Auswertungstreffen zur Mehrwert Demo

Montag, 08.11.10
19:30 AZ Conni

Es soll Raum und Zeit für Kritik, Anmerkunegn, Ergänzungen, Perspektiven und sonstiges geben.
Um inhaltlich etwas mehr als die subjektiven Demoerinnerungen mitzubringen sind hier einige der Redebeitrage gesammelt. Wer die Liste noch erweitern kann und will, kann das gerne tun. (Insbesondere das Flugblatt der AG Gesellschaftskritik wäre an dieser Stelle noch interessant.)

Der Aufruf des Antikap-Block:NiewiederMehrwert

Black Monday: Finanzkrise und Krise des Kapitalismus

Antifaschistische Hochschulgruppe Dresden: Wir sind nix wert!


18 Antworten auf „Auswertungstreffen zur Mehrwert Demo“


  1. 1 Name 04. November 2010 um 14:54 Uhr

    Das Flugblatt der AG Gesellschaftskritik:

    PSEUDOAKTIVISMUS ALS DIENST AM STAAT – Das Elend des linken Konformismus

    Flugblatt zum Demonstrationsspektakel am 03.11.2010 in Dresden

    Die Gesellschaft, in der wir leben, hat es fertig gebracht solch immense Reichtümer zu produzieren, dass einem jeden Menschen ein erquickliches Leben garantiert werden könnte. Aufgrund ihrer Konstitution, die wiederum im gnadenlosen Ausschluss der Menschen vom Reichtum besteht, hat diese Gesellschaft ihr eigenes Urteil über sich gesprochen: sie ist historisch überflüssig, ihre Überwindung das unabstreitbare Bedürfnis emanzipatorischer Vernunft. Niemand kann ernsthaft glauben, dass das Bündnis mit dem schauerlichen Namen „Zukunft und Zusammenhalt“, das zur heutigen Demonstration aufruft, oder eine der unterstützenden Organisationen diesem Anliegen verpflichtet ist. Alle Fraktionen einer verfaulenden und regredierenden Linken finden sich unter dem grauenhaften Demoslogan „Wir sind mehr wert!“ zusammen. Von den am staatlichen Unwesen partizipierenden Parteien, über die gewerkschaftlichen Klassenkampfeinheger, bis zu den studentischen Funktionären möchte sich niemand das Spektakel des Protests entgehen lassen. Dabei ist diese Ideologie schon halb durchschaut, denn die Mühe sich über den Sinn und die Wirkmächtigkeit dieser Aktion zu verständigen, macht sich keine der etablierten linken Organisationen. Ihr Stimmvieh und Fußvolk verlangt auch schon gar nicht danach – erst recht in Zeiten, wo das, was Kommunikation genannt wird, nur über Phrasen und Bilder funktioniert und jede Reflexion nicht nur gemieden, sondern wegen ihrer potentiellen Nonkonformität geschmäht wird.
    Die Bewahrung sozialer Privilegien ist, abgesehen von ihrer moralischen Berechtigung, im gegenwärtigen Krisenzyklus eine Lebensnotwendigkeit. Die Arbeiter in Frankreich, die ihre nationale Ökonomie mit allen einkalkulierten Schäden blockieren, um sich nicht noch unerträgliche weitere Jahre zu Grunde schuften zu müssen, haben dies begriffen. Doch selbst zu diesem Bewusstsein der Notwendigkeit eines bornierten Klassenkampfes (zu einer autonome Organisation gegen die Gewerkschaften mit einer revolutionären Perspektive ist es in den Kämpfen in Frankreich nicht gekommen) bringt es das hiesige linke Bündnis nicht. Ein solcher Interessenkonflikt würde den Realismus einschließen sich im Gegensatz zur staatlichen Zwangsverwaltung und der herrschenden Klasse befindlich zu erkennen. Die besagte Parole „Wir sind mehr wert!“ ist viel mehr eine Empfehlung an die Herrschaft, die knechtselig um einen zugewiesenen Platz in der ausbeuterischen Verwertungsmaschinierie des Kapitals angebettelt wird. Die Flausen vom „Leben und Arbeiten in Sachsen“ oder dem „gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes“ drücken die Sorge um das Wohl der deutschen Volkswirtschaft aus, der man sich im Namen des sozialpartnerschaftlich verwalteten sozialen Friedens verpflichtet fühlt, in unbedingtem Gehorsam unterordnet und deren repressive Harmonie man im Sinne direkter Demokratie aktiv mitgestalten möchte. Die verordnete Ohnmacht gegenüber den gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen soll kein Stück aufgebrochen werden, sondern wird internalisiert und drückt sich gerade in solchen Pseudoaktivitäten wie der heutigen Demonstration aus, von deren Belanglosigkeit jeder weiß. Auf der Website des maßgeblichen Demobündnisses finden sich zum Terminhinweis für die heutige Demonstration kein einziges erklärendes Wort, nur die an Lächerlichkeit kaum zu überbietende schummelige Erinnerung an den letzten Protestmarsch, der ein „beeindruckendes Bild“ geliefert habe, und der Hinweis bei dem diesmaligen Spektakel „Taschenlampen, Knicklichter und ähnliches“ mitzubringen, um „ein tolles Bild (zu) erzeugen“.
    Diese Bestandsaufnahme versteht sich eigentlich von selbst, denn von den linken Referenten des Systems, den etablierten, institutionalisierten Organisationen der Linken, deren Sache schon immer die staatshörige Verwaltung des Status quo war, hat man nichts anderes zu erwarten. Im hohlen Aktivismus, dessen Elend an Offensichtlichkeit nicht zu verhehlen ist, hat ein radikal-emanzipatorisches, also kommunistisches Begehren nichts zu suchen. Um so erbärmlicher, dass sich diejenigen, die noch mit einem solchen Begehren liebäugeln, am staatstauglichen Konformismus beteiligen. Das famose „Libertäres Netzwerk Dresden“ ruft dazu auf einen „antikapitalistischen Block“ zu bilden und wie ihre sozialdemokratischen Mitdemonstranten halten sie es für unnötig ihren Aktivismus zu begründen. Die sieben Sätze, aus denen ihr „Aufruf“ besteht, scheinen für ihre Anhängerschaft ausreichend zu sein: Selbstbeschwörung als „libertäre Bewegung“, Proklamation eines für sich beanspruchten „kritischen Blick(es) auf Ökonomie, Staat und Identitätskonstrukte“ (was auch immer das sein soll) und Verkündung des Anspruchs „gemeinsam die Gründe für Unzufriedenheit anzugehen“ (was auch immer das heißt). Die Abstraktheit von Wörtern, die einmal Begriffe werden sollten, mit denen hier hantiert wird, werden kein Stück zur Erkenntnis konkretisiert, sondern dienen als Spielmarken, die auf dem Tummelplatz spektakulärer Politik ausgegeben werden, um am Bewegungsrummel zu partizipieren. Die Unverfrorenheit noch mit dem Anspruch zu kokettieren „die Gründe für Unzufriedenheit anzugehen“, womit gemeint sein könnte sich einmal tatsächlich um die Erkenntnis und die revolutionäre Umwälzung der gesellschaftlichen Verfasstheit zu bemühen, ist nichts als Lüge, wo sich doch die Libertären und vermutlich auch ihr linksradikaler Anhang vom linksdeutschen Mob nur in ihren Phrasen unterscheiden.

