Zur Kritik des Extremismusbegriff

Diesen Freitag, den 28.1.11, findet von 10 bis 18 Uhr in der Landesstiftung des Goethe-Institut Dresden, eine Veranstaltung unter dem Titel: Ordnung und Unordnung (in) der Demokratie statt.

Ankündigungstext:

Spätestens seit den 1990er Jahren haben sowohl der Totalitarismus- als auch der Extremismusbegriff eine neue Konjunktur in Wissenschaft und Politik erlebt. Gemeinsam ist ihnen die meist unkritische Gleichsetzung der dem rechten und dem linken Spektrum zugeordneten politischen und gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen. Diese Begriffe sagen jedoch vielleicht mehr über den Demokratiebegriff seiner Verfechter_innen aus als über die Gemeinsamkeiten von «Rechten» und «Linken». Denn dieses Verständnis von Demokratie geht aus von einer bestimmbaren «guten» Mitte, die alles ausschließen muss, was ihr entgegensteht – Themen, Einstellungen und Standpunkte ebenso wie konkrete Menschen.
Auf der Tagung soll im Anschluss an die Tagung «Gibt es ‚Extremismus`?» im Januar 2010 über die grundlegenden Annahmen dieses Demokratieverständnisses diskutiert und ihm andere Ideen der Demokratie entgegengesetzt bzw. andere Perspektiven auf Demokratie eingenommen werden.
Denn Demokratie kann auch verstanden werden als ein notwendig unfertiges Projekt, dessen Perspektive nicht allein in der Ordnung, sondern vielmehr im Änderbaren, Vorläufigen, in der Inklusion und immer größeren Ausdehnung, kurz: im Versprechen aufgeht. Ein solches Verständnis von Demokratie, das auf die öffnende Momente setzt, betont die universellen und inklusiven Grundlagen der Demokratie und nicht die ordnenden und insofern schließenden Momente. Als solche verstanden, gäbe es gar keinen Begriff von Extremismus.
Auf der Tagung sollen sowohl die ordnende und exklusive Dimension, als auch die öffnende, wandelbare und inklusive Dimension der Demokratie zum zentralen Thema gemacht werden.
Zu diesen Themen werden drei Workshops angeboten, die die Gefahren und Chancen, die Möglichkeiten und Grenzen von Ordnung und Unordnung (in) der Demokratie diskutieren.