Archiv der Kategorie 'Repression'

Extremismus – ist das Kunst oder kann das weg?

Ungeahnte Verknüpfungen zwischen einer Verfassungsschutz-Ausstellung, einer Hausfriedensbruch-Anklage und einer ultraextremen Ausstellung+Party… (HÄH?! – guckst auf „Was zuvor geschah“, s.u.)
Vom 15. bis 18. April fand in den Räumen des kukulida e.V. die extreMISTische Ausstellung des Libertären Netzwerks Dresden statt. Am Freitag, dem 15., wurde sie fulminant eröffnet. Hier ein Erfahrungsbericht einer begeisterten Besucherin der extreMISTischen Vernissage. Wenn ihr die Ausstellung doch verpasst habt, wird es in der nächsten Zeit noch Gelegenheit zum Nachholen geben (die Party war natürlich einzigartig und bleibt unwiederholbar) – die Extremismusausstellung geht auf Tour! Achtet auf entsprechende Ankündigungen. Wenn es wieder soweit ist, könnt ihr auch gern selbst Exponate mitbringen, noch mehr extremistische Gruppierungen aufdecken und damit die Ausstellung aktualisieren und bereichern. Bis dann!

Was zuvor geschah/Chronologie der Ereignisse:
Oktober 2010
Im Sächsischen Finanz- und Kultusministerium findet eine mehrwöchige Ausstellung des Verfassungsschutzes statt. Sie trägt den Titel: „Es betrifft Dich! Demokratie schützen – gegen Extremismus in Deutschland“. Einige Menschen beschließen, Kritik zu üben, indem sie vermummt und als „Extremist*innen“ verkleidet die Ausstellung besuchen. Außerdem haben sie vor, sich als Live-Exponate neben die ausgestellten Schaufensterpuppen (mit „typischer Kleidung“ von Links- und Rechtsextremist*innen) zu stellen und Besucher*innen über die Zwecke dieser Ausstellung und der Extremismustheorie sowie über die Verleumdungs-Kampagne der Bundes- und der Sächsischen Landesregierung zu informieren. Sie werden des Hauses verwiesen, die Polizei wird eingeschaltet, Personalienkontrolle, Durchsuchung, Vorwurf des gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches
April 2011:
Leute im Libertären Netzwerk Dresden konzipieren eine Ausstellung und organisieren eine extreMISTische Party (Bericht siehe unten). Die dabei gesammelten Spenden sollen unter anderem die Prozesskosten decken
Mai 2011:
Prozess wegen Hausfriedensbruch-Vorwurf wird am ersten Prozesstag gegen Auflagen eingestellt. Es ist also noch einiges an Kohle übrig, das in die weitere Antirepressionsarbeit (betr. Razzien, §129-Verfahren,…) fließen wird!

Solidaritätsdemonstration für die Betroffenen von Repression und staatlicher Gewalt

Donnerstag, 21.04.2011, 18.00 Uhr Jorge Gomondai Platz

Obwohl Neonazis letztes Jahr unzählige Brandanschläge gegen jüdische und linke Einrichtungen, Orte alternativer Lebensweisen als auch Wohn- und Geschäftsräume von Migrant*innen verübten, hat der neue sächsische LKA-Chef dem sogenannten „Linksextremismus“ den Kampf angesagt. Dass dabei der grundlegende Unterschied von humanistischen und freiheitlichen Idealen, hin zu einer rassistischen, autoritären Ideologie verwischt wird, ist dabei kein Zufall. Der neue LKA-Chef ist gleichzeitig ein ranghohes CDU-Mitglied und verfolgt damit die Parteilinie die schon seit Monaten bemüht ist, angesichts von Krise und Kürzungen, die sozial schwachen und mittelständischen Schichten im konservativen Lager zu halten. In der Öffentlichkeit wird dabei medial das Bild von linken Gewalttäter*innen geschürt, welche autoritären Staatssystemen nacheifern oder blanke Willkür durchsetzen wollen. Mit den Hausdurchsuchungen am 19.02. und am 12.04. diesen Jahres sollen sozial und politisch engagierte Menschen eingeschüchtert werden. Dabei werden einzelne Funde hochstilisiert. Der Selbstschutz von Opfern rechter Gewalt wird als Grund zur Kriminalisierung verkehrt.

