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Text: Für unkommerzielle Freiräume in Dresden und überall!

Dieser Text wurde bei einer Scheinbesetzung in Dresden Plauen am 08.05. verteilt. Anschließend wurde er auf Indymedia veröffentlich und soll hier zur Diskussion gestellt werden.

Für unkommerzielle Freiräume in Dresden und überall!

Guten Tag, Mensch!
Wenn du dich überwinden musst, diesen Zettel in die Hand zu nehmen – zu lesen, weiterzulesen, wenn du satt und rund bist und eigentlich nichts mehr sehen und hören kannst und willst – lies nicht weiter, leg ihn wieder weg, geh nach haus, schlaf ein, um wieder aufzustehen, und schlafe abends wiederum ein, um irgendwann zu sterben. An alle anderen Menschen: Dieser Brief ist für euch!

Und um alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, dass dieses Schreiben Absichten zurückhält, um genau dasselbe Spiel zu spielen, das die meisten der Menschen zu willenlosen Zombies auf der Suche nach Schnäppchen macht – hier geht es um Freiheit.
Und: Wir sagen euch alles. Alles, was ihr wissen sollt. Wir hoffen, ihr könnt zuhören!

Nun gut, Freiheit.. hm.. das ist ein großer, schwerer Begriff, der viel zu oft für nicht freiheitliche Zwecke missbraucht wurde, die Beispiele dafür sind unzählbar. Für uns ist Freiheit ein kollektiver Begriff. Das heißt, Freiheit kann es nur geben, wenn alle frei sind.

Freiheit

Ein Mensch, der sein Wohlbefinden, seinen Besitz und alles, was er für sich als Freiheit definiert, auf dem Rücken von vielen, vielen anderen Menschen anhäuft und stützt, kann nicht wirklich frei sein. Das ist ganz klar, denn dafür, dass er für sich frei ist, sind Unzählige unfrei!
Ein Mensch, der sein Leben lebt, zur Arbeit geht, konsumiert und Urlaub macht, sagt, er ist frei. Er kann gehen, wohin er will, sagen, was er denkt. Doch würde er nach unten sehen, könnte er erkennen, wie viele nicht reisen können, obwohl es keine Mauer um das Land gibt, wie viele nicht essen können, was sie vielleicht gern würden, wie kann er sich frei fühlen?

Soweit das Brainstorming. Aber warum hast du diesen Zettel in der Hand, woher kommt er?

1000 Jahre

Nun wirst du sagen: Okay, das ist aber schon seit tausenden von Jahren so, was soll ich ändern?!?
Eigentlich ist es ganz einfach: Du und alle Menschen brauchen ein Bewusstsein dafür, ein Bewusstsein für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit und das nicht nur am eigenen Leib oder im eigenen Land, sondern global. Die Luft, die wir atmen und die zum Leben einfach unverzichtbar ist, kennt auch keine Länder und Sprachen, genauso wenig wie Wasser, Licht, Erde und all die Resultate des Zusammenwirkens dieser Elemente.

Und genauso wie all dies zusammenhängt, gibt es auch einen Zusammenhang zwischen unserem Wohlstand und dem Hungerleiden von Milliarden Menschen auf dieser Erde, der allzu gern und viel zu schnell ausgeblendet wird. Daran werden auch Fairtrade-Produkte bei Discounterketten wie Lidl nichts ändern.

Nein, wir müssen uns ändern, unser Bewusstsein erweitern, Mut entwickeln, für Gerechtigkeit einzustehen, und das auch für Menschen, die wir nicht unbedingt persönlich oder durch unseren Freundeskreis kennen.

Freiräume

Wir brauchen Freiräume, Bastionen, Rückzugsgebiete, um dies alles zu organisieren, voneinander zu lernen. Und das sollte nicht passieren, indem wir uns in Häuser einmieten, um wieder Taschen zu füllen von Menschen, die keine Skrupel haben, uns von der Straße zu prügeln, wenn ihnen der Sinn danach steht.