    Die Befreiung vom Zwang der Ökonomie und der Herrschaft ist das Projekt radikaler Aufklärung, die als zur materiellen Gewalt werdende die bestehende Gesellschaft umzuwälzen vermag. In Zeiten, in denen die gesellschaftlichen Verkehrsverhältnisse alle repressiven Zwangskollektivitäten sprengen und die Produktivkräfte die Lohnarbeit als letzte historische Form der Zwangsarbeit obsolet gemacht haben, ist der einzig haltbare Anspruch der Vernunft der, welcher auf die Aufhebung des bestehenden Zustandes geht. Das Ferment dieser Vernunft sind die radikalen Begierden, denen der materielle Reichtum und dessen reale objektive Möglichkeiten zu Grunde liegt. Diese auf Verwirklichung drängenden Begierden stehen im Konflikt mit dem gesellschaftlichen Zwang sich zum proletarisierten Arbeitskraftbehälter zuzurichten und drängen zumeist als noch nicht bewusste impulsiv-gewalttätig an die gesellschaftliche Oberfläche. Gegen linke Romantisierungen dieses Unbehagens wäre auf dessen Ambivalenz mit Möglichkeit auf Barbarisierung hinzuweisen. Unnötig wird das aber angesichts des Desinteresses der deutschen Linken gegenüber den Klassenkämpfen vor allem in Frankreich oder Griechenland (zu Letzterem wurde es einzig fertig gebracht in typisch bewegungslinker Manier Antirepressionsdemos zu organisieren, ohne auch nur einen Gedanken an die soziale Konfliktualität zu verschwenden). Dieses Desinteresse wird angesichts des Mitmachens am Volksprotest, der wirklich in keiner Hinsicht sich der staatlichen Loyalität verweigert, zur unübersehbaren Perfidie und dem unrettbaren Aufgehen im teutonischen Wald.

