Archiv der Kategorie 'Mikro-Philosophie'

Was ist Anarchia Dresden?

Aus gegebenem Anlass gibt es an dieser Stelle die Möglichkeit, Meinungen, Ideen und Perspektiven für dieses Blog auszutauschen.
Die Frage nach dem Sinn und Unsinn des Anarchia Kollektivs, steht ja schon seit längerer Zeit relativ unausgesprochen im Raum. Um auch die aktuelle weltpolitische Situation miteinzubeziehen, möchte ich mich hiermit noch einmal klar gegen Atomkraft und für aktives Eingreifen der Weltgemeinschaft aussprechen.
Vielen dank für Ihre Aufmerksamkeit.

[edit: 04.04.11
…die kommentarfunktion ist bewusst deaktiviert! welches arschloch mit adminrechten hier auch immer wieder die kommentarfunktion freigibt, dem_der sei nur so viel gesagt: ich lösche alle weiteren komments!]

Religionskritische Reihe im Café Négation von März bis Juni 2011

Das Gefühl des Ozeanischen- Das Opium des Volkes?

Gründe für die Kritik der Religion und die Ablehnung Gottes gibt es viele. Ideengeschichtlich kann dies unterschieden werden in Ablehnung aufgrund der Vernunft, der Natur, der leidenden Kreatur, des Menschen, des Lebens, der Mündigkeit oder der Freiheit. Die Beschäftigung mit Kritik der Religion wird notwendig durch ihre trotzige Allgegenwärtigkeit. ‘Wir sind Papst’ oder die unzähligen Werbeplakate in der Stadt Dresden, welche penetrant zur Nächstenliebe und der Aufnahme von erwarteten Anreisenden für den evangelischen Kirchentag im Juni aufrufen, sind nur wenige Beispiele. Auch die gerade stattfindende Ausstellung ‘Kraftwerk Religion’ im Dresdener Hygiene-Museum ist ein gutes Beispiel für die Aktualität des Glaubens. In jener wird neben marginaler Kritik vor allem eine Individualisierung des Glaubens beschworen durch Einzelinterviews, welche einen subjektiven Blick auf Glauben und Religion vermitteln.
Trotz der die Individuen befreienden Erkenntnisse der Aufklärung und offizieller Säkularisation in den meisten westlichen Nationen boomt der Glaube auf der Ganzen Welt, sei es in Form der großen Weltreligionen oder sei es in Gestalt von spirituellem Kitsch, Yoga oder Esoterik.
Wir wollen mit euch gemeinsam die Grundlagen für eine fundierte Religionskritik erarbeiten, und dies in verschiedenen Workshops, Vorträgen und Diskussionen realisieren.
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Gesine und der Kommunismus

„Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung. Auf jeden Fall wird es nicht den einen Weg geben, sondern sehr viele unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen. Viel zu lange stehen wir zusammen an Weggabelungen und streiten über den richtigen Weg, anstatt die verschiedensten Wege auszuprobieren.“

junge welt (03.01.2011)

Sehr probierfreudig gab sich Gesine Lötzsch, Vorsitzende im Bundestag für die Partei Die Linke, auf einer Konferenz der Rosa-Luxemburg-Konferenz, hinsichtlich der Perspektiven zur Überwindung des Kapitalismus.
Sie hatte das verbotene K-Wort ausgesprochen und damit heftigen Medienrummel ausgelöst. Nach Kritik von allen Seiten ruderte sie schließlich zurück und versicherte, dass sie mit Kommunismus eigentlich den demokratischen Sozialismus gemeint hatte. Die absurde Hetze wurde schließlich bei der Polit-Talkshow Anne Will unter dem Titel „Wirtschaftsboom und Jobwunder – wer träumt da noch vom Kommunismus?“ zur Realsatire im ARD. Lafontaine schwafelte von communis, traute sich aber nicht das verbotene Wort auszusprechen. Vielleicht auch besser so, da seine Vorstellungen vom Kommunismus sicherlich keine Bereicherung für einen Diskurs, der den Namen gar nicht verdient, gewesen wäre.
Man weiß nicht so recht, ob man lachen oder weinen soll, wenn die einzigen Reaktionen zum Stichwort Kommunismus, Stalin und Stasi lauten. Die Reaktionen von stalintreuen Gespenstern bei der diesjährigen Luxemburg-Liebknecht Demo jedoch, welche protestierende Opfer des Stalinismus verprügelt hatten, bereichern das Ganze schließlich mit einem ekelhaften Beigeschmack von ideologischer Menschenverachtung. Um nicht in die Falle der Verteidigung von Totalitarismus im Gewand des „Real existierenden Sozialismus“ zu tappen, bedarf es in der Linken einiges an Geschichtsaufarbeitung. Ein Verweis auf Bini Adamczak’s
Gestern Morgen
kann dabei vielleicht einen Einstieg bilden.

Sehr amüsant in diesem Zusammenhang ist aktuell allerdings folgendes: Der CDU-Ortsverband Lichtenberg-Mitte lud heute zu einer Kundgebung gegen den Kommunismus, an dem sich dutzende subversive Teilnehmer_innen beteiligten, um das Ganze etwas aufzulockern. Das Schild mit dem Spruch des Tages:

Kommunisten fressen kleine Kinder!

Der kommende Aufstand.

Im folgenden sollen einige Gedanken, die mir nach der Lektüre Der Kommende Aufstand im Kopf umherrschwirren, zur Diskussion gestellt werden.
Der recht kurze Text des sogenannten Unsichtbaren Komitee’s wird seit geraumer Zeit, nicht nur in linken Kreisen, sondern auch in der Mainstreampresse, bishin zu TV Sendungen in den USA, heftig diskutiert.
Inhaltlich ist das Werk jedoch nicht sonderlich gewinnbringend an politischen Analysen. Die Basis bildet eine versuchte, aber sehr verkürzte Darstellung des Status Quo, ausgegend von den Unruhen in den französichen Banlieues. Unterteilt in sieben Kapitel bzw. Kreise soll dies eine Einführung und Grundlage bieten. Das Ganze wirkte auf mich allerdings sehr zusammengewürfelt und chaotisch. Unter anderem wird konstatiert, dass in der Postmoderne kein klassisches Proletariat mehr vorhanden sei, da sich die Produktionsstruktur verändert hätte. Auch die Veränderung der städtischen Struktur, die Metropolisierung, wird besonders stark angeprangert. Die sehr dürftigen Gedanken zur Ökonomie, werden immerhin durch einige Seitenhiebe auf die Wirren ‚Anti-Wachstumsideen‘ von Organisationen wie ATTAC ergänzt. Eine tiefgreifende Kritik der politischen Ökonomie, die Kritik an der Proletarisierung der Menschheit oder eine radikale Wertkritik kommen an dieser Stelle eindeutig zu kurz. Ein stärkerer Bezug auf Marxsche Kapitalismuskritik hätte sicherlich nicht geschadet.
Eine äusserst kritisch zu hinterfragende These ist schließlich die, vom vermeintlichen Scheitern der Zivilisation. Dies sei eine Tatsache. Es solle sich des Kadavers der Zivilisation entledigt werden um anschließend eine neue Welt zu errichten.
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Wer ist eigentlich diese_r QUEER?