Nein, wir müssen in Häuser einbrechen, die verrotten und vergammeln, während Menschen ohne Bleibe auf der Straße wohnen oder andere ihr Leben darauf verwenden, jeden Monat ein paar Kröten zusammen zu kratzen, mit einem Job, den sie hassen, um in einem Loch von Wohnung zu wohnen, damit sie wenigstens ein Dach über dem Kopf haben.

Deswegen müssen Häuser besetzt werden – um Zustände zu ändern. Wir sind entschlossen und werden damit nicht aufhören, solange wir in einer Gesellschaft leben, in der es um das Wohlbefinden einer elitären Gruppe von Egozentrikern geht. Schüttel nicht mit dem Kopf und sag diese Zustände sind doch ewig her, das ist nicht wahr. Du siehst es einfach nicht mehr, du willst es nicht sehen, du willst einfach deine Ruhe haben, das Resultat ist der Zustand, den wir zum kotzen finden und bekämpfen wollen.

Verstehst du? Wir wollen nicht dein Auto, wir wollen nicht dein Geld, wir wollen unsere Freiheit UND verdammt nochmal auch deine!

Mut zur Utopie

Also stell dich zu uns, sag es deinen Freunden, deinen Kindern, deinen Eltern: Leere Häuser müssen bewohnt werden, Utopien gelebt werden. Sag nicht das klappt doch nie, als ob die Scheiße, die wir heute sehen, funktionieren würde. Diese Gesellschaft ist voll von Fehlern und die Lösungsvorschläge bürgen immer mehr Errors…

Du weißt das genauso wie wir. Was haben wir denn zu verlieren außer Angst? Angst ist alles, was uns jeden Morgen aus den Betten treibt. Denk darüber nach – wir zählen auf dich!

Auch, wenn sie es nicht vermuten: Wir sind die Guten!

Eine Gruppe von Menschen

Auswertung Nachttanzdemo

NTD

Gestern Abend fand die Nachttanzdemo des Libertären Netzwerk Dresden und des darin integrierten AK Freiraum statt.

Bereits um 21.30h waren mehrere hundert Menschen am Albertplatz, begannen zu tanzen, lasen Flyer, hörten einen Redebeitrag und freuten sich auf die bevorstehende Demonstration.

Gegen 22.30h ging es dann los. Zwei Wagen mit unterschiedlichen Soundsystemen sorgten für Musik und mensch zog mit mittlerweile über 500 Teilnehmer_innen laut und bunt zur Augustusbrücke, dann weiter Richtung Terrassenufer (Altstadt) und dann wieder zurück zum Albertplatz, wo gegen 0.30h nach einem weiteren Redebeitrag die Veranstaltung für beendet erklärt wurde.

Die Polizei war im Gegensatz zu der Demo sehr gereizt und stresste pausenlos (gerade hinter dem zweiten Wagen) wegen Glasflaschen und nicht Einhalten des genehmigten Weges auf nur einem Fahrbahnstreifen, auch urinieren in dunklen Ecken, Kreide malen, auf dem Bürger_innensteig gehen und Hunde schienen ihnen ein Dorn im Auge zu sein und sorgten für mehrere Diskussionen, Ausweiskontrollen und Rumschubsereien. Auch Nazis, die an am Terassenufer beschlossen hatten, ihre Flaschen möglichst schnell loszuwerden und sie auf die Demoteilnehmer_innen warfen, gehörten zu den wenigen negativen Seiten am Rande der Veranstaltung. Nach wiederholten Aufforderungen die Nazis zu entfernen, wurden sie von der Polizei (welche zur Eigensicherung erstmal Helme aufsetzte) abgeführt und Gerüchten nach kümmerten sich im Anschluss noch engagierte Antifaschist_innen um die Gestalten. Inwiefern es durch Flaschenwürfe zu Verletzungen kam ist uns leider nicht bekannt.