So werden die jüngsten Razzien laut Medien unter anderem mit der Behauptung begründet, dass Neonazis nach einem Angriff auf ein linkes Hausprojekt 2010 später bei einer erneuten Annäherung attackiert wurden. Die Polizei in Sachsen hat mit ihrer einseitigen Fürsorge klare politische Stellung bezogen. Dies zeigen nicht nur die Konstruktionen einer kriminellen Vereinigung im antifaschistischen Spektrum und die halbherzigen Ermittlungen hinsichtlich mehrerer Nazianschläge, sondern auch die Untätigkeit der Polizei beim Angriff auf das Wohnprojekt „Praxis“ durch 250 Nazis im Februar. Diesen wurde wenig später auch noch der problemlose Abzug ohne Polizeikontrollen ermöglicht.

http://repressiondresden.blogsport.de/

Was ist Anarchia Dresden?

Aus gegebenem Anlass gibt es an dieser Stelle die Möglichkeit, Meinungen, Ideen und Perspektiven für dieses Blog auszutauschen.
Die Frage nach dem Sinn und Unsinn des Anarchia Kollektivs, steht ja schon seit längerer Zeit relativ unausgesprochen im Raum. Um auch die aktuelle weltpolitische Situation miteinzubeziehen, möchte ich mich hiermit noch einmal klar gegen Atomkraft und für aktives Eingreifen der Weltgemeinschaft aussprechen.
Vielen dank für Ihre Aufmerksamkeit.

[edit: 04.04.11
…die kommentarfunktion ist bewusst deaktiviert! welches arschloch mit adminrechten hier auch immer wieder die kommentarfunktion freigibt, dem_der sei nur so viel gesagt: ich lösche alle weiteren komments!]

OAT am 3.März

3. Infoveranstaltung zum Repressions-Prozess gegen Jan zwei Jahre nach den Protesten gegen den Nato-Gipfel in Strasbourg
Infos: http://breakout.blogsport.de

Nach den Protesten in Strasbourg saß Jan – bis er vom Berufungsgericht in Colmar freigesprochen wurde – 4 Monate im Knast. Die französische Oberstaatsanwaltschaft erhob dagegen Revision und nun drohen ihm weitere drei Jahre Haft ohne Bewährung.

Nächsten Donnerstag 20:00 wird es eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema geben.

Eingesendet: Demotraining für den 13. Februar

Demotraining am 30. Januar, 15 Uhr im AZ Conni, Rudolf-Leonhard-Str.39

Veranstaltet von Rote Hilfe Dresden.

Wie verhalte ich mich auf Demonstrationen und Blockaden?
Was nehme ich mit, was bleibt besser zu Hause?

Desweiteren gibt es Infos zu Rechtshilfe, Bezugsgruppen und das Verhörtraining!

Kopenhagener Gericht erklärt Massenverhaftungen während COP15 für illegal

Pressemitteilung des Climate Collective vom 16. Dezember 2010

Das Kopenhagener Stadtgericht entschied heute, dass die gesamten Massenverhaftungen während des Kopenhagener Klimagipfels 2009 illegal waren und die Polizei 9000 dänische Kronen Schadensersatz an die Protestierenden zahlen muss, die bislang Beschwerde eingereicht haben. Das Urteil erklärt alle präventiven Festnahmen vom 11. bis zum 16. Dezember 2009 für illegal. Das Handeln der Polizei im Rahmen der COP15 wird damit vom Gericht nicht akzeptiert. (mehr…)

Eingesendet: Solikonzert am 17.12.

Freitag 17.12. 21:00 Uhr, AZ Conni (Rudolf-Leonhard-Str. 33):

    RUINS (HC Dark Crust, Bielefeld)
    SOLDATESKA DRESDEN (HC Punk, Dresden)

Prozesskosten-Soli für Antifa Aktivisten aus Tschechien!

Eingesendet: 2 Vorträge zum Thema Polizeigewalt am 14.12.

Veranstaltet von der Roten Hilfe Dresden.

Am Dienstag 14.12. 20:00 Uhr findet im AZ Conni (Rudolf-Leonhard-Str. 39) eine Veranstaltung zu Polizeigewalt statt:

    1. Silvester 2008 wird Dennis in seinem Auto sitzend von einem Zivilbeamten mit 8 Schüssen getötet.
    2. 2004 wird ein Demonstrant in Wurzen bei einer Antifa Demo von einem Beamten mit seinem Tonfa schwer verletzt.