Kann ich queer sein? kannst du queer sein? kann überhaupt ein mensch seine identität mittels queer beschreiben, oder läuft das nicht vielmehr der idee der queer theory, sich viele identitäten zu schaffen, um diese letztendlich in der rauen menge zu dekonstruieren.
wenn ich gelichzeitig lesbe, jüdin, gärtnerin, mutter, mitbewohnerin, briefmarkensammelerin usw. bin, dann passe ich nicht in eine bipolare schublade von mann oder frau, schwarz oder weiß…

Der zwar sehr witzig gemachte Mobitrailer zum kompenhagener queerfilmfestival verfällt meiner meinung nach aber genau in solch eine rolle, eine queere identität aufmachen zu wollen. queer als lifestyle, als gruppenzugehörigkeit und erkennungsmerkmal.
Also wer oder was ist nun QUEER?

Cph Queerfestival film 2010 from Tine Alavi on Vimeo.

Fremder. Gastfreund. Feind

Ab dieser Woche arbeiten wir mit dem Magazin Streifzüge zusammen und stellen jeden Monat einen spannenden Artikel zur Diskussion. Der folgende Text ist der aktuellen Ausgabe zum Thema „Freundschaft“ entnommen. Diese und die nächsten Nummern der Monatsstreitschrift (zu den Themen Staat, Fremd, Gutes Leben) erhaltet ihr natürlich im Buchladen Koenig Kurt und als Leseexemplar im Infoladen.

Verstehen als Vernichtung des Anderen

Streifzüge 48/2010 / von Marianne Gronemeyer, Vortragsmanuskript Linz 2003, gekürzt

Ich beginne mit dem merkwürdig schillernden und in seiner Herkunft äußerst zwiespältigen deutschen Wort Gast. Vom Gast nehmen wir normalerweise an, dass er der gern gesehene ist, der, den wir geladen haben, auf den wir vorbereitet sind, dessen Erscheinen zu einem Fest wird. Aber dieser Gast fordert ja meine Gastfreundschaft nicht heraus. Die wird vielmehr erst auf die Probe gestellt, wenn der unliebsame Gast auf der Türschwelle steht und Einlass begehrt. Vielleicht bittet er nicht einmal darum, sondern ist nur einfach da und sein bloßer Anblick enthält die Aufforderung, ihm Einlass zu gewähren. Vielleicht empfinde ich ihn nur als störend, er beansprucht meine Zeit und meine Aufmerksamkeit, die ich anderen Dingen zuwenden wollte, er schafft mir Ungelegenheit, Unbequemlichkeit, unterbricht das gutgeordnete Ganze eines gewohnten Tageslaufs.

Womöglich macht er mir aber auch Angst. Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nichts von ihm. Vielleicht ist es ihm gar nicht um Gastfreundschaft zu tun. Vielleicht will er ganz anderes als ein Lager, eine Kerze und ein Stück Brot, jene Utensilien, die, wie Ivan Illich schreibt, einmal in jedem christlichen Haus bereitgehalten wurden für den unverhofften Ankömmling. Vielleicht hat er es auf mein ganzes Hab und Gut abgesehen und seine Bedürftigkeit ist eine betrügerische Verkleidung. Die vielen „Vielleichts“, Inbegriff der Unwägbarkeit, machen das ganze Unbehagen fühlbar.

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Vorträge vom AK Freiraum

Der AK Freiraum Dresden veranstaltet zwei sehens- und hörenwerte Vorträge:
Donnerstag in der Praxis.
1
Sonntags im Conni.
2

Du brauchst Gründe?

Warum ich gegen das System und die derzeitge Gesellschaftsordnung kämpfe? Das hatte für mich am Anfang eigentlich gar nichts mit hochgestochenen, politischen Fremdwörtern zu tun, auch wenn ich diese heute viel zu oft verwende. Es hatte anfangs nichts mit einer ausgearbeiteten Kritik an Herrschaft, der Situation von Asylsuchenden, der Auflösung der Bundeswehr oder einem der ganzen anderen Themen zu tun die in anarchistischen Schriften immer wieder behandelt werden. Die Grundmotivation, für mich als westlichen, männlichen Weißen, also einen potentiellen Gewinner des Systems war viel weniger abstrakt, war ganz menschlich und für jeden, der sich noch Emotionen zugesteht erlebbar;

Zu sehen wie Menschen, denen ich gerne Nahe wäre, denen ich Liebe schenken will nicht mehr dazu fähig sind anderen Personen, oder sich selbst zu vertrauen. Zu sehen wie diese Gesellschaft sie unfähig gemacht hat zu lieben, wie ihre emotionale Welt zu einem täglichen Horrorfilm verkommen ist und zu merken wie auch mein eigenes Leben sich zu einem verdammten Theaterstück mit falschen Schauspielern entwickelt hat, dass waren die Gründe die mich bewogen haben etwas zu tun.

Wenn Leute mir sagen, der Gegenstand meines politischen Kampfes sei für sie nicht erlebbar, sie kämen gut zurecht in Deutschland, könnten sich nicht beschweren dann sind sie vielleicht einfach nur nicht ehrlich zu sich selbst. Wer schleppt in diesem beschissenen Land denn bitte keine Neurosen, Komplexe usw. mit sich herum? Wer kann wirklich am Ende seiner Jugend sagen, dass er/sie sich sein freies Wesen behalten hat, dass er/sie frei lieben und/oder sich hingeben kann?

Von den Menschen mit denen ich zum Beispiel die Schule besucht habe, haben sich zwei Leute im Suff totgefahren, von mindestens 10 Menschen weiß ich, dass sie vergewaltigt wurden, die dazu gehörigen Vergewaltiger kommen natürlich auch aus den selben Reihen. Einige sitzen wegen Körperverletzung im Knast, andere haben schon jetzt Partner_innen von denen sie täglich verdroschen werden. Eine Freundin von mir wurde vor einer Woche fast von ihrem Ex um die Ecke gebracht. Wie viele von meinen alten Bekannten sich täglich zulaufen lassen oder sich ständig irgendwelchen drittklassigen Stoff reinziehen will ich gar nicht wissen.

Was mich aber viel mehr mitgenommen hat, als die ganze beschissene Realität der mich umgebenden Gesellschaft, war die Erfahrung, dass Menschen die sich einen warmen Kern behalten haben, nicht mehr dazu fähig sind zu lieben, sich fallen zu lassen und sich in irgendeiner Form bei einer Person wohl zu fühlen.

Und ich selbst? Bin kein Deut besser. Angst vor Nähe, Angst vor der Welt, vor anderen Menschen. Dank 5 Jahren Hölle in einer nazidurchtränkten Drecksschule irgendwo in Sachsen ist von meinem Selbstwertgefühl nicht viel übrig geblieben, obwohl ich jeden verfluchten Tag daran arbeite. Ich mag mich meistens nicht sonderlich, von einer Liebe zu mir kann ich auf keinen Fall reden. Doch wie will Mensch, mit einem Körper, einer Psyche, einer „Seele“ die mensch nicht mag anderen Menschen Liebe geben? Ich rede hier nicht von ner Beziehung oder nemm Team, dafür muss mensch sich nur an Regeln halten und die Dailysoaps nachspielen, dafür sind die ja schließlich da: Damit kaputte Menschen sehen können wie eine Beziehung auszusehen hat. Ich rede aber davon sich wirklich auf eine_n Andere_n einzulassen, sich fallen und die emotionalen Kanäle offen zu lassen. Wie soll das bitte gehen wenn mensch das nicht mal mit sich selbst vermag?