Im Zusammenhang mit negativen Aspekten der Veranstaltung möchten wir uns auch von der HipHop Crew „Stupidozid“ und ihren sexistischen Äußerungen distanzieren. Sie waren im Programm nicht vorgesehen, sondern traten spontan am Ende der Demo auf und es wurde von unserer Seite aus falsch und zu langsam gehandelt. Wir würden es begrüßen wenn sie sich in Zukunft nicht nur plump gegen Nazis aussprechen , sondern ihre sonstigen Texte und generellen Aussagen ein wenig mehr überdenken würden.

Unterm Strich werten wir die Demo jedoch als großen Erfolg. Es war eine kurze Mobilisierungszeit von etwa einer Woche und dazu kamen Veranstaltungen in Berlin und Chemnitz am selbigen Tag. Wir hoffen natürlich auch zu allen weiteren Veranstaltungen eine ähnliche Resonanz zu bekommen.

Vielen Dank an Alle die da waren!

Im Anhang findet ihr die Redebeiträge und den Flyer der auf der Demo verteilt wurde. Außerdem würden wir euch bitten das ihr euch meldet, falls ihr verletzt wurdet oder Konflikte mit der Polizei im Zuge der Demonstration hattet. Die Kontaktemail findet ihr unter:

anarchiadd@riseup.net

Eröffnungsredebeitrag

Gute Nacht Leute,
Wir feiern heute zusammen und haben eine weite Tanzfläche vor uns. Gemeinsam werden wir uns trauen den Elbstrom zu überqueren und einen Bogen durch die exquisite, barocke Altstadt tanzen, bevor wir hoffentlich glücklich, enthusiastisch und voller Tatendrang hierher zurückkehren.
Mit dem Feiern liegen wir ausnahmsweise sogar voll im Trend. Mensch feiert, bejubeltBundesrepublik, Grundgesetz, hope and change, Konjunkturpakete, die Schlacht vom Teuteburger Wald, die Menschenrechte, 25% bei Praktiker (außer auf Artikel mit Stecker) und weiß der Geier
was sonst… 2009 ist das Jahr der rauschenden Feste Jubiläen und Wahlen.

Auch wir wollen feiern, wollen tanzen auf unseren Straßen und Plätzen, wollen frei leben, wollen die Freiheit genießen. Aber wisst ihr was: Für uns gemeinsam gibt es keinen Grund zu feiern. Wir sollten uns heute lieber betrinken, was der öffentlichen Sicherheit zu Liebe jedoch auf der Demo verboten ist.

Warum will ich hier den Spaß verderben? Ich will es nicht, aber Vergessen – das will ich auch nicht. Ich fange mal im kleinen an:

Ein Bekannter sitzt sechs Monate in Frankreich in Haft. Er wurde nach dem NATO Gipfel, bei dem Protest kaum möglich war und auf dem sich das Militärbündnis als Zitat „größte Friedensbewegung„ der Geschichte feierte, in einem politischen Schnellverfahren verurteilt. Free Hans! Schreibt ihm und den anderen Gefangenen doch mal. Sie hätten heute sicher gerne mit getanzt!

Einem Freund von mir wurde Mittwoch die Wohnung durchsucht. Sie verdächtigen ihn die Bundeswehrkaserne abgefackelt zu haben. Frei nach dem Prinzip: „Holt mir die üblichen Verdächtigen!“

Aber schauen wir endlich auf Dinge, die uns alle angehen: Im Juni sind Stadtratswahlen und von allen Laternenmasten grinst uns die Dresdner Politprominenz entgegen. Stadtplanungs- und soziale Kompetenzen stehen hoch im Kurs. Natürlich schwärmen alle für Kitas und hassen „Steinwüsten“. Was das heißt wissen wir in der Neustadt und den umliegenden Vierteln sehr genau: Da dient eine Kita schon mal als Vorwand um eine BürgerInnenwiese mit Parkhaus und Nettomarkt zu zu betonieren. Da wird aus der Alaunstraße die „Neue Prager Landstraße“. Da wird Videoüberwacht, ob legal wie auf der Alaunstraße oder illegal und versteckt wie auf der Kamenzer. Europäische Finanzhilfen werden benutzt um Infrastruktur und Eigentumswohnungen in der Leipziger Vorstadt zu errichten. Die Neustadt war anders! Jetzt verlieren wir das Viertel Stück um Stück an die zahlungskräftigsten Investoren. Neustadt, Saufstadt statt Kulturstadt – aber natürlich bitte nicht auf der Straße.