Wie Dienstags immer gibts auch die Sprechstunde der Roten Hilfe und die VoKü!

Internationaler Aktivist in Grossbritannien als Polizist enttarnt

Quelle: A-Infos

Eine paar kurze Notizen Ãber diesen Fall: Am 21.10. wurde in Grossbritannien ein langjähriger Aktivist als Polizist enttarnt. Er hat auch auÃerhalb des UK viele Kontakte zu radikalen Bewegungen gehabt, unter anderem nach Berlin. Es handelt sich um Mark „Stone“, auch „Flash“ genannt. Sein richtiger Name ist Mark Kennedy. Er war nach eigenen Angaben von 2000 bis Ende 2009 als Polizist tätig und gleichzeitig als Aktivist stark aktiv. Auch vor dem Jahr 2000 war er bei der britischen Polizei tätig, deshalb handelt es sich bei ihm nicht um einen üblichen „Informanten“ oder angeworbenen „Spitzel“, sondern um einen Polizisten in Reinnatur.
(mehr…)

Eingesendet: „Künstler und Verbrecher sind Weggefährten…“

„…Beide verfügen über eine verrückte Kreativität, beide sind ohne Moral, nur getrieben von der Kraft der Freiheit.“
- joseph beuys

ich war samstag im knast. theater gucken.
in der jva zeithain, 60 km nordwestlich von dresden, bei riesa.
in der ankündigung hieß es:

„NACHT EINSCHLUSS – Bewegungstheater frei nach „Göttliche Komödie“, Künstlerische Leitung: Jacqueline Hamann, Alexej Merkushev. Mit dieser Theaterproduktion begeben sich 12 Gefangene frei nach Dantes Visionen auf ihre Reise durch die Hölle. Erzählen Phantasien, aber auch erlebte Wirklichkeiten.“


durch gefangene realisiertes kunstprojekt an einer alten restmauer mit fliesen

der abend war… beeindruckend. zuerst die ankunft: wir durften keine handys, keine waffen, drogen usw. mit reinnehmen, klar. mussten unsere persos abgegeben (außerdem war eine vorherige telefonische namentliche anmeldung pflicht gewesen), bekamen dafür eine besucher*innenkarte. wir mussten aber nicht durch die überall aufgestellten metalldetektoren, womit uns schon mal mehr vertrauen zuteil wurde als z.b. angehörigen, die insassen besuchen wollen. dann mussten wir auf den schließ-menschen warten, der die vielen türen jeweils vor uns auf- und direkt hinter uns wieder zuschloss. leichte beklemmungen angesichts des von hohen zäunen durchzogenen hofes. verschlossene türen. erträglich, solange mensch weiß, in zwei stunden wieder gehen zu können.
(mehr…)

Nie wieder Justus!

Dem umstrittenen Bahamas Autor Jussuf Wertmullah, bekannt durch Artikel wie Infantile Inquisition
oder auch seine aktuellen Anmerkungen zum Thema Definitionsmacht wurde ein Vortrag im Leipziger Conne Island untersagt. Die AG No tears for krauts hat dazu einen pointiert polemischen Text veröffentlicht, welcher eine Perspektive auf diese Debatte liefert.
Was davon zu halten ist, ist euch überlassen.

Nicht untersagt wurde allerdings der Bini Adamczak Vortrag:
Mittwoch, 17.11.2010, Einlass: 19:30 Uhr
Von der Revolution der Geschlechterordnung zum Mütterchen Russland

im Rahmen der INEX Reihe: Das Ende des Kommunismus.

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Was die Streitigkeiten in Leipzig noch für Früchte tragen, darf gespannt abgewartet werden.