    Wir fordern deshalb alle Individuen, die es mit dem Anspruch auf kommunistische Emanzipation ernst meinen, dazu auf sich diesem Spektakel nicht nur zu verweigern, sondern es als reaktionären Teil der herrschaftlichen Entmündigung mittels intellektueller Selbstbewaffnung zu bekämpfen!

  2. 2 farfalla 04. November 2010 um 14:58 Uhr

    das klappt ja
    :D

  3. 3 tief im Osten 04. November 2010 um 21:28 Uhr

    Auf der Demo wurde sich damit kräftig lächerlich gemacht, das hat geklappt ja. Genauso wie mit dieser Veranstaltung, die absolut nichts mit den Veranstaltern des Antikap-Blocks zu tun hat.

  4. 4 tief im Osten 04. November 2010 um 21:31 Uhr

    Der aktuelle Aufschwung, vor allem in Deutschland, ist trügerisch. Er wurde allein dadurch erreicht, dass den Nehmerländern wie Griechenland oder Rumänien, in die der deutsche Exportüberschuss fließt, Milliardenkredite gegeben wurden, durch die sie weiterhin deutsche Produkte, Anlagen und Maschinen kaufen können.

    Muhaha, wer so wenig Ahnung von aktuellen wirtschaftlichen Kreisläufen hat, sollte besser die Fresse halten.

  5. 5 ... 04. November 2010 um 22:43 Uhr

    Womit wurde sich auf besagter Demon lächerlich gemacht? Bis jetzt bleibt unverständlich, auf was du überhaupt mit deinen Einwürfen abzielst. Was soll daß heißen, „auf der Demo“ wurde sich lächerlich gemacht?

  6. 6 Gute Frage 04. November 2010 um 23:29 Uhr

    Zumal der zitierte Absatz an sich erstmal nicht falsch ist.

  7. 7 Anonymous 05. November 2010 um 17:46 Uhr

    bei indymedia kacken wie immer die üblichen leute hin (http://de.indymedia.org/2010/11/293716.shtml?c=on#c681970). in einem kommentar ist von einem „langen redebeitrag“ von anarchia dd die rede. habt ihr da einfach nur euren „aufruf“ (http://anarchiadd.blogsport.de/images/niewiedermehrwert.pdf) vorgelesen oder was anderes. wenn letzteres, dann stellt das doch bitte mal online.

  8. 8 farfalla 05. November 2010 um 18:37 Uhr

    nur nochmal um unklarheiten aus der welt zu schaffen:
    der antikap block wurde nicht von anarchiadd organisiert, da dieser blog ein heterogener loser zusammenhang von menschen ist.

    die organisator_innen haben dieses medium lediglich für ihren aufruf genutzt.

  9. 9 farfalla 05. November 2010 um 18:39 Uhr

    weitere diskussionen auch bei den alterativen drsden news:

    http://www.addn.me/soziales/sachsen-kein-ende-des-protests-in-sicht/#comments

  10. 10 Name 06. November 2010 um 11:39 Uhr

    Es gab auf der Demo einen Redebeitrag zur Naturzerstörung des Kapitalismus und zur Zurichtung der Menschen auf Körpermaschinen (wenn ich das recht in Erinnerung habe). Der wurde verlesen, als die Demo auf die Marienbrücke einbog.

    Mich würde der Redebeitrag interessieren, kann den jemand online stellen? Danke.

  11. 11 ich 06. November 2010 um 15:14 Uhr

    also hier ist mal der Rohentwurf des besagten Redebeitrags;
    es wurde allerdings noch einiges daran geändert, wenn jemand die überarbeitete Version hat, kann er_sie gerne diese ergänzen..