Wenig zu feiern gibt’s zur Zeit in Dresden, Sachsen, der BRD, in Europa und auf der Welt. Eine Wirtschaftskrise, bei der nur einfällt mehr Staat zu fordern, aber nichts wesentliches angezweifelt werden soll, bei der Mal kurz gegen Finanzhaie gehetzt wird um dann zur ewigen Tagesordnung
überzugehen. Wo es sonst nichts zu feiern gibt, feiert die Gesellschaft sich eben selbst. Der Mythos vom friedlichen, fortschrittlichen Deutschland wird hoch gehalten und in diesem Zuge nun 60 Jahre Grundgesetz gefeiert. Wir dürfen zusammen mit jenen unsere Bürgerrechte bejubeln, die sie
gleichzeitig unterhöhlen. Das Grundgesetz sah ursprünglich kein Militär vor und keine Auslandseinsätze, es sah keine akustische Raumüberwachung vor, es gewährte einst ein Asylrecht.

Bald wird auch die Zensurfreiheit Vergangenheit sein. Was sollen wir mit Grundrechten, die im zweiten Satz wieder revidiert werden. Und diese verbliebenen Grundrechte, was scheren sie die Exekutivorgane dieses Staates? Jeder der sich mit der sozialen Sicherung, dem Gesundheitssystem,
den Ausländerbehörden oder der Polizei abzugeben hat, weiß das Theorie und Praxis im Land weit auseinander liegen. Die Würde des Menschen ist doch antastbar! Und wer sich umsieht und die wahren Demokraten sucht, die Menschen die hinter freiheitlichen Werten stehen, der findet meist überall bloß Profiteure dieses Systems oder solche, die sich dafür halten.

Trotz allem lassen wir uns den Spaß nicht nehmen, lassen uns nicht spalten und halten mit unseren Soundsystems Kurs gegen den Einheitsbrei und die Lügen. Auch wir wählen dieses Jahr. Wir wählen unsere Freiräume selber und lassen uns dort nicht vertreiben. Wir nehmen uns den Raum für unsere Partys und leben hierarchiefrei und respektvoll miteinander. In dieser Gesellschaft voller Leistungsdruck brauchen wir alle Freiräume um uns nicht zu verkaufen! Wir alle brauchen Freiräume um für einander da zu sein!

Mit ihrer Maschinerie vertrieben sie uns fast überall wie zuletzt auch in Erfurt. Aber der Kampf geht weiter! Ein Kampf gegen Strukturen, die Menschen unterwerfen. Wir stehen an der Seite all jener, die sich frei Entwickeln wollen und einen Ausweg suchen. Unsere Stimmen werden nicht
verstummen!

Freiräume werden erkämpft und nicht erbettelt.

Abschlussredebeitrag – Latte Macchiato für Alle!

Nicht erst seit heute wird die Forderung nach mehr Freiraum und unkommerzieller Kultur artikuliert. Bereits in der Vergangenheit gab es in Dresden diverse Aktionen zu diesem Thema, wie z. B. die Besetzung der Brachfläche Kamenzer Straße oder aber auch die Hausbesetzung auf der Hechtstraße 7 im März diesen Jahres. Zudem folgten noch andere Hausbesetzungen, Demos, Informationsveranstaltungen, Freiraumkino auf dem Neumarkt und diverse Kleinaktionen. Auch die heutige Demo steht unter dem Motto: „Mehr alternative Freiräume schaffen!“

Doch was ist damit gemeint? Was fordern wir genau?

