Wie wird man fremd?

Dieser und ähnlicher Fragen soll im November beim Café Négation nachgegangen werden.
Die Jour Fixe Initiative (Berlin) referiert zu den Themen Nationalismus, Migration und Nomadentum. Der Ankündigungstext verspricht einen spannenden Vortrag.

*Sonntag, 21.11.10
*15h Praxis Löbtau

No­ma­den­tum statt (na­tio­na­le) Iden­ti­tät?
Eine Denk­fi­gur und ihr Ver­hält­nis zum Na­tio­na­lis­mus

Wan­de­rungs-​ und Flucht­be­we­gun­gen stel­len fast immer das Kon­zept von na­tio­na­ler Iden­ti­tät in Frage. In den meis­ten Fäl­len tun sie dies je­doch nicht be­wusst. Wan­de­rungs-​ und Flucht­be­we­gun­gen kön­nen mit dem mo­di­schen Be­griff des No­ma­di­schen be­schrie­ben wer­den. Die­ser Be­griff um­fasst in den ak­tu­el­len Dis­kur­sen die di­ver­sen Bil­der der Mo­bi­li­tät in­ner­halb des frü­hen und spä­ten Ka­pi­ta­lis­mus. Er be­inhal­tet so­wohl die frei­wil­li­ge – wenn es sie auch nur sel­ten gibt – als auch die er­zwun­ge­ne Mo­bi­li­tät aus den un­ter­schied­lichs­ten Mo­ti­ven. Ge­mein­sam­keit aller no­ma­di­sie­ren­den Sub­jek­te ist al­lein diese Mo­bi­li­tät. Die Fas­zi­na­ti­on über das und die Ab­wehr des No­ma­di­schen sind bei­des Grund­be­stand ge­sell­schaft­li­cher Dis­kur­se und Pro­zes­se des 20. Jahr­hun­derts

Iden­ti­tät setzt die Kon­struk­ti­on von Kon­stanz und Ord­nung vor­aus, die das No­ma­di­sche schein­bar ins Wan­ken bringt. Oder ist das No­ma­di­sche die schein­bar kri­ti­sche Af­fir­ma­ti­on der spät­ka­pi­ta­lis­ti­schen Zer­stö­rung von Sub­jek­ti­vi­tät? Ist Iden­ti­tät nur als dia­lek­ti­scher Be­griff zu ver­ste­hen, der fest und flüs­sig, ter­ri­to­ri­al, de- und re­ter­ri­to­ria­li­siert, also im Prin­zip alles sein kann?

Ob die Wei­ge­rung, sich mit der ei­ge­nen Na­ti­on zu iden­ti­fi­zie­ren, zu einer no­ma­di­schen Sub­jek­ti­vi­tät, d.h. kei­ner fes­ten und ho­mo­ge­nen Iden­ti­tät führt und diese uns wie­der­um Flucht­li­ni­en aus der spät­ka­pi­ta­lis­ti­schen Rea­li­tät schla­gen lässt, bleibt aber nach wie vor der po­li­ti­schen und dis­kur­si­ven Pra­xis vor­be­hal­ten.