Große Flammen und Saalverweisungen

In der aktuellen Jungle World ist eine gute Zusammenfassung über die aktuellen Dresdner Zustände zu finden. Deutlich wird, wie hegemonial in einigen Stadtteilen die Nazis agieren können. Die Polizei verschleppt seit Jahr und Tag rechtsstaatliche Ermittlungen gegenüber rechtsradikalen Übergriffe.
Wie aus einer aktuellen Meldung des Dresden Fernsehen bekannt, kam es heute zu einer Protestaktion im Rathaus. Auf den Alternativen Dresden News gibt es dazu auch etwas ausführlichere Informationen. Die Protestierenden hatten mittels Flugblättern und Transparent auf die zurückliegenden Brandanschläge aufmerksam gemacht und das Stadtklima skandalisiert, nachdem zuletzt auch in der Sächsischen Zeitung ein Artikel erschienen war, der die Gefahr „linksextremistischer“ Gewalttataen besonders hervorgehoben hatte.
Die Reaktion auf den antifaschistischen Protest waren dann Stress mit Rathaus Sicherheitspersonal und anschließende Polizeikontrollen.

Engesendet: Critical Mass Aktion fordert endlich wieder alternative Freiräume in Gera

Auf einmal bewegte sich am Samstag ein Tross von 30 radelnden Leuten durch die Innenstadt. Sie fordern neue alternative Freiräume, die in Gera seit Jahren fehlen. Dahinter steht eine Kritik an Konsumzwang, der die Freizeit dominiert, an Ordnungswahn in den Köpfen und an Polizeischikanen gegen Jugendliche, die sich den öffentlichen Raum zum Leben zurückholen wollen.

Alles das ist mit dafür verantwortlich, dass sich in dieser Stadt, viele Menschen nicht verwirklichen können. Anstelle von Solidarität stehen Vereinzelung und Rückzug ins Private. Das Anliegen der Critical Mass ist daher die Schaffung eines selbstverwalteten Zentrums für Politik, Kultur und Spaß, dass es trotz zunehmenden Leerstands immer noch nicht gibt. Darin wollen wir mit vielen anderen Leuten alternativ zum Mainstream unsere Freizeit gestalten, Leben bereichern und Kritik diskutieren. Und das alles solidarisch und ausprobierend nach unseren Bedürfnissen.

Um dieser Botschaft Gehör zu verschaffen, wurde sich der öffentliche Raum mit einer Critical Mass als Protestform für ein paar Stunden symbolisch zurückgeholt. Vom Theater radelten die TeilnehmerInnen über die Sommerbadstraße in den Stadtwald, wo an den immer wieder von der Polizei heimgesuchten Dirt Bike Strecken Redebeiträge gehalten wurden. Nachdem diese viel Applaus erhielten, fuhr die Gruppe Richtung Gera-Arcaden, wo mehrere Umrundungen eines Kreisverkehrs und Parolen für Aufmerksamkeit sorgten. Die Reaktion in den länger werdenden Autoschlangen reichten von Lachen, Winken und Hupen bis zum Versuch in die Fahrräder hineinzufahren.

Trotzdem war die Stimmung auf dem weiteren Weg über die Heinrichstraße zurück zum Theater entspannt und fröhlich. Die Situation eskalierte erst Richtung Berliner Straße.

Auf der Eselsbrücke rasten unvermittelt etwa zehn Einsatzfahrzeuge der Thüringer Bereitschaftspolizei, die augenscheinlich von einer gerade beendeten Neonazikundgebung in Gera-Lusan kamen, auf die Critical Mass zu. Dabei nahmen diese billigend in Kauf Personen zu überfahren. Ohne den Dialog zu suchen, prallten aufspringende Autotüren gegen TeilnehmerInnen, Polizisten verteilten vollkommen überzogen Tritte und Schläge und versprühten zudem Pfefferspray. Auch die Rufe, eine Spontandemonstration anmelden zu wollen, wurden ignoriert. Schließlich wurde ein ganzer Stadtteil abgeriegelt, DemonstrantInnen durch die Straßen gejagt und zu Boden gerissen, wobei die Polizisten mit vollem Gewicht auf eine Person einsprangen, eine andere direkt ins Gesicht schlugen und Fahrräder demolierten. Weitere TeilnehmerInnen erlitten Prellungen und Stauchungen.