Um das Konzept von sogenannten Freiräumen zu verstehen, ist eine tief greifende und umfassende Kritik an den herrschenden Zuständen notwendig. Diese werden wir heute allerdings nur kurz anschneiden können.
In Bezug auf Freiräume ist es wichtig, dass diese innerhalb der Kritik und der Suche nach Alternativen zum Status quo „nur“ Inseln darstellen können. Diese Inseln, sind jedoch wichtig um ansatzweise im solidarischen Miteinander leben und uns selbst und unsere Ideen immer wieder neu ausprobieren zu können. Dabei wird deutlich, dass sie trotzdem immer ein Teil des Systems selbst bleiben, da es derzeit noch nicht möglich ist, vollkommen unabhängig von bestehenden Strukturen und Normen zu leben. Somit ist ein solcher Freiraum nicht unser endgültiges Ziel, sondern nur ein Schritt auf dem langen Weg zu einer emanzipatorischen Gesellschaft.

Wir leben hier innerhalb der bestehenden Zustände, bezahlen Miete , gehen Shoppen, lohnarbeiten, leben vom Überfluss der Produktion und bilden damit eine Grundlage des Systems. Wir lassen uns ausbeuten und beuten tagtäglich selber aus, dabei werden wir alle auf Humankapital reduziert.

Somit ist dieses System keine Weltverschwörung einiger Weniger sondern funktioniert, weil wir es funktionieren lassen.
Wir können und wollen uns mit diesen unerträglichen Zuständen nicht mehr abfinden und versuchen deshalb immer mehr Alternativen zu schaffen, weiterzuentwickeln und Menschen die Möglichkeit zu geben, möglichst selbstbestimmt leben zu können.
Da die Herrschaftsstrukturen weder freiwillig ihre Macht abgeben werden, noch einfach aus unseren Denkmustern verschwinden, ist es immer wieder wichtig zu verdeutlichen, dass es etwas Anderes und unserer Meinung nach Besseres als diese Ideologie des herrschen und beherrscht werden gibt.

Sogenannte alternative Freiräume, in Form von selbstorganisierten Straßenfesten, Wohnprojekten, besetzen Häuser, Freepartys, Selbsthilfe Werkstätten, Umsonstläden, Nachbarschaftshilfe oder ähnliche möglichst unkommerzielle Projekte, können die Basis für die Infragestellung des derzeitigen insbesondere kapitalistischen Normalzustandes sein. Wir erträumen, brauchen, fordern und erkämpfen uns immer mehr solcher Freiräume; doch die Realität macht es uns immer schwerer. Besetze Flächen und Häuser werden brutal geräumt.

Stadtviertel, wie die als alternativ bezeichnete Neustadt, werden zu Kamera überwachten Wochenendpartymeilen umfunktioniert, in denen das nicht perfekt in ein sauberes Stadtbild passende Leben kriminalisiert wird. Dabei stellt das Kaufen von alkoholischen Getränken in Spätshops am Wochenende schon eine potenzielle Straftat dar und erhöhte Polizeipräsenz soll für Ruhe und Ordnung sorgen.
Diese Stadtumstrukturierung und sogenannte Aufwertung von Stadtvierteln ist kein Zufall und erst recht kein neuartiges unerklärbares Phänomen.

In kapitalistischen Raumnutzungskonzepten geht es darum, möglichst viel Kapital zu erwirtschaften, egal wer darunter leiden muss oder davon profitiert. Sogenannte Latte Macchiato schlürfende Yuppies mit dicken Autos sind eine Auswirkung dieser Konzepte, jedoch nicht die Ursache oder das eigentliche Problem. Sie sind ein Teil des Ganzen wie wir auch. Somit kann die blinde Skandalisierung der Auswirkungen nicht unser Ziel sein, zumal dieses unreflektierte Betrachten der Verhältnisse genügend Anknüpfungspunkte an neonazistisches und antisemitisches Verschwörungsdenken bietet.