Jede beschissene Tat lebt, so lange es die Menschheit gibt. Was fernöstliche Philosophie als Karma bezeichnet ist doch letztendlich nichts anderes als das Prinzip von der sich selbst erhaltenden Energie einer Tat. Wenn ich dir etwas destruktives zufüge, wirst du anderen Menschen destruktives zufügen, wenn ich dir etwas bereicherndes, schönes gebe, dann hast du mehr Kraft ähnliches weiter zu geben.

Der Grund meines Kampfes ist also eigentlich völlig einfach, ich will dass die Menschen wieder gut zu einander sind, dass die Scheiße irgendwann aufhört diese Welt zu überfluten. Ich will einer Gesellschaft einen Platz bieten, in der Menschen wieder die Kraft finden können gut zueinander und zu sich selbst zu sein. Und ich denke das sollte auch immer das Hauptziel einer anarchistischen Bewegung sein, wenn sie die Welt wirklich radikal verändern will. Niemanden zu beherrschen oder Gewalt gegen ihn/sie auszuüben sind nur die Werkzeuge um dies zu ermöglichen und zu bewahren.

Samstagnachmittag

Ich möchte darauf hinweisen, dass dieser Text aus einem „szene-internen“ Blickwinkel heraus geschrieben ist, was Menschen die sich nicht innerhalb der selbigen bewegen etwas verwirren könnte, da einige Bilder sehr zugespitzt dargestellt sind. Ich möchte mich außerdem bei meinen Freund_innen dafür entschuldigen, dass ich es so selten schaffe auch die positiven Seiten unseres Alltags darzustellen.

Kippe rauchend sitze ich in meinem Zimmer und denke über die Gestaltung meines Lebens, meine Taten und meine Überzeugungen nach. Ja, auch solche Momente gibt es im Alltag eines „linken Extremisten“, der mit Nazis, die erneut Millionen von Menschen vergasen würden auf einer Stufe steht, zumindest wenn es nach den CDU-„Experten“ wie Herrn Dr. Jesse geht. Ich sitze da also in meinem schlecht beleuchteten, viel zu kleinen und bis zum Erbrechen zugestellten Zimmer, starre verloren an die niedrige Decke und lass meine Gedanken schweifen. Ich weiß ziemlich genau, wo ich hin will, was ich erreichen will und warum. Doch meine Träume scheitern so oft an der Traumlosigkeit anderer Menschen… Mir wird bewusst, wie tiefgreifend die Philosophie ist, die besagt, dass mensch zur eigenen Freiheit erst alle anderen Menschen befreien muss. Im Umkehrschluss bedeutet das letztlich nichts anderes, als dass ich, in jedem Moment wo ich mir meine Freiheit nehmen lasse, auch die Freiheit aller anderen bedrohe. Das ist dir zu abstrakt? Okay, ganz einfaches Beispiel: Wenn ich im Zug sitze und meine Fahrkarte kontrolliert wird und aus irgendeinem kuriosen Grund habe ich sogar eine dabei und zeige sie brav vor, bringe ich dann nicht alle in Gefahr die reisen wollen, auch ohne Geld für eine Fahrkarte? Wenn alle das Vorzeigen einer Fahrkarte verweigern würden, was wollte der/die Kontrolleur_in dann machen?

Dies ist nur einer von vielen gedanklichen Ausflügen an diesem Abend und die meisten enden ähnlich: ich bemerke wie sehr ich Teil meines eigenen Problems bin. In den Diskussionen am Nachmittag wurde wie immer viel über das Fehlverhalten von anderen Menschen erzählt. Es wurde zum Teil von Herrschenden, Bonzen, Yuppies und [beliebigen Sündenbock hier einsetzen] gesprochen, doch wo bleibt die Selbstreflexion, die Ehrlichkeit? Sicher die oben genannten Personengruppen tragen natürlich viel dazu bei, dass die Welt so ist, wie sie ist, Aber wie viel besser sind „wir“ (die mit den schicken schwarzen Klamotten, den coolen Phrasen und modischen A-Aufnähern) denn?

Kaufen wir ein? Ja, – aber natürlich nur bei dem kleinen Laden um die Ecke, da der natürlich der/die gute Kapitalist_in ist (vgl.- Springer, Demonstrant – gut/ böse). Brauchen wir Gruppenidentität? Natürlich nicht, aber Szeneklamotten, unverständliche, politische Fachbegriffe und die feste Überzeugung alles besser zu wissen und sowieso recht zu haben, sind für eine bessere Welt einfach unvermeidlich.

Naja, dann ist ja an sich alles super, wir haben es drauf und die ANDEREN (also der beschränkte Pöbel) muss es nur noch merken.

…Denkpause, muss nächste Kippe rollen…
*anzünd*
*zieh*
Ah, herrlich dieses unvergleichliche Aroma von American Spirit kommt aber nur richtig raus, wenn mensch dazu die dünnen von OCB benutzt. So, noch nen Schluck von der, aus irgendeinem Grund politisch korrekten, „Club Mate“ und dann geht’s weiter…

*rülps* So, weiter im gedanklichen Ausflug, umrahmt von der antikapitalistischen Tristesse meiner autonomen Abstellkammer. Wenn mensch mit verschiedenen Leuten Diskussionen über die Änderung der Gesellschaft und die Rolle, die eine „autonome“ „Bewegung“ darin inne hat, führt, dann wird mensch meist auf sehr ähnliche Standpunkte stoßen, die sich vereinfacht in 3 Gruppen zusammen fassen lassen. Da gibt es zum einen die, die in der Bewegung stecken und (fast) jeder Person, die nicht die kulturelle Grammatik (also die Szenecodes) selbiger befolgen die Fähigkeit und den Willen zur gesellschaftlichen Veränderung absprechen. In diesen Kreisen findet mensch dann auch am ehesten die oben beschriebene Unfähigkeit, bzw. den Unwillen die eigenen Widersprüche zu erkennen. Hier würde ich mich dann auch verorten, wenn gleich ich mich um Besserung bemühe. Ganz ehrlich!

Auch recht häufig kommt mensch mit Aussteiger_innen oder Leuten, die sich innerhalb der Szenedunstkreise bewegen in Kontakt. Von dieser Seite hört mensch dann oft sehr treffende und erbarmungslose Kritik, die meist mit der Konsequenz der politischen Lethargie gekoppelt ist. Die Mängel werden erkannt, auf Blogsport-Seiten, Indymedia-Kommentaren, in zufälligen Gesprächen, Diskussionsveranstaltungen oder Aushängen im örtlichen AZ, gerne sehr vulgär, dargelegt und zum Anlass genommen sich darüber hinaus gänzlich aus der aktiven Politik raus zu halten, weil die „Szene“ ja eh scheiße ist.

Schlussendlich gibt es dann noch eine nicht gerade geringe Zahl von Leuten, die sowieso keinen Funken Hoffnung auf irgendeine breite Verbesserung in dieser Welt hat und die jedem rät, den eigenen Arsch zu retten und zu erkennen, dass jegliche Aktivität darüber hinaus nur zu Lasten des Steuerzahlers geht und sowieso keine Erfolgsaussichten genießt.