    „“Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ – warum das Leben im Kapitalismus nicht lebt

    In der richtigen Wirtschaft würden unsere Bedürfnisse entscheiden, welche Produkte hergestellt werden. Und das richtige Ziel der Produktion wäre es, Menschen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen. Obstplantagen sollten z.B. dazu da sein, Menschen satt zu machen. So einfach dies auch klingen mag: es ist ein ferner Traum, welchem die Wirklichkeit, in der wir aufwachsen, spottet. Wir leben nämlich unter dem Kapitalismus, einer Wirtschaftsform, welche das genaue Gegenteil dessen darstellt, was ich am Anfang beschrieben habe: das Ziel der kapitalistischen Wirtschaft ist es nicht, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, sondern Geld zu vermehren, die Gewinne bis ins Unendliche zu steigern. Die Produktion ist zum Selbstzweck geworden. Die weitreichenden Auswirkungen dieses Widerspruchs, die verheerender nicht sein könnten, will dieser Redebeitrag in bescheidender Kürze beschreiben:

    Die sich verselbstständigende Produktion ist wie eine Krebszelle, welche sich immer mehr ausbreitet und den gesamten sozialen „Organismus“ übernimmt: alles Leben wird der Produktion unterworfen – und dabei selbst ausgelöscht. Natur, Tiere und Menschen werden zu einem Anhängsel der Wirtschaftsmaschinerie, zu einem Mittel erniedrigt, um immer mehr Profit zu erwirtschaften. Alles wird nur in Hinblick auf seine bzw. ihre Verwertbarkeit wahrgenommen: Menschen werden so vorab zu einer „Ressource“, zum (Menschen-)Material, welches auf die Anforderungen der Maschine zugeschnitten wird: Ihr Ideal, dass fast alle Menschen verinnerlicht haben, ist das des ewig jugendlichen, vitalen und leistungsstarken Menschen, welches in jeder Werbeanzeige, jeder Fernsehserie wieder zu finden ist. Im Wunsch zu „funktionieren“ gleichen sich die Menschen an die Arbeitsmaschinerie an, welche unser aller Leben bis ins Innerste bestimmt. Die Menschen machen sich selbst zu leblosen Maschinen und behandeln ihren eigenen Körper wie eine Leiche. Ihr Traum ist ein Alptraum: ein funktionierendes Rädchen sein. „Das Leben lebt nicht“ in der falschen Gesellschaft. Aller Schönheitskult, wie ihn Talkshows, Werbung oder die EXPO produzieren, geht Hand in Hand mit der Feindschaft gegen das kranke, als „behindert“ abgestempelte Leben, über dessen Abtreibung mensch schon heute ohne Gewissensbisse diskutieren kann.

    Verachtet wird von den betriebsamen Menschen all das, was sich nicht „verwerten“ und beherrschen lässt: Emotionen, Tränen und Triebe. An ihren Trieben wird den Menschen bewusst, dass sie keine funktionierenden Maschinen sind, sondern lebende, naturhafte Wesen. Und schon im Kindesalter lernen wir, dies zu verdrängen, z.B. wenn Eltern ihre Kinder fürs Erkunden ihrer Geschlechtsteile bestrafen: ungehemmte, öffentliche Sexualität hat keinen Platz in einer Welt, in der Zeit Geld ist und jeder „Zwischenfall“ die Profitrate gefährdet. Nichts darf die Menschen von der Arbeit, vom Geschäftigsein ablenken.

    So greifen die Menschen zu sexuellen Ersatzprodukten, an denen es nicht fehlt, benutzt als kläglicher Ersatz für die Regungen, welche sie in der Wirklichkeit sich nicht auszuleben gestatten: einsam vor dem Fernseher masturbieren. Selbst aus der Triebunterdrückung zieht das kapitalistische System noch Profit. Die Menschen werden dabei betrogen um menschliche Beziehungen und freie Sexualität. Diese wird von den Menschen in die Privatspähre, das Schlafzimmer abgeschoben. Und Menschen, die sich zu freier Liebe bekennen, sich nicht dem Muster der bürgerlichen Zweierbeziehung unterwerfen und ihre Triebe ausleben werden als „Schweine“ bezeichnet. Solche Anfeindungen basieren auf Projektion: das Triebhafte in ihnen, was sie zu verdrängen lernten, wird auf die nicht entsagenden Menschen projiziert, um es dort verdammen zu können. „Du Schwein!“