Insgesamt wurden drei Menschen festgenommen und erst in der Nacht wieder freigelassen. Außerdem kam es zu mehreren Ingewahrsamnahmen, schikanösen Personalienkontrollen und Identitätsfeststellunge. Ironischer Weise bestätigt das Geschehene genau das Anliegen und die Kritik der Critical Mass. Die unerwarteten Polizeiübergriffe haben diejenigen getroffen, die gegen Schikanen protestieren und alternative Freiräume fordern. Ein zuvor nicht angemeldeter Protest rechtfertigt inkeinem Fall eine solche Brutalität. Zumal ist eine Critical Mass eine Protestform des zivilen Ungehorsams und somit in weiten Teilen der Bevölkerung legitim. Die Reaktion der Polizei zeigt wieder einmal das Nulltoleranzprinzip, mit dem in Thüringen alternative Projekte im Keim erstickt werden sollen. Ob besetzte Häuser in Erfurt oder Dirt Bike Strecken in Gera, die Konsequenz sind Räumung, Verdrängung und Repression.

Die Geschehnisse vom Samstag werden ein Nachspiel haben. Wir werden dafür eintreten, dass die Polizeiübergriffe auf uns und die Forderungen nach alternativen Freiräumen in Gera auf die politische Tagesordnung kommen. Denn eines ist klar: wir werden dies nicht einfach hinnehmen. Unser Dank und unsere Solidarität gilt allen MitstreiterInnen, die an der Aktion teilgenommen haben, verletzt oder festgenommen wurden.

Erklärung anarchistischer Zusammenhänge aus GR zum 5.5. 2010

Quelle: Indymedia

Von sechs anarchistischen Zusammenhängen gemeinsam verfasster Text zu den Geschehnissen am 5. Mai 2010

Zum Streik vom 5. Mai, der erstmalig in solcher Stärke erlebten Demonstration, zu den langdauernden ununterbrochenen Versuchen, das Parlament zu besetzen, zu den umfangreichen Konfrontationen, zum tragischen Tod dreier Menschen durch Rauchvergiftung…
5. Mai 2010. Die größte Demonstration seit Ende der Militärdiktatur war angetreten, um sich mit dem größten Programm der politischen und ökonomischen einheimischen wie übernationalen Herrschenden zur gesellschaftlichen Plünderung und Versklavung zu messen. Und dieser gesellschaftliche Strom von 150 bis 200 Tausend Demonstranten war auf der Straße, um seine Wut ins Parlament zu tragen. „Alle zum Syntagmaplatz“, „Umzingelung-Isolation-Besetzung des Parlaments“. Die Versuche gingen über mehr als 2 Stunden, wieder und wieder, trotz der Züge der Sondereinheiten, des Tränengases, der Schockgranaten, der mörderischen Angriffe durch die motorisierten DELTA-Einheiten. Die Parole „Es brenne, es brenne der Puff das Parlament“, erschütterten die Atmosphäre. Die am Syntagmaplatz ankommenden Blöcke, die nach kurzer Zeit von den Chemikalien eingedeckt gezwungen wurden, weiter zu ziehen, schlugen etwas weiter unten eine Kurve und kehrten zurück, während gleichzeitig neue Demoblöcke ebenfalls am Parlament ankamen. Menschen jeden Alters auf der Straße, Lohnbezieher und Arbeitslose, aus dem öffentlichen Sektor und der privaten Wirtschaft, Einheimische und Migranten. Die Konfrontationen mit den Repressionskräften langanhaltend und ausgedehnt. Das politische System und seine Institutionen am Tiefstpunkt der gesellschaftlichen Akzeptanz.