Alle drei Stereotypen kotzen mich gleichermaßen an (auch wenn es darüber hinaus und dazwischen natürlich unzählig mehr Meinungen, Positionen und Macken gibt). Die einen machen Aktionen für die Szene und fürs Ego, ohne sich noch mit kritischem Blick von außen betrachten zu können, die anderen betrachten nur noch von außen, zu bequem oder resigniert, um aus ihren Einschätzungen und Schlussfolgerungen etwas Konstruktives erwachsen zu lassen. Letztere haben ihr geistiges und utopistisches Potential meist schon völlig über den Jordan geschickt, suchen höchstens nach Gründen, mit denen sie ihre Einstellung legitimieren können und gammeln mit Lohnarbeit und Glotze der Rente entgegen.

„Da kann mensch schon depressiv werden.“, denk ich mir und lege die dazu passende Musik ein: in diesem Fall „Deine Lakein“ mit Liedern wie „2nd Sun“.

Ich habe mir gerade eine Flasche Billigschnapps hoch geholt und will mich an einer Welle theatralischen Selbstmitleids berauschen, da stört von der Straße kommender Lärm das herrlich emotionale Klaviersolo. Ein Gruppe halbstarker, flaumbärtiger Jungs in trendigen Markenoutfits zieht vor meinem Fenster gröhlend über die Straße, markiert urinierend ihr Revier und macht einem, für sie wohl sehr attraktiv-erscheinenden, Mädchen lautstark und äußerst direkt die „Aufwartung“.

Meine Gedanken, dadurch jäh aus der melancholischen Grundstimmung gerissen, schlagen einen neuen Kurs ein. Nachdem ich die vorbeiziehenden Macker aus dem Fenster vollgepöbelt habe, denke ich darüber nach, dass es in der ganzen Debatte um die Neustadt eigentlich um viel mehr geht. Die Wut, die Empörung und die ganze Hetze gegen die bösen, die anderen ist nicht nur eine Frage des Kapitals.

Es ist eine Frage von Lebenseinstellungen; von den D.I.Y.-Punkern, abgedrehten Irren, antiautoritären Hippies, den Rolling Stones singenden Alkoholikern und den tausenden anderen unkonventionellen Gestalten zu saufenden Party-Prolls, Leuten, die nach einem harten Arbeitstag aus verständlichen Gründen einen ruhigen Feierabend haben möchten, Leuten die sich aus weniger verständlichen Gründen eine florierende Wirtschaft im Viertel wünschen, Menschen, die gerne Luxus genießen ohne mit den Anzug tragenden Zombies auf dem Weißen Hirsch zusammenzuwohnen und auf beiden „Seiten“ viel zu viele Leute, die sich darüber noch nie Gedanken gemacht haben.

Es ist also oft auch ein persönlicher und weniger ein gesellschaftliche Konflikt, in dem ein demolierter Mercedes schnell eine revolutionäre Tat und das Anzeigen von stillen Besetzer_innen schnell eine Maßnahme für die Sicherheit der Nachbar_innenschaft wird. Von allen Seiten blinken in Leuchtschrift Worte wie „verkürzt“, „Frontenbildung“ usw. auf.

Da stellt sich die berechtigte Frage: wo steh ich in diesem Krieg? Von Neutralität kann ich bei mir nicht sprechen, habe ich für die Macken der „Szene“ doch eindeutig mehr Verständnis als für die Macken der anderen. Trotzdem ist es doch so, dass uns weniger persönliche Differenzen zu Feinden machen, als die Spielregeln des Systems, die uns gegeneinander ausspielen. Während ich das schreiben unterbreche, um abzuaschen, bin ich der Meinung hier gerade eine große Erkenntnis abgetippt zu haben. Spinnen wir den Faden also mal weiter. Ich hoffe du bist noch nicht eingeschlafen. Die persönlichen Feindschaften gibt es ja trotzdem. Zum Teil sind die wirklich durch völlig entgegengesetzte und mit sich unvereinbare Ansichten begründet. In den meisten Fällen sieht es doch aber eher so aus, dass Personengruppe A, Personengruppe B nicht annähernd vermitteln kann, warum sie so denkt und lebt wie sie es nun mal macht. So versteht Anwohner_in A vermutlich nicht, warum ihre lang ersparte Karre vom Autonomen XY in einer Anti-Gentrifizierungsaktion abgefackelt wird. Genauso wenig versteht Punker_in D, warum Nachbar_in K bei einem Konzert gleich die Bullen holt, damit die Kids ab 22 Uhr pennen können.

Irgendwie scheint der Gedanke, es mal mit Kommunikation zu versuchen, sehr vielen Akteur_innen verloren gegangen zu sein. Es scheint viel leichter, immer die Unterschiede und das Störende im anderen Menschen zu sehen als das Liebenswerte oder die Gemeinsamkeiten.

So, und jetzt fragen wir uns beide mal, also ich als tippender und du als hoffentlich noch lesender Mensch, ob das nicht genau Teil der kapitalistischen Philosophie vom Existenzkampf gegeneinander und Ausdruck der dadurch atomisierten Gesellschaft ist, die immer kritisiert werden. Vielleicht ist das ja alles ein Ansatzpunkt mal wirklich was zu ändern. Einige sind dieser Meinung und auch wenn es ein langer Weg ist, vielleicht stellen sich die Monster, die wir immer bekämpfen, ja doch bei einem Blick über den Tellerrand als Menschen heraus und vielleicht sehen wir ja, bei einem ehrlichen Blick in den Spiegel, dass auch wir zum Teil Monster sind.

Gegen Gruppenidentitäten, dogmatische Ideologien und den ganzen anderen Scheiß, der uns zu Nazis macht!