Unsere Forderungen nach einem solidarischen Leben miteinander, die Schaffung von dauerhaften selbstverwalteten und unkommerziellen Räumen bleibt bestehen. Hier und heute wollen wir mit euch durch diese Nachttanzdemo auf unsere Forderungen aufmerksam machen und mit euch gemeinsam feiern.

Raven gegen die Gesamtscheisze!!!

Flyer – Freiräume ertanzen, Herrschaft abschütteln.

Falls du dich gerade wunderst, was die Musik, die Transparente und die Polizei, die an dir vorbeiziehen, eigentlich bedeuten sollen… Wir tanzen heute für alternative Freiräume, was wir darunter verstehen, soll an dieser Stelle kurz verdeutlicht werden.

Was ist bisher passiert?

Nach einer Flächenbesetzung auf der Kamenzer Straße und mehreren heimlichen und öffentlichen Hausbesetzungen in den letzten zwei Jahren kam es im März diesen Jahres zu einer weiteren Hausbesetzung im Hechtviertel. Die friedliche und bunte Einzugsfeier wurde jedoch noch in der selben Nacht mittels Hubschraubereinsatz, prügelnden Polizeibeamt_innen und Hunden brutal geräumt (4 Verletzte). Es folgten mehrere Demonstrationen, weitere Hausbesetzungen, ein Freiraumkino und vieles mehr. Auch unkommerzielle Partys in verlassenen Industrieanlagen werden seit Jahren von der Polizei aufgelöst und kriminalisiert. Doch was ist der Grund für die Aktionen?

Die Verhältnisse…

Das System von Kapitalismus und Demokratie scheint zu funktionieren. Dazu muss es jedoch Verlierer_innen und ständiges Wachstum geben. Der Gewinn der Einen kann immer nur zu Lasten von Anderen erzielt werden. Wir alle haben diese Philosophie verinnerlicht – wir alle wollen in irgendeiner Weise den Ton angeben, wollen besitzen und unseren sozialen Rang erhöhen, wir alle haben, mal mehr mal weniger, Existenzängste und Konkurrenzdenken. Überall, egal ob in den Medien, in der Schule, Ausbildung, Arbeit oder Daheim werden uns immer wieder dieselben (ungeschrieben) Gesetze eingehämmert und überall hören wir „Das war schon immer so!“ und „Da können wir eh nichts ändern!“

…zerreißen wie einen misslungenen Schnappschuss!

Es gibt jedoch auch Menschen, die keine Lust haben sich an dem ekelhaften System aus Machtausübung und Gehorsam, am ständigen Gegeneinander zu beteiligen. Wir sind der festen Überzeugung, dass ein produktives Zusammenleben auch miteinander und ohne Staaten, Chef_innen und Anführer_innen funktioneren kann. Was wir wollen, ist die Gesellschaft freier, wärmer und lebenswerter zu gestalten. Es geht darum die Freiheit der Anderen so zu achten und zu schätzen wie die eigene. Diese Lebensentwürfe umzusetzen ist jedoch schwer, da sie im Gegensatz zu den derzeitigen Verhältnissen stehen. Aus diesem Grund kämpfen wir um Räume, in denen wir uns selbst organisieren können.

Wir wollen, dass die Bewohner_innen eines Hauses zusammen und gleichberechtigt ihren Lebensraum gestalten. Jedoch geht es nicht nur um Wohnraum, sondern auch um kostenlose Projekt- und Arbeitsräume. Wir wollen der kapitalistischen Logik Orte abringen um uns selbst zu entwickeln und anderen Menschen Emanzipation (er)lebbar machen.

Es liegt in der Logik eines kapitalistischen Systems, dass auf die Interessen von ’strukturschwachen‘ Bevölkerungsteilen keine Rücksicht genommen werden kann, da sie nicht soviel Profit versprechen. Uns ist bewusst, dass es wichtig ist, dieses System in seiner Gesamtheit anzugreifen und nicht nur dessen Symptome. Unsere Feinde sind nicht die Menschen, die versuchen im Kapitalismus zurecht zu kommen, sondern der Kapitalismus selbst. Aus diesem Grund wollen wir Menschen ein anderes Leben zeigen und zum Ausbrechen bewegen. Ein organisiertes Zusammenleben auch ohne Geld, Herrschaft und ständige Konkurrenz ist möglich.