5. Mai 2010, kurz nach 15:00 Uhr, und die Information beginnt zu zirkulieren, dass es „wohl Tote wegen eines Feuers in der Filiale der Marfin-Bank in der Stadiou Strasse gibt“. Anfangs kann das niemand glauben und vielen kommt die Idee in den Sinn, dass es sich dabei um einen Desinformationstrick des Systems handelt, um die Menge von den Straßen abzuziehen. Letztendlich aber stimmt die Information. Die Menge erstarrt, die Gesichter werden dunkel, die Wut und die Kraft verfliegen, die Demoblocks beginnen sich aufzulösen. Chrisohoidis („Minister für Bürgerschutz“, Anm. d. Üb.) spricht von einer Säuberung der Stadt von den Demonstranten, eine spezielle Form von Ausgangssperre verhängend, die Repressionskräfte kriegen Mut und Anweisungen für einen umfassenden Gegenangriff, die Szenerie wechselt innerhalb kurzer Zeit. Es folgen Polizeigewahrsamnahmen in Massen, von auf den zentralen Straßen Athens bis zu in den Cafes in Exarcheia, Demonstranten und Einwohner werden verprügelt, es gibt Verletzte aus Angriffen der motorisierten DELTA-Einheiten. Der Streik der Journalisten wird für die Koordination der Massenmanipulationsmedien in der angeblasenen Jagd auf den „inneren Feind“ aufgehoben. Das besetzte Haus „Raum der Geeinten Vielfältigen Anarchistischen Aktion“, in der Zaimi Straße in Exarcheia bekommt Polizeibesuch und wird unter Einsatz von Tränengas, Schockgranaten und Schüssen im Inneren des Gebäudes geräumt. Das Zentrum für Migranten in der Tsamadou Straße, ebenfalls in Exarcheia erlebt einen Polizeiangriff mit weitreichenden Zerstörungen. In beiden Fällen werden die Polizeioperationen von DELTA-Einheiten durchgeführt, die als uniformierte Banden losstürmen. Klar, dass es eine Fortsetzung gibt. Derartige Chancen werden nicht ungenutzt gelassen. Der Plan der Herrschenden, der für die gesamte Periode seit dem Aufstand vom Dezember auf die Kriminalisierung der anarchistischen und autonomen Szene sowie jedes unbevormundeten Widerstandsherdes gegen die staatliche und kapitalistische Barbarei zielt, hat den notwendigen Vorwand für eine qualitative und quantitative, propagandistische und operative Aufwertung.

In all diesen Tage schmerzt der tragische Tod von Angeliki Papathanasopoulou, Paraskevi Zoulia und Epameinodas Tsakalis in unseren Herzen und unserem Bewusstsein. Denn ihr Verlust ist unser Schmerz und nicht der jeder Art selbsternannter Gedenkender. So lächerlich es aber ist, wenn die vom Schlag Chrisohoidis von „skrupellosen Mördern“ reden, während sie gleichzeitig dem Schutz der Plünderung von Millionen Leben durch die Zentralen der Herrschenden vorstehen, jeder Bulle gleichzeitig seinen Schlagstock auf die Köpfe der Demonstranten niedersausen lässt, jeder Journalist gleichzeitig systematisch an der Manipulation, der Überlistung und der Verdunkelung von Bewusstsein arbeitet, so gegeben auch die Verantwortung eines jeden Vgenopoulos (Direktor der Marfin Bank, Anm. d. Üb.) ist, der mit der Drohung von Entlassung die Angestellten zwang, eingeschlossen ein menschliches Schutzschild in einer Bank zu bilden, vor der die Streikdemonstration vorbeiziehen würde, so beschwert die Verantwortung für den Tod der drei Angestellten durch Rauchvergiftung unweigerlich diejenigen, die das Gebäude in Brand setzten, ohne vorher auszuschließen, dass sich Menschen darin befinden. Tragische Gedankenlosigkeit? Oder noch schlimmer, Zynismus, Ergebnis einer elitären und antigesellschaftlichen „Auffassung“, die nur sich selbst anerkennt, rundweg alles außer sich selbst hasst und sich selbst mittels des Konsums aggressiver Praktiken „bestätigt“, ohne sich um die Inhalte und die Dialektik der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu kümmern?
In den Kämpfen der Straße, dort, wo sich die Angriffslust all derjenigen manifestiert, die nicht in gesellschaftlichen Konsens und Parteidisziplin integrierbar sind, ist es ein selbstverständlicher Grundsatz, dass Gebäude-Symbole niemals dem Feuer übergeben werden, bevor nicht sichergestellt wurde, dass keine Menschen darin sind. Darüber hinaus, genau weil die Anarchisten und Autonomen wissen, dass die Bosse wahrscheinlich keinerlei Schutzmaßnahmen für die Arbeitenden getroffen haben, bildet für sie diese Kenntnis den Grund für den Verzicht auf eine mögliche Aktion und nicht ein Alibi. Wer immer hinter dieses Minimum zurückfällt, trägt die volle Verantwortung für sein Handeln, die volle Verantwortung für die unveränderte Reproduktion dieser verkommenen Welt. Und die härteste Rechenschaft wird nicht vor den lächerlichen Richtertischen der bürgerlichen Heuchelei und „Justiz“ abgelegt, sondern vor der Geschichte der Kämpfe für die Freiheit.