Eingesendet: Latte Macchiato und Pfandflaschen

von DreadEye

Es ist Samstagabend und ich stehe am Fenster und überlege, ob ich mich noch mal aufraffen soll, um irgendwo hinzugehen. Wohin wüsste ich nicht. Einfach der Nase nach… Ich hab’ diesen Drang etwas zu unternehmen, etwas zu erleben…ich bin müde. Heute morgen früh aufgestanden. Hab ein bisschen für die Uni gelernt- irgendein sinnloses Grammatikzeugs, das kein normaler Mensch braucht, um zu leben. Bin dann heut Mittag für’n paar Minuten eingenickt und wenn ich jetzt meinen Hintern hoch kriege und die paar Schritte aus dem Haus in die Innenstadt mache, halt ich bestimmt die halbe Nacht durch, wenn nicht sogar bis zum Morgen. Der lässt an einem so schönen lauen Frühlingsabend dann so oder so nicht allzu lang auf sich warten. Und eh man sich versieht, hat man die Nacht dahingetanzt und steht morgens um sechs Uhr beim Sonntagsbäcker, um sich schnell noch vor dem Schlafengehen ein kleines Frühstück zu genehmigen.
Aber. Ja, hier kommt das lahme, unmotivierte und so gar nicht lebenslustige, ernste ABER:
Aber wenn ich rausgehe, die Nacht durchtanze, dann ist der Tag morgen auf jeden im Eimer und ich komme zu nix mehr. Ich muss aber definitiv noch was machen. Hab heute nicht so viel geschafft, wie ich eigentlich geplant hatte. Und ich hab’ noch ohne Ende Zeugs zu lesen und durchzuarbeiten. Ganz zu schweigen von den Essays und Referaten, die ich alle bis zum nächsten Monat fertig haben muss. Danach sind nämlich Prüfungen. Und dann noch Zwischenprüfungen. In letzter Zeit weiß ich vor Arbeit kaum noch, wo mir der Kopp steht. Es ist frustrierend ständig ins Leere zu arbeiten und zu lernen, ohne ein Ende zu sehen. Ohne den Hauch einer Vorstellung davon, wie es sein könnte, wenn man irgendwann auch mal fertig ist mit dem Studium. Wenn der Druck raus ist, es zu etwas bringen zu müssen. Wer zu sein. Auf die Frage ‚Was machst du?’ mit einem ‚Ich bin Lehrer.’ Antworten zu können. Und dann…
Was dann…? Soll’s das dann gewesen sein? Bloodclat! Das hört sich glatt wie ne ausgewachsene Mid-Life-Crises an. Dabei bin ich doch erst (oder doch schon?) fünfundzwanzig. Sollte man nicht in dem Alter oder überhaupt irgendwann einmal sinnlos durch die Welt ziehen? Das tun, was einem das kleine Teufelchen auf der Schulter zufällig grade ins Ohr flüstert? Nicht an ein Morgen denken…?
Ich drehe mir eine Zigarette, um mir eine Gedankenpause zu gönnen und blicke auf die Strasse herunter. Direkt auf der anderen Straßenseite haben sich vier Motorradpolizisten in schillernden Neonwesten mit der Aufschrift Verkehrspolizei auf das Straßengeländer gesetzt. Sehen aus wie Hühner auf der Stange, die auch nicht wirklich wissen, was sie da sollen, aber sich trotzdem einzureden versuchen, dass alles seinen Sinn hat.
Es juckt mir in den Fingern jetzt ein schön aussagekräftiges Lied aufzulegen und laut aufzudrehen, so dass die Herren auf der anderen Straßenseite sich mal kritisch-konstruktiv (und natürlich aus sicherer Entfernung- bin ja kein Held!) mit meinem Standpunkt auseinandersetzten können. Ich spliffe so vor mich hin und lass Alborosie’s „Policeman an Soldier fe stop pressure Natty Dreadlock“ laufen. Was für ein pubertärer Blödsinn! Als ob die das kratzen würde! Als ob die das mitschneiden würden- schließlich hänge ich meinen Hals ja drei Stockwerke über ihnen aus dem Fenster und dazwischen liegt noch ne vierspurige Strasse mit Bushaltestelle, an der die Herren sich anscheinend amüsiert den Abend um die Ohren schlagen wollen.
Ich geh’ mir selbst mit meiner Art auf’n Zeiger und mache den Männern ein Friedensangebot, indem ich „One Love“ von Marley auflege. Sind doch auch nur stinknormale Menschen, die ihren Job machen. Könnte mir gut vorstellen, dass die sich auch ne angenehmere Samstagabendbeschäftigung wünschen, als an der Alberstrasse rumzustehen. Aber warum stehen die da rum? Für ne simple Streife sind vier auf jeden Fall zu viele und um die Dynamo Fans aufzuhalten sind’s zu wenige, falls die sich entscheiden sollten nach dem Sieg ihrer Mannschaft mal wieder n bissel randalieren zu gehen. Also wat steh’n die da rum?!
Ich erinnere mich an den Abschnitt Grammatiktheorie, den ich heut’ Nachmittag gelesen hab. Ging um die sogenannte Frame-Script-Theorie Bedeutet etwa soviel, dass wir Sätze als zusammengehörigen Text erkennen, auch wenn keine Beziehungsanzeigenden syntaktischen Verknüpfungsmittel zwischen den Sätzen stehen. Wir werden durch gewisse Signalwörter oder allgemeiner durch Zeichen auf einen außer sprachlichen, realitätsbezogenen Sinnzusammenhang verwiesen. Diesen Sinn erschließen wir aus den semantischen Feldern der Begriffe oder Zeichen, die aus unserem Erfahrungsschatz ein bestimmtes Welt- oder Handlungswissen aktivieren. So können wir aus Sätzen, die augenscheinlich d.h. grammatisch nichts miteinander zu tun haben, einen Kontext bestimmen, der die Sätze auf einer tieferen Ebene verknüpft. Ergo sagen mir die vier Verkehrspolizisten, dass gleich etwas Größeres in Sicht kommen muss.
Wie um meinen Gedankengang zu bestätigen fahren mit einem Mal mindestens zehn Mannschaftswägen vor, aus denen eine knappe Hundertschaft in kompletter Einsatzmontur springt. Also passiert hier gleich wirklich was! Ich entschließe mich, es mir am Fenster gemütlich zu machen, um die Ereignisse zu verfolgen und hole mir ein Glas Wasser, dreh mir noch ne Zigarette (diesmal ohne pubertären Beigeschmack) und beobachte aus der Vogelperspektive, wie sich die Damen und Herren vom Einsatzkommando bei ihren Kollegen von der Hühnerstange einrichten. Ein paar lehnen sich locker gegen die Einsatzwägen und rauchen, andere stehen in Grüppchen zusammen und unterhalten sich. Wenn sie keine Uniformen tragen und nicht unbedingt wie bestellt und doch nicht abgeholt an der Strasse rumstehen würden, könnte man den Anblick für normal halten. Aber so…? So werd’ ich das Gefühl nicht los, dass hier heute noch wat vorbeikommen muss. Es fahren einige Kranken- und Feuerwehrwägen runter zur Altstadt. Vielleicht ne Dängelei…?
Mir fallen noch zwei weitere, größere Wägen auf, die direkt hinter der Ampel beim Fußgängerübergang zur Hauptstrasse geparkt sind. Die scheinen den Eingang zur Innenstadt dichtmachen zu wollen oder umgekehrt, etwas aufhalten, was sich in Richtung Neustadt bewegt. Alborosie, den ich mittlerweile wieder aufgelegt hab, erzählt mir davon, wie er nachts um neun durch die Strassen von Kingston läuft und ich schaue hoch zur Turmuhr der Dreikönigskirche: In Dresden ist es etwa viertel vor zehn- mitten in der blauen Stunde eines gediegenen Frühlingsabends. Doch unten auf der Alberstrasse am Jorge-Gomondai Platz versammeln sich die Anzeichen einer weitaus weniger gediegenen Nacht, während sich immer mehr Menschen bei den größeren Wägen stauen. Sie sehen aus wie Passanten, die vom Sportclub Grün-Weiß angehalten oder gewarnt werden nicht weiter zu gehen. Es werden immer mehr. Sie stehen einfach nur da. Warten.