Die derzeitigen Herrschaftsverhältnisse sind nicht das Bestmögliche, die Spitze der gesellschaftlichen Entwicklung oder das Ende der Geschichte – darüber hinaus ist ein selbstbestimmtes, freies Leben und eine Organisierung von unten möglich.

Was geht dich das an?

Wir könnten hier nur mutmaßen inwieweit du von dem System aus gegenseitiger Herrschaft, Konkurrenz und Kommerzialisierung unserer
Bedürfnisse und zwischenmenschlichen Beziehungen betroffen bist. Vielleicht hast du ja auch Lust auf ein anderes Leben, willst vielleicht auch mit den Menschen auf Augenhöhe sein, die die Regeln des Zusammenlebens festlegen. Eventuell würdest du auch gern dein Haus gemeinsam mit netten Leuten gestalten, statt dich nach Feierabend anonym in eine viel zu teure Wohnung zurückzuziehen. Mag auch sein du hast über dein Verhältnis zur Arbeit, zum Wohnen und zu Menschen die dir sagen was du tun und lassen sollst auch noch nie nachgedacht, dann ist dies vielleicht ein Anstoß damit zu beginnen.

Veränderung starten!

Du hast Lust die hier beschriebenen Ideen zu unterstützen? Dann schließ dich doch erstmal unserer Nachttanzdemo an! Unser Kampf um Freiräume und eine bessere Welt geht natürlich auch nach dem heutigen Abend weiter. Informier dich über Freiräume, Herrschaftsfreiheit und andere Lebenskonzepte – komm auf die nächsten Aktionen oder such dir ein paar Freund_innen und organisier selber welche!

Wohlstand für alle statt Care-Pakete für Banken

Der folgende Text ist von der Seite der Anarchistischen Föderation Berlin geklaut. Er gibt einen guten Überblick über den derzeitigen Erkenntnisgewinn bezüglich der Finanzkrise und macht auf merkwürdige Tendenzen in der Argumentation von Gewerkschaften (wie ver.di, welche Akteure der fiktiven Finanzmärkte kürzlich mit Heuschrecken verglich und damit sehr an national-sozialistische Argumentationen anknüpft), NGOs wie Attac und Parteien wie der Linken aufmerksam. In der aktuellen Debatte werden vorschnell Banker, Manager usw. zu den Hauptschuldigen derzeitiger Zustände gemacht und der Hass auf den Kapitalismus wird zum Hass auf bestimmte Personen und Institutionen, ohne dem komplexen Gefüge von Kapital und Herrschaft und dem eigenen Mitwirken an beidem Rechnung zu tragen. Dies geht zum Teil so weit, dass eine gefährliche Nähe zum strukturellen Antisemitismus entsteht (siehe dazu Wikipedia). In jedem Fall ist eine solche politische Betrachtung allerdings verkürzt und mindert die politische Schlagkräftigkeit. Weil die Krise uns alle betrifft kann ich nur jede_n auffordern, sich über den folgenden Artikel hinaus mit der Thematik zu beschäftigen. Sehr gute Texte finden sich zum Beispiel in dem Magazin „Streifzüge“ welches im Infocafe (AZ Conni) als Leseexemplar vorhanden ist.

Wohlstand für alle statt Care-Pakete für Banken

In der globalen Wirtschaft krachts derzeit gewaltig. Banken gehen pleite und Aktienkurse sinken ins bodenlose nachdem der globale Finanzmarkt zusammengebrochen ist. Wer jetzt wie attac, Freiwirtschaftler und Linkspartei jedoch im Finanzkapital den Hauptakteur der Krise sieht, läuft dabei ins Leere und lenkt nur von dem eigentlichen Grundübel des Kapitalismus ab: der Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft. Da helfen auch kein Alternativgeld, keine Spekulationssteuer und das Schwadronieren gegen raffgierige Banker und Spekulanten. Vielmehr bietet die einseitige, auf den Finanzsektor begrenzte, Kritik am Kapitalismus eine offene Flanke für Antisemiten.