Wir haben nie gelernt, in Begriffen wie „schlechter Zeitpunkt“ oder gar „Kolateralschaden“ zu sprechen. Dies sind Alibis des herrschenden Gesindels um seine tägliche mörderische Praxis zu legitimieren. Mit diesem Ethos, mit dieser Haltung gehen wir seit all diesen Jahren auf die Straße und so werden wir auch weitermachen. Unermüdlich, kollektiv und kämpferisch mit unserem Widerstand, dem Ungehorsam und dem Bruch, der Autonomie, der Ablehnung jeder Herrschaft, der Gleichwertigkeit, der Gemeinschaft, der gegenseitigen Hilfe und der Solidarität als Leitfaden. In den Vierteln, den Arbeits- und Bildungsstätten, den selbstverwalteten Zentren und Squats, den Bewegungen zur Gegeninformation und den gesellschaftlichen Interventionen, den Demonstrationen und den Konfrontationen, auf den Barrikaden des täglichen Lebens und der gesellschaftlichen Rebellion.
Trotz der Krokodilstränen all derjenigen, die die weitreichendste gesellschaftliche Plünderung durch den kapitalistischen Apparat ausarbeiten, die tiefste gesellschaftliche Versklavung durch den staatlichen Zwang und die Polizeibesatzungsarmee, trotz der auf der Bühne eingesetzten Verunglimpfung zur Legitimierung der Aggressivität der Repressionsmechanismen hinter den Kulissen, und bei der gegebenen Präsenz zehntausender Menschen auf den Straßen geht der Kampf gegen die Diktate der Herrschenden, der Kampf für gesellschaftliche und individuelle Befreiung weiter. Wir sehen uns auf der Straße…

11. Mai 2010

Initiative von Anarchisten in Aigaleo (Stadtteil von Athen, Anm. d. Üb.)
Anarchisten – Anarchistinnen aus Piräus
Thersitis (Raum für Umtriebe & Umstürze) – Ilion (Stadtteil von Athen, Anm. d. Üb.)
Resalto (selbstverwalteter Raum der Solidarität und des Bruchs) – Keratsini (Stadtteil von Piräus, Anm. d. Üb.)
Anarchistinnen/en aus den westlichen Wohnvierteln Athens und Piräus
Versammlung Aufständischer von Perama, Keratsini, Nikaia, Korydallos, Piräus (Gemeinden in und nahe bei Piräus, Anm. d. Üb.)

L44 in Finsterwalde steht vor dem Bagger

Abriss des Alternativen Treffpunks L44 in Finsterwalde
l44
Die L44 ist ein linker Treffpunkt in Finsterwalde. Jeder war und ist dort willkommen viele haben dort Unterschlupf bekommen oder nette Partys mit gefeiert. Wo auch gerne Menschen aus anderen Städten zu Besuch kommen. Die L44, vielleicht sogar bei euch bekannt gibt es jetzt seit 2004. Nun ist der Tag gekommen der Mietvertrag der bis September eigentlich noch geht, wird nicht verlängert. Das Haus wurde verkauft an jemanden und der Käufer wird nicht öffentlich gemacht. Es wurde bis jetzt auch nur ein Ersatz Haus zur Verfügung gestellt was aber nur eine kurzfristige Lösung wär, weil dies auch bald wegen einer Umgehungsstraße abgerissen wird. Der neue Besitzer der Leipziger Straße 44 hat gestern begonnen das Seitenhaus abzureißen. Heute ist uns zu Ohren gekommen das alles bis Anfang Juni raus soll, weil sie dann das Haupthaus auch abreißen wollen und unser Mietvertrag geht noch bis September, diesen umgehen sie einfach. Es ist wieder ein Freiraum mehr der uns weg genommen wird. Es gibt in Finsterwalde noch ein ehemaliges Besetztes Haus in dem immer noch eine Linke WG drinnen wohnt diese werden auch gebeten sich nach etwas anderem umzusehen da auch dieses Haus renoviert werden soll. Auf dem Platz der L44 soll ein schönes neues Designerhaus errichtet werden und dafür muss ein schönes Ziegelsteinhaus weichen. Es werden die zwei letzten Freiräume in Finsterwalde genommen und wir müssen dafür kämpfen dass diese erhalten bleiben!

one struggle one fight Leipzigerstraße 44 bleibt!

von indymedia