Eine kleine Gruppe von Jugendlichen lässt die Menschenansammlung rechts liegen und läuft auf den Straßenbahnschienen Richtung Elbe. Ein oder zwei sind sogar so mutig mitten durch die Hundertschaft zu laufen. Das riecht nach Provokation. Fragt sich nur, wer zuerst die Nerven verliert. Ich schnappe mir meine Schreibmaschine und fange an, wie wild Wortfetzen auf das Papier zu hämmern. Und tatsächlich pöbeln die Jungs und Mädels die „Kackbullenschweine“ an, allerdings erst nachdem sie mitten durch die Einsatzleute hindurch und auf sicheren Abstand gegangen sind. Die jedoch lassen sich davon nicht wirklich anheben und funzeln nur ein bisschen mit ihrem Halogenstrahler hinter dem Grüppchen her, worauf die erst richtig aggro werden. Die Kids wirken, als ob sich durch alles provozieren lassen würden, schließlich gehen zwei sogar aufeinander los und müssen vom Rest der Gruppe auseinander gehalten werden. Es ist traurig, so viel überschüssige Energie in stumpfe Aggression und Destruktionspotential umgesetzt zu sehen in den Kids zu sehen, von denen keiner zu wissen scheint, wohin mit sich selbst und all den Emotionen. Der Anblick der Polizisten ist nur der Auslöser dafür, aber weder Ursache noch Ziel. Zumindest kommt es mir so vor. Schließlich bin ich kein Hirnklempner, der behaupten könnte, das läge alles an traumatischen Kindheitserlebnissen oder ähnlich fadenscheinige Begründungen für ein Verhalten, von dem man nicht sagen will, dass es Teil der menschliche Natur oder schlicht unerklärbar für unser Gesellschaftsbild ist. Ich frage mich, ob ich auch mal so gewirkt habe, ob ich auch mal so gewesen bin. Oder bin ich es immer noch, ohne es zu merken? Vielleicht hab ich nur mehr Erfahrung und kann meine Aggressionen besser oder zumindest anders kanalisieren, als mich mit einem Haufen gepanzerter Schlagstockschwinger anzulegen. Vielleicht bin ich auch nur feiger geworden, weil ich erlebt hab, was die können, wenn die wollen oder sich gezwungen fühlen, was manchmal für gewisse Herren das gleiche ist. Dennoch kann ich das Gefühl der Youths, dieselbe Unruhe in mir spüren, die die da unten antreibt. Es muss doch was passieren! Ganz egal was. Nur raus aus der zermürbenden Routine, die einen kontinuierlich auf ein unbestimmtes, den eigenen Vorstellungen und Wünschen fremdes Ziel zu treibt. Weg von dem Eindruck, dass man eigentlich ein ganz normales Leben in einer paranormalen Welt führt. Weg von der Bedeutungslosigkeit, die sich in der Suche nach dem vermeintlichen Sinn des Lebens verbirgt.
Plötzlich dröhnt Musik los. Kein bestimmter Sound. Nur etwas, was sich durch die total überlasteten Boxen als Aggro-Techno beschreiben lassen könnte. Von der Musik, wie von Licht angezogen, hat sich eine Traube von dreihundert oder vierhundert Menschen um die Wägen versammelt. Doch ne Demo? Aber wofür? Oder wogegen? Scheint ja gewissermaßen attraktiv für die freunde der Nacht zu sein, aber um diese Uhrzeit kann man doch nun wirklich nicht mehr damit rechnen die Aufmerksamkeit der schlummernden Massen zu erwecken.
Es ist kurz vor zehn. Wenn das eine unangemeldete Veranstaltung sein sollte, dass wird sie spätestens um zehn wegen Ruhestörung aufgelöst- aber dann hätte man doch schon früher eingegriffen. Schließlich standen hier schon die Beamten rum, als noch kein Demonstrant weit und breit in Sicht war. So scheint mir das Ganze trotz augenscheinlichen Widerspruchs einen Plan oder zumindest eine Absicht zu verfolgen. Ich höre verschwommen, wie sich jemand an die Menge wendet. Man versteht nicht wirklich was; zumindest aus diesem Hörwinkel. Alles verschwimmt in einem Geräuschbrei, während sich die Einsatzleute auf der Strasse in Stellung gehen. Sie bilden einen Trichter entlang der Fahrbahnmarkierung. Also wird es eine Demo. Oder zumindest wird es ein Marsch. Ob es eine Demo wird, kann ich im Moment nicht wirklich beurteilen: der Mann am Mikro erzählt zwar irgendwas, aber mehr als kontextlose Wörter kann ich kaum verstehen.
Freiheit! Die Menge jubelt. Ein Freund des Sprechers, dem irgendwas Schlimmes passiert sein muss. Gespanntes Raunen. Die Luft über der Menge schmeckt nach Adrenalin. Man wird anscheinend politisch; erwähnt Deutschland, Europa, die Alaunstrasse. Was wollen die? Eine Frauenstimme löst den ersten Sprecher ab. Sie ist etwas besser zu verstehen, als die aufgeheizt und aufheizende Stimme ihres Vorgängers. Sie sagt aber auch nicht viel mehr. Man will tanzen. Tanzend demonstrieren. Soll das hier ein Love-Parade Revival werden, oder was? Dafür seid ihr mal knapp zwanzig Jahre zu spät liebe Leute!
Es geht los. Die Masse setzt sich in Bewegung. Getanzt wird allerdings noch nicht. Die Menge biegt auf die Strasse ein, wo sie von der Exekutive des Landes Sachsen umringt werden, als wolle man sie abführen. Das die auch immer gleich so übertreiben müssen! Da stehen dreihundert Leute um einen Ghettoblaster auf vier Rädern und dafür braucht man, allen Ernstes, knapp hundert Polizisten?! Man könnte Steuergelder auch für unsinnigere Unternehmen, wie Schulsanierungen oder so ausgeben. Aber was soll’s- die müssen es ja wissen. Ist auch bestimmt ein gutes Training für den Obama Besuch in zwei Wochen. Schon mal das Einkesseln und Auflösen für den Ernstfall üben.
Die Kolonne steht jetzt direkt unter meinem Fenster und es sind schon ein paar echt bunte Gestalten da unten versammelt. Ich erkenne sogar die Sprüche auf einigen Pappschildern:
Tanzt Deutschland nieder! Oi! Oi! Oi! oder Gegen Repression und Bullengewalt! und Freiheit für die Gefangenen von Straßburg! Der Knilch am Mikro bittet die Menge, wohl auf Geheiß der Grün-Weißen, sämtliche Glasflaschen an den Straßenrand zu stellen. Solange müsse die Musik ausbleiben und der Zug dürfe nicht fortgesetzt werden. Auf dem ersten Wagen wird die Musik auch ausgemacht, aber die Technoheads vom hinteren Wagen haben es wohl nicht ganz mitgeschnitten: die johlen und zappeln fröhlich weiter zu ihrem DruffDruffDruff Sound. Ich vermute mal stark, dass von denen sowieso die wenigsten auf Bier abfahren. Derweil versucht es der „Moderator“ auf dem vorderen wagen mit Publikumsanimation. Er erinnert die Menge an einen Song namens „We will rock you!“ und versucht sich in einer mehr schlecht als rechten BeatBox Improvisation. Die Leute klatschen zwar den Takt mit, aber diese vier Wörter können sie trotz wiederholter Vorgabe kommen ihnen nicht über die Lippen. Vielleicht denken sie auch in diesem Moment an die Strophe:

Buddy you’re a young man, hard man, shouting in the street, gonna take on the world someday! Got blood on your face! Your big disgrace! Waving your banner all over the place!

Keiner singt. Die Revolution muss warten, bis alle „gewaltbereiten Autonomen” bereitwillig ihre Glasflaschen auf den Bürgersteig gestellt haben und nach ein paar Minuten stellt unser ‚Buddy’ fest, dass wohl alle Flaschen weg sein müssten. Kurz darauf setzt sich der Zug mit den Klängen einer Drum&Bass Version von Get up, stand up wieder in Bewegung. Sie ziehen los. Richtung Fluss. Ist das Freiheit?
Stille.
Abgesehen von den Flaschen und einigen noch glühenden Kippen erinnert nichts daran, dass hier vor zwei Minuten noch ein paar hundert Menschen waren. Glasflaschen und Kippen. Mehr Eindruck haben sie nicht hinterlassen. Und auch der wird von dem wieder anfahrenden Verkehr schnell verwischt. War’s das jetzt? Frage ich mich. Soll’s das gewesen sein? Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, warum ich vorhin meine Schreibmaschine ausgepackt und zu schreiben angefangen habe. Ich weiß nicht, was ich schreibe, als ich die ersten zusammenhängenden Sätze tippe.
Freiheit. Das Wort hallt in meinen Ohren nach wie ein Echo, spiegelt sich vor meinem geistigen Auge wie eine Fata Morgana; ein Phantom eines Gedankens, ein Geist ohne Gestalt, ohne Stimme. Unfassbar und unerreichbar. Ich halte inne, um mir eine Zigarette zu drehen. Vom Kirchturm gegenüber ertönt ein bronzener Glockenton. Elf Mal. Der Tag geht zur Neige, während das Dunkel der Nacht über das letzte Blau am westlichen Horizont hereinbricht. Ich sitze da und beobachte wie der bläuliche Rauch meiner Kippe in der Schwärze der Nacht über der verlassenen Strasse zerfließt. Kurz bevor er sich auflöst, scheint die Zeit still zu stehen und wie eine bizarre Skulptur im Raum zu verharren. Dann löst er sich auf und ich blicke gedankenverloren in die Tiefe der Nacht…
Plötzlich schälen sich schemenhafte Schwingen aus den Schatten; stürzen auf mich zu und mit einem Mal sitzt ein riesiger Vogel vor mir auf meiner Schreibmaschine!
„Wat glotzt’n so romatisch?“ krächzt er.
„Faszinierende Vorstellung…“ murmele ich mehr zu mir selbst, als ich mich frage, ob ich wache oder träume.
„Warum stellste dir die Frage erst jetz’?“
„Wer bist du und was machst du hier?“ frage ich den Vogel.
„Dat fragste mich?!“ schnaubt er. „Ich bin der Anfang und das Ende deiner Suche.“
„Dann sag mir, was Freiheit ist! Wie werde ich frei?“
„Heb mich hoch und halte mich aus dem Fenster, so dass ich wegfliegen kann.“
„Nein, geh’ noch nicht! Du sollst mir zuerst sagen, was Freiheit ist!“
„Kann ich nich’!“ schnarrt er.
„Kannst du es nicht oder willst du es nicht?“
„Wenn du’s so sehr wissen willst, warum findeste es nich’ selber raus? Hilf mir auf und spring mit mir aus dem Fenster!“
„Aber ich kann doch nicht fliegen wie du, schon vergessen? Ich bin ein Mensch, kein Vogel.“
„Darauf kommt’s doch ga’ nich’ an!“
„Doch! Genau das ist der entscheidende Punkt.“
„Dann kann ich’s dir nich’ erklären!“ quäkt er enttäuscht und macht einen Satz auf den Fenstersims.
„Ich hab es doch gewusst!“ rufe ich. „Du willst es mir überhaupt nicht sagen!“
Der Vogel breitet seine Flügel aus, neigt mir seinen gefiederten Kopf zu und mustert mich aus den unergründlichen Tiefen seiner gläsern spiegelnden Augen. „Wer will hier was?“ krächzt er und fliegt in die Finsternis hinaus…
Ich folge ihm mit meinen Blicken, bis er vom nächtlichen Horizont verschluckt wird. Die Kippe zwischen meinen Fingern ist verraucht und ich schnippe sie in hohem Bogen aus dem Fenster. Mein Blick fällt dabei auf die Strasse, wo ein alter Bekannter der Motorradpolizei sich wartend umsieht. Kommt die Parade etwa wieder zurück? Kaum habe ich das gedacht, da rücken auch schon die ersten Leute an und ich höre die Musik zu mir heraufschallen. Der Menschenstrom fließt unter meinem Fenster vorbei auf seinen Ausgangspunkt zu. Wie ein Fluss bewegt sich die Menge, jeder Mensch darin eine kleine Welle für sich die Masse voran treibend. Aus dem hinteren Wagen schäppert immer noch Aggro-Techno und im vorderen hat sich irgendein Möchtegern Gangsta-Revoluzzer-Rapper das Mikro gekrallt und grölt arhytmisch seine Schwachsinnstexte. Aber etwas ist geschehen; etwas ist anders als vorher: Wo zu Beginn ein gedrängtes und ineinander gezwungenes Chaos von Bewegung und Körpern war, hat sich nun der Rhythmus der Musik über die Demo gelegt; sie durchdrungen; zu einem Ganzen geeint. Wo Raver, Punks, Oi’s und andere Alternative gewesen sind, sehe ich nun die offenen Gesichter von Menschen, die, ekstatischen Traumwandlern gleich, ihre versunkenen Sinne auf das Ziel richten von dem aus sie losgegangen waren. Die Menge kommt zum Stillstand und die Turmuhr schlägt viertel nach zwölf.
Während es sich das schwer benötigte, aber noch schwerer gelangweilte Anti-Krisen Aufgebot der Ordnungshüter am Straßenrand bequem macht, hat die gesichtslose Stimme der NeoNada Revolution dem Kindergartenrapper das Mikro geklaut und setzt zu seiner Abschlussrede an.
Es wird zum Umdenken, zum Widerstand gegen das System aufgerufen. Raven gegen die Gesamtscheiße soll die Alternative sein, mit der man sich gegen die Unterdrückung des Kapitalismus zur Wehr setzen will. Zu lange sei man schon ausgebeutet worden; zu lange den Indoktrinationen der Konsumgesellschaft ausgeliefert gewesen; zu lange hätten sich die Latte Macchiato saufenden Yuppies in ihren dicken Karren für etwas Besseres gehalten. Deswegen wolle man sich jetzt Freiräume erkämpfen und zum Abschluss der gelungenen Demo, bei der sich doch so viele Leute eingefunden und den gerechten Kampf um die Freiheit unterstützt haben, Latte Macchiato an alle verteilen…
Derweil haben die Herren Ordnungshüter nach ausgiebigem Gähnen und Strecken ihre Videokameras eingepackt, die Feierabendzigarette geraucht und sich in freudiger Erwartung zur Heimfahrt in ihre Einsatzwägen gesetzt, nachdem der pseudoalternative Schreihals am Mikro die Nachttanz Demo „Temporärer Freiraum“ offiziell für beendet erklärt und die Leute nach Hause geschickt hat. Um viertel vor eins haben sich auch die meisten „Demonstranten“ verzogen und alle anderen mehr oder minder Beteiligten Akteure des Abends räumen ebenfalls das Feld. Eine halbe Stunde später liegt der Platz völlig verlassen da; lediglich eine Handvoll Leute sitzt im Kreis an dem Ort, wo das ganze Geschehen seinen Anfang nahm. Sie, der Müll und die alte Frau, die mit ihrem Fahrrad und vollgestopften Plastiktüten die Pfandflaschen einsammelt, die großzügigerweise für sie zurückgelassen wurden, zeugen noch davon, das hier eben noch Freiheit demonstriert wurde.

anarchie lied

Endlich mal an song für alle anarchist_innen. treffender kann mensch einfach nicht beschreiben was die träume, hoffnungen, ziele und theoretisch, philosophischen grundlagen des anarchismus sind..hörts euch einfach an :D

*edit: keine politik ist machbar-Oi!