Die Ursache für die Krise ist grundsätzlich in der kapitalistischen Produktionsweise selbst begründet. Der Kapitalismus fußt auf dem Prinzip des Profits, in der Schaffung von Mehrwert. Also aus Geld mehr Geld zu machen. In der Regel geschieht dies über den Zwischenschritt der Produktion, den sich der Finanzsektor spart oder an dem er nur indirekt (durch Kredite, Aktienanteile etc.) beteiligt ist. Wer im Finanzkapital aber nun die Ursachen der Krise sieht, ist auf dem Holzweg. Vielmehr ist das Platzen der Finanzblase das Ergebnis der Krise des Kapitalismus selbst.

Nach dem Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit geht es seit vielen Jahren wieder bergab. Das Leistungsniveau erlebte zwar durch die „Industrielle Revolution” der Mikroelektronik einen rasanten Aufschwung, gelang aber auch bald an sein Limit. Durch die zusätzliche Rationalisierung von Arbeitskräften, durch deren Ausbeutung der meiste Profit erzeugt wird, schafft sich das System seine eigene Krise: Da sich an den Realmärkten keine ausreichenden Profite mehr erzielen ließen, wich das Kapital an die Finanzmärkte aus und floss u.a. in Kredite für Privatpersonen und Staatsanleihen. Immer mehr Menschen, Betriebe und Unternehmen lebten also auf Pump und die Kapitalakkumulation erfolgte durch Spekulationsgewinne und Zinskredite. Es war demnach alles nur eine Frage der Zeit, bis das Ende dieses Krisenaufschubs erreicht war.

Der Staat als “Steuermann des Kapitalismus” ist nun um Schadensbegrenzung bemüht und schleppt ein milliardenschweres Rettungspaket an. Dabei ist nicht abzusehen, ob die Krise dadurch abgefedert, oder durch eine immense Staatsverschuldung noch verschärft wird. Klar ist allerdings, wer die Suppe auslöffeln darf. Während sich die Kapitalisten schnell noch ein paar Millionen an Abfindung zukommen lassen, wird der Staat die Arbeitsbedingungen für die Erwerbsabhängigen noch mehr verschlechtern. Löhne werden noch mehr gedrückt und Arbeitszeiten verlängert. Die Privatisierung des öffentlichen Sektors wird weiter voranschreiten, Menschen in prekären Arbeitssituationen werden zunehmen oder als überflüssig erklärt und aus rassistischen und nationalistischen Gesichtspunkten ausgeschlossen werden. Der autoritäre und repressive Charakter des Staates wird, verstärkt durch die Krisenverwaltung, noch mehr zum Tragen kommen.

Es wäre also absurd, weiterhin an einem System festzuhalten, dessen oberstes Ziel in der Schaffung von Profit besteht und die Menschen und deren Bedürfnisse nur Mittel zum Zweck sind. Die Überwindung der Klassengegensätze und der Wohlstand für alle müssen daher unser Ziel sein.

Um dies zu erreichen, müssen wir aber eine Gesellschaft schaffen, jenseits von Warenproduktion, Lohnarbeit und Staat!

“Lasst uns also beginnen, dass wir unsere Bedürfnisse befriedigen fürs Leben, für Vergnügen, für Freiheit. Und wenn alle von diesem Glück genossen, werden wir ans Werk gehen, auch die letzten Reste der Bourgeoisherrschaft zu vernichten, ihre Moral, aus dem Kassenbuch gezogen, ihre Philosophie des Soll und Haben, ihre Institution von Mein und Dein. Und während wir vernichten, werden wir aufbauen. Aber wir werden auf neue Fundamente bauen, auf die Fundamente des Kommunismus und der Anarchie” (Pjotr A. Kropotkin, “Das Lohnsystem”)