    Dem (Un-)Wesen des Kapitalismus wohnt ein Wachstumszwang inne: Immer mehr muss produziert werden, um noch mehr Gewinn einzufahren. Jedes Unternehmen, dass nicht freiwillig sein Tod besiegeln will, strebt danach: Am Ende des Jahres müssen die Einnahmen die Kosten überwiegen, um „konkurrenzfähig“ zu bleiben. So bedeutet Fortschritt in der kapitalistischen Welt nichts anderes als die Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums. Ihre größte Angst ist der Stillstand: immer muss es „weiter gehen“, obgleich keine/r so recht weiß, wohin es gehen soll. Darin ähneln die einzelnen Menschen immer mehr der großen Wirtschaftsmaschine, in die sie eingebunden: immerzu sind sie mit Dingen beschäftigt und Panik ergreift sie überall dort, wo der Terminkalender noch Lücken lässt. Ruhige Stunden und Selbstbesinnung kennen sie nicht.

    In Vergessenheit geraten ist bei solcher Logik die simple Überlegung, ob Menschen das, was auf den Markt geworfen wird, überhaupt brauchen, ob es ihren Bedürfnissen entspricht. Diese Frage kann im wuchernden Kapitalismus nicht mehr gestellt werden: sie ist ein Mal der Blindheit, welches aus dem zwanghaften Streben nach Profit erwächst. An ihr wird die Irrationalität dieser Gesellschaft sichtbar: der Krieg, welcher nie vergessenes Schrecken und Leid für so viele bedeutet, wird zum lukrativen Geschäft für die Rüstungsindustrie. Und jedes wirtschaftliche Wachstum geht einher mit der Zerstörung von Natur, den Grundlagen allen Lebens auf der Erde. Ressourcen werden bei uns für sinnlose Waren verschwendet, während auf der Südhalbkugel Menschen verhungern: Kapitalismus und Ökologie sind unvereinbare Widersprüche.

    Und so ist die Befriedigung der Menschen, für welche sie erschaffen, auch nicht das Ziel der kapitalistischen Wirtschaft. Mit Werbung, der mensch bei aller Anstrengung nicht entgehen kann, werden die Bedürfnisse der Menschen von Geburt an manipuliert, Tag für Tag. Immer neue Waren müssen ihnen angedreht werden, damit der kalkulierte Wahnsinn des Profits weiter seinen Lauf nehmen kann. Wenn ich durch die – sich immer weiter ausbreitenden – Konsummeilen wandere und all dieses Zeug sehe, was Menschen sich andrehen lassen, kann ich es nicht verstehen, wie wir noch stolz sein können auf die gepriesene „Vielfalt“ dessen, für das wir unser Geld aus dem Fenster werfen „dürfen.“ All das ist nicht da, um Menschen glücklich zu machen, sondern um Geld zu vermehren. Der Konsum selbst dient längst nicht mehr der Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen, sondern der Kompensation: alles, was von uns gekauft wird, soll nur über die erdrückende Wirklichkeit, den immer gleichen Arbeitsalltag hinweg trösten. Menschen flüchten sich in den Konsum, um sich am nächsten Montag morgen in den selben Trott zu begeben, dem sie entkommen wollten. So schliesst die falsche Gesellschaft ihren Kreislauf: aber mit jeder so erkauften Freude ist uns klar, dass richtiges Glück nicht zu ersetzen ist.

    Die Unzufriedenheit der Menschen, welche sie produziert und verewigt, wird von der kapitalistischen Wirtschaft noch als höchstes Glück verherrlicht. Dies drückt sich im Bild vom ständig nach oben strebenden Menschen aus, der weder Ruhe kennt noch Glück: hinter dem „immer in Bewegung bleiben“, dem sich Wirtschaft wie die Einzelnen verschrieben haben steckt die traurige Wahrheit, dass es in dieser Welt keine Zufriedenheit geben kann, keinen Frieden. Dieser gehört erst zu einem Zustand, in der Gesellschaft und einzelner Mensch nicht mehr Sklaven der Wirtschaftsmaschinerie sind.