Mein Widerstand heißt Lebendigkeit?

Wieder einmal habe ich 2 Tage und eine Nacht mit dem zocken irgendeines beknackten PC-Games verbracht. Zeitweise habe ich sogar – und das ist noch beknackter – einfach nur zugesehen wie mein Freund spielt.

Als ich dann heute Morgen bei den täglichen Erledigungen einen Himmel erblickte der in seiner Farbgebung die Möglichkeiten meiner Grafikkarte um Längen übertraf und ich die Sonne ebenso wie die eisige Winterluft in meinem Gesicht spürte, da war es wieder da: Das schlechte Gewissen einmal mehr Tage verschenkt zu haben, die einem später vielleicht unbezahlbar erscheinen werden.

Ihr kennt die Frage vielleicht, die ich mir heut zum hundertsten mal gestellt habe:“Wieviel Lebenszeit, wieviel Chancen schon auf diese Art und Weise verloren?“ Der Gedanke an die sinnlos hingeopferten Stunden, die betäubten Empfindungen, die Lieben die mensch in der Benebelung unbeachtet vorbeigehen lies würden wohl die meisten Menschen wahnsinnig machen. So ist es nicht verwunderlich das ein Großteil des menschlichen Tagesablaufes darauf ausgerichtet ist, die mahnenden Stimmen in ihrem Kopf zum schweigen zu bringen, sie zu unterdrücken oder sich von ihnen abzulenken.

Doch wenn wir allein mit uns sind, wenn keine zerstreuende Beschäftigung greifbar ist, dann kriechen sie schleichend und fressend in uns hoch – die düsteren, nagenden Gedanken über unser Leben und das „Was wäre wenn…“. Sie sind dann alle wieder da, die ungeachteten Minuten, Tage und Wochen unseres Lebens, die wir arrogant exekutierten für ein bequemes Überleben in der Maschinerie. All die Träume die erfroren sind, weil wir zuviel Angst hatten ihnen Leben einzuhauchen, sie kehren zurück und fragen uns mit fassungslosen, toten Augen nach dem „Warum?“.

Wir haben Angst vor dem Leben und versuchen es in kontollierte Bahnen zu lenken, uns angenehm zu benebeln bis wir unsere Existenz endlich hinter uns gebracht haben. Unsere Realitätsflucht ist allgegenwärtig, egal ob das PC-Game, der Joint oder das stumpfe Fernsehprogramm. Lieber ein angenehmes Dilirium als sich mit der Intensität der Realität auseinander zu setzen in der mensch nicht cheaten, umschalten oder sich auf einen anderen Film schieben kann.

Immer wenn ich mich mit einer der oben genannten Möglichkeiten, angenehm und unkompliziert meinen Lebenszeit rumzukriegen, konfrontiere fällt mir auf, dass ich damit die Sehnsucht nach Leben, Abenteuer und Leidenschaft zu lindern suche.

Denn ein Abenteuer ist es längst nicht mehr durchs Land zu ziehen, denn das Land ist zahm und so eng das es mir die Kehle zuschnürt. Eine Stadt sieht aus wie die andere und an den meisten Orten reden die meisten Menschen die meiste Zeit die gleiche Scheiße wie überall sonst. Abenteuer ist auch schon lang nicht mehr sich der Staatsmacht entgegen zu stellen. Auch hier immer wieder der selbe Mist, mal verlierst Du eben sofort und mal dauerts länger. Hast Du das Spielchen erstmal durchschaut geht Dir jede Spannung dabei verloren.

Auch die Leidenschaft wird hart auf die Probe gestellt, denn auch wenn in unseren Kreisen gerne von einem „miteinander und für einander“ gesprochen wird, so sind die Beziehungen der zusammen kämpfenden Menschen doch oft von Oberflächlichkeit, Misstrauen und der Angst vor Nähe gekennzeichnet. Die Leidenschaft stirbt ebenfalls, wenn das Gefühl für das persönlich richtige und die vom Herzen diktierte Richtung des Handels nichts mehr zählt und alles immer mit 5 Aufsätzen, Zitaten aus min. 10 Bücher und min. 3 Fremdwörtern pro Satz belegt werden muss. Nicht zu letzt stirbt unsere Leidenschaft wenn jedes Stück Lebensfreude, Kindlichkeit und gelebte Utopie in stundenlangen Wortgefechten gegen sogenannte „Professionalität“, Bündnispolitik und dergleichen Übeln mehr behauptet werden muss.

So flüchten auch wir -an sich lebensfrohen- Utopisten immer wieder in unsere Scheinwelten, konsumieren uns stumpf, schalten uns ab, ersticken unser schöpferisches Potential und fügen uns so der Maschinerie die wir bekämpfen wollen.

Warum aus unseren alltäglichen Fluchtversuchen nicht öfter eine Flucht nach vorn machen, hinein ins Leben? Keine konsumierende Flucht bei der es um die Betäubung geht, nein eine schaffende, die danach strebt sich selbst und die eigene Umwelt aktiv zu bereichern und zu gestalten.

Es muss nicht zwingend immer die Revolution sein, die wir mit unseren Taten auslösen. Viel würde es schon innerhalb und außerhalb der Szene bringen, die Leute von den Tüten, Tastaturen und Bildschirmen wegzubekommen. Wir müssen uns selbst und unseren Mitmenschen wieder Lust auf die aktive Gestaltung unserer/ ihrer Leben machen. Das ist die absolute Vorraussetzung für einen sozialen Umbruch in unserem Sinne. Du bist also gefragt: Wenn Du Dich das nächste mal wieder erwischst, wie Du gerade sinnlos Lebenszeit in den Restmüll kippen willst entscheide Dich anders, fahr zu einem/r Freund_in und rede stundenlang über Philosophie, geht baden in der Elbe, spielt Fußball auf der Prager Straße, geht wandern oder macht ein Lagerfeuer auf einer Freifläche. Fragt euch einfach mehrmals am Tag ob die Tätigkeit die ihr gerade ausführt euch und/ oder eure Umwelt bereichert – wenn die Antwort nein lautet, dann sucht euch ne andere Beschäftigung. Erklärt der Langeweile und der Abstumpfung den offenen Krieg, streut Chaos in die Welt und fangt an wirklich zu leben – das ist wahrer Nonkonformismus, das ist eine der radikalsten Arten der direkten Aktion!

„Mein Widerstand heißt Lebendigkeit!“ - Früchte des Zorns