wollte, zum Bekenntnis auf die Nation übergeschwenkt ist, zeigen auch weitere Hip Hop Künstler ihr wirres Geschichts- und Politikverständniss in Form von völkischen Beschwörungen auf den deutschen Staat. Torsun hat dazu zwei besonders unschöne Videos gefunden.

Während in Leipzig erst letzten Sonntag ein Mensch mit irakischem Backround von einem Deutschen erstochen wurde, wird von CSU bis VIVA das neue unbeschwerte deutsche Nationalbewusstsein celebriert.


5 Antworten auf „Ein Hoch auf die deutsche Leitkultur“


  1. 1 S. Plicazione 30. Oktober 2010 um 17:14 Uhr

    mh, hast du dir dieses „weck mich auf“ auch mal angehört in letzter zeit? er steht da zwar sicher nicht in einer linie mit dissziplin und ostmob etc, seine feststellungen, dass wir von sadisten und psychopaten regiert würden, die an der spitze säßen und sich satt essen, der dunklen seite dienen und als anzugtragende betongesichter dargestellt sind, find ich aber nicht wesentlich besser und sind eben dinge, die alle nunmal irgendwie blöd finden, aber nie auf die idee kämen, sie lediglich als symptome zu begreifen.

  2. 2 farfalla 30. Oktober 2010 um 17:27 Uhr

    @ S. Plicazione:

    ich kann mich noch an ein paar antifa demos erinnern, wo dieses lied lief, weil es eben einem minimalkonsens von gegen staat und nazis zu genügen schien. sicherlich wird da auch ne ganze menge schrott in dem lied transportiert, aber der dezidierte unterschied zu seinem neuen lied (dis wo ich herkomm) ist ja eben der, dass plötzlich ein astreiner bezug auf deutschland vollzogen wird.

  3. 3 ich kann und will nicht mehr 30. Oktober 2010 um 19:20 Uhr

    das schlimmste, ist die hilflosigkeit, mit der mensch versucht „den michel“ auf die rassismen und den nationalismus aufmerksam zu machen. auf argumente reagiert keine*r mehr.
    diskussionen basieren meist nur noch auf verkürzten kritiken, von was auch immer, und bildzeitungsüberschriften.

    -“wieso bist du stolz deutsche*r zu sein?“
    -“ähm,… . naja. ähm. aber die dichter, denker und alle anderen schlauen köpfe. die positiven errungenschaften.“
    -“aber wieso bist du stolz auf die leistungen anderer?“
    -“naja,… . öhh. aber UNSERE geschichte. die germanen. 1848. wtf auch immer.“
    -“und der ns?“
    -“aber das muss doch auch bald mal ein ende haben!“
    -“wieso verweist „ihr“ immer nur auf die positiven dinge?“
    -“aber die anderen haben doch auch … . ähm…, du bist doch auch nur einer dieser miesmacher.“

    „aber die mehrheit denkt doch so.“, „tabubruch“, „man wird ja nochmal sagen dürfen … .“ und „die 68′er und diese political correctness sind schuld!“

  4. 4 Quasim 30. Oktober 2010 um 21:55 Uhr

    Die Linke hat offenbar keine ansprechende bzw. überzeugende Alternative zum Konzept Nation abzuliefern. Zumal es da auch nicht reicht nur die Deutschen zu überzeugen, damit Alternativen funktionieren, müssten schon alle mitmachen. Da dies unrealistisch scheint, da selbst die Linken das nicht auf die Reihe bekommen (selbst die Nazis sind inzwischen international besser vernetzt als die Linksradikalen), wirkt man eben nicht besonders überzeugend. Mal ganz davon ab, dass Utopien entwickeln in der heutigen Szene eh verpönt ist, da betreibt man lieber Kritikkritik, das kann man nämlich bequem und folgenlos vom heimischen Rechnersessel oder im gerade angesagten Vokükeller betreiben.

  5. 5 Hain 31. Oktober 2010 um 23:47 Uhr

    Als ob man auf dem Reißbrett „etwas anderes als die Nation“ planen müsste, um die armen Schäfchen zu überzeugen. Meinst Du nicht, dass es genug Argumente dafür gibt, sich nationalistisch zu verhalten? Man kann halt unbeschwert mit seinesgleichen feiern, wird ein bisschen lästige Konkurrenz los, der gesellschaftliche Antagonismus wird etwas abgepuffert durch die Illusion, man sei ja ein Volk.

    Was willste denen denn anbieten? Entweder Du gehst davon, dass die Leute ja in ihrem Kern „irgendwie gut“ sind und nur auf den rechten Weg geführt werden müssten. Nur: von wem geführt? Und wer macht den Plan? Und warum sollten die Leute das nicht selbst können? Deine Argumentation ist alles andere als emanzipatorisch.

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