    Es geht nicht einfach „nur“ darum, dass ArbeiterInnen ausgebeutet werden – dass wäre zu einfach und eindimensional, wie Marxisten zu recht vorgeworfen wurde. Sondern darum, was die kapitalistische Produktion aus dieser Gesellschaft als Ganzem, aus jedem bzw. jeder von uns macht: die „(un-)freie Marktwirtschaft“ ist nicht für uns da, sondern wir für sie – und deshalb kann sie nicht anders als a-sozial, inhuman sein. Diese Arbeitsmaschine wird nicht von dem Wunsch geleitet, allen Menschen ein schönes Leben zu ermöglichen, sondern dem, Profit zu machen, Kapital anzuhäufen – und genau so sieht unsere schöne Welt aus. „Aber man kann doch nicht gegen alles sein“ und „man muss sich auch mal anpassen“ ist das, was Andere mir sagen. Es sind die Worte derer, welche ihre Träume schon irgendwo zwischen Karriereleiter, Geld und trautem Familienleben begraben haben. Anpassung an diese Welt ist Verrat an der Idee eines schönen, freien Lebens für alle Menschen, welches in dieser Gesellschaft nicht zu verwirklichen ist: Freiheit für den einzelnen Menschen setzte eine Gesellschaft voraus, in der Wirtschaft für uns und unsere Bedürfnisse arbeitete – und nicht umgekehrt

    Nicht die, welche nicht mitmachen wollen sind es: nicht die Menschen, der Kapitalismus ist a-sozial!“

  12. 12 Bernd 06. November 2010 um 23:42 Uhr

    Von wem ist obiger Redebeitrag verfasst wurden?

  13. 13 ich 07. November 2010 um 3:14 Uhr

    der Redebeitrag beruht auf einem Text der schwarzen Katze

  14. 14 natalya 07. November 2010 um 8:57 Uhr

    aller achtung! da scheint jedes sprachliche feingefühl abhanden gekommen…

    für das ungehemmte ausleben von trieben!
    asoziale krebsgeschwüre vernichten!

    ps. sorry, dass ich hierzu nix inhaltliches beitragen konnte, aber es erschien mir auch nicht unbedingt wert, außerdem ist es auch noch zu früh am morgen ;)

  15. 15 und jetzt? 07. November 2010 um 14:51 Uhr

    Nachdem jetzt alle Aufrufe und Redebeiträge abgearbeitet wurden stellt sich die Frage in wie weit sich die Fronten bei den sozialen Kämpfen gegen die Kürzungen dadurch verschieben werden. Dasss das Mehrwert-Bündnis keine radikale Gesellschaftskritik übt und in seiner inhaltlichen Ausrichtung bestenfalls reformistisch ist, würden sicherlich nicht mal die Organisator_innen selbst bestreiten. Dort ist wohl eher keine Änderung zu erwarten.

    Dennoch ist auffällig, dass ein Großteil der hier geäußerten Kritik sich an bzw. gegen eben jenes Bündnis richtet. Das ist zwar sicherlich angebracht aber es wirft die Frage auf, ob der Antikap.-Block samt Redebeiträgen nur einem linksradikalen Distinktionsbedürfnis geschuldet war oder ob sich hier tatsächlich eigene Positionen gegen die Haushaltspolitik entwickeln.

    Zu den Kürzungen selbst und ihren konkreten Auswirkungen haben die Beiträge eher wenig, oder nur sehr allgemeines zu sagen.
    Spannend wäre z.B. die Frage wie eine antistaatliche Linke damit umgeht, dass Sozialarbeiter_innen um den Erhalt ihrer (staatlich subventionierten) Arbeitsplätze kämpfen. Zumal es gerade in der sächsischen Provinz einen unbestreitbaren antifaschistischen Nebennutzen der Kinder- und Jugendarbeit gibt.

  16. 16 ich 07. November 2010 um 18:37 Uhr

    @und jetzt: also in dem Nie wieder Mehrwert-Redebeitrag wurde ausdrücklich gesagt, dass auch Protest gegen die Kürzungen ausdrücklich begrüßt wird

    @Bernd: der Redebeitrag stammt ursprünglich von der schwarzen Katze

    @Natalya: wie schon gesagt, dass war die Rohversion, die genau wegen solchen Sachen noch überarbeitet wurde; von asozialen Krebsgeschwüren war auf der Demo ganz sicher nichts zu hören.

    Irgendwo muss auch noch die überarbeitete Version sein;
    bitte stell das mal jemand hier rein..

