Eingesendet: Diskussion zur Neuauflage der Libertären Tage Dresden

Quelle: Libertäres Netzwerk Dresden

Wie jeden letzten Samstag im Monat findet auch am 26.02. ab 15 Uhr das Vernetzungsessen des Libertären Netzwerks in der Praxis statt. Dabei wollen wir gemeinsam futtern, Ideen spinnen und einander kennen lernen. Auch Menschen die bis jetzt noch keinen Kontakt mit dem Netzwerk hatten oder sich auch anderweitig noch nicht politisch organisiert haben, laden wir herzlich ein. Begleitet wird die Veranstaltung diesen Monat von einer Diskussion um eine Neuauflage der Libertären Tage.

Rückblick: Libertäre Tage 2010 in Dresden

1. – 8. Mai 2010: Keine Lust mehr auf immer-nur-reagieren. In die Offensive gehen. Utopien entdecken. (Kennen-)Lernen. Interessieren, anfixen, begeistern. Vernetzen. Wachsen. Die ersten Libertären Tage in Dresden.

Zahlenschlacht.

Wegen der Dezentralität der Veranstaltungswoche ist es schwer, etwas über Teilnehmer*innenzahlen zu sagen, wir gehen aber mit unseren (realistischen) Schätzungen von 500-700 Leuten aus. Wir haben es geschafft, über 20 verschiedene Veranstaltungsorte in die Libertären Tage einzubinden – das ist eine Vielfalt, die (in Dresden) nicht oft zustande kommt. An den 8 Tagen gab es 20 Vorträge und 8 Workshops, außerdem 4 Partys und 11 Konzerte. Auch aktionistisch/offensiv-politisch passierte auf den 8 Demonstrationen und einer Vielzahl kleinerer Aktionen so Einiges, das zum Teil noch heute in der Stadt nachwirkt. Groß.

So weit die Zahlen. Nun noch eine willkürliche Auswahl spektakulärer Highlights, die bei einigen von euch Erinnerungen wachrütteln werden: Punx-Picknick vor der Frauenkirche mit dekadentem Badezuber, Werkstatt-Tag mit Fahrradanhänger-Bauen, Aktion Dresden Umsonst, Lockpicking-Workshop, Zoo-Aktion, öffentliches Wohnzimmer unter der Albertbrücke, FAU-Demo, Freiraum-Straßenfest/Besetzung der Liststraße 8, Befreiungsfest im Alaunpark… (detaillierte Berichte gibt’s immer noch auf utopienentdecken.blogsport.de).

War ziemlich toll

Vieles hat gut geklappt. Bei den bisherigen Auswertungstreffen fanden die meisten Menschen, dass die Libertären Tage interessant, spaßig und wunderschön waren, wenn auch noch optimierbar.

Unsere Hoffnung, viele Menschen in Dresden für einen “Schnupperkurs” alternativer Veranstaltungen, Lebensweisen und Vorstellungen gewinnen zu können, hat sich unserer Meinung nach bestätigt. Dies zeigte sich u.a. am heterogenen Publikum in vielen Vorträgen, z.B. “Was ist Anarchie?” (in einer Schule!) oder “Was ist Gentrifizierung?” (mit Jan Glatter) und bei der „Gewalt“-Diskussion in der Rudolfstraße 7. Auch die Vernetzung zwischen vielen aktiven Menschen und Projekten konnte – durch den Vorbereitungsprozess an sich – verbessert werden. Schließlich war es schön, wie viele Projekte und Bands sich selbst um Veranstaltungen bemühten und selbstorganisiert ihren Teil zum wirklich vollen Programm beitrugen.

Geht aber noch besser.

Andererseits wurden auch viele Mängel im bisherigen Konzept oder bei der konkreten Umsetzung reflektiert. So stellte die Fortbewegung zwischen den Stadtteilen für viele Menschen, gerade „Auswärtige“, immer wieder ein Problem dar. Wenn wir uns dazu entschließen, das dezentrale Konzept als solches wieder zu verfolgen, könnten (neben offensivem Leistungserschleichen) bereitgestellte Fahrräder o.ä. helfen, da in nächster Zeit leider kein Grund zur Annahme besteht, dass die DVB uns kostenlos „befördert“.

Weiterhin sollte die Info-Struktur verbessert werden. Wenn bspw. eine Veranstaltung kurzfristig verschoben wurde, wusste keine*r bescheid. Es bedarf einer Art Infopunkt (der natürlich auch besetzt sein muss) und/oder funktionierender/ständig aktualisierter Infowände.

Die Möglichkeiten und der Bedarf an „Sich-Beteiligen“ und „Sich-Einbringen“ wurden zu wenig beworben und genutzt. Selbstorganisation passiert nicht von selbst, sondern muss erlernt werden. Wie können wir uns und andere dazu ermuntern, über die vom Normalalltag aufgezwungene Konsument*innen-Haltung hinauszukommen? Wie ist es möglich, sich spontan in den Ablauf solch einer Woche einzubringen, in Form von Veranstaltungen, Übernahme von Aufgaben z.B. in der Presse-AG oder Kommunikation z.B. an Infowänden? Die Vorbereitung kann versuchen, dafür einen Rahmen zu schaffen – zu viel Vorbereitung, Planung und „Rahmensetzung“ wiederum macht das Ganze kalkulierbar, antiemanzipatorisch und weniger kreativ.

Und jetzt?

Grundsätzlich besteht bei einem großen Teil von uns der Wunsch, nochmals Libertäre Tage oder etwas Ähnliches mitzuorganisieren. Die Betonung liegt auf dem „mit-“, denn solch ein Projekt ist von einigen wenigen „Haupt“-Organisator*innen nicht stemmbar. Da letztes Jahr die Vorbereitung auf nicht genügend Schultern verteilt war, mussten viele Menschen feststellen, dass bei der Arbeit an der Veranstaltungswoche ihre sonstigen Aktivitäten stark litten bzw. auf der Strecke blieben. Eine breitere, verbindliche Beteiligung sorgt dafür, dass so ein Event weniger nach Arbeit (bäh!) aussieht und macht es zudem vielschichtiger und bunter.

Wir möchten daher alle Interessierten einladen mit uns über eine evtl. Neuauflage der Libertären Tage und das „Warum“ und „Wie“ diskutieren.


2 Antworten auf „Eingesendet: Diskussion zur Neuauflage der Libertären Tage Dresden“


  1. 1 schorsch 20. Februar 2011 um 2:43 Uhr

    och nee ni schon wieder. :(

  2. 2 wünschdirwas 21. Februar 2011 um 2:52 Uhr

    klingt ziemlich genial, und nach ner menge toller menschen und akltionen … wäre zu gerne dabei :)

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