  17. 17 natalya 07. November 2010 um 19:38 Uhr

    nach nochmaligem lesen des redebeitrags »“Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ – warum das Leben im Kapitalismus nicht lebt«, nochmal ein nachtrag: es war einfach tatsächlich zu früh für solche abscheulichkeiten, aber es wäre trotzdem gut, wenn es auch zu diesem beitrag nochmal eine diskussion am montag beim auswertungstreffen gäbe, da der text nichtsdestotrotz auch teils interessante aspekte ansprach, die vielleicht tatsächlich sozusagen wert wären, mal zu thematisieren…

    insofern, hoffentlich bis morgen

  18. 18 ich nochmal 10. November 2010 um 17:03 Uhr

    so hier mit etwas Verspätung doch noch die überarbeitete Version des Redebeitrags:

    „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ – warum das Leben im Kapitalismus nicht lebt

    In der richtigen Wirtschaft würden unsere Bedürfnisse entscheiden, welche Produkte hergestellt werden. Und das richtige Ziel der Produktion wäre es, Menschen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen. Obstplantagen sollten z.B. dazu da sein, Menschen satt zu machen. So einfach dies auch klingen mag: es ist ein ferner Traum, welchem die Wirklichkeit, in der wir aufwachsen, spottet. Wir leben nämlich unter dem Kapitalismus, einer Wirtschaftsform, welche das genaue Gegenteil dessen darstellt, was ich am Anfang beschrieben habe: das Ziel der kapitalistischen Wirtschaft ist es nicht, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, sondern Geld zu vermehren, die Gewinne bis ins Unendliche zu steigern. Die Produktion ist zum Selbstzweck geworden. Die weitreichenden Auswirkungen dieses Widerspruchs, die verheerender nicht sein könnten, will dieses Flugblatt in bescheidender Kürze beschreiben:

    Das heutige Wirtschaftssystem beeinflusst alle Facetten der Gegenwart. Alles Leben wird der Produktion unterworfen – und dabei selbst ausgelöscht. Natur, Tiere und Menschen werden zu einem Anhängsel der Wirtschaftsmaschinerie, zu einem Mittel erniedrigt, um immer mehr Profit zu erwirtschaften. Alles wird nur in Hinblick auf seine bzw. ihre Verwertbarkeit wahrgenommen: Menschen werden so vorab zu einer „Ressource“, zum (Menschen-)Material, welches auf die Anforderungen der Maschine zugeschnitten wird: Ihr Ideal, dass fast alle Menschen verinnerlicht haben, ist das des ewig jugendlichen, vitalen und leistungsstarken Menschen, welches in jeder Werbeanzeige, jeder Fernsehserie wieder zu finden ist. Im Wunsch zu „funktionieren“ gleichen sich die Menschen an die Arbeitsmaschinerie an, welche unser aller Leben bis ins Innerste bestimmt. Die Menschen machen sich selbst zu leblosen Maschinen und behandeln ihren eigenen Körper wie eine Leiche. Ihr Traum ist ein Alptraum: ein funktionierendes Rädchen sein. „Das Leben lebt nicht“ in der falschen Gesellschaft. Aller Schönheitskult, wie ihn Talkshows, Filme oder die Werbung produzieren, geht Hand in Hand mit der Feindschaft gegen das kranke, als „behindert“ abgestempelte Leben, über dessen Abtreibung mensch schon heute ohne Gewissensbisse diskutieren kann.

    Verachtet wird von den betriebsamen Menschen all das, was sich nicht „verwerten“ und beherrschen lässt: Emotionen, Tränen und Triebe. An ihren Trieben wird den Menschen bewusst, dass sie keine funktionierenden Maschinen sind, sondern lebende, individuelle Wesen.

    Dem Prinzip des Kapitalismus wohnt ein Wachstumszwang inne: Immer mehr muss produziert werden, um noch mehr Gewinn einzufahren. Jedes Unternehmen, dass nicht freiwillig sein Tod besiegeln will, strebt danach: Am Ende des Jahres müssen die Einnahmen die Kosten überwiegen, um „konkurrenzfähig“ zu bleiben. So bedeutet Fortschritt in der kapitalistischen Welt nichts anderes als die Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums. Ihre größte Angst ist der Stillstand: immer muss es „weiter gehen“, obgleich keine/r so recht weiß, wohin es gehen soll. Darin ähneln die einzelnen Menschen immer mehr der großen Wirtschaftsmaschine, in die sie eingebunden: immerzu sind sie mit Dingen beschäftigt und Panik ergreift sie überall dort, wo der Terminkalender noch Lücken lässt. Ruhige Stunden und Selbstbesinnung kennen sie nicht.

    In Vergessenheit geraten ist bei solcher Logik die simple Überlegung, ob Menschen das, was auf den Markt geworfen wird, überhaupt brauchen, ob es ihren Bedürfnissen entspricht. Diese Frage kann im wuchernden Kapitalismus nicht mehr gestellt werden: sie ist ein Mal der Blindheit, welches aus dem zwanghaften Streben nach Profit erwächst. An ihr wird die Irrationalität dieser Gesellschaft sichtbar: der Krieg, welcher nie vergessenes Schrecken und Leid für so viele bedeutet, wird zum lukrativen Geschäft für die Rüstungsindustrie. Und jedes wirtschaftliche Wachstum geht einher mit der Zerstörung von Natur, den Grundlagen allen Lebens auf der Erde. Ressourcen werden bei uns für sinnlose Waren verschwendet, während auf der Südhalbkugel Menschen verhungern: Kapitalismus und Ökologie sind unvereinbare Widersprüche.

    Und so ist die Befriedigung der Menschen, für welche sie erschaffen, auch nicht das Ziel der kapitalistischen Wirtschaft. Mit Werbung, der mensch bei aller Anstrengung nicht entgehen kann, werden die Bedürfnisse der Menschen von Geburt an manipuliert, Tag für Tag. Immer neue Waren müssen ihnen angedreht werden, damit der kalkulierte Wahnsinn des Profits weiter seinen Lauf nehmen kann. Die unzähligen Waren auf dem Markt werden nicht produziert, um Menschen glücklich zu machen, sondern um Geld zu vermehren. Der Konsum selbst dient längst nicht mehr der Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen, sondern der Kompensation: alles, was von uns gekauft wird, soll nur über die erdrückende Wirklichkeit, den immer gleichen Arbeitsalltag hinweg trösten. Menschen flüchten sich in den Konsum, um sich am nächsten Montag morgen in den selben Trott zu begeben, dem sie entkommen wollten. So schliesst die heutige Gesellschaft ihren Kreislauf: aber mit jeder so erkauften Freude ist uns klar, dass richtiges Glück nicht zu ersetzen ist.

    Die Unzufriedenheit der Menschen, welche sie produziert und verewigt, wird von der kapitalistischen Wirtschaft noch als höchstes Glück verherrlicht. Dies drückt sich im Bild vom ständig nach oben strebenden Menschen aus, der weder Ruhe kennt noch Glück: hinter dem „immer in Bewegung bleiben“, dem sich Wirtschaft wie die Einzelnen verschrieben haben steckt die traurige Wahrheit, dass es in dieser Welt keine Zufriedenheit geben kann, keinen Frieden. Dieser gehört erst zu einem Zustand, in der Gesellschaft und einzelner Mensch nicht mehr Sklaven der Wirtschaftsmaschinerie sind.

    Es geht nicht einfach „nur“ darum, dass ArbeiterInnen ausgebeutet werden – dass wäre zu einfach und eindimensional, wie vielen marxistischen Gruppen zu recht vorgeworfen wurde. Sondern darum, was die kapitalistische Produktion aus dieser Gesellschaft als Ganzem, aus jedem bzw. jeder von uns macht: die „(un-)freie Marktwirtschaft“ ist nicht für uns da, sondern wir für ihren Selbstzweck – und deshalb kann sie nicht anders als a-sozial, inhuman sein. Diese Arbeitsmaschine wird nicht von dem Wunsch geleitet, allen Menschen ein schönes Leben zu ermöglichen, sondern dem, Profit zu machen, Kapital anzuhäufen – und genau so sieht unsere schöne Welt aus. Die Anpassung an diese Welt ist Verrat an der Idee eines schönen, freien Lebens für alle Menschen, welches in dieser Gesellschaft nicht zu verwirklichen ist: Freiheit für den einzelnen Menschen setzte eine Gesellschaft voraus, in der Wirtschaft für uns und unsere Bedürfnisse arbeitete – und nicht umgekehrt.

    Abschlussphrase…

    Nach einem Text der Schwarzen